Die Geschichte Armeniens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Armenien und historischer armenischer Reiche von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Armenien wurde als kleinasiatisches Land erstmals in der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. unter der heutigen Landesbezeichnung erwähnt.Robert Rollinger: The Median Empire, the End of Urartu and Cyrus the Great Campaigne 547 v. Chr. in Nabonaid Chronicle II 16. In: Proceedings of the 1st International Conference on Ancient Cultural Relations between Iran and West-Asia, Teheran 2004, S. 9–12.

Vorgeschichte Paläolithikum An den Fundstätten KarakhachS. L. Presnyakov, E. V. Belyaeva, V. P. Lyubin, Nickolay V Rodionov, A. V. Antonov, A. K. Saltykova: Age of the earliest Paleolithic sites in the northern part of the Armenian Highland by SHRIMP-II U–Pb geochronology of zircons from volcanic ashes. In: Gondwana Research 21,4 (2012) 928–938. und KurtanS. L. Presnyakov, E. V. Belyaeva, V. P. Lyubin, N. V. Rodionov, A. V. Antonov, A. K. Saltykova, N. G. Berezhnaya, S. A. Sergeev: Age of the earliest Paleolithic sites in the northern part of the Armenian Highland by SHRIMP-II U–Pb geochronology of zircons from volcanic ashes. In: Gondwana Research 21,4 (2012) 928–938. ließ sich mit einem näherungsweisen Alter von 1.810.000 ± 5.000 bzw. 1.432.000 ± 28.000 Jahren die früheste Anwesenheit von Homininen nachweisen. Die dritte Fundstätte dieser frühen Epoche ist Muradovo.

Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit In die Zeit des anatolischen Chalkolithikums wird mit ca. 3630–3380 v. Chr. einer der ältesten bekannten Schuhfunde aus der Höhle von Areni I. (Provinz Wajoz Dsor) im Süden des Landes datiert.Ron Pinhasi, Boris Gasparian, Gregory Areshian, Diana Zardaryan, Alexia Smith, Guy Bar-Oz, Thomas Higham: First Direct Evidence of Chalcolithic Footwear from the Near Eastern Highlands. In: PLoS ONE. 5/6, 2010, doi:10.1371/journal.pone.0010984

Zwischen 3500 und 2100 v. Chr. kennen wir die Kura-Araxes-Kultur. Kurz nach 3000 v. Chr. tauchen auch hier, wie zuvor in der Maikop-Kultur die ersten Radmodelle, gegen 2400 v. Chr. die ersten Wagenräder auf.Hans J.J.G. Holm: The Earliest Wheel Finds, their Archeology and Indo-European Terminology in Time and Space, and Early Migrations around the Caucasus. Series Minor 43. Archaeolingua Alapítvány, Budapest, ISBN 978-615-5766-30-5. Der Kura-Araxes-Kultur folgten die Trialeti-Kultur, die Sevan-Userlik-Kultur, die Karmir-Berd-Kultur und andere, die kulturell wahrscheinlich aus der Verschmelzung der Kura-Araxes-Kultur mit Einwanderern aus Nordmesopotamien hervorging. In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus bildeten sich erste staatsähnliche Strukturen, die durch reiche Bestattungen im Kurganstil (z. B. die Funde von Werin Nawer und Nerkin Nawer in der Nähe von Jerewan) und ein Netz zyklopischer Festungen im ganzen Kaukasusgebiet charakterisiert werden. Der langsame Niedergang dieser Kultur, deren Angehörige in der Forschung teils für Vorfahren der modernen Armenier gehalten werden, hing möglicherweise mit den Umwälzungen am Ende der Bronzezeit zusammen und begünstigte den Aufstieg Urartus.

Von etwa 860 v. Chr. bis mindestens 547 v. Chr. bestand zwischen den „drei Meeren“ Vansee, Urmia-See und Sewansee das Reich Urartu, das auch etwa die Hälfte des heutigen Armeniens umfasste.Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen. München 2004, S. 192–195.

Seit 782 v. Chr. ist Jerewan/Eriwan (urartäisch Erebuni) als Name einer Siedlung und Festung bekannt, die später zum Namen der armenischen Hauptstadt wurde.

Ab 700 v. Chr. brachen kurzfristig bis etwa 672 v. Chr. die Kimmerer vom Kaukasus über die Westküste des Kaspischen Meeres kommend in die Region ein.Vgl. hierzu: 547 v. Chr. wird Urartu von Kyros II. erobert und Teil des persischen Achämenidenreiches.

