Denice Bourbon (* 1976 in Finnland) ist eine queerfeministische Bühnenkünstlerin und Autorin, die in Wien lebt. Sie trat als Sängerin, Burlesque-Performerin, als Darstellerin in Inszenierungen der freien Wiener Theaterszene auf sowie überregional als Stand-up-Comedian. Die Sprache ihres künstlerischen Schaffens ist Englisch.
Künstlerisches Schaffen Unter ihrem Namen Denice Fredriksson trat sie ab 2006 als Sängerin mit „Bonanza Jellybean“ auf,Archiv österreichischer Popularmusik „einer Band zwischen Country, finnischem Tango, traurigen Melodien und lustigen, lesbischen Texten“. Als Denice Bourbon war sie ab 2011 Frontsängerin der Wiener Electropunk-Frauenband „Me and Jane Doe“, mit der sie 2015 ein Album herausbrachte.Me and Jane Doe, Archiv österreichischer Popularmusik
In den 2010er Jahren gehörte sie zu dem Queer-Künstlerinnen-Kollektiv Club Burlesque Brutal (später Club Grotesque Fatal), das ein „lustvolles Spiel mit den Geschlechterrollen“ inszenierte.Frontfrau im "queer backyard", Sendung „Nachtquartier“ mit Kristin Gruber, Ö1, ORF, 28. November 2014 Zusammen mit Denise Kottlett kuratierte sie 2015 das erste internationale queere Performancefestival Wiens Straight To Hell im Kosmos Theater.Christopher Wurmdobler: Her Queerness, Falter, 25. Februar 2015
Sie spielte 2016 in der von Yosi Wanunu inszenierten „post porn“-Version des Dramas Reigen von Arthur Schnitzler mit.Margarete Affenzeller: Gedanken eines Stubenmädels. Arthur Schnitzlers "Reigen" auf gut queer, Der Standard, 18. März 2016 Über die Aufführung im „Garage X Theater Petersplatz“ Wien schrieb die Tageszeitung Die Presse: „Munter multikulturell mischen sich Transen, Lesben, Schwule, Heteros, das Weibliche ist leicht dominant. […] Diese Truppe hat den Rhythmus drauf. Etwas herausragend: die Kunstfiguren Lucy McEvil, Denice Bourbon und Nora Safranek.“Norbert Mayer: Der „Reigen“ in Zeiten des Life Balls, aus: Die Presse, Print-Ausgabe, 12. März 2016 Auch im Theaterkollektiv Nesterval war sie mehrmals Ensemblemitglied, so 2018/19 in einer Nebenrolle des Stücks Das Dorf nach einer Vorlage von Marie von Ebner-Eschenbachs Erzählung Krambambuli., in: Nachtkritik.de, 25. Oktober 2018
Anfang 2017 gründete sie gemeinsam mit Josef Jöchl das Stand-up-Bühne „PCCC“ (Politically Correct Comedy Club). PCCC findet regelmäßig im WUK in Wien, sowie auf anderen Bühnen im deutschsprachigen Raum statt. Als „politisch korrekt“ verstehen sie Comedy, die keine Witze auf Kosten von Minderheiten macht, zudem treten überwiegend FLINTA*-Personen auf.Schmäh mit gutem Gewissen, Wiener Zeitung, 24. Februar 2018Amira Ben Saoud: PCCC*. Kann politisch korrekte Comedy lustig sein? Der Standard, 17. Dezember 2019 2020 waren sie Gäste zum Thema „Grenzen des Humors“ in einer politischen Radioshow von Martin Zingsheim im Rahmen des Salzburger Stiers.Nora Koldehoff: Radioshow zum Thema „Grenzen des Humors“. „Zingsheim braucht Gesellschaft“, Deutschlandfunk, 16. Mai 2020 Comedians wie Malarina oder Toxische Pommes hatten bei PCCC ihre ersten Auftritte.Der Politically Correct Comedy Club und die Tagespresse, oe1.orf.at, 26. Februar 2023, abgerufen am 9. April 2023.
Ab 2019 tourte sie zusammen mit Stefanie Sargnagel und Christiane Rösinger mit dem Comedy-Programm „Legends of Entertainment“ durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Sie traten unter anderem in Kampnagel in Hamburg, im Münchner Volkstheater, im Schauspielhaus Graz, im Theater Neumarkt Zürich und im Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt auf. Die Süddeutsche Zeitung schrieb über Bourbon: „Diese Mischung aus Selbstironie und kluger Kritik an der Gesellschaft zeichnet die Entertainerin aus, die ein Fixstern am queer-feministischen Stand-up-Comedy-Himmel Wiens ist.“Anna Steinbauer: Feministischer Größenwahn, Süddeutsche Zeitung, 13. November 2019 Die Show galt als hallenfüllender Erfolg der „drei Superstars der queer-lesbischen Szene“. Im Herbst 2021 präsentierte sie zusammen mit Gin Müller die Revue „Sodom Vienna“ über queeres Leben im „Roten Wien“ der 1920er Jahre, die im Theater Brut Wien Premiere hatte.Faszination Revue: Humor als Waffe. Gin Müller und Birgit Peter über das utopische und ästhetische Potenzial der Revue, Wiener Zeitung, 28. Oktober 2021
Bourbon veröffentlichte 2013 ihre Autobiographie mit dem Titel Cheers! Stories of a Fabulous Queer Femme in Action, die in der Wiener ZeitungIga Mazak: Queerulantin, Wiener Zeitung, 19. Februar 2014 und im Der Standard rezensiert wurde. Ina Freudenschuß nannte sie eine wichtige Darstellung der queeren Szene Wiens. Mit Anekdoten entstehe „das lebhafte Bild einer Szene, die als sexuelle Avantgarde die biologischen und sozialen Geschlechtergrenzen“ überschreite.Ina Freudenschuß: Der Bourbon-Style, Rezension, in: Der Standard, 7. November 2013
Veröffentlichungen
Cheers! Stories of a Fabulous Queer Femme in Action (Autobiografie, englisch), Zaglossus Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-902902-07-8 Ungrab my heart, in: Sonja Eismann, Anna Mayrhauser (Hrsg.): Freie Stücke. Geschichten über Selbstbestimmung, Edition Nautilus, Hamburg 2019, ISBN 978-3-96054-185-1, S. 16–24 Album Me & Jane Doe, mit Lisa Wawrusch, Jasmin Maria Rilke und p.K.one, Vinyl und Digital Album, Kim Label, Graz 2015
Weblinks
Kurz-Biografie und Performances im Brut Wien Denice Bourbon & Josef Jöchl, Okto, 25. Juni 2019
Einzelnachweise
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