mini|Der Gonbad-e Qabus, das Mausoleum des Ziyariden-Herrschers Qabus (reg. 978–1012) in Gorgan Golestan () ist eine Provinz im Norden Irans an der Südost-Küste des Kaspischen Meers gelegen. Golestan, Gulistan oder Gülistan bedeutet im Turkmenischen (sowie auf Persisch) „Rosengarten“ oder „Blumenland“.
Ihre Hauptstadt ist Gorgan (). Das alte, historische Gorgan(Ruinen) liegt etwa drei Kilometer westlich des modernen Stadtzentrums von Gonbad-e Kabus. Alt-Gorgan wurde im 13. und 14. Jahrhundert durch die Mongolen zerstört. Da nur das monumentale Grabturm Gonbad-e Qabus (erbaut 1006/1007 n. Chr.) stehen blieb, heißt die neue Stadt entsprechend. Der Standort der historischen Stadt war durch die vollständige Zerstörung in Vergessenheit geraten und daher im heutige Gorgan vermutet. Somit gibt es eigentlich zwei Gorgan.
Mit dem Begriff iranisches Turkmenistan ist heute meist die Region Turkmen Sahra (»Turkmenenwüste«) in Provinz Golestan gemeint, wobei jedoch auch Teile der Provinz Nord-Chorasan dazu zählen. Hier leben ca. eine Million Turkmenen.
Bis 1997 war die Provinz ein integraler Bestandteil der größeren Provinz Mazandaran. Der historische Stammsitz der turkmenischen Kadscharen-Dynastie, welches der turkmenische Afschariden Dynastie folgte, lag in der Hauptstadt Gorgan der heutigen Provinz Golestan. Der historische Friedensvertrag von 1813, bei dem Persien weite Teile des Kaukasus an das Russische Kaiserreich abtreten musste, Friede von Gulistan war dagegen von den Kadsscharen im gleichnamigen und von Armeniern bewohnten Dorf Gjulistan gehandelt worden. Der bekannte Golestanpalast in der heutigen iranischen Hauptstadt Tehran war über 150 Jahre lang der offizielle Sitz der Monarchen der Kadscharen-Dynastie und diente zur Krönung von Reza Khan im Jahr 1925 zum Schah von Persien sowie der Krönung von seinem Sohn Mohammad Reza Pahlavi (dem letzten Schah) im Jahr 1967.
Flüchtlingswelle: Neben den iranischen Flüchtlingen seit der Antike, kam frisch nach der Islamischen Revolution von 1979 unter Ayatollah Ruhollah Khomeini eine erste große Welle afghanischer Flüchtlinge in den Iran (insbesondere mit dem Beginn des Krieg in Afghanistan (1979–1989), weitgehend frei in Städten und Dörfern sogar mitten auf den Hauptstraßen zeltend. Bereits am nächsten morgen nach Grenzöffnung am Vortag waren die Afghanen in Städten in Golestan verteilt worden und die Einwohner mussten in der Anfangszeit mit ihren Fahrzeugen um die Zelte Slalomfahren. Golestan war zwar kein direktes Grenzgebiet zu Afghanistan, wurde jedoch zu einem wichtigen Aufnahmebecken. Viele afghanische Flüchtlinge der ersten Welle, die ethnische Turkmenen oder Usbeken waren oder landwirtschaftliche Arbeit suchten, zogen selbstständig aus den trockenen Grenzgebieten Chorasans weiter nach Golestan, da die fruchtbaren Ebenen gerade wegen des Golfkriegs Beschäftigung in der Landwirtschaft boten. Das Baugewerbe war aufgrund kriegsbedingten Materialmangels, fehlender Staatsaufträge und geflüchteter Bauunternehmer fast zum Erliegen gekommen, und die lokale Polizei hatte die Revolution nicht überlebt. Die Gendarmerie war unterbesetzt und durfte nicht die Ordnung und Sicherheit übernehmen, da die Revolutionsgarden die Sicherheit in den Ortschaften fortan übernehmen sollten. Für die Bewohner schienen diese jedoch für mehr Unsicherheit zu sorgen als die Flüchtlinge. Einziger Schutz schien die Tracht der zentralasiatischen Frauen darzustellen.
