mini|hochkant|Ségolène Royal (2012) rahmenlos|Ségolène Royal|172x172px

Marie-Ségolène Royal, kurz Ségolène Royal [ ] (* 22. September 1953 in Dakar, Französisch-Westafrika; heute Senegal), ist eine französische Politikerin. Sie war Kandidatin des Parti socialiste (PS) für die Präsidentschaftswahl 2007. Als sie 2011 wieder antrat, erreichte sie in den Vorwahlen nur 6,95 % und verlor somit gegen François Hollande. Royal war von 1988 bis 2007 Abgeordnete für das Département Deux-Sèvres und bekleidete von 2004 bis 2014 das Amt der Vorsitzenden des Regionalrates von Poitou-Charentes. Von April 2014 bis Mai 2017 war sie Ministerin für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Energie in Regierungen unter Staatspräsident François Hollande, mit dem sie bis 2007 knapp drei Jahrzehnte lang liiert war.

Biografie mini|Ségolène Royal mit Gilbert Annette auf La Réunion 2006

Als Tochter des Offiziers Jacques Royal und dessen Ehefrau Hélène Dehaye wuchs sie in einem strengen, rechtskatholisch geprägten Milieu auf.Elise Karlin: La jeunesse cachée de Ségolène Royal. In: L’Express, 13. Dezember 2006, abgerufen am 23. Februar 2026. Ihre Schulzeit absolvierte sie zuerst in Charmes, dann in Épinal. Später erwarb sie an der Université de Nancy ihre Licence im Fach Wirtschaftswissenschaften.

Sie ist Absolventin des Institut d’études politiques de Paris (IEP), kurz Sciences Po genannt, und Absolventin der Eliteschule École nationale d’administration (ENA), Abschlussjahrgang Voltaire. Nach dieser Ausbildung entschied sie sich für eine Tätigkeit als Justizbeamtin am Verwaltungsgericht Paris. An der ENA lernte sie François Hollande kennen, den späteren Parteivorsitzenden der PS und vom 15. Mai 2012 bis 14. Mai 2017 Präsidenten Frankreichs, der Ende der 1970er Jahre ihr Lebensgefährte wurde. Aus der Partnerschaft gingen vier Kinder hervor. Am 17. Juni 2007 gab Royal die Trennung von Hollande bekannt.

Sie wurde, wie auch ihr Lebensgefährte Hollande, als Richterin am Verwaltungsgericht von Jacques Attali „entdeckt“ und war von 1982 bis 1988 Beraterin im Generalsekretariat des Präsidenten, verantwortlich zunächst für Jugend und Sport, später für soziale Angelegenheiten. Wenig später trat sie der PS bei. Im Jahr 1988 entsandte Präsident François Mitterrand sie als Kandidatin in das konservative Département Deux-Sèvres, wo sie überraschenderweise mit einem Ergebnis von 50,57 Prozent zur Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt wurde. Mit Stellungnahmen z. B. gegen die Sommerzeit, gegen Gewaltverherrlichung in den Medien oder für Herkunftsbezeichnungen von Käse und anderen regionalen Agrarprodukten ist sie seitdem in der französischen Öffentlichkeit präsent. Sie hat verschiedene Aufrufe unterzeichnet, die von den politischen Klubs von Jacques Delors ausgingen, deren Generalsekretär Hollande war.

Am 4. April 1992 wurde Ségolène Royal als Umweltministerin in das Kabinett Bérégovoy unter Pierre Bérégovoy berufen. Nach der Wahlniederlage der Linken bei der Parlamentswahl 1993 schied sie mit dem Rücktritt der Regierung am 29. März 1993 aus dem Amt. Royal nahm anschließend ihr Mandat in der Nationalversammlung wieder auf, das sie beim Eintritt in die Regierung niedergelegt hatte, in das sie aber bei der Parlamentswahl erneut gewählt worden war.

Im Jahr 1994 erhielt Royal die Zulassung als Rechtsanwältin in Paris und trat in eine Anwaltssozietät ein.cabinet Mignard, Teitgen, Grisoni & associés. Quelle:

mini|links|Royal bei ihrer letzten Sitzung im Kongress von Nantes im November 2006

Ihr Vorhaben, 1997 als Vorsitzende der französischen Nationalversammlung gewählt zu werden, scheiterte zugunsten von Laurent Fabius. Stattdessen wurde sie von Lionel Jospin zur beigeordneten Ministerin für Schulbildung im Bildungsministerium von Claude Allègre (Kabinett Jospin) berufen. Während ihrer Amtszeit von Juni 1997 bis März 2000 bekämpfte sie mit einer großangelegten Kampagne den im Militär- und Hochschulbereich frankophoner Länder verbreiteten Missstand der sogenannten Bizutage und erreichte die Kriminalisierung dieser demütigenden Initiationsriten. Mit der von ihr herausgegebenen Losung, „denen mehr zu geben, die am wenigsten haben“, startete sie ein Entwicklungsprogramm für Schwerpunktschulen mit sozialen und leistungsspezifischen Schwierigkeiten in urbanen Problemzonen ( – kurz: ZEP).

