Die Schmalspurlokomotiven der Gattung L 1 und Pts 3/3 N der Pfalzbahn wurden für die Strecken im Raum Ludwigshafen am Rhein (Ludwigshafen-Dannstadt, Ludwigshafen–Frankenthal und Frankenthal–Großkarlbach) sowie der Lokalbahn Speyer–Neustadt beschafft. Nach Gründung der Reichsbahn erhielten die Maschinen die Betriebsnummern 99 081 bis 99 093.
Beschaffung
Die ersten sieben Lokomotiven aus dem Jahr 1889 erhielten die Bahnnummern XI bis XVII. Weitere Lieferungen erfolgten 1891 (XVIII–XX) und 1899 (XXI und XXII). 1907 und 1910 erfolgte die Nachlieferung von zwei weitgehend identischen Lokomotiven. Diese erhielten die Nummern XXVIII und XXIX. Letztere wurde nach dem ab 1909 – Übernahme der Pfalzbahnen durch die Königlich Bayerische Staatsbahn – geltenden bayerischen Bezeichnungsschema als Gattung Pts 3/3 N bezeichnet. Alle bis 1907 gelieferten Maschinen erhielten neben der Nummer auch noch einen Namen.
Einsatz Die Lokomotiven der Type L 1 gehörten zu den Betriebswerken Ludwigshafen und Neustadt-Haardt. Ihr Einsatzgebiet waren die Vorderpfälzer Strecken von Ludwigshafen nach Dannstadt und von Ludwigshafen nach Grosskarlbach. Die beiden letzten Maschinen kamen auf der 1908 eröffneten Strecke Neustadt-Haardt nach Geinsheim zum Einsatz.
Verbleib Lok Nr. XX „Laumersheim“ ging im Ersten Weltkrieg verloren. Alle anderen wurden von der Reichsbahn übernommen. Die ersten Loks wurden 1930/31 ausgemustert. Die übrigen Lokomotiven wurden zwischen 1948 und 1957 ausgemustert. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieben drei Loks des Typs L 1 in der französischen Besatzungszone, nämlich die Betr.Nr. 99 086, 99 087 und 99 091Hans-Wolfgang Scharf, Lok Magazin 94, Jan/Feb. 1974, Dokumentation zu den Eisenbahnen in der franz. Besatzungszone, Februar 1948. Zusätzlich verblieben von der Nachbautype Pts 3/3 N die Betr.Nr. 99 092 und 99 093 im Bereich der französischen BesatzungszoneHans-Wolfgang Scharf, Lok Magazin 94, Jan/Feb. 1974, Dokumentation zu den Eisenbahnen in der franz. Besatzungszone, Februar 1948. Die Lok 99 081 kam 1939 zur Wangerooger Inselbahn und wurde dort am 12. August 1952 ausgemustert. Als letzte betriebsfähige Maschine war die 99 093 bis zum 10. August 1957 im Einsatz.
Konstruktion mini|Pfälzische L 1 Schmalspur-Kastenlokomotive, Schauernheim, Krauss N° 4214 von 1911, Deutsche Reichsbahn 99 091 Rahmen Die Maschinen besaßen einen innenliegenden Blechrahmen der genietet war. Er diente gleichzeitig als Wasserkasten.
Laufwerk Das Laufwerk war an drei Punkten abgestützt. Die erste und zweite Kuppelachse über gemeinsame Tragfedern und die dritte Achse über eine Querblattfeder. Die Treib- und Kuppelräder hatten einen Durchmesser von 845 mm.
Kessel Der Langkessel war genietet und bestand aus zwei Schüssen. Über dem zweiten Kesselschuss saß der Dampfdom. Das Sicherheitsventil befand sich auf dem Stehkessel. Zur Speiseeinrichtung gehörten zwei saugende Dampfstrahlpumpen. Die Rauchkammer schloss mit der Stirnwand des Gehäuses bündig ab.
Steuerung Die Nassdampftriebwerke besaßen eine außenliegende Allan-Steuerung und hatten Flachschieber. Die Zylinder waren waagerecht angeordnet. Es wurde die dritte Kuppelachse angetrieben. Die Lokomotive mit der Nummer XXVIII erhielt eine Heusinger-Steuerung.
Aufbau Aufgrund der Streckenführung auf Straßen oder dicht daneben entschied man sich die Lokomotiven als Trambahnlokomotiven auszuführen. Sie besaßen einen vollständigen verglasten kastenförmigen Aufbau und das Triebwerk war mit Klappen abgedeckt. Zur Streckenbeobachtung durch den Lokführer waren die Seitenfenster verschiebbar. Der Lokführer selbst stand seitlich neben dem Kessel. Auch das Feuerloch befand sich seitlich auf der Heizerseite.
Bremse Die Maschinen besaßen eine Saugluftbremse der Bauart Körting. Die Bremswirkung erfolgte jeweils einseitig auf die Räder der ersten Kuppelachse von vorn und der dritten Kuppelachse von hinten. Der Sandstreuer war handbetätigt und sandete die zweite und dritte Achse.
Ausstattung Weiterhin verfügten die Maschinen über ein Latowski-Dampfläutewerk und später für die elektrische Beleuchtung einen Dampfturbogenerator über der Rauchkammertür außerhalb des Lokkastens.
Vorräte Es konnten 2,1 bzw. 1,9 m³ Wasser im Rahmenwasserkasten mitgeführt werden. Die Einfüllstutzen befanden sich an der Frontwand links und rechts der Rauchkammer. 1,1 t Kohle wurde in einem Kasten links neben dem Stehkessel gelagert. Die Loks konnten so nur aufwändig mittels Körben bekohlt werden.
Lokomotivnummern
Herstelldaten Nummern je Epoche Zusatzinformationen Lfd.Nr. Her-steller Bau-jahr Fabr.-nummer Pfalzbahn / K.B.Sts.B. DR Betriebs-Nr. Ausge-mustertDaten für die Type L 1I Bahn-Nr. Name (vorläufig) (endgültig)1Krauss18892082XIDANNSTADT99 08199 08112.8.19521939 zur Wangerooger Inselbahn22083XIIMAUDACH99 08299 082< 193132084XIIIMUNDENHEIM99 08399 083< 193042085XIVFRIESENHEIM99 08499 084< 193152086XVOPPAU99 08599 085< 193162087XVIDIRMSTEIN99 08699 0869.11.195372088XVIIGROSSKARLBACH99 08799 08728.5.19548Krauss18912448XVIIIHESSHEIM99 08899 088< 193192449XIXHEUCHELSHEIM99 08999 089< 19401945 unbekannt verschollen102450XXLAUMERSHEIM< 1918Kriegsverlust 1914/1811Krauss18994213XXIEDIGHEIM99 09099 090< 19401945 unbekannt verschollen124214XXIISCHAUERNHEIM99 09199 09128.5.1954Daten für die Type L 1II Bahn-Nr. Name (vorläufig) (endgültig)13Krauss19075758XXVIIISCHWEGENHEIM99 09299 09215.8.1955Daten für die Type Pt 3/3n Bahn-Nr. Name (vorläufig) (endgültig)14Krauss19116403XXIX99 09399 09310.8 1957
Einzelnachweise
Literatur
Heinz Schnabel: Deutsches Lok-Archiv: Lokomotiven bayrischer Eisenbahnen. transpress, Berlin 1992, ISBN 3-344-70717-5
Weblinks 99 087 auf der Eisenbahnstiftung Joachim Schmidt
Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge C L 01 Kategorie:Schienenfahrzeug (Krauss)