Älteste erhaltene Verwendung des Namens Armenien In der dreisprachigen Behistun-Inschrift von Dareios I. von 521 v. Chr. wird der Name Armeniens (altpersisch Arminia, elamisch Harminuja) gleichwertig mit der alten Namensbezeichnung Uraštu in der babylonischen Sprache geführt. Nach Einverleibung des Landes durch Alexander im Jahr 334 v. Chr. regierten einheimische Dynastien in Armenien unter Oberhoheit der Seleukiden.

Antike

Orontiden- und Artaxidendynastie Nach der Aufteilung des Alexander-Reiches unter den Generälen des makedonischen Eroberers fielen in den Jahren ab 312 v. Chr. die oberen Satrapien an Seleukos I., der seine Herrschaft später auf Syrien und Kleinasien ausdehnte. Zu seinem Reich und dem seiner Seleukiden genannten Nachfolger gehörte auch die Satrapie Armenien, die das Bergland nördlich von Mesopotamien zwischen Taurus und Kleinem Kaukasus umfasste. Die Herrscher Armeniens, die der Familie der Orontiden entstammten, gewannen eine unabhängige Stellung und nahmen den Königstitel an. Ab 212 v. Chr. brachte der Seleukidenherrscher Antiochos III. (223–187 v. Chr.) die Seleukidenherrschaft in den oberen Satrapien wieder zur Geltung und zwang die letzten Orontidenherrscher zunächst zur Anerkennung seiner Oberhoheit, bis er das Land unter seine direkte Herrschaft brachte und zwei Statthalter mit dem Titel „Strategos“ einsetzte. Ein kleinerer Teil im Südwesten, die Sophene wurde unter die Herrschaft des Zariadris gestellt; der verbleibende größere Rest wurde als „Großarmenien“ (lateinisch: Armenia Maior) unter die Statthalterschaft des Artaxias gestellt. Nachdem Antiochos III. bei seiner weiteren Expansion in Konflikt mit den Römern geraten war, musste er nach der Niederlage in der Schlacht bei Magnesia (189 v. Chr.) den demütigenden Frieden von Apameia abschließen. Als Folge der Niederlage des Antiochos machten sich Zariadris und Artaxias (I.) unabhängig und nahmen den Königstitel an. Hauptstadt von Sophene wurde Arsamosata um Arazan.

Neben diesen beiden Königreichen gab es im Bergland nordwestlich des Karasu eine von den Römern Armenia Minor (Kleinarmenien) genannte Landschaft, über die nur wenig bekannt ist. Sie wurde später von König Mithridates VI. von Pontos erobert und gehörte in der Folgezeit zu den Königreichen Pontos und Kappadokien, bis sie mit diesen schließlich in die römische Provinzialverwaltung eingegliedert wurde. In der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. machten sich dann auch die Herrscher von Kommagene als Könige vom Seleukidenreich unabhängig, die sich sowohl auf eine Abstammung von den Seleukiden wie auch von den Orontiden beriefen.

König Artaxias I. (190–159 v. Chr.) begründete die Dynastie der Artaxiden, die Armenien zum Zenit seiner wirtschaftlichen und politischen Macht führte, und unter der es die glanzvollste Periode seiner Geschichte erlebte. Artaxias I. entschied, die von Jerwant IV. am Aras gegründete Hauptstadt Jerwandaschat aufzugeben (Armawir blieb das religiöse Zentrum des armenischen Königreiches), um weiter stromabwärts eine neue Metropole zu gründen, die er Artaxata (Artaschat) nannte. Wie Strabon und Plutarch berichteten, soll Hannibal, der um 188 v. Chr. nach der Schlacht bei Magnesia an den Hof Artaxias’ geflüchtet war, den armenischen König bei diesem Vorhaben maßgeblich beraten und sogar Pläne für Artaschat entworfen haben. Ausgrabungen der Armenischen Akademie der Wissenschaften brachten die Mauern der auf neun Hügeln gelegenen Stadt, Gebäude mit Wandmalereien, den Palast, Reste der Kasernen und Unterkünfte für Krieger mit Familien, Waffen, Pfeile, Schleudersteine, Pech, eine Truhe mit Silbermünzen, Darstellungen von Göttern und Reittieren mit silbernen Masken, Ziergegenstände aus Ton, nicht zuletzt aus Ton gebrannte Wasserleitungsrohre ans Licht. Terrakottagefäße und Leuchter aus urartäischer Zeit beweisen, dass die neugegründete Hauptstadt schon auf eine ältere Geschichte und Tradition als Siedlung zurückblicken durfte. mini|hochkant=1.8|Größte Ausdehnung Armeniens unter Tigranes II. mit dem Hauptreich Armenien (orange) mit seinen Vasallenstaaten (braun), nur ephemeren Einflussgebieten (dunkleres gelb) und dem eroberten restlichen Seleukidenreich in Syrien und Kilikien (rot). Albania, Kolchis und Iberien im Norden (lila): enge Beziehungen, Details zu der Zeit nicht überliefert. Strabon berichtet, dass im Herrschaftsbereich des Artaxias und des Zariadris eine einheitliche Sprache gesprochen wurde. Armenisch wurde allerdings erst im 5. nachchristlichen Jahrhundert verschriftet und zu einer Literatursprache entwickelt. Neben der im Zeitalter nach Alexander dem Großen zur allgemeinen Bildungssprache gewordenen griechischen Sprache war Aramäisch als althergebrachte Verkehrs- und Verwaltungssprache im Gebrauch.

