350px|Irving Berlin Portrait2 Der russisch-US-amerikanische Komponist und Songtexter Irving Berlin, der mit dem Lied Alexander’s Ragtime Band aus dem Jahr 1911 Weltruhm erlangte, befindet sich 1948 – nach seinem erfolgreichen Musical Annie Get Your Gun aus dem Jahr 1946 und seinem 1947 von Bing Crosby eingespielten Lied White Christmas – auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1948. links|mini|Bing Crosby – There’s No Business Like Show Business (1948) links|mini|Cowboy Copas – Tennesee Waltz (1948) mini|Art Tatum (1948) mini|Stan Kenton mit Bassist Eddie Safranski (1948) mini|Leadbelly (1948)

Ereignisse Amerika Vereinigte Staaten von Amerika 20. März: Der berühmte italienische Dirigent Arturo Toscanini gibt sein Fernsehdebüt und dirigiert das NBC Symphony Orchestra in den Vereinigten Staaten in einem Programm mit den Werken von Richard Wagner. 3. April: Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie wird zum ersten Mal vollständig im Fernsehen in einem Konzert des NBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Arturo Toscanini gespielt. Der Chor wurde von Robert Shaw geleitet. 3. April: KWKH sendet erstmals den Louisiana Hayride, der in den 1950er-Jahren nur von der Grand Ole Opry an Popularität übertroffen wird. 15. Mai: Das Billboard Magazin führt eine zweite Hitparade für Country-Musik ein: die Best Selling Folk Retail Records. Somit war es möglich, zwei Nummer-eins-Titel zu haben. 21. Juni: Columbia Records führt die Langspielplatte in einer öffentlichen Vorführung im Waldorf-Astoria Hotel in New York City ein. Die LP („Long Playing“) mit 33 Umdrehungen pro Minute bietet 25 Minuten Musik pro Seite, im Vergleich zu den vier Minuten pro Seite der 78/min-Schallplatte, dem bisherigen Standard für Grammophonplatten. 15. Juli: Kurt Weills einaktige Folk-Oper Down in the Valley auf ein Libretto von Arnold Sundgaard wird in der Indiana University in Bloomington uraufgeführt. 24. Juli: Roy Acuff gibt seine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Tennessee bekannt. Acuff, der für die Republikanische Partei antritt, wird die Wahl jedoch verlieren. Sommer: John Cage beginnt seine Lehrtätigkeit am Black Mountain College in North Carolina. 29. November: Erste Live-Übertragung einer kompletten Oper durch die Metropolitan Opera, der Eröffnungsvorstellung von Giuseppe Verdis Otello mit Ramón Vinay, Licia Albanese und Leonard Warren in den Hauptrollen, auf ABC-TV. 30. Dezember: Uraufführung von Kiss Me, Kate, des erfolgreichsten Musical von Cole Porter auf ein Buch von Samuel und Bella Spewack im New Century Theatre in New York. Dezember: Perry Como hat sein erstes Weihnachtsspecial im Fernsehen. Eddy Arnold dominiert die Country-Charts mit fünf Nummer-eins-Hits; der einzige Künstler außer Arnold, der 1948 die Spitze der Charts erreicht, ist Jimmy Wakely mit „One Has My Name (The Other Has My Heart)“. Al Jolson wird in einer Umfrage des Magazins Variety zum „beliebtesten männlichen Sänger“ des Jahres gewählt. Patti Page ist die erste Künstlerin, die die Technik des Mehrspur-Overdubbings einsetzt (später von Les Paul & Mary Ford populär gemacht). Otis Rush zieht nach Chicago und beginnt seine musikalische Karriere. Igor Strawinsky trifft zum ersten Mal auf Robert Craft, der Weggefährte Strawinskys bis zu dessen Tod werden wird und als sein Übersetzer, Chronist, assistierender Dirigent und Faktotum für unzählbare musikalische und gesellschaftliche Aufgaben fungieren wird. Gründung der Amato Opera, der „kleinsten Oper der Welt“, in New York City. Das Big D Jamboree geht in Dallas, Texas, erstmals auf Sendung. Der Chippewa Valley Barn Dance geht in Eau Claire, Wisconsin, erstmals auf Sendung. Der Country Carnival Barn Dance geht in San Gabriel, Kalifornien, erstmals auf Sendung.

