Witterda ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Erfüllende Gemeinde für Witterda ist die Gemeinde Elxleben. Bekannt ist Witterda besonders wegen seiner langen Obst- und Gartenbautradition.

Geografie Die Gemeinde liegt nordwestlich der Landeshauptstadt Erfurt am Nordhang der Fahner Höhe. Ortsteil der Gemeinde ist Friedrichsdorf.

Geschichte Anfänge bis 1600 Die fruchtbare und klimatisch günstige Region ist schon seit der Steinzeit besiedelt. Für den Ursprung des Ortsnamens Witerde (später Witterda) gibt es zwei Erklärungen. Die germanische Deutung ist Siedlung unter Weidenbäumen (an einer Quelle), wobei das de auf ein hohes Alter dieser Siedlung hinweist. Der Name könnte auch slawischen Ursprungs sein. Das slawische Wort Wit- bedeutet Herr. Witterda würde somit Herrensitz bedeuten.

1144 ist im Copialbuch des Petersklosters Erfurt von einem „Wernhere de Witerde“ als Zeugen die Rede. Herren von Witerde waren wohl Ministeriale, eine Burg im Ort war ihr Stammsitz (eine Anhöhe neben dem Kirchberg heißt noch „die Burg“ oder „Borke“). Unweit davon existiert auch die Bezeichnung „das Schloss“ mit „Herrengarten“.

Die Gemeinde wird erstmals 1233 urkundlich erwähnt, als der Mainzer Erzbischof Siegfried III. die Vogteirechte über Witterda erwarb. Die Geschichte des Ortes ist eng an den damaligen Mainzer Hof in Erfurt geknüpft. Witterda gehörte ab dem 13. Jahrhundert zu den so genannten Küchendörfern um die Stadt Erfurt, die den Hof mit Lebensmitteln zu versorgen hatten und ihm mit unentgeltlichen Arbeitsleistungen frondienstpflichtig waren. Im Gegenzug waren diese Küchendörfer von bestimmten Abgaben befreit.

Die Einwohner lebten von Ackerbau und Viehzucht, wobei die Färberpflanze Waid besonders wichtig war, doch auch der Wein-Anbau spielte eine Rolle. 1530 forderte die Pest 100 Tote. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war eine Blütezeit des Ortes. Es entstanden im Rahmen einer Befestigung drei das Dorf schützende, massive und ständig bewachte Tore (Obertor, Untertor, Feldtor). Auch große Bauernhöfe schmückten sich mit stattlichen Torbögen. In einer Urkunde von Ende des 16. Jahrhunderts heißt es: „Kein Dorf hat so wohlhabende Pauern als wie zu Wietterde“. Die alte Kirche (sancti Martini in ville witterde) wurde gründlich repariert. An der Spitze der Gemeindeverwaltung stand ein „Oberheimbürge“.

1600 bis 1914 Der Dreißigjährige Krieg führte zu schweren Plünderungen und Zerstörungen in dem wohlhabenden Ort. 1625/26 raffte die Pest 200 von 360 Einwohnern dahin. Allmählich erholte sich der Ort. 1710 konnte die neue Kirche St. Martin geweiht werden, 1713 kam der barocke Hochaltar hinzu. 1718 wurde das Gemeindebackhaus gebaut. Der Siebenjährige Krieg mit französischen und preußischen Besatzungen und Kontributionszahlungen führte zu einer „gewaltigen Kriegsschuld“. 1775 kam es für Knaben, 1780 auch für Mädchen zur allgemeinen Schulpflicht. Die Einführung des Obstanbaues an den Fahnerschen Höhen Ende des 18. Jahrhunderts war für Witterda eine erhebliche Bereicherung und mit wachsendem Wohlstand verbunden. Selbst Nuss- und Aprikosenbäume wurden gepflanzt.