Terroranschläge in Golestan: Während vor der Revolution radikale islamistische Aktivisten Anschläge auf öffentliche Plätze verübten, wie Kinos als Symbole westlicher Dekadenz und Kultur, führten nach der Islamischen Revolution die kommunistische iranische Volksmudschahedin (MEK) die Terroranschläge und waren zeitweise von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation gelistet. Nach anfänglicher Unterstützung der Revolution von 1979 zerstritten sich die Volksmudschahedin rasch mit den islamischen Geistlichen um Ayatollah Khomeini. Ab Sommer 1981 ging die Gruppe zu massiven Anschlägen und Guerillataktiken im Iran inklusive Golestan über, darunter Bombenanschläge mit Fokus auf staatliche und religiöse Ziele. Bei den Bombenattentaten im öffentlichen Raum (wie auf belebten Plätzen, Kinos oder in der Nähe von Moscheen) gab es laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen zahlreiche zivile Opfer. So beschuldigte die Regierung die MEK in der Vergangenheit auch für Vorfälle in Golestan, wie etwa für großflächige Vergiftungswellen an Mädchenschulen. Frankreich diente der Gruppe einige Jahre als Hauptquartier. Die Organisation verlegte ihre Basis später in den Irak (unter Saddam Hussein) und später in Länder wie Albanien.
Revolutionsgarden und Komitees in Golestan: Während vor der Revolution die Angst vor der SAVAK herrschte, drehte sich das System danach um. Plötzlich konnte jeder Bürger seinen Nachbarn bei den neuen Machthabern denunzieren. In den ersten Monaten und Jahren nach der Revolution entstand ein extremes Machtvakuum. Die neu gegründeten Revolutionskomitees (Komitehs) und Revolutionsgerichte besaßen quasi unkontrollierte Macht. Dies öffnete Tür und Tor für Denunziationen aus „niedersten Beweggründen“. Um an das Haus oder den Besitz eines wohlhabenderen Nachbarn zu kommen, reichte oft eine einzige anonyme oder gezielte Anzeige bei einem lokalen Komiteh. Solche Vorwürfe führten unter den neuen Revolutionsgesetzen fast augenblicklich zur Konfiszierung des gesamten Vermögens und Eigentums. Der Beschuldigte wurde inhaftiert oder hingerichtet. Die Denunzianten oder lokale Kader bereicherten sich im Chaos nicht selten direkt an den Besitztümern. Auch das Motiv, die Frau des Nachbarn zu „bekommen“ oder eine unliebsame Ehefrau loszuwerden, war bittere Realität, begünstigt durch die radikale Änderung des Familiengesetzes. Was als vermeintlicher Scherz oder kleine Nachbarschaftsfehde begann, endete in der hasserfüllten Atmosphäre der Säuberungswellen oft tödlich. Nachbarn nutzten dies systematisch aus, um alte Rechnungen zu begleichen, Neidkomplexe abzuarbeiten oder schlicht die eigene Loyalität zum neuen Regime zu beweisen, indem sie andere opferten. Das paranoide Klima unter dem Schah wurde so nahtlos durch ein neues ersetzt – von Bürgern anstelle von Geheimagenten. In der Hauptstadt Gorgan lebten in der Schahära kaum Turkmenen, aber gefühlt mehr Ausländer als Perser und sonstige Minderheiten. Mit der Revolution schienen die Städte sich noch stärker zu persifizieren. Die Geschichten über die Denunziationen aus Scherz, Gier oder Abrechnung kursierten auch unter den Ausländern und nicht selten versammelten sich die Perser bereits vor den schönen Häusern oder den Häusern mit schönen ausländischen Frauen. Hier lebten Ost und West nicht selten in der gleichen Straße als Nachbarn. Binnen weniger Wochen schien auch Gorgan fest in persischer Hand zu sein und die Ausländer veräußerten ihre Objekte in Panik, um das Land rechtszeitig zu verlassen. Altbürger waren nur in der Gemeinschaft Einheimischer oder in Randzonen sicher. Wie zuvor in der Schahzeit mitten auf der Straße jagd auf Frauen ohne der gewünschten Kleiderordnung gemacht wurde, machte die neue Regierung alles genauso, nur für eine andere Kleiderordnung. In den Straßen von Golestan herrschte in der Postrevolutionäre Zeit erneut Angst. Wie in der Tierwelt schrie eine Frau am anderen Straßenende und die Menschenmenge löste sich augenblicklich in allen Richtungen auf. Die meisten quetchten sich in den Basar-Geschäften nicht selten auch übereinander, um Platz zu finden, bis die Ladentüren nicht mehr zu gingen. Die Angst ließ Moral und Anstand ganz verschwinden und so war es nicht selten, dass in den Straßen Golestans heulende