mini|hochkant|Roger Guillemin, um 1975 Roger Charles Louis Guillemin (* 11. Januar 1924 in Dijon; † 21. Februar 2024 in San Diego, Kalifornien) war ein französisch-US-amerikanischer Biochemiker und Nobelpreisträger. Er leistete wesentliche Arbeiten über den Hypothalamus und über Thyreoliberin.
Leben Roger Guillemin begann sein Medizinstudium 1943 an der Universität Dijon und schloss es 1949 ab. Er ging danach an die Universität Montreal mit einem kleinen Stipendium von Hans Selye, den er bei einer Vorlesung über hormonelle Regulation im Organismus in Paris kennengelernt hatte. Mit seinen wissenschaftlichen endokrinologischen Arbeiten dort erhielt er 1953 den Ph. D. in Physiologie. Anschließend ging er als Assistenz-Professor an das Baylor College of Medicine in Houston. Zusammen mit Andrew Victor Schally entdeckte er die Bildung von PeptidhormonenVgl. Roger Guillemin: Control of pituitary hormone secretion. In: Recent Progr. Hormone Res. Band 20, 1964, S. 89–130. im Gehirn und versuchte, die chemische Struktur von CR-Hormonen zu entschlüsseln, was jedoch misslang (die Struktur wurde erst 1981 entschlüsselt). Sie konzentrierten sich danach auf andere Hormone des Hypothalamus. Später wurden sie jahrelange Rivalen in der Forschung und im Ringen um den Nobelpreis, was Nicholas Wade 1981 zu seinem Buch The Nobel Duel verarbeitete. Am Baylor College of Medicine unterrichtete er zudem bis 1970 Physiologie.
1970 war er am Aufbau des Endokrinologischen Labors am Salk Institute for Biological Studies in La Jolla beteiligt, wo er bis zu seinem Ruhestand 1989 arbeitete und forschte.Roger Charles Louis Guillemin -- Britannica Online Encyclopedia Teil 2 Er und sein Team entdeckten und isolierten dort im Jahr 1972 aus dem Hypothalamus von etwa 490.000 Schafen Somatostatin, den Antagonisten des Releasingfactors für das Wachstumshormon.Einsatzmöglichkeiten von Somatostatin Labaz. In: Anästhesie Intensivtherapie Notfallmedizin. Band 20, Heft 2, (April) 1985, S. X (Somatostatin-Kolloquium der Fa. Labaz, München, 28./29.9.1984 in Bad Tölz). Er entdeckte – wie etwa zeitgleich Andrew Victor Schally 1969 in einer anderen wissenschaftlichen Einrichtung – die Strukturen von Thyreoliberin (TRH) und GnRH. 1977 erhielten sie dafür gemeinsam den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Guillemins Arbeit am Salk-Institut war die Grundlage für eine bekannte, 1979 veröffentlichte Fallstudie zur sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsforschung: Laboratory Life: The Construction of Scientific Facts von Bruno Latour und Steve Woolgar.
Guillemin war verheiratet und hinterließ sechs Kinder.
Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl) 1974: Aufnahme in die National Academy of Sciences 1974: Gairdner Foundation International Award 1975: Albert Lasker Award for Basic Medical Research 1976: Passano Award in Medical Sciences 1976: National Medal of Science für Biologie 1977: Nobelpreis für Medizin „für ihre Entdeckungen über die Produktion von Peptidhormonen im Gehirn“, zusammen mit Andrew Victor Schally 1977: Aufnahme in die American Academy of Arts and Sciences 1977: Dickson Prize in Medicine 1984: Aufnahme in die Ehrenlegion (seit 2015 Commandeur)
Veröffentlichungen (Auswahl)
Literatur Bruno Latour und Steve Woolgar: Laboratory Life: The Construction of Scientific Facts. Beverly Hills, Sage Publications, 1979, ISBN 0-8039-0993-4. Nicholas Wade: The Nobel Duel: Two scientists’ 21-year race to win the world’s most coveted research prize. Garden City, NY, 1981, ISBN 0-385-14981-6. Gisela Baumgart: Guillemin, Roger Charles. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 517.
Catherine Rivier: Roger Guillemin (1924–2024). Father of neuroendocrinology. In: Science. Band 384, Nr. 6691, 2024, S. 35, doi:10.1126/science.adp0647. Catherine Rivier, Tony Hunter und Ronald M. Evans: Roger Guillemin (1924 to 2024): Discoverer of brain hormones that control physiology. In: PNAS. Band 121, Nr. 20, 2024, e2407309121, doi:10.1073/pnas.2407309121.
Weblinks
Seite über Guillemin am Salk Institute for Biological Studies (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Biochemiker Kategorie:Hochschullehrer (Baylor College of Medicine) Kategorie:Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin Kategorie:Mitglied der Académie des sciences Kategorie:Fellow der American Association for the Advancement of Science Kategorie:Ehrendoktor der Autonomen Universität Madrid Kategorie:Ehrendoktor der Universität Laval Kategorie:Ehrendoktor der Universität Ulm Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Kommandeur) Kategorie:Träger der National Medal of Science Kategorie:Träger des Albert Lasker Award for Basic Medical Research Kategorie:Träger des Canada Gairdner International Award Kategorie:Person (San Diego) Kategorie:Hundertjähriger Kategorie:Französischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Franzose Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1924 Kategorie:Gestorben 2024 Kategorie:Mann