1802 verlor Witterda seine Mainzer Herrschaft und kam an das Königreich Preußen. 1803 waren König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise auf der Durchreise. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 wurde Witterda bis 1813 ein Teil der „Persönlichen Domäne Erfurt“ von Napoleon I. und gehörte damit quasi zu Frankreich. Es kam zu Durchmärschen, Einquartierungen, Plünderungen, Kontributionen und Requisitionen. Nach dem für Napoleon verlorenen Russlandfeldzug mussten 1813 alle Witterdaer Männer in Erfurt an der Zitadelle Petersberg zu deren Verstärkung Schanzarbeiten leisten. An einem „bösartigen Nervenfieber“ (wohl Typhus) starben 25 Einwohner. 1813/14 kam es auch zu Plünderungen und anderen Exzessen durch Kosaken. Witterda wurde wieder preußisch und gehörte bis 1944 zum Regierungsbezirk Erfurt der Provinz Sachsen. An der Last von Kriegsschulden und ihrer Tilgung nach dem Krieg hatte der Ort noch lange zu tragen. Auf Grund der wirtschaftlichen Notlage und der Verheißung eines besseren Lebens gab es Mitte des 19. Jahrhunderts ein „Auswanderungsfieber“ nach Nordamerika. 1839 wurden Ober- und Untertor abgetragen.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahmen 32 Witterdaer und Friedrichsdörfer teil. In den nachfolgenden Jahrzehnten nahm der Ort am allgemeinen Aufschwung im neugegründeten Deutschen Reich teil. Das nach Niederlegung seiner Festungsmauern rasch expandierende Erfurt bot einen immer besseren Absatzmarkt für landwirtschaftliche Erzeugnisse. 1891 wurde für die evangelische Minderheit die „Gustav-Adolf-Kapelle“ im Unterdorf gebaut. 1894 erhielt Witterda ein eigenes Postamt, 1897 wurde es an das Fernsprechnetz angeschlossen, im gleichen Jahr brachte ein Bahnhof die Eisenbahnverbindung an der Strecke Kühnhausen–Döllstädt. Feste Landstraßen in die Nachbardörfer wurden gebaut. 1909 erfolgte der Anschluss an die Stromversorgung, gespeist aus dem neuen Kraftwerk Thüringen in Gispersleben. 1910 wurde eine Wasserleitung gelegt, 1912 waren alle Häuser angeschlossen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Witterda zunehmend Ausflugsort, besonders während der Obstblüte. Die Einwohnerzahl hatte im Jahre 1900 auf 900 zugenommen.

1914 bis 1945 Im Ersten Weltkrieg starben 34 Männer aus Witterda und neun aus Friedrichsdorf.

In der Zeit der Weimarer Republik betrafen Hyperinflation, Absatzschwierigkeiten und Arbeitslosigkeit auch das Bauerndorf Witterda erheblich. Die konservative, katholische Bevölkerung wählte überwiegend die Zentrumspartei, die auch die Bürgermeister stellte.

In der Zeit des Nationalsozialismus profitierte der Ort zunächst von der „Erzeugungsschlacht“ mit garantierter Abnahme der landwirtschaftlichen Produkte (der Staat legte Vorräte an), von der Einführung des „HJ-Landdienstes“ für die jungen Mädchen und von der Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch „Notstandsarbeiten“, Aufbau der Rüstungsindustrie in den umgebenden Städten und den wiedereingeführten Wehrdienst – ohne dass Motivation und Folgen dieser Politik von den meisten durchschaut wurden. 1933 feierte Witterda den 700. Jahrestag seiner urkundlichen Ersterwähnung. Der totale Anspruch des NS-Staates auf die Menschen führte zu Reibungen mit der katholischen Kirche, auch zu zweimaliger Verhaftung des Pfarrers. Es kam zu Umbesetzungen bei den Lehrerstellen. In Witterda wurden 27 „Erbhöfe“ geschaffen. Diese mussten in der Hand nur eines Erben bleiben, um die laufende Verkleinerung der Höfe zu beenden. Die innerörtlichen und die zu den Nachbardörfern führenden Straßen wurden erneuert, der Löschwasserteich wurde modernisiert, eine Motorspritze für die 1878 gegründete Freiwillige Feuerwehr Witterda angeschafft, ein neuer Sportplatz und eine neue Schule gebaut (mit Gemeinschaftsräumen für HJ und BDM).Das Kirschendorf Witterda. Bauernfleiß an den Fahnerschen Höhen. In: Thüringer Allgemeine Zeitung, vom 17. April 1938, .

