mini|Dieter Stein (2014) Dieter Stein (* 15. Juni 1967 in Ingolstadt) ist ein deutscher Publizist und Chefredakteur. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Wochenzeitung Junge Freiheit und ihrer angeschlossenen Projekte („JF-TV“, „JF-Buchdienst“, „Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung“, „Bibliothek des Konservatismus“, „Gerhard-Löwenthal-Preis“). Er gilt als Vertreter der Neuen Rechten.Thomas Pfeiffer: . S. 63.Steffen Kailitz: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. VS-Verlag, 2004, S. 86.
Leben und Wirken Herkunft und Studium Dieter Stein wurde 1967 als Sohn des Berufsoffiziers (Oberstleutnant) und Militärhistorikers Hans-Peter Stein (1937–1994) in Ingolstadt geboren. Der Vater war laut Aussage seines Sohnes zeitweilig SPD-Mitglied. Steins Schwester ist die baden-württembergische GEW-Landesvorsitzende und Freiburger Ex-Grünen-Politikerin Monika Stein (* 1970), die sich 2026 erfolglos um das Oberbürgermeisteramt bewarb.
Stein wuchs in Bayern und Baden-Württemberg auf und besuchte zuletzt das Kolleg St. Sebastian in Stegen.Christian Fuchs, Paul Middelhoff: Das Netzwerk der Neuen Rechten. Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern. Rowohlt, Hamburg 2019 (3. Aufl.), S. 60 Im Juli 1988 trat er beim Panzeraufklärungsbataillon 3 in Lüneburg seinen Wehrdienst an. Ab 1989 war er Student der Politik- und Geschichtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Dort wurde er Mitglied der Deutschen Hochschulgilde Balmung (Mitglied in der Deutschen Gildenschaft), einer bündischen Studentenverbindung. Sein Studium brach Stein 1993 zu Gunsten seines Zeitschriftprojektes ab.
Parteipolitische Aktivitäten und frühe Publizistik Seine parteipolitische Tätigkeit begann Stein in der Jugendorganisation der CDU, der Jungen Union (JU), 1984 trat er den Republikanern (REP) bei. Als sich 1985 mit einer Abspaltung von den Republikanern die Freiheitliche Volkspartei (FVP) unter Führung von Franz Handlos bildete, wollte er die Zeitung der Jugendorganisation gestalten.Gaby Mahlberg: „Junge Freiheit“: Ein Besuch im „ideologischen Mutterschiff“ des Rechtspopulismus. www.welt.de, 31. März 2017 Zu dieser Zeit war Stein Abiturient. Laut dem Sozialwissenschaftler Thomas Pfeiffer verließ er die Partei 1987 wieder und wandte sich erneut den in dieser Zeit erfolgreichen REP zu, knüpfte aber zudem Kontakte zum „etablierten Konservatismus und neonazistischen Spektrum“.Thomas Pfeiffer, „Medien einer neuen sozialen Bewegung von rechts“, Dissertation Universität Bochum, 2000, S. 187 Online einsehbar. Seine Darstellung, Stein habe seinerzeit „Kontakte zu Neonazis gepflegt“, stützte Pfeiffer auf den Umstand, dass neben Stein auch Autoren wie Steffen Hupka oder Michael Krämer Beiträge für die Freie Umschau verfasst hatten. Von November 1986 bis November 1987 wurde Stein im Impressum der rechtsextremen Zeitschrift Freie Umschau als freier Mitarbeiter geführt. Deren Herausgeber stammten aus dem Umfeld der 1982 gegründeten und 1983 aufgelösten Deutschen Arbeiter Jugend (DAJ). Im Oktober 1989 wurde Stein zum Vorsitzenden der Ortsgruppe des Republikanischen Hochschulverbandes (RHV) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gewählt. Laut Stefan Kubon verließ Stein 1990 die Republikaner und ist seitdem parteilos.Stefan Kubon: Die bundesdeutsche Zeitung „Junge Freiheit“ und das Erbe der „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Eine Untersuchung zur Erfassung der Kontinuität „konservativ-revolutionärer“ politischer Ideen. Dissertation 2005. Ergon 2006, S. 47. Gemäß den Autoren Christian Fuchs und Paul Middelhoff ist Stein bei der Alternative für Deutschland in einer „Mitgliederliste“ als „Förderer“ registriert („mit der Nummer 10815“).Christian Fuchs, Paul Middelhoff, Das Netzwerk der Neuen Rechten, Rowohlt 2019, S. 63
