mini|Tobias Pfeifer-Helke (2025) Tobias Pfeifer-Helke (* 1971 in Rodewisch/Vogtland) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Museumsdirektor. Seit dem 1. Februar 2019 ist er Stiftungsdirektor und Vorstand der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha.
Leben Pfeifer-Helke studierte 1991–1997 Kunstgeschichte, Mittlere und Neuere Geschichte sowie Archäologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Technischen Universität Dresden und der Universität Leipzig. Anschließend promovierte er mit Forschungsstipendien des Landes Sachsen-Anhalt (1999–2001) und des DAAD (2001–2002) zum europäischen Kulturtransfer in der Landschaftsmalerei des 18./19. Jahrhunderts in der Schweiz. 2005 bis 2006 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hamburger Kunsthalle, von 2006 bis 2010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter am Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern. In dieser Zeit arbeitete er in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern an einem von der Stiftung Graphica Helvetica geförderten Forschungsvorhaben „Die Koloristen. Zur Landschaftsmalerei von 1766 bis 1848“. Von 2011 bis 2014 folgte er dem Ruf als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, wo er die französischen, niederländischen und spanischen Zeichnungen und Druckgraphiken betreute und erstmals Leitungsfunktionen übernahm. Er kuratierte die vielbeachtete Ausstellung „Hieronymus Boschs Erbe“, die auch im Bucerius Kunstforum Hamburg und in der Villa Vauban in Luxembourg zu sehen war.
Von 2014 bis 2019 war er Kustode und stellvertretender Abteilungsleiter am Staatlichen Museum Schwerin. Hier betreute er die Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts, die Skulpturensammlung und die Kunst des Mittelalters. Daneben wirkte er an der Neueinrichtung der Dauerausstellung von Schloss Ludwigslust mit. Er kuratierte Ausstellungen zu den Cranach-Beständen auf Schloss Güstrow (2017), zur Malerin Friederike Juliane von Lisiewska (2017), zum mecklenburgischen Planschatz (2018) oder die erfolgreiche Schau zum mecklenburgischen Landschaftsmaler Carl Malchin (2019).
Stiftungsdirektor Zum 1. Februar 2019 trat er in Gotha die Nachfolge von Martin Eberle in der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha an. Zu seinem Amtsantritt äußerte er: „Die Sammlungen sind so vielfältig, dass man zu Recht behaupten kann – die Welt ist in Gotha zu Hause. Ich möchte mich insbesondere für das internationale Bekanntwerden der Gothaer Sammlungen einsetzen“. Kurz vor Ausbruch des Ukrainekrieges schloss er mit dem Puschkin-Museum in Moskau und der Eremitage in St. Petersburg Kooperationsvereinbarungen für eine dauerhafte Zusammenarbeit zur Erforschung der Bestände ab. 2025 zeigte er zum Stadtjubiläum die Ausstellung „Chinas Gold und Gothas Schätze“ in Kooperation mit dem Museum of Fine Arts in Xi’an und initiierte 2026 die internationale Tagung „England in Thüringen“.Stefan Trinks, Schätze des Himmels auf Thüringer Boden, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juli 2025
Pfeifer-Helke entwarf einen Masterplan zur Weiterentwicklung der Stiftung im Sinne des „Blaubuches“. Es gelang ihm, für die Weiterentwicklung der Stiftung umfangreiche Förderungen für die Bereiche Digitalisierung („Gotha transdigital“, 2020–2027) und Marketing sowie Vermittlung („Open Friedenstein!“, 2022–2027) einzuwerben. In diesem Rahmen verantwortet die Stiftung auch das Marketing der „Schatzkammer Thüringen“, ein Verbund von Thüringer Residenzmuseen. Die mit den Drittmitteln verbundene Transformation der Stiftung führte 2023 zur Namensänderung in die Friedenstein Stiftung Gotha und zur Aufnahme in die Alliance of Early Universal Museums.
Im Rahmen eines Lenkungsausschusses wurde gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen, der Stadt Gotha und der Universität Erfurt ein Strategiepapier zu einer integrierten Friedenstein-Stiftung erarbeitet, aus dem Pfeifer-Helke einen Masterplan für die Zukunft des Kulturortes entwickelte.
Seine Überlegungen zur Resilienz von Museen präsentierte Pfeifer-Helke auf der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes (2024). Er realisierte Projekte mit dem Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste (DZK) zu Human Remains oder zu den Ethnographica und öffnete die Stiftung für neue Besuchergruppen durch die Einrichtung einer Innenstadtdependance und Outreach-Projekte. In seine Amtszeit fällt die Wiederaufnahme der Grabungen an der international bedeutenden fossilen Fundstelle am Bromacker bei Tambach-Dietharz. Zu den größten Erfolgen im Bereich der Restitutionen gehörten fünf im Jahr 1979 gestohlene Altmeistergemälde (2020) und die Restitution einer Ölstudie des Heiligen Gregor von Nazianz von Peter Paul Rubens aus dem Buffalo AKG Art Museum (2024).
Pfeifer-Helke ist 2025 und 2026 Sprecher der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen.
Kritik Ende des Jahres 2022 berichtete die Thüringer Allgemeine, dass Pfeifer-Helke eine Mitarbeiterin der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, mit der er privat liiert ist, zur stellvertretenden Verwaltungschefin befördert habe. 2017 sei die promovierte Kunsthistorikerin zunächst befristet eingestellt und während der Liaison entfristet. Zudem wurde ihr Aufgabenbereich erweitert und ihr Gehalt erhöht. Nachdem die Thüringer Allgemeine ihre Qualifikation in Frage gestellt hatte, beteuerte Pfeifer-Helke, dass es „keine persönliche Vorteilsnahme“ gibt. Dies bestätigte eine Prüfung durch die Thüringer Staatskanzlei, die als Reaktion auf die kritische Berichterstattung eine Stellungnahme von Kulturstaatsminister Benjamin-Immanuel Hoff veröffentlichen ließ: Verfehlungen könne er nicht erkennen, so Minister Hoff abschließend.
Seit Amtsantritt Pfeifer-Helkes 2019 als Direktor haben mehrere Mitarbeiter die Stiftung verlassen, darunter sind der Referatsleiter für Kommunikation und Bildung und die Projektleiterin für „Gotha transdigital“. Einige Mitarbeitende der Stiftung warfen ihm schlechtes Management vor. Der Oberbürgermeister Knut Kreuch, der auch Stiftungsratsvorsitzender ist, äußerte sