mini|Vernichtung der spanischen Armada in der Seeschlacht von Gravelines 1588 mini|Filmaufnahme einer Seeschlacht während des Russisch-Japanischen Krieges
Unter einer Seeschlacht versteht man den Kampf größerer Flotten gegeneinander. Den Kampf einzelner Kriegsschiffe oder kleinerer Schiffsverbände bezeichnet man als Seegefecht. Einen Sonderfall stellen amphibische Operationen dar, bei denen Seestreitkräfte eine Landung unterstützen, die sich gegen Landstreitkräfte richtet.
Geschichte Es gibt eine Reihe bedeutender Seeschlachten, die als entscheidende Wendepunkte in die Weltgeschichte eingegangen sind. Als früheste schriftlich bezeugte Seeschlacht gilt die um 1200 v. Chr. vom hethitischen Großkönig Šuppiluliuma II. geschlagene gegen die „Feinde Alašijas“.Tassilo Schmitt: Vom Ende des Erfolgs. Überlegungen zum Untergang der mykenischen Palastzivilisation. In: Gustav Adolf Lehmann, Dorit Engster, Alexander Nuss (Hrsg.): Von der bronzezeitlichen Geschichte zur modernen Antikenrezeption, Syngramma Bd. 1, Universitätsverlag Göttingen 2012, S. 121f. Als folgenreiche historische Einschnitte besonders bekannt sind beispielsweise die Seeschlacht von Salamis, die Seeschlacht von Actium, die Seeschlacht von Lepanto, die Seeschlacht von Gravelines, die Seeschlacht von Trafalgar oder die Seeschlacht von Tsushima. Vielfach erwiesen sich bei solchen Ereignissen neue Schiffbau- und Seekriegstechniken oder taktische Neuerungen als die maßgeblichen Vorteile, die über Sieg oder Niederlage entschieden.
Aufgrund der modernen Aufklärungs- und Nachrichtentechnik und weitreichender Waffensysteme entspricht das Aufeinandertreffen großer Flottenverbände nicht mehr den heutigen Bedingungen der Kriegführung. Die Voraussetzungen für große Seeschlachten bestehen deshalb nicht mehr.
Gefechtsarten mini|Das Manöver „Crossing the T“, idealisiert fahren sowohl die rote als auch die blaue Flotte in Kiellinie. Bis in das Mittelalter hinein lag der Schwerpunkt der Seekriegsführung auf der Kaperung bzw. Enterung des gegnerischen Schiffe. Beim Flottenkampf war das Schiffsmêlée üblich, bei dem sich die Formationen auflösten und die Schiffe einander, oft auf engstem Raum, eine Vielzahl von Einzelgefechten lieferten.
In der Antike erleichterten der Einsatz von Enterbrücke und Rammsporn die Entertaktik. Das Rammen eines Schiffs führte nur selten zu dessen Versenkung, doch wurde es dadurch meist manövrierunfähig. Entweder, weil sich das Schiff des Angreifers mit jenem seines Gegners verkeilte, oder weil man, bei Ruderschiffen, deren Riemen „abrasierte“ und damit den Antrieb zerstörte. War das feindliche Schiff erobert, konnte es durch Zerstörung der Beplankung unterhalb der Wasserlinie zum Kentern gebracht werden.
Die Vernichtung eines gegnerischen Schiffs durch Feuer war dagegen riskant, weil damit die Gefahr eines Übergreifens der Flammen auf das eigene Schiff bestand. Aufgrund der hohen Eigengefährdung wurde ebenfalls der Einsatz brennender Katapultgeschosse möglichst vermieden. Der Einsatz des Griechischen Feuers im Schiffskampf blieb ein Monopol Ostroms. Gegen dichte Formationen gegnerischer Schiffsverbände kam es jedoch mitunter zum Einsatz von Brandern bzw. Brandschiffen, sofern das Wetter und günstige Winde es zuließen.
Erst gegen Ende des Mittelalters wurde, mit der Entwicklung der schwarzpulverbasierten Schiffsartillerie, der auf Distanz geführte Feuerkampf allmählich zum Standard der Seekriegsführung. Die Erfindung der Stückpforte, um das Jahr 1500, ermöglichte die Bestückung auch der unteren Schiffsdecks und begünstigte die Entwicklung der Breitseitentaktik. Die Fortschritte im Schiffsbau, wie etwa der Übergang von einmastigen zu mehrmastigen Schiffen, erhöhten die Manövrierfähigkeit und, mit dem Aufkommen zunehmend größerer Schiffe, deren Vernichtungspotential aufgrund des erhöhten Breitseitengewichts.