Junge Freiheit 1986 gründete Stein in Freiburg im Breisgau als Schüler die Zeitung Junge Freiheit, deren Chefredakteur er seither ist. 1990 gründete er die Junge Freiheit Verlag GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er seitdem ist. Mit der Gründung der JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG wurde die 1990 gegründete GmbH Komplementärin und in JUNGE FREIHEIT Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH umbenannt. Dieter Stein hält 73 Prozent Anteile an dieser Komplementärin.Frank Böckelmann: Wem gehören die Zeitungen? Die Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse der Tages- und Wochenzeitungsverlage in Deutschland, S. 404. Ende 2014 trat an die Stelle der alten Komplementärin die JUNGE FREIHEIT Entwicklungs-GmbH, an der Dieter Stein 100 % der Anteile hält.https://www.unternehmensregister.de/ureg/ Die Junge Freiheit erschien als Wochenzeitung ab 1994 in Potsdam, seit 1996 erscheint sie in Berlin. Sie blieb nach dem 1. August 1999 bei der deutschen Rechtschreibung des 20. Jahrhunderts.Im Impressum der JF heißt es seit dem 20. August 1999: „Die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT hält sich an die traditionelle deutsche Rechtschreibung, wie sie bis zum 1. August 1999 gültig war.“ Nach eigener langjähriger Verortung als rechtskonservativ und nach dem Junge-Freiheit-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) zur rechtswidrigen Erwähnung in den Berichten des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen von 1994 bis 2005 unter der Rubrik „Rechtsextremismus“ bezeichnete Stein die Junge Freiheit in einem Interview des Jahres 2006 nunmehr als „liberal-konservatives“ Medium. In einer 2007 veröffentlichten Pressemitteilung der Jungen Freiheit (JF) distanzierte sich Stein von der Wochenzeitung Zur Zeit (mit der die JF bis dahin kooperierte) wegen Kontakten des Zur Zeit-Herausgebers Andreas Mölzer zur NPD und bezeichnete die NPD als „politischen Gegner“. (abgerufen am 1. September 2010) Diese Aussage, getätigt bei einem Vortrag Steins im Institut für Staatspolitik des neurechten Verlegers Götz Kubitschek, habe, so Stein, vor Ort Widerspruch und einen „Eklat“ ausgelöst. Daraufhin habe es „in Schüben eine Entfremdung von Kubitschek“ und ihm gegeben.Justus Bender: Rechter Bruderkrieg www.faz.net, 11. März 2019
Stein nannte das Abkommen über die Zwangsarbeiterentschädigung „die willkommene Einladung an clevere Anwälte, Deutschland noch viele Male zu melken“, und forderte Entschädigungen auch für „versklavte deutsche Zwangsarbeiter“.Gernot Facius: Eine ganz normale Wochenzeitung? www.welt.de, 28. Juni 2001 2014 startete Dieter Stein in der JF eine Kampagne gegen „Ausländerkriminalität“ und „Deutschenfeindlichkeit“ und bekundete: „Ein Tabu in Medien und Politik sind deutschenfeindliche Gewalttaten: ob sexuelle Übergriffe, Vergewaltigungen oder wenn sich eine Horde halbstarker ‚Südländer‘ im U-Bahnhof aus Haß eine ‚deutsche Kartoffel‘ aussucht, um sie ins Koma zu prügeln.“Alexander Häusler: Themen der Rechten. In: Fabian Virchow, Martin Langebach, Alexander Häusler (Hrsg.): Handbuch Rechtsextremismus, Springer VS Wiesbaden 2016, S. 158
