mini|hochkant|Bapsi Sidhwa 2008 auf dem Texas Book Festival Bapsi Sidhwa (; geboren am 11. August 1938 in Karatschi, Präsidentschaft Bombay, Britisch-Indien; gestorben am 25. Dezember 2024 in Houston, Texas) war eine pakistanische Romanautorin, die auf Englisch schrieb und in den Vereinigten Staaten von Amerika lebte. Sie gilt als eine der ersten Romanautorinnen Pakistans.
Bekannt wurde sie durch die Zusammenarbeit mit der indisch-kanadischen Filmemacherin Deepa Mehta: Sidhwa schrieb sowohl den 1991 erschienenen Roman Ice Candy Man, der als Grundlage für Mehtas Film Earth aus dem Jahr 1998 diente, als auch den 2006 erschienenen Roman Water, der wiederum auf Mehtas Film Water aus dem Jahr 2005 basiert. Ein Dokumentarfilm über Sidhwas Leben mit dem Titel Bapsi: Silences of My Life wurde im Jahr 2022 veröffentlicht.
Leben
Britisch-Indien – Karatschi, Lahore Sidhwa wurde als Tochter einer angesehenen Familie in Karatschi geboren, das damals zu Britisch-Indien gehörte. Ihre Eltern Peshotan und Tehmina Bhandara waren Parsi. Bald nach Sidhwas Geburt zog die Familie nach Lahore. Sidhwa war zwei Jahre alt, als sie an Kinderlähmung erkrankte. Bis sie 15 Jahre alt war, wurde sie zu Hause unterrichtet und las sehr viel. Als 1947 die Teilung Indiens stattfand war Sidhwa neun Jahre alt.
Pakistan – Lahore, Bombay, Lahore Sidhwa erhielt 1957 ihren Bachelor-Abschluss am Kinnaird College for Women in Lahore.
Im Alter von 19 Jahren heiratete sie und zog für fünf Jahre nach Bombay. Danach zog sie nach Lahore und heiratete dort Noshir R. Sidhwa, der ebenfalls Zoroastrier, wie Parsi auch genannt werden, war. Bevor sie ihre Karriere als Schriftstellerin begann, widmete sie sich der Erziehung ihrer drei Kinder. In Lahore arbeitete sie als Sekretärin in einem Heim für mittellose Frauen und Kinder und engagierte sich ab den 1970er Jahren für Frauenrechte. 1975 nahm sie am Asian Women’s Congress für Pakistan teil. Sie war Mitglied im Ausschuss für Frauenentwicklung unter Premierministerin Benazir Bhutto. Nachdem 1990 Islamisten durch die Ausrufung des Heiligen Kriegs gegen Bhutto hetzten, kamen in den Unruhen hunderte Menschen ums Leben. Vermutlich gab das den Ausschlag, dass Sidhwa mit ihrer Familie in die USA auswanderte.
USA – Houston Sidhwa lehrte an der University of Houston, der Rice University, der Columbia University, dem Mount Holyoke College und der Brandeis University. Sie wohnte in Houston, Texas.
Ihr Roman An American Brat (Eine amerikanische Göre) wurde in den USA geschrieben und 1993 veröffentlicht. In einem Online-Interview mit ihrer Freundin Sadia Rehman im August 2012 sagte sie: „Feroza – die Hauptfigur des Romans – steht mir und meinen Ansichten am nächsten“, was die Identitätsfragen der parsischen Einwanderer in den USA, ihren Lebensstil und ihre Kultur betrifft.
Eine von Sidhwas Töchter ist Mohur Sidhwa. Sie ist Anthropologin, ansässig in Tucson, Arizona und war 2012 Kandidatin im Distict 9 für das Repräsentantenhaus von Arizona. Sie trat dabei in Zusammenarbeit mit Planned Parenthood Advocates of Arizona ein für selbstbestimmte Sexualität, umfassende, faktenbasierte Sexual-Aufklärung und Familienplanung. Mohur Sidhwa wurde im damaligen Bombay (Indien) geboren und zog zehnjährig mit ihrer Familie nach Lahore (Pakistan).
Tod Im Dezember 2024 starb Bapsi Sidhwa im Alter von 86 Jahren in Houston (Texas).
Schriftstellerisches Wirken Sibhwa bezeichnete sich selbst als „Punjabi-Parsi“. Ihre erste Sprache war Gujarati, ihre zweite Sprache Urdu und ihre dritte Sprache Englisch. Sie konnte am besten auf Englisch lesen und schreiben, aber sie spricht lieber auf Gujarati oder Urdu.
Sidhwa begann mit 26 Jahren zu schreiben, nachdem sie mit ihrem Ehemann den Karakorum, eine Gebirgslandschaft mit mehreren Sieben- und Achttausendern, besucht hatte. Dort lernte sie die Geschichte eines Mädchens kennen, das als Braut zu einem Stamm gebracht worden war und nach kurzer Zeit aus dem Hause ihres Ehemannes floh, was der Stamm als ungehörige Missachtung aufnahm. Daher wurde sie von einigen Stammesmitgliedern verfolgt und getötet. Diese Geschichte beschäftigte Sidhwa so sehr, dass sie, nach einigen Artikeln über die Schönheit des Karakorum, die Geschichte des Mädchens in ihrem ersten Roman The Bride niederschrieb. Sie arbeitete vier Jahre daran, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden war. Anschließend setzte sie das Schreiben fort mit einer humorvollen Erzählung über die Gemeinschaft der Parsen: The Crow Eaters (Die Krähenfresser), was ein Spitzname für die Parsen ist.
Die beiden Bücher wurden zunächst von keinem Verlag angenommen. Da entschied sich Sidhwa The Crow Eaters im Eigenverlag drucken zu lassen. Danach musste sie von Buchhandlung zu Buchhandlung gehen, um für das Buch zu werben. Diese Erfahrung war so demotivierend, dass sie eine Schreibpause von fünf Jahren einlegte. Erst 1980 wurde das Buch vom britischen Verlagshaus Jonathan Cape verlegt, was ihr die Energie gab, weiter zu schreiben. In der Folge bekam sie für diese und weitere Romane zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Weltweit bekannt wurde Sibhwa, durch den Roman Cracking India (Indien zerteilen), der die Teilung des kolonialen Indien und die dramatischen Folgen für die Menschen beschreibt und die ihre eigene Kindheit prägte.
1998 drehte die kanadische Filmemacherin Deepa Mehta den Film Earth, der auf Sidhwas Roman Cracking India basiert. Der Film wurde auf dem französischen Festival du film asiatique de Deauville mit dem Großen Preis ausgezeichnet. Auch Sidhwas Folgeroman Water. A Novel verfilmte Mehta mit großem Erfolg.
Die Romane Sidhwas wurden in sieben Sprachen übersetzt und erschienen in zwölf Ländern; auf Deutsch liegt nur der Roman Ice Candy Man vor. Für die deutsche Ausgabe hat der Verlag den ursprünglichen Titel von Cracking India übernommen. 1991 bekam das Buch in Deutschland den LiBeraturpreis.
Veröffentlichungen 1978: Neuauflagen unter dem Titel The Crow Eaters in Indien: 1979, 1981 und 1990. In England 1980, in den USA 1982. Weitere Auflage 2019. 1982: The Bride (1982, England; 1983;1984, India; published as The Pakistani Bride, 1990 US and 2008 US) 1988: Weitere Auflagen unter dem Titel Cracking India 1991 in den U.S.A.; 1992 in India. 1992 bei Rowohlt, 2000 bei DTV erschienen. 1993: 1995 in Indien erschienen. 2006: Water. A Novel (US and Canada) 2006: 2012: Jungle Wala Sahib. Übersetzung aus dem Urdu. In: Readings Lahore. Pakistan 2013: 2019:
Preise und Ehrungen 1985: Patras Bokhari Award für den Roman The Bride 1986: Bunting-Stipendium am Radcliffe College der Harvard University 1991: Sitara-i-Imtiaz, Pakistans höchste nationale Auszeichnung für künstlerische Leistungen 1991: Gastwissenschaftlerin am Bellagio-Center der Rockefeller-Stiftung in Bellagio, Italien 1991: LiBeraturpreis (Deutschland) für Ice Candy Man 1991: Cracking India, Nominierung für das New York Times Notable Book 1993: Lila Wallace Reader’s Digest Writers Award 2000: Aufnahme in die Hall of Fame der Zoroastrier 2007: Premio Mondello für ausländische Autoren für Water
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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