Der Steigerung der Feuerkraft, aber der Verhinderung von Einbrüchen gegnerischer Schiffe in die eigene Formation, diente die Anwendung der Lineartaktik. Die im dichten Verband fechtenden Schiffe lieferten sich nun unterschiedliche Arten des Gefechts: Beim Passiergefecht liefen die gegnerischen Schiffe einander in Kiellinie und in entgegengesetzten Richtungen ab. Beim Laufenden Gefecht lagen die Gegner auf Parallelkurs, behielten also eine gemeinsame Richtung bei. Den Versuch, die gegnerische Kiellinie im annähernd rechten Winkel zu durchstoßen und damit zu teilen, nannte man Crossing the T (zu deutsch etwa „den T-Strich ziehen“).
Mit dem Wechsel des Segelantriebs zum Motorantrieb im 19. Jahrhundert und der gleichzeitigen Entwicklung immer weit reichender Schiffsgeschütze änderte sich die Seekriegstaktik abermals. Die Schiffsverbände fochten nun nicht mehr in enger Kiellinie, sondern in aufgelockerten Formationen und auf zunehmende Distanz. Eine weitere Gefahr für geschlossene Schiffsverbände wie für Einzelfahrer bildete der Einsatz von U-Booten, ab dem frühen 20. Jahrhundert. Der Einsatz von Flugzeugträgern und intelligenten Raketengeschossen ermöglichten, ab Mitte des 20. Jahrhunderts, den Kampf jenseits des Horizonts, bei dem kein direkter Sichtkontakt mehr zwischen den gegnerischen Schiffen besteht. In der Konsequenz wurde der Formationskampf nahezu bedeutungslos.
Beispiele bedeutender Seeschlachten Salamis In der Schlacht von Salamis (23. September 480 v. Chr.) besiegten die Griechen, hier vornehmlich die Athener, unter der Führung des Themistokles die Perser unter Großkönig Xerxes. Das bedeutete das Ende der persischen Expansion nach Westen und die Rettung der griechischen Kultur als Basis der westlichen Zivilisation. Hätten die Perser gesiegt, so hätte der orientalische Einfluss die griechische Kultur möglicherweise verdrängt, was die kulturelle Entwicklung Europas bis heute beeinflusst haben könnte.
Die wichtigste militärische Neuerung war die Technik des Rammens. Durch kluge Taktik lockte Themistokles die Perser so in eine Enge, dass sich ihre Riemen verkeilten und die Schiffe nicht mehr manövrierfähig waren. Dann stießen die griechischen Trieren in die Seiten der persischen Schiffe und versenkten sie durch einen Rammstoß.
Siehe auch: Seekriegstaktik im Altertum
Mylae In der Schlacht von Mylae im Jahre 260 v. Chr. besiegten die Römer unter Konsul Gaius Duilius die Karthager unter Hannibal Gisko. Mit diesem Sieg wurde das Ende der karthagischen Seeherrschaft im Mittelmeer eingeleitet, Roms Weg zur Weltmacht war frei.
Vor der Schlacht galten die Karthager als die bei weitem überlegenen Seeleute, während Rom eine reine Landmacht war. Die entscheidende Taktik der Römer bestand darin, ihre gut ausgebildeten Soldaten über eine besondere Vorrichtung, den Corvus, die karthagischen Schiffe entern zu lassen und als überlegene Kämpfer deren Seeleute zu bezwingen. Der Corvus war eine Fallbrücke, die man auf das gegnerische Schiff herabstürzen ließ. Mit einem Dorn bohrte sie sich in dessen Deck, und dann konnten die Soldaten über die Brücke stürmen. Bezeichnenderweise gaben die Römer diese Taktik sehr bald auf, nachdem sie ihre Seemacht gefestigt hatten und ihre Flotte die Seetaktik beherrschte.
Actium Die Schlacht bei Actium am 2. September 31 v. Chr. war eine wichtige Seeschlacht am Ende der Römischen Republik, durch die Octavian, der spätere Kaiser Augustus, endgültig die Vorherrschaft im Römischen Reich erlangte. Er besiegte in dieser Schlacht mit Hilfe von Marcus Agrippa seinen Gegenspieler Marcus Antonius und die ägyptische Königin Kleopatra VII.