In einem Vortrag in Hamburg, den die AfD-Bürgerschaftsfraktion veranstaltete, sagte Stein 2016 im Hinblick auf den Begriff „Lügenpresse“, er halte diesen „für eine polemische Überspitzung“ und sei „kein Freund dieses Begriffes“. Nach seiner Meinung machen „viele Journalisten […] ihre Arbeit gut“. Allerdings gehe es in den Medien allzu oft um eine „Inszenierung von Realität“. Beim Flüchtlings-Thema sei es so, dass diejenigen, „die unter der Folgelast der kopflosen Politik der Bundeskanzlerin ächzen und beinahe zusammenbrechen, […] im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zwar auch vor[kommen], aber stets in der Rolle der Querulanten“. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle auf jeden Fall erhalten bleiben, dort würden jedoch zu viele linke Journalisten arbeiten und das müsse sich ändern.Axel Schröder: „Zu viele linke Journalisten in öffentlich-rechtlichen Sendern“ www.deutschlandfunk.de, 19. April 2016, abgerufen am 6. April 2021 Im selben Jahr äußerte Stein auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche, beim Thema „Asylkrise“ würden Tatsachen nicht beim Namen genannt und alle Einwanderer würden pauschal „Flüchtlinge“ genannt.Anne Fromm: „Genderwahn“ und „Homolobby“ taz.de, 10. Juli 2016
Am 12. Februar 2017 war Stein Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten als nominierter Vertreter des Abgeordnetenhauses von Berlin für die AfD.Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2017 Das sind die bekanntesten Wahlleute
Den Begriff „konservativ“ definierte Stein folgendermaßen: „Konservativ ist organische Ordnung, natürliche Hierarchie und Autorität gegen die Utopie totaler Gleichheit und die Idee völliger Machbarkeit.“Helmut Kellershohn: „Es geht um Einfluss auf die Köpfe“ – Das Institut für Staatspolitik www.bpb.de, 7. Juli 2016 2009 prangerte Stein in der Jungen Freiheit eine „Entkernung“ der „Marke CDU“ unter Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel an. Die Partei sei „um den Preis des Machterhalts gänzlich ins Chamäleonhafte entrückt“. Unter anderen warf Stein der Partei ein Aufgeben des „traditionellen Familienbilds“ vor. Anstelle eines gebotenen Widerstands „gegen die Homo-Ehe“ habe sich die CDU „an die Spitze des feministischen Gender-Mainstreaming-Projekts und einer sozialistischen Familienpolitik“ gestellt. Insgesamt habe die CDU einen unverzeihlichen „Verrat“ an ihrer konservativen Stammwählerschaft begangen.Volker Weiß: Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, S. 76 f.
Unter Bezugnahme auf das Buch Nie zweimal in denselben Fluss des AfD-Fraktionsvorsitzenden in Thüringen und Exponenten des „Flügels“ Björn Höcke urteilte Stein Anfang 2019 in der JF, Höcke habe „[n]ichts Originäres oder wenigstens Originelles“, „[n]icht einmal irgend etwas Konsistentes“ zu bieten. Er drücke sich unklar aus und wecke „in Ton und Wortwahl abgründige und abstoßende Assoziationen“. Höcke sei ein „ideologisches Irrlicht“ und drohe die AfD zu spalten. „Den Kräften der Vernunft“ innerhalb der AfD bleibe nicht mehr viel Zeit. Umgehender Widerspruch kam von Steins ehemaligem Weggefährten, dem neurechten Verleger und Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik Götz Kubitschek: Stein lese Höckes Buch, „wie ein antifaschistischer Stellen-Markierer es nicht besser lesen könnte“. „Höcke den Unfrieden in der AfD an[zulasten]“ sei „schäbig“.Sabine am Orde: Extremismusvorwürfe gegen Höcke: Familienstreit um den Kurs der AfD. taz.de, 3. März 2019 Schon zuvor hatte Stein der Befürchtung Ausdruck verliehen, dass durch einen „Rechtsruck und die Aufgabe des liberalen Flügels“ die Partei weiter ins Abseits gedrängt würde.André Postert: „Sachsen und der intellektuelle Rechtsextremismus. Metapolitik der Neuen Rechten.“ In: Uwe Backes/Steffen Kailitz (Hrsg.): Sachsen – Eine Hochburg des Rechtsextremismus? Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2020, S. 55
Im Vorwort seines im Juli 2020 in der Edition JF in neuer erweiterter Auflage erschienenen Buchs Für eine neue Nation – Nachdenken über Deutschland schrieb Stein von einem „verinnerlichten und in immer monströserer Gestalt perpetuierten exklusiven deutschen Schuldkult“.Liane Bednarz: Und vergeben uns unsere Schuld www.spiegel.de, 4. Oktober 2020, abgerufen am 6. April 2021