Asteroid City ist ein von Wes Anderson geschriebener, inszenierter und koproduzierter US-amerikanischer Spielfilm. Er spielt Mitte der 1950er Jahre in der Wüstenstadt Asteroid City, wo 5.000 Jahre zuvor ein Meteorit einen riesigen Einschlagkrater hinterlassen hat. Die Tragikomödie feierte am 23. Mai 2023 bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere und wurde im Wettbewerb um die Goldene Palme gezeigt. Kinostart in den USA war am 16. Juni 2023, in Deutschland am 15. Juni 2023.

Handlung Im Jahr 1955 stellt ein Fernsehmoderator eine Theaterproduktion in drei Akten vor, die von der fiktiven Wüstenstadt Asteroid City handelt, in der ein Jugend-Astronomiekongress stattfindet. Das angebliche Theaterstück wird im Breitbildformat und in stilisierten Farben dargestellt, während die Fernsehsendung im Schwarz-Weiß-Academy-Format zu sehen ist.

Im Theaterstück kommt der Kriegsfotojournalist Augie Steenbeck mit seinem intellektuellen Teenager-Sohn Woodrow und seinen drei jüngeren Töchtern zum Junior Stargazer-Kongress. Da ihr Auto eine Panne hatte, ruft Augie seinen Schwiegervater Stanley an und bittet ihn um Hilfe. Stanley, der seinen Schwiegersohn nicht mag, überredet ihn, den Kindern vom kürzlichen Tod ihrer Mutter zu erzählen, den Augie verschwiegen hatte. Augie und Woodrow treffen Midge Campbell, eine berühmte Schauspielerin, und ihre Tochter Dinah, die wie Woodrow auf dem Kongress geehrt wird. Augie und Midge sowie Woodrow und Dinah verlieben sich im Laufe des Stücks allmählich ineinander. Andere Tagungsteilnehmer treffen ein und werden in dem örtlichen Motel untergebracht: Fünf-Sterne-General Grif Gibson, die Astronomin Dr. Hickenlooper, drei weitere jugendliche Preisträger (Ricky, Clifford und Shelly) und ihre Eltern (J.J., Roger und Sandy), eine Busladung Grundschulkinder unter der Aufsicht der jungen Lehrerin June Douglas und eine Countryband unter der Leitung des Sängers Montana. Keine der auftretenden Personen lächelt oder lacht im Verlauf der Handlung. Zweimal wird die Handlung durch Lärm unterbrochen, der von einem Kernwaffentest ganz in der Nähe herrührt. Augie fotografiert den Atompilz.

Gibson begrüßt die Teilnehmer am Krater von Asteroid City, wo die Teenager Auszeichnungen für verschiedene Erfindungen erhalten sollen. Über dem Krater taucht plötzlich ein UFO auf; ein Außerirdischer erscheint und stiehlt den Meteoriten, der den Krater geschaffen hat. Augie fotografiert den Außerirdischen. Präsident Dwight D. Eisenhower und General Gibson ordnen an, dass die Stadt unter Militärquarantäne gestellt wird und jeder sich einer medizinischen und psychiatrischen Untersuchung unterzieht. Unterdessen entbrennt eine Romanze zwischen Montana und June, die den Schülern versichern, dass der Außerirdische wahrscheinlich friedlich sei. Die Stargazer-Preisträger versuchen mit Dr. Hickenloopers Ausrüstung, Kontakt mit dem Außerirdischen aufzunehmen. Über ein Münztelefon gelingt es Ricky trotz Informationssperre, seine Schulzeitung anzurufen, um die Quarantänedetails und die Vertuschung an die Außenwelt weiterzugeben.

Die Ereignisse in Asteroid City kommen in die nationalen Nachrichten. Ein wütender General Gibson ist dabei, die Quarantäne zu beenden, als das UFO erneut auftaucht und der Außerirdische den Meteoriten zurückgibt. Als Gibson die Quarantäne wieder einsetzt, rebellieren Kinder, Wissenschaftler und Eltern und nutzen die Erfindungen der Preisträger, um das Militär zu überwältigen.

Die metafiktionale Erzählung über die Entstehung des Stücks ist zwischen den drei Akten eingestreut. Einige Zeit nachdem der Autor des Stücks Conrad Earp begonnen hat zu schreiben, spricht der Schauspieler Jones Hall bei ihm zu Hause vor und wird sofort mit der Rolle des Augie besetzt. Earp und Hall beginnen eine Liebesbeziehung. Earp schreibt das Stück mit Hilfe einer örtlichen Schauspielschule und rekrutiert daraus die meisten Darsteller, darunter Mercedes Ford, eine temperamentvolle, aber talentierte Schauspielerin, die Midge spielt. Eine Übung, in der die Schauspielschüler schlafen sollen, endet mit einem wütenden Sprechchor: „Du kannst nicht aufwachen, wenn du nicht einschläfst“.