Im Kampf spielten die unterschiedlichen Schiffstypen der gegnerischen Flotten eine Rolle. Während Antonius’ Schiffe groß, sehr stark bewaffnet und recht schwerfällig waren, verfügte Octavian über wesentlich kleinere und wendigere Fahrzeuge (Liburnen) und war dem Gegner zahlenmäßig überlegen. Durch taktisches Geschick verhinderte sein Flottenführer Agrippa, dass sich die Stärke des Gegners entfalten konnte, und nutzte die eigenen Vorteile seinerseits optimal aus. Zwar gelang es den Ägyptern, Königin Kleopatra und die Kriegskasse durch ein Fluchtmanöver in Sicherheit zu bringen; Antonius verlor aber den Großteil seiner Flotte durch die von Octavian zuletzt noch eingesetzten Brandpfeile.
Der römische Bürgerkrieg war nach der Schlacht bei Actium weitgehend entschieden, Antonius und Kleopatra mussten sich nach Alexandria zurückziehen. In Anlehnung an die von Octavian und Antonius jeweils besonders verehrten Götter wurde die Schlacht propagandistisch als Sieg Apollons über Dionysos dargestellt: Der Sieg Roms über Ägypten galt als Triumph des Westens über den als dekadent empfundenen Osten. Bis zur Verlegung der Reichshauptstadt Rom nach Osten durch Kaiser Konstantin im Jahre 325 prägten die Nachwirkungen dieser Auseinandersetzung Kultur und Politik der römischen Kaiserzeit, die womöglich deutlich anders verlaufen wäre, wenn sich Antonius und mit ihm die östliche, griechischsprachige Reichshälfte im Bürgerkrieg durchgesetzt hätte.
Lepanto mini|Schlacht von Lepanto Die Schlacht von Lepanto war die letzte große Seeschlacht mit geruderten Galeeren. Am 7. Oktober 1571 besiegte die Flotte der Heiligen Liga unter Don Juan de Austria die Flotte des Osmanischen Reichs unter Kilic Ali Pascha. Die Flotte der Heiligen Liga, eines vom Papst initiierten Bündnisses gegen die „Ungläubigen“, bestand zum größeren Teil aus venezianischen, zum kleineren Teil aus spanischen Schiffen unter Beteiligung der Malteserritter. Mit dieser Schlacht wurde die seit dem Fall Konstantinopels 1453 als Bedrohung des Abendlandes empfundene türkische Expansion eingedämmt. Die europäischen Staaten konnten im Mittelmeer wieder Fuß fassen. Die Macht Spaniens, des Reiches, in dem die Sonne nie untergeht, erreichte ihren Zenit.
Die wichtigste militärische Neuerung stellten die sechs venezianischen Galeassen dar, die wesentlich zum Sieg beitrugen. Diese Schiffe waren, anders als die geruderten Galeeren, hochbordige Segelschiffe, die an beiden Seiten über eine große Anzahl schwerer Geschütze verfügten. Ihre Feuerkraft war enorm verglichen mit den Galeeren, die nur wenige Geschütze führen konnten. Auch waren die Galeassen kaum zu entern. Umgekehrt gelang es den Spaniern, ihre überlegene Infanterie in den Enterkämpfen erfolgreich zum Einsatz zu bringen, wo sie – ähnlich der römischen Marineinfanterie bei Mylae – wesentlich zum Sieg beitrug.
Gravelines Nur 17 Jahre nach Lepanto, im Jahre 1588, konnte die spanische Armada unter Admiral Medina Sidona, die zuvor als mächtigste Seestreitmacht der Welt galt, in der Seeschlacht von Gravelines im Ärmelkanal ihre Überlegenheit nicht in einen Sieg ummünzen.
Spanien suchte den Erfolg mit den Mitteln, die in Lepanto noch zum Erfolg geführt hatten. Wie Festungen überragten die Galeassen mit ihren Kastellen die viel flacher gebauten britischen Schiffe. Große Geschütze und die im Enterkampf geübte Infanterie sollten den Gegner bezwingen. Die britischen Schiffe waren zwar leichter und niedriger gebaut und waren nur mit leichten Kanonen ausgestattet. Sie segelten jedoch erheblich besser und konnten die Spanier leicht ausmanövrieren. Die britischen Schiffe folgten ihren Kommandeuren Charles Howard, Francis Drake, John Hawkins und Martin Frobisher in jeweils einer Kiellinie und feuerten nacheinander ihre Breitseiten gegen den Feind. Damit war die Idee des Linienschiffs entstanden, das sich durch seine Manövrierfähigkeit und die Feuerkraft seiner Breitseite auszeichnete. Linienschiffe bestimmten bis zur Skagerrakschlacht 1916 den Charakter der großen Seeschlachten.