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte der Ort evakuierte Frauen und Kinder aus dem Saarland und später aus den Luftkriegsgebieten aufzunehmen. Als „Ersatz“ für die zum Wehrdienst eingezogenen Männer wurden Zwangsarbeiter aus Polen und kriegsgefangene Franzosen eingesetzt. Letztere (etwa 30 Mann) hatten ihre Unterkunft in der „Schenke“ und arbeiteten in der Landwirtschaft. Die Leitung der Betriebe hatten die Frauen und die Alten zu übernehmen.

Das Einzelschicksal Gert Sch. aus Witterda, zeigt auf, wie der Rassenwahn auch in kleinere Gemeinden Einzug erhielt. Gert Sch., geboren am 25. November 1928, lebte in Witterda zusammen mit seinen Großeltern. Im Mai 1941 kam die Aufforderung des zuständigen Jugendamtes, dass: „der Negermischling aus dem Ort entfernt wird, um die Schuljugend in Witterda seinem schändlichen Einfluß zu entziehen.“ Vorgesehen war, dass der Junge in ein Waisenhaus in die St. Josefspflege nach Mulfingen gebracht werden solle. Dort wurden Forschungen mit „Zigeunermischlingskindern“ unter den „Zigeunerforschern“ Roman Ritter und Eva Justin gemacht, bis diese in das KZ Auschwitz deportiert wurden. Die St. Josefspflege lehnte die Aufnahme Gert Sch. ab und dieser kehrte nach Beendigung der Schule zu seiner Mutter nach Bad Langensalza zurück. Am 20. Juli 1944 wurde der nun 16-jährige dann in das KZ Buchenwald eingewiesen und im Steinbruch eingesetzt. Nach eigenen Aussagen überlebte er das Konzentrationslager nur aufgrund der illegalen Widerstandsorganisation.

Am 10. April 1945 besetzten US-Truppen den Ort, auf dessen Kirchturm (durch einen französischen Kriegsgefangenen?) die weiße Fahne gehisst worden war. Durch Beschuss brannten einige Scheunen am Dorfrand nieder. Als „Strafmaßnahme“ für den von ihm geplanten Widerstand mit Barrikadenbau im Dorf wurde das Schul-Wohnhaus des Lehrers und Volkssturmführers abgebrannt. Er selbst wurde abgeführt. Die US-Soldaten durchsuchten jedes Haus vom Keller bis zum Boden und verhängten eine Ausgangssperre ab 21:00 Uhr.

Im Zuge der Kampfhandlungen am 10. April kamen 15 deutsche Soldaten ums Leben. Sie fielen zum Teil in der Flur um Witterda, 8 von ihnen sollen aber als „Vergeltung“ für zwei erschossene amerikanische Soldaten am Grenzgraben an der Fahnerschen Straße exekutiert worden sein. Die 15 Soldaten wurden am 12. April auf dem Friedhof begraben, 1947 hat man ihnen steinerne Grabplatten und ein großes Gedenkkreuz gesetzt.Heinrich Schwade: Witterda – unser Dorf in den Jahren 1926–1986. In: Der Turmknopf erzählt. St. Martinskirche Witterda, Witterda 1986.

Von den eigenen 225 aus Witterda und Friedrichsdorf eingezogenen Männern kehrten 88 (gefallen oder vermisst) nicht aus dem Krieg zurück. An sie erinnert eine Gedenktafel von 1983 in der Martini-Kirche.

1945 bis jetzt