Kleinstkinder oder Behinderte dabei einfach von den Persern auf der Straße zurück gelassen wurden und in den überfüllten Läden mit bösen Blicken und Handzeichen der Perser an Eintreten gehindert wurden. Neben den regulären Patrouillen der Sittenpolizei setzte die postrevolutionäre Regierung in Golestan zunehmend stark auf Einsatzkräfte in Zivilkleidung, um schneller zu sein - sowie auf die regierungstreue Basidsch-Miliz. Frauen in Zivil liefen mitten durch die Menschenmengen in der Innenstadt mit und plötzlich liefen die Menschen auseinander. Erst in der menschenleeren Stadt war dann zu erkennen, dass zwei Frauen eine Frau von beiden Seiten unter die Arme gegriffen hatten, mit einer Maschinenpistole unter dem Schleier. Nicht selten erwischte es auch verschleierte Frauen, die geschminkt waren oder Grobmaschige Strümpfe trugen. Auch Männer mit zu enger Hose könnten nun in Golestan etwas erleben, allerdings würde bei Ihnen ersteinmal eine Verwarnung ausgesprochen. Die Fahrzeuge kamen zunehmend erst nach der Festnahme. Niemals riefen die persischen Frauen die vorbeispazierenden Einheimischen um Hilfe. Die Gendarmerie war nach ersten Konflikten mit hilfesuchend umklammernden Frauen und der Sitzenpolizei nicht mehr in Uniform in den Städten unterwegs. Wie zuvor schien es in Golestan eine Parallelwelt zu geben. Vorbei an den Jagdszenen und schreienden persischen Frauen spazierten wie zuvor in der Schahära die einheimischen Frauen vorbei, in hautenger Tracht und geschminkt, mit einer Schmuckkappe und Zöpfe anstelle einer Kopfbedeckung oder Locken der persischen Frauen, die in der Schahära es noch mit der Rocklänge extrem untertrieben.
Abriss alter Friedhöfe/Gräber: Für den Bau moderner Straßen, Boulevards, Schulen und Krankenhäuser wurden in der Pahlavi-Ära reihenweise historische, oft jahrhundertealte islamische Friedhöfe einbegnet oder überbaut. Nach der Islamischen Revolution von 1979 im Iran trieb der berüchtigte Sadegh Khalkhali eine Kampagne zur systematischen Zerstörung königlicher Grabstätten. Im Gegensatz zu vorislamischen Ruinen (wie Persepolis) oder den gehassten Gräbern der Pahlavi- und Kadjaren-Dynastien handelte es sich beim Gonbad-e Qabus in Golestan um ein frühes Monument der islamischen Ära. In den ersten Monaten nach der Islamischen Revolution von 1979 geriet das über 1000 Jahre alte Meisterwerk islamischer Backsteinarchitektur trotzdem ins Visier von Extremisten um Khalkhali. Unmittelbar nach der Revolution im April 1979 kam es dort zu bewaffneten Aufständen ethnischer und politischer Gruppen gegen die Errichtung der schiitischen Theokratie. Die Zerstörung des Turms scheiterte an starker Widerstand der sunnitischen Turkmenen, für die der Turm ein identitätsstiftendes Nationalsymbol ist. Und es schien den Volkszorn nicht wert zu sein, ein leeres Grab zu zerstören. Um die Bedeutung der beinahen Zerstörung zu verstehen: Der Satz mit der persische Märchen traditionell beginnen („Einer war da, einer war nicht da, unter der blauen Kuppel (des Himmels), außer Gott war niemand da.“ kommt zwar nicht vom realen Grab des Königs Qabus, aber durch den mysteriösen, fehlenden Glassarg im echten Turm und den nahezu identischen Klang der Wörter haben sich die historische Legende und der Märchensatz in der Kultur miteinander verwoben. Ein Erdbeben, bei dem der legendäre, in der Kuppel schwebende Glassarg des Herrschers Qabus vermutlich herunterkam und zerstört wurde, ereignete sich um das Jahr 1470 n. Chr.. Da Qabus ibn Voshmgir im Jahr 1012 ermordet wurde, als die Region islamisiert wurde, vermischte man zoroastrische und islamische Bräuche. Nach altiranischem (zoroastrischem) Glauben durfte ein Leichnam die heilige Erde nicht berühren. Deshalb wurde sein Glassarg an vier Ketten in 45 Metern Höhe aufgehängt. Ein Fenster im Osten der Kuppel war so ausgerichtet, dass die Strahlen der Morgensonne den Toten trafen und der Sarg über seinem Volk zu leuchten began. Bei der späteren Mongoleninvasion töteten die Mongolen die Stadt. Das Erdbeben begrub die Ruinen der Stadt Jahrhunderte später physisch unter der Erde, bis auf dem abseits stehenden Turm. Die verbliebenen Bewohner verließen Alt-Gorgan endgültig und siedelten sich einige Kilometer entfernt direkt um den Grabturm im heutigen Gonbad-e Qabus an.