Europa Deutschland Amerikanische Besatzungszone 2. April: Konzertante Uraufführung der deutschen Kammeroper Simplicius Simplicissimus von Karl Amadeus Hartmann auf ein Libretto von Hermann Scherchen, Wolfgang Petzet und Karl Amadeus Hartmann beim Bayerischen Rundfunk. Erstmalige Vergabe des Bambis. Gründung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Britische Besatzungszone 7. November: Im Rahmen eines Schulwettbewerbs aus Anlass des Goethe-Jahres erhält Friedhelm Deis, Kirchenliedkomponist der Neuapostolischen Kirche, den Preis des Kulturministers des Landes Nordrhein-Westfalen für eine Klaviersonate, fünf Präludien und Fugen. Wilhelm Ehmann gründet in Herford die Westfälische Kantorei.

Französische Besatzungszone Hans Werner Henze wird musikalischer Assistent am Deutschen Theater in Konstanz.

Sowjetische Besatzungszone 22. Februar: Uraufführung der Oper in einem Akt Die Nachtschwalbe von Boris Blacher auf ein Libretto von Friedrich Wolf an den Städtischen Bühnen der Stadt Leipzig. Rudolf Mauersberger komponiert 1947/1948 sein Dresdner Requiem. Als Auftragswerk der Kulturabteilung des Landesvorstandes Thüringen der SED zum hundertjährigen Gedenken der Revolution von 1848 und zugleich als Loblied auf die Entwicklung des Sozialismus in der Sowjetischen Besatzungszone vollendet Ottmar Gerster seine Festouvertüre 1948 für großes Orchester. Der Dokumentarfilm Botschafter des Friedens über das sowjetische Alexandrow-Ensemble von Marion Keller erscheint.

Berlin 18. Dezember: Uraufführung der Oper Circe von Werner Egk in Berlin.

Frankreich 22.–28. Februar: Erstes Nice Jazz Festival in Nizza mit Louis Armstrong, Stéphane Grappelli, Claude Luter, Mezz Mezzrow und Django Reinhardt. Während dieser ersten Veranstaltung singt Suzy Delair zum ersten Mal das Lied C’est si bon in einem Kabarett, in dem Louis Armstrong seinen Abend beendete. Francis Poulenc komponiert sein geistliches Chorwerk Quatre petites prières de Saint François d’Assise für Männerchor. Uraufführung der Operette Quatre jours á Paris von Francis Lopez am 18. Februar im Théâtre Bobino in Paris.

Österreich 15. August: Szenische Uraufführung der Oper Le vin herbé von Frank Martin bei den Salzburger Festspielen.

Schweiz Frank Martin vollendet sein Oratorium Golgotha.

Sowjetunion 3. Dezember: Uraufführung der Oper Die Geschichte vom wahren Menschen von Sergei Prokofjew auf ein Libretto von Mira Mendelson.

Tschechoslowakei 20. Mai: Der Second International Congress of Composers and Music Critics 1948 findet in Prag statt. 28. Oktober: Uraufführung der Oper Drei Haare des Väterchens Allwissend von Rudolf Karel am Nationaltheater in Prag.

Vereinigtes Königreich 10. Januar: Das Amadeus Quartet gibt sein erstes Konzert und diesem Namen in der Wigmore Hall in London unter der Leitung von Imogen Holst. 21. April: Die Sinfonie Nr. 6 e-Moll von Ralph Vaughan Williams wird vom BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Adrian Boult in der Royal Albert Hall in London uraufgeführt und im BBC Home Service ausgestrahlt. 21. April: Das National Youth Orchestra of Great Britain gibt sein erstes Konzert. 5. Juni: Eröffnung des ersten Aldeburgh Festivals, gegründet von Benjamin Britten, Eric Crozier und Peter Pears. 13. Oktober: Kathleen Ferrier begleitet Sir John Barbirolli und das Hallé-Orchester bei einer Rundfunkaufführung von Gustav Mahlers Liederzyklus Kindertotenlieder. Die National School of Opera wird von Joan Cross gegründet.

