Das ehemalige Post- und Telegrafenamt befindet sich in der Innenstadt von Oldenburg in Niedersachsen. Das 1902 bis 1905 errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz. Geschichte

Vorgängerbauten Bereits 1656 gab es einen verpachteten, regelmäßigen Reitpostdienst, der Postverkehr im Oldenburger Land hat eine wechselhafte Geschichte. Erst am 1. Mai 1800 wurde die Oldenburger Staatspost unter Postmeister Christian Gottlieb Starklof, ab 1801 im ersten Posthaus Mittlerer Damm Nr. 2 ins Leben gerufen.112 Jahre Kaiserliches Postamt Oldenburg

Das zweite Postamt befand sich im Eckhaus Ritterstraße/Staustraße. Im Hotel Wahnbeck befand sich die Post von 1820 bis 1850. Durch den Baumeister Hero Dietrich Hillems wurde 1855 das dritte Posthaus, ein zweigeschossiger Backsteinbau, übergeben. Chef der oldenburgischen Postverwaltung war von 1851 bis 1867 Oberpostdirektor Bödecker. In dieser Zeit erschienen auch die ersten Briefmarken des Großherzogtums Oldenburg.

Mit dem Beitritt 1867 zum Norddeutschen Bund verloren auch die Posteinrichtungen ihre Selbständigkeit und wurden zu Dienststellen der Norddeutschen Reichspost. Bereits zum Beginn 1868 nahm in Oldenburg die Oberpostdirektion ihren Betrieb auf. Mit der Reichsgründung 1871 ging auch der Ausbau der Reichspost einher.

Errichtung der kaiserlichen Oberpostdirektion mini|Alte Hauptpost (2007) Der Ende 1897 vom Staatssekretär des Reichspostamts vorgelegte Bauentwurf für ein neues Post- und Telegrafen-Dienstgebäude in Oldenburg wurde durch die Akademie des Bauwesens einer Prüfung unterzogen.Entwurf zum Neubau eines Post- und Telegrafen-Dienstgebäudes für Oldenburg (Großherzogthum), Gutachten der Königlichen Akademie des Bauwesens. in: ZBdBV XVIII (1898), Nr. 30 v. 23. Juli 1898, S. 350–351.

Bereits um die Jahrhundertwende reichten die bisherigen Räumlichkeiten nicht mehr aus und es entstand nach den Planungen von Ernst Hake gemeinsam mit Ewald Freiherr von RechenbergHistorisches Architektenregister von 1901 in mehreren Bauabschnitten bis 1905 das Post- und Telegrafenamt. Die Baukosten beliefen sich auf 1 Million Goldmark. Am 8. Dezember 1902 wurde das Postamt in Anwesenheit des Großherzogs Friedrich August eingeweiht. In der Schalterhalle fanden vier von Grete Waldau in Tempera auf Kalk gemalte Oldenburger Ansichten besondere Beachtung.

In den Folgejahren erfolgten weitere Erweiterungsbauten für den Post- und Telegrafie-Betrieb. Mit weiteren Strukturierungen wurde 1943 die Funktion als Oberpostdirektion aufgelöst und an die RPD Bremen übertragen.

Jüngere Vergangenheit Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden. Die Deutsche Bundespost nutzte den Bau bis ins Jahr 1977 und zog daraufhin in ein am 24. Februar 1978 eingeweihtes Funktionsgebäude am Oldenburger Hauptbahnhof.

Nach Privatisierung und umfangreicher Sanierung wurde das historische Gebäude im Jahr 2014 für die Nutzung als Büroräume, Restaurant, Arztpraxis und Wohnungen umfunktioniert.

Architektur Das Gebäude steht auf einem leicht trapezförmigen Grundstück, das im Norden und Osten von der Poststraße als Fortsetzung des Staus begrenzt wird. Der dreigeschossige Backsteinbau mit Putzflächen und Werksteingliederungen ruht auf einem Kellersockel. Die Anlage ist als Dreiflügelbau mit einer nach Norden ausgerichteten Hauptfront konzipiert. Zwischen den beiden Seitenflügeln liegt an der Südseite ein zurückgesetzter Verbindungsflügel, an den sich mittig ein weiterer, ehemals als Schalterhalle genutzter Zwischentrakt anschließt. Dadurch entstehen zwei Innenhöfe.

Die symmetrisch aufgebaute Hauptfassade wird durch einen breiten Mittelrisalit geprägt. Vor dem Hauptportal befindet sich eine zweibogige Loggia. Die aufwendig gestaltete Sandsteingliederung orientiert sich an Formen der Weserrenaissance und umfasst Gesimse, Fensterrahmungen und Relieffelder. Den Abschluss des Risalits bildet ein Giebel mit einer Wappenkartusche und Reichsadler, flankiert von Voluten und Obelisken. Beiderseits des Risalits befinden sich jeweils fünf Fensterachsen. In den äußeren Achsen sind Säulenportale angeordnet, die mit von Otto Stichling geschaffenen Figuren geschmückt sind, welche Allegorien verschiedener Berufe darstellen. Die Traufe wird von einer Balustrade mit Obelisken bekrönt. An den beiden Gebäudeecken stehen polygonale Ecktürme mit geschweiften Hauben.

Auch die Seitenflügel sind durch Mittelrisalite gegliedert, die jeweils zwischen zwei Gruppen von fünf Fensterachsen liegen. Der Risalit des Ostflügels besitzt einen zweigeschossigen Erker. An der Südwestecke des Ostflügels befindet sich ein halbrunder Treppenturm. Ihm gegenüber steht am Westflügel der quadratische ehemalige Telegrafenturm. Die Rückseiten und Innenhöfe sind deutlich schlichter gestaltet und teilweise verputzt.

Literatur

Weblinks

Alte Hauptpost am Stautorplatz Datensatz zu Ernst Hake in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) Bildarchiv

Einzelnachweise

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