mini|hochkant|Henri Emmanuelli (2008)
Henri Emmanuelli (* 31. Mai 1945 in Eaux-Bonnes, heute Département Pyrénées-Atlantiques; † 21. März 2017 in Bayonne, Département Pyrénées-Atlantiques) war ein französischer Politiker der Parti socialiste (PS). Er war langjähriger Abgeordneter in der Nationalversammlung und von Januar 1992 bis April 1993 deren Präsident. Von 1981 bis 1986 war er Staatssekretär in verschiedenen Ministerien sowie von Juni 1994 bis Oktober 1995 Erster Sekretär (Parteichef der PS). Von 2012 bis 2017 stand Emmanuelli dem Aufsichtsrat des staatlichen Finanzinstituts Caisse des Dépôts (CDC) vor.
Leben Emmanuelli wuchs in einem Dorf in den Pyrenäen in einem kommunistisch geprägten Elternhaus auf, väterlicherseits ist die Familie korsischer Herkunft. Im Alter von 13 Jahren verlor er seinen Vater, der als Elektriker arbeitete und an einem Stromschlag starb. Er absolvierte ein Studium am Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po), das er 1967 mit dem Diplom abschloss. Ab 1969 arbeitete er für die Privatbank Edmond de Rothschild. Es folgten Stationen als Direktionsassistent bei der Banque de l’Union parisienne (BUP), als Vizedirektor bei der Compagnie française de crédit et de banque (CFCB) und schließlich als Prokurist bei der Banque Rothschild. Aus dem Bankgeschäft zog er sich 1978 zurück, um sich ganz der Politik zu widmen.
Sein politisches Engagement begann Emmanuelli in der Convention des Institutions Républicaines (CIR), der kleinen Mitte-links-Partei von François Mitterrand. Wie dieser trat er 1971 der Parti socialiste bei. Für diese kandidierte er 1973 (im Alter von 27 Jahren) erstmals zur Parlamentswahl in einem Wahlkreis des Départements Lot-et-Garonne, das zu seiner Heimatregion Aquitaine gehörte. Mit knapp 14 Prozent der Stimmen schied er jedoch bereits im ersten Wahlgang aus.
1978 wurde Emmanuelli mit 32 Jahren Abgeordneter für den 3. Wahlkreis des Département Landes in der Nationalversammlung. 1981 bis 1986 war er Staatssekretär in den Regierungen von Pierre Mauroy und Laurent Fabius. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung nahm Emmanuelli sein Parlamentsmandat wieder auf und war 1992 bis 1993 Präsident der Nationalversammlung. Weiterhin war er ab 1982 Vorsitzender des Regionalrates des Départements Landes.
Von 1994 bis 1995 war Emmanuelli Erster Sekretär (Parteivorsitzender) der Parti Socialiste. Er bewarb sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei 1995, unterlag aber Lionel Jospin, der ihn auch als Erster Sekretär ablöste.
Emmanuelli verlor 1997 seine politischen Mandate, als ihm wegen illegaler Parteienfinanzierung für zwei Jahre die Wählbarkeit entzogen wurde. 2000 kehrte er als Abgeordneter in die Nationalversammlung zurück und wurde auch wieder Präsident des Generalrates von Landes. Beide Mandate übte er von da an bis zu seinem Tod aus.
Im Rahmen der Kampagne zum Referendum 2005 setzte er sich öffentlich für eine Ablehnung der Europäischen Verfassung ein und brach damit mit der offiziellen Linie der Partei. Der darin enthaltenen Konzeption von Europa setzt er sein Ideal einer föderalistischen Union entgegen, das er in seinem Werk Plaidoyer pour l’Europe im Detail vorstellte.
In seiner Funktion als Abgeordneter des Départements Landes löste Emmanuelli am 7. Juni 2011 einen Skandal aus, indem er in der Nationalversammlung einen Stinkefinger in Richtung von Premierminister François Fillon zeigte, während dieser eine Frage betreffend einer Steuerreform beantwortete.
Emmanuelli galt als treuer Gefolgsmann Mitterrands und war eine der Führungsfiguren des linken Flügels der PS. 2005 schloss er sich der Strömung Nouveau Parti socialiste um Vincent Peillon, Arnaud Montebourg und Benoît Hamon an, 2008 gründete er mit Hamon Un monde d’avance. Henri Emmanuelli unterhielt ein freundschaftliches Verhältnis zum Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, und zum Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez.