Musikcharts Vereinigte Staaten Die längsten Nummer-eins-Singles

Lieder, die die meiste Zeit während eines anderen Jahres auf Platz 1 der Charts verbrachten, werden hier nicht aufgeführt. Peggy Lee with Dave Barbour & The Brazilians – Mañana (Is Soon Enough for Me) (9 Wochen) Pee Wee Hunt & his Orchestra – Twelfth Street Rag; Dinah Shore & Her Happy Valley Boys – Buttons and Bows (jeweils 8 Wochen) Vaughn Monroe & His Orchestra – Ballerina; Nat King Cole with Frank De Vol & his Orchestra – Nature Boy (jeweils 7 Wochen)

Die längsten Nummer-eins-Alben

Alben, die die meiste Zeit während eines anderen Jahres auf Platz 1 der Charts verbrachten, werden hier nicht aufgeführt. Al Jolson – Al Jolson Vol. 3 (14 Wochen) Stan Kenton – A Presentation of Progressive Jazz (8 Wochen) Bing Crosby – Merry Christmas (7 Wochen)

Alle Nummer-eins-Hits und die Hits des Jahres

Charts in weiteren Ländern

Weitere Hit-Singles A Heart Full of Love (For a Handful of Kisses) – Eddy Arnold A Tree In the Meadow – Margaret Whiting Anytime – Eddy Arnold Boquet of Roses – Eddy Arnold Confess aufgenommen von Doris Day & Buddy Clark Patti Page Cool Water – Vaughn Monroe & The Sons of the Pioneers Deck Of Cards – Phil Harris Don’t Have To Tell Nobody – Frankie Laine Gloria – The Mills Brothers Hair of Gold, Eyes of Blue aufgenommen von: Gordon MacRae The Harmonicats Jack Emerson I Love You So Much (It Hurts Me) – The Mills Brothers I’m Looking Over a Four Leaf Clover aufgenommen von: Frankie Laine Art Mooney I’m My Own Grandpa – Guy Lombardo & The Guy Lombardo Trio Is It True What They Say About Dixie? – Al Jolson & The Mills Brothers It’s Magic – Doris Day Just a Little Lovin’ (Will Go a Long, Long Way) – Eddy Arnold Little White Lies – Dick Haymes & The Four Hits And A Miss Love Somebody – Doris Day & Buddy Clark Monday Again – Frankie Laine Move On Up A Little Higher – Mahalia Jackson My Happiness aufgenommen von: The Pied Pipers Jon und Sondra Steele Nature Boy aufgenommen von: Nat King Cole Sarah Vaughan One Has My Name (the Other Has My Heart) – Jimmy Wakely Red River Valley – Jo Stafford Red Roses For A Blue Lady – Vaughn Monroe Rosetta – Frankie Laine (I’d Like to Get You on a) Slow Boat to China – Kay Kyser, Harry Babbitt & Gloria Wood So Tired – Russ Morgan Someday You’ll Want Me To Want You – Vaughn Monroe Tennessee Waltz – Pee Wee King & Redd Stewart Texarkana Baby – Eddy Arnold The Things We Did Last Summer – Georgia Gibbs Twelfth Street Rag – Pee Wee Hunt Underneath the Arches – Andrews Sisters What Could Be Sweeter – Frankie Laine Wrap Your Troubles In Dreams – Georgia Gibbs Woody Woodpecker – Kay Kyser, Harry Babbitt & Gloria Wood You Call Everybody Darlin’ – Al Trace You Can’t Be True, Dear – Kenneth W. Griffin

Musikpreisverleihungen und Ehrungen Oscarverleihung Beste Filmmusik (Drama/Komödie): Miklós Rózsa – Ein Doppelleben (A Double Life) Beste Filmmusik (Musikfilm): Alfred Newman – Es begann in Schneiders Opernhaus (Mother Wore Tights) Bester Filmsong: Allie Wrubel, Ray Gilbert – „Zip-a-Dee-Doo-Dah“ – Onkel Remus’ Wunderland (Song of the South) Bester Ton: Gordon Sawyer – Jede Frau braucht einen Engel (The Bishop’s Wife)

Pulitzerpreis Pulitzerpreis/Musik: Walter Piston, Symphony No. 3

Tony Awards Bester Hauptdarsteller Musical: Paul Hartman in Angel in the Wings Beste Hauptdarstellerin Musical: Grace Hartman in Angel in the Wings Beste Choreographie: Jerome Robbins für High Button Shoes Bester Dirigent und Musikdirektor: Milton Rosenstock für Finian's Rainbow

Weitere Förderpreis Musik der Landeshauptstadt München: Karl Amadeus Hartmann Preis der Stadt Wien für Musik: Hans Erich Apostel

Gründungen Schäffer-Quartett – deutsches Streichquartett

Neuveröffentlichungen (Auswahl) Lieder und Kompositionen