Das von König Artaxias I. gefestigte Reich schien gefährdet, als sich dessen Enkel, König Artawasd I. (123–95 v. Chr.), den von Osten eindringenden Parthern beugen musste. Als Geisel kam der Thronfolger, Prinz Tigranes, an den parthischen Hof. Gegen die Abtretung von 70 Tälern im Osten Armeniens entließen die Parther Tigranes nach dem Tode von König Artawasd. Im Jahre 95 v. Chr. bestieg er als Herrscher von Armenien den Thron der Artaxiden.

Arsakiden mini|hochkant=1.5|Karte Armeniens im Altertum Das Partherreich versuchte bald nach dem Ende der Artaxidendynastie, Mitglieder des eigenen Herrscherhauses der Arsakiden als Vasallenkönige auf den Thron zu setzen. Diese armenischen Arsakiden wurden ab dann auch als Arshakuni bezeichnet. Zugleich versuchte auch das Römische Reich, das Land unter seine Kontrolle zu bringen, so dass Armenien für Jahrhunderte zu einem Zankapfel zwischen den beiden Großmächten wurde. Die Römer unterstützten zunächst erfolgreich eigene Verbündete, zuletzt aus dem iberischen (georgischen) Königshaus. Rhadamistos, der letzte Vertreter, kam durch Verwandtenmord an die Macht, wobei die Römer nicht einschritten. In der Folge gelang es dem parthischen Großkönig, seinen Bruder Trdat I. (Tiridates) als Kandidaten gegen den römischen Kandidaten, Tigranes von Kappadokien, durchzusetzen. Nach einem militärischen Schlagabtausch zwischen Römern und Parthern wurde Trdat 63 n. Chr. von den Römern als König Armeniens akzeptiert und 66 n. Chr. in Rom durch Kaiser Nero gekrönt. Nach dem Vertrag von Rhandeia (63) war Armenien nun ein römisches Protektorat. Dennoch blieb die Oberhoheit über Großarmenien umstritten und stellte den Hauptgrund für die folgenden Partherkriege dar. Als 114 der parthische Großkönig Osroes I. den arsakidischen König Armeniens, seinen Neffen Axidares, absetzte und dessen Bruder Parthamasiris zum König machte, erkannte Kaiser Trajan diesen nicht an und nahm den Vorgang zum Vorwand für einen Eroberungskrieg. Es gelang ihm sogar für kurze Zeit, das Land als römische Provinz Armenia einzugliedern.

Doch bereits 117 wurde die Provinz wieder aufgegeben, und die Arsakidendynastie herrschte weiterhin bis 428 in Armenien, obwohl die arsakidische Hauptlinie in Iran 224 von den Sassaniden besiegt und gestürzt wurde. Die Arsakidenherrscher in Armenien suchten fortan beim Römischen Reich Unterstützung. Allerdings herrschten bereits im 2. Jahrhundert auch unabhängig davon romfreundliche Könige in Armenien, so zwischen ca. 140 und 175 Pakoros und Sohaemus. Im 3. Jahrhundert folgten schwere Kämpfe mit Rom, die auch Armenien betrafen. Im Feldzug von 252 gelang es dem Sassaniden Schapur I., 296 noch einmal seinem Sohn Narseh, Großarmenien zu erobern, doch vermochten sie ihre Herrschaft nicht auf Dauer zu etablieren; zumeist gab es zumindest in Westarmenien arsakidische Könige. Als Kaiser Diokletian die Sassaniden 298 besiegte, mussten sie die Oberhoheit über Großarmenien aufgeben – der Arsakide Trdat III. (Tiridates III. in westlichen Quellen) bestieg den Thron, suchte die Nähe zu den Römern und förderte seit ca. 315 das Christentum in Armenien. Im 4. Jahrhundert kam es dann erneut zu heftigen Kämpfen zwischen Römern und Sassaniden um Armenien, vor allem zwischen Constantius II. und Schapur II., die sehr wechselhaft verliefen (siehe Römisch-Persische Kriege).

Christianisierung