Während der aufgezeichneten Aufführung des Stücks konfrontiert Hall den Regisseur des Stücks Schubert Green damit, dass er „das Stück immer noch nicht versteht“ und fragt Green, ob er „es richtig macht“. Green sagt Hall, er solle Augie trotz seiner Unsicherheit weiterhin auf die gleiche Weise spielen und dass er es richtig mache. Im Anschluss trifft Hall während einer Rauchpause auf einem Balkon auf die Schauspielerin, die für die Rolle von Augies Frau gecastet wurde, bevor ihre einzige Szene geschnitten wurde. Sie trägt ihm den Text der gelöschten Szene vor.

Sechs Monate nach Aufführung des Stücks kommt Conrad Earp bei einem Autounfall ums Leben. Im Epilog des Stücks sind Augie und seine Familie die letzten, die Asteroid City verlassen, nachdem General Gibson die Quarantäne aufgehoben hat. Augies Töchter begraben die Asche ihrer Mutter in der Wüste, Woodrow gewinnt die Finanzierung des Stipendiums und Midge hinterlässt Augie ihre Postanschrift. Augie und seine Familie fahren davon. Eine Verfolgungsjagd mit Schießereien zwischen Polizei und Verbrechern, wie sie schon eingangs zu sehen war, schließt das Theaterstück.

Produktion Regie und Drehbuch Im September 2020 wurde bekannt, dass Wes Anderson einen Liebesfilm schreiben und inszenieren würde, den er gemeinsam mit Jeremy Dawson und Steven Rales für American Empirical Pictures und Indian Paintbrush produzieren würde. Bei Asteroid City handelt es sich um Andersons elften Spielfilm.John Nugent: Asteroid City Review. In: Empire Online, 23. Mai 2023. Die Geschichte entwickelte der Regisseur gemeinsam mit Roman Coppola, mit dem er bereits die Drehbücher für Darjeeling Limited und Moonrise Kingdom schrieb.Pamela McClintock: Wes Anderson’s ‘Asteroid City’ Lands Summer 2023 Release in Theaters. In: The Hollywood Reporter, 6. Dezember 2022.Christoph Petersen: Asteroid City. In: filmstarts.de. Abgerufen am 24. Mai 2023. Parallel zum Hauptgeschehen, den Ereignissen in Asteroid City, zeigt der Film eine Fernsehsendung in Schwarzweiß über ein neues Theaterstück, das von einem von Bryan Cranston gespielten Moderator vorgestellt wird.

Besetzung und Dreharbeiten mini|hochkant=0.85|Scarlett Johansson spielt den Filmstar Midge Campbell Die Besetzung wurde zwischen Februar und August 2021 bekannt. In einem Interview sagte Fisher Stevens, dass der Film „die wildeste Besetzung seit Die Brücke am Kwai“ haben würde.Tomris Laffly: Fisher Stevens on the French Dispatch, Climate Change and Getting Yelled at on Succession. In: Vulture, 2. November 2021. Abgerufen am 24. Mai 2023. Viele der beteiligten Schauspieler wirkten bereits in Andersons früheren Filmen mit. Jason Schwartzman spielt den verwitweten Kriegsfotografen Augie Steenbeck, Tom Hanks seinen Schwiegervater Stanley Zak und Jake Ryan seinen Sohn Woodrow. Scarlett Johansson spielt den Filmstar Midge Campbell, Grace Edwards deren Tochter Dinah, Jeffrey Wright den Fünf-Sterne-General Grif Gibson, Steve Carell den Motelbesitzer, Matt Dillon den Mechaniker Hank und Rupert Friend den singenden Cowboy Montana. Edward Norton spielt den Dramatiker Conrad Earp.Todd McCarthy: ‘Asteroid City’ Review: Wes Anderson’s Latest Is Quirky, Creative & Obscure. In: deadline.com, 23. Mai 2023.Peter Bradshaw: Asteroid City review – Wes Anderson’s 1950s sci-fi is an exhilarating triumph of pure style. In: The Guardian, 23. Mai 2023. Tilda Swinton ist in der Rolle der Astronomin Dr. Hickenlooper zu sehen, einer Teilnehmerin der Junior Stargazer Convention.David Ehrlich. ‘Asteroid City’ Review: Wes Anderson’s Cosmic Grief Comedy Is One of His Very Best Movies Yet. In: indiewire.com, 23. Mai 2023. Jeff Goldblum spielt das Alien, das nach Asteroid City kommt und den Meteoriten mitnimmt. Adrien Brody spielt den Regisseur Schubert Green und Willem Dafoe den Schauspiellehrer Saltzburg Keitel. Der Nachwuchsschauspieler Ethan Josh Lee ist in der Rolle von Ricky zu sehen. Margot Robbie ist in einem Cameo-Auftritt zu sehen.Ed Potton: Asteroid City review — Wes Anderson whimsy with Lynchian weirdness. In: The Times, 23. Mai 2023.