Laufbahn bei der Bank Rothschild
1969: Eintritt in die Bank 1971: Attaché der Geschäftsleitung 1972: Leiter der Tochterfirma Union Parisienne de Banques 1974: Prokurist 1975: Stellvertretender Geschäftsführer 1976: Stellvertretender Leiter der Compagnie Financière de Banque Edmond de Rothschild 1978: Ende seiner Laufbahn
Politische Ämter
1981–1983: Staatssekretär, verantwortlich für die Gebiete in Übersee, unter dem Staatsminister Gaston Defferre im Ministerium für Innere Angelegenheiten und Dezentralisierung der Regierung von Pierre Mauroy 1983–1984: Staatssekretär, verantwortlich für Budgetfragen, im Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Budget, unter Jacques Delors, zunächst in der Regierung von Pierre Mauroy, anschließend unter Pierre Bérégovoy, in der Regierung von Laurent Fabius 1984–1986: Staatssekretär, verantwortlich für Budgetfragen und Konsum, im Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Budget, unter Finanzminister Pierre Bérégovoy, in der Regierung von Laurent Fabius
Politische Mandate Auf nationaler Ebene 1978–1981, 1986–1997 und 2000–2017: Abgeordneter für das Département Landes 1992–1993: Präsident der Nationalversammlung
Auf regionaler Ebene 1986–1988: Mitglied des Regionalrates der Aquitaine 1992: Rücktritt als Regionalrat aufgrund eines neuen Gesetzes, das die parallele Bekleidung mehrerer Wahlmandate für die Zukunft verbietet
Auf Département-Ebene 1982–1997 und 2001–2017: Vorsitzender des Regionalrates des Départements Landes
Parteiämter 1988: Parteisekretär auf nationaler Ebene, Schatzmeister und Verantwortlicher für Koordinationsfragen März 1990: Auf dem Kongress von Rennes wurde er erneut zum Mitglied des Parteisekretariats gewählt, diesmal verantwortlich für Budgetfragen, Verwaltung und wieder Schatzmeister. Er trägt dazu bei, dass ein erster Versuch von Laurent Fabius die Führung der Partei zu übernehmen scheitert, indem er für Pierre Mauroy und Lionel Jospin Partei ergreift und zieht damit das Missfallen der Anhänger von Laurent Fabius auf sich Oktober 1990: Im Gegenzug stellen sich die Anhänger von Laurent Fabius dagegen, als Henri Emmanuelli den Fraktionsvorsitz im Parlament übernehmen soll Juni 1994: Parteitag von La Vilette: Mit der Unterstützung der Anhänger von Laurent Fabius wird er zum Parteisekretär gewählt, allerdings nur provisorisch und schlägt damit seinen Rivalen Dominique Strauss-Kahn November 1994: Kongress von Liévin: Wiederwahl zum Parteisekretär mit über 90 % der Stimmen – Lionel Jospin wird im Oktober 1995 seine Nachfolge antreten 1995: Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen, bewirbt er sich um die Kandidatur, die Parteimitglieder geben allerdings Lionel Jospin den Vorzug 2002: Gründung zusammen mit Jean-Luc Mélenchon, einer linken Strömung – Nouveau Monde – innerhalb der Partei
Parteiorganisation auf regionaler Ebene: 1974: Henri Emmanuelli wird Mitglied der Unterorganisation auf Ebene des Départements Landes
Er leitete die Unterorganisation des Départements Landes mit eiserner Hand. In dieser Funktion war er Chef von 25 von insgesamt 30 Mitgliedern des Regionalrates, die von Politikern des Parti Socialiste gestellt wurden, sowie aller drei Abgeordneten und der beiden Senatoren.
Verurteilungen Geheime Finanzierung des Parti Socialiste: Am 14. September 1992 einer Untersuchung unterzogen, wurde Henri Emmanuelli in seiner Funktion als Schatzmeister des Parti Socialiste der passiven Bestechung für mitschuldig befunden und zu 18 Monaten Haft auf Bewährung, sowie zwei Jahren Entzug der Bürgerrechte verurteilt. In einer weiteren Angelegenheit, die vor die Gerichte getragen wurde, kam es 1992 zu einer Untersuchung und im Juni 1997 zu einer Verurteilung.
Veröffentlichungen Plaidoyer pour l’Europe, 1992 – (Plädoyer für Europa)
Weblinks
Einzelnachweise
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