Da Royal anlässlich der Kampagne für die Wahlen zum Generalrat des Départements Deux-Sèvres Mitarbeiter ohne Vergütung beschäftigte, wurde sie 1999 von einem Arbeitsgericht in Niort verurteilt; eine Berufung wurde vom Berufungsgericht in Poitiers 2005 abgelehnt.

Im Zuge einer Kabinettsumbildung wechselte Royal am 27. März 2000 in die Funktion als beigeordnete Ministerin für Familie und Kindheit (ab 27. März 2001: Beigeordnete Ministerin für Familie, Kindheit und behinderte Menschen) im Ministerium für Arbeit und Beschäftigung kurze Zeit unter Martine Aubry, dann unter Élisabeth Guigou. In dieser Funktion ließ sie vor allem Gesetze zum Vaterschaftsurlaub, für Beihilfen zum Schuljahresbeginn und zur Bekämpfung der Prostitution Minderjähriger mit Erfolg zur Abstimmung stellen. Mit dem Rücktritt der Regierung Jospin schied sie am 6. Mai 2002 aus dem Amt.

Bei der Parlamentswahl 2002 bewarb sich Royal erfolgreich als Abgeordnete für das Département Deux-Sèvres. 2004 kandidierte sie als Spitzenkandidatin der Parti Socialiste bei der Wahl des Regionalrats von Poitou-Charentes. Im Wahlkampf erhielt sie den Beinamen Zapatera – in Anlehnung an den spanischen Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero. Bei der Wahl konnte sie sich mit 46,29 Prozent gegen ihre Vorgängerin Elisabeth Morin (UMP) durchsetzen.

Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2007 mini|hochkant|Ségolène Royal auf einer Veranstaltung der PS in der Halle Carpentier, Paris, 6. Februar 2007

Von Mitte 2006 bis zu ihrer Niederlage mit 47 Prozent der Stimmen hinter Nicolas Sarkozy (53 Prozent) in der Stichwahl am 6. Mai 2007 hatte Royal eine auf ihre Persönlichkeit zugeschnittene Wahlkampagne geführt mit dem Ziel, die Präsidentschaftswahlen 2007 zu gewinnen und die erste Staatspräsidentin der Französischen Republik zu werden. Im ersten Wahlgang hatte sie mit 25,84 Prozent der abgegebenen Stimmen den zweiten Platz unter insgesamt zwölf Präsidentschaftskandidaten errungen. Dies war das höchste Ergebnis eines Präsidentschaftskandidaten der PS seit knapp 20 Jahren.

Parteiintern hatte sich Royal am 16. November 2006 innerhalb der Parti socialiste (PS) als Spitzenkandidatin für die Staatspräsidentenwahl 2007 mit 60,62 Prozent der Stimmen gegen Laurent Fabius (18,54 Prozent) und Dominique Strauss-Kahn (20,83 Prozent) durchgesetzt. (PDF; 80 kB) Von den 218.000 stimmberechtigten Mitgliedern beteiligten sich überraschende 82,04 Prozent, wobei Royal vor allem unter den 70.000 neu beigetretenen Parteimitgliedern punkten konnte.

Anders als die männlichen Parteikollegen unter den Mitbewerbern vermied sie zu Wahlkampfbeginn öffentliche Festlegungen und sprach eher von politischen Grundwerten wie „gerechter Ordnung“ oder „ehrenwertem Umgang mit der Macht“. Dadurch unterschied sie sich deutlich von der parteitreuen „präsidialen“ Programmatik ihrer innerparteilichen Konkurrenten Fabius und Strauss-Kahn, was ihr teilweise starke Kritik in der Partei einbrachte. Ihre Anhänger meinten hingegen, sie wolle sich von den Programmaussagen von Fabius und Strauss-Kahn distanzieren, um ihr politisches Profil auf eine parteiübergreifende Mehrheit in der Bevölkerung auszurichten. Als Lionel Jospin Ende September 2006 auf die Spitzenkandidatur für die Präsidentschaft verzichtete, erhöhten sich Royals Chancen deutlich. Seitdem wurde sie auch außerhalb ihrer Partei von den Rivalen Nicolas Sarkozy und Dominique de Villepin, die zuvor von einer bloßen Medienkampagne gesprochen hatten, als Kandidatin für das höchste Amt in Frankreich ernst genommen.

mini|Wahlkampfmaterial aus der Präsidentschaftswahl 2007

Nach ihrer Nominierung als offizielle Kandidatin der Sozialisten für die Staatspräsidentenwahl 2007 führte Royal weiterhin einen Wahlkampf mit persönlichen Akzenten, teilweise auch gegen ihre Partei, was ihrer Beliebtheit an der Parteibasis trotz mancher parteiinternen Kritik nicht schadete. Sie gründete zu jenem Zeitpunkt einen Verein mit dem Namen Désirs d’avenir (dt. etwa „Sehnsucht nach Zukunft“), der Parteimitglieder und interessierte Bürger gleichermaßen an der politischen Debatte beteiligen sollte. Dieser Verein existierte auch nach der verlorenen Präsidentschaftswahl recht erfolgreich weiter und bildete Royals Basis für weitere politische Projekte. (französisch).

Nach mehreren Fauxpas im Wahlkampf (unter anderem hatte sie anlässlich eines Gesprächs mit dem kanadischen Politiker André Boisclair die „Souveränität und Freiheit“ der kanadischen Provinz Québec betontPhilippe Sauvagnargues: . Yahoo! Actualités France, 23. Januar 2007.) ermittelten die Umfrageinstitute IPSOS und CSA sinkende Umfragewerte für die Kandidatin. Zudem blieb Royal eine Erklärung schuldig, wie die von ihr geforderten zusätzlichen Sozialleistungen finanziert werden sollen. Vor diesem Hintergrund kündigte Royal am 18. Februar eine NeuorganisationSégolène Royal annonce une „nouvelle organisation“ de campagne. In: Le Monde, 18. Februar 2007, abgerufen am 23. Februar 2026. ihrer Wahlkampfstrategie an.

Unerwartete indirekte Wahlkampfhilfe für die Stichwahl am 6. Mai 2007 bekam Royal von dem im ersten Wahlgang an dritter Stelle rangierenden Zentrumspolitiker François Bayrou (UDF), der kurz vor der Stichwahl zwischen Sarkozy und Royal verkündet hatte, nicht den konservativen Gaullisten Sarkozy (UMP) zu wählen. Dies könnte mit ein Grund dafür sein, dass sie am 6. Mai 2007 nur sechs Prozentpunkte weniger als Sarkozy erhielt.

Trotz dieser Niederlage bezeichnete sie es als ihre Pflicht, die Sozialisten auch in den Parlamentswahlkampf zu führen.Ségolène Royal beschönigt ihre Niederlage. Anspruch auf Führung der französischen Sozialisten. In: Neue Zürcher Zeitung, 8. Mai 2007, abgerufen am 23. Februar 2026. Sie selbst hatte allerdings schon vor der Präsidentschaftswahl auf eine erneute Kandidatur als Abgeordnete verzichtet. Sie rief im Juni 2007 eine Polemik hervor, nachdem sie selbst ihr politisches Programm als nicht „glaubwürdig“ („crédible“) in einer Fernsehsendung bezeichnete. Sie nannte vor allem die Übertragung der 35-stündigen Arbeitswoche auf alle Betriebe und die Erhöhung des Mindestlohns auf 1.500 Euro pro Monat.. Yahoo France avec Associated Press, 21. Juni 2007.

mini|hochkant|Ségolène Royal (2009)

Kampf um den Parteivorsitz Beim Parteitag im November 2008 in Reims bewarb sich Ségolène Royal um den Parteivorsitz des PS. Als sich im zweiten Wahlgang ein Duell mit Martine Aubry ergab, unterstützten alle ausgeschiedenen Kandidaten letztere, um einen Sieg Royals zu verhindern. Bei der Stichwahl unterlag Royal Aubry mit einem Abstand von zunächst 42 von ca. 67.000 Stimmen.Le PS s'enfonce dans la crise après l’élection sur le fil de Martine Aubry. In: La Dépêche, 21. November 2008, am 23. Februar 2026. Das Lager um Royal warf der Parteiführung und dem Lager Aubrys daraufhin vor, die Wahlen manipuliert zu haben. Die Parteiführung ließ daraufhin eine Nachzählung vornehmen, die den Sieg Aubrys bestätigte, mit etwas größerem Abstand von 102 Stimmen; dieses Ergebnis bestätigte anschließend auch der Parteitag.Martine Aubry nouvelle Premier secrétaire du PS après un long psychodrame. In: La Dépêche, 25. November 2008, abgerufen am 23. Februar 2026.

Die Ankündigung des Lagers um Royal, das Ergebnis vor öffentlichen Gerichten anzufechten, wurde im Laufe der folgenden Monate fallengelassen. Das Verhältnis der beiden Politikerinnen gilt seit dieser Auseinandersetzung als gestört, auch wenn es zwischendurch Gesten der Versöhnung gegeben hat.

Präsidentschaftswahlen und Parlamentswahlen 2012