Im Juli 2022 wurde bekannt, dass Bill Murray aufgrund von COVID-19 aus der Produktion ausschied. Auch einige andere zuvor angekündigten Darsteller sind im fertigen Film nicht zu sehen.

Die Dreharbeiten sollten ursprünglich in Rom stattfinden. Stattdessen fanden die Dreharbeiten zwischen August und Oktober 2021 in Spanien statt. Für die Dreharbeiten wurden mehrere Sets in Chinchón in der Autonomen Region Madrid verwendet, die einer Wüstenlandschaft ähnelten. Als Kameramann fungierte Robert D. Yeoman, mit dem Anderson seit seinem Film Durchgeknallt zusammenarbeitet.

Filmmusik und Veröffentlichung mini|hochkant=1.3|Die Premiere des Films war im Mai 2023 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Im November 2021 wurde bekannt, dass Alexandre Desplat in seiner sechsten Zusammenarbeit mit Anderson die Filmmusik komponieren würde.Alexandre Desplat to reteam with Wes Anderson on 'Asteroid City'. In: filmmusicreporter.com, 10. November 2021. Das Soundtrack-Album mit insgesamt 25 Musikstücken wurde am 23. Juni 2023 von ABKCO Records als Download veröffentlicht. Auf diesem finden sich neben Desplats Filmmusik auch die Filmsongs You Can’t Wake Up If You Don’t Fall Asleep gesungen von Jarvis Cocker und Dear Alien (Who Art In Heaven) gesungen von der Besetzung des Films. Auch Lieder von Slim Whitman, Bing Crosby, Burl Ives, Tex Ritter, Tennessee Ernie Ford, Johnny Duncan und Eddy Arnold finden sich auf dem Album.‘Asteroid City’ Soundtrack Album Details. In: filmmusicreporter.com, 19. Juni 2023.

Die Premiere erfolgte am 23. Mai 2023 bei den Filmfestspielen von Cannes, wo der Film im internationalen Wettbewerb um die Goldene Palme gezeigt wurde.. In: cdn-medias.festival-cannes.com (PDF-Datei; abgerufen am 10. Mai 2023). Zwei Jahre zuvor wurde dort bereits Andersons Film The French Dispatch gezeigt.Thomas Schultze: Review Cannes: „Asteroid City“. In: Blickpunkt:Film, 24. Mai 2023. Am 16. Juni 2023 wurde Asteroid City im Verleih von Focus Features in ausgewählte US-amerikanische Kinos gebracht.Focus Features Sets June 16, 2023 Release Date for Wes Anderson’s Asteroid City. In: focusfeatures.com, 6. Dezember 2022 (abgerufen am 7. Dezember 2022). Am Tag zuvor kam der Film in die deutschen Kinos. Ebenfalls im Juni 2023 sind Vorstellungen beim Sydney Film Festival geplant.Asteroid City. In: sff.org. Abgerufen am 8. Juni 2023. Zwischen Juli und September 2023 wird Asteroid City im Rahmen des New Zealand International Film Festivals gezeigt.Asteroid City. In: nziff.co.nz. Abgerufen am 26. Juni 2023.

Rezeption Kritiken und Einspielergebnis Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 75 Prozent positiv bei einer durchschnittlichen Bewertung von 6,9 von 10 möglichen Punkten.Asteroid City. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 21. Juni 2024. Auf Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 74 von 100 möglichen Punkten.Asteroid City. In: Metacritic. Abgerufen am 23. Juni 2023.

Michael Meyns, Filmkorrespondent der Gilde deutscher Filmkunsttheater, schreibt, Asteroid City lasse mit den frontalen Kameraperspektiven, den liebevoll bis ins kleinste Detail ausgestatteten Sets, den seltsamen Charakteren und einer verschachtelten Narration vom ersten Moment an keinen Zweifel daran, dass es sich um einen Wes-Anderson-Film handelt. Hübsch selbstreferenziell sei auch die geradezu absurde Ansammlung bekannter Schauspieler, die teilweise in winzigen Rollen auftreten. Dies deute darauf hin, dass Anderson hier auch einen Film über sich, seine Arbeitsmethode, seinen Blick auf die Welt gedreht hat, und all diese Stars, die sonst meist Hauptrollen spielen, ließen sich mit augenscheinlicher Lust auf ihre oft winzig kleinen Rollen in diesem Film ins große Ganze einfügen.Michael Meyns: Asteroid City. In: programmkino.de. Abgerufen am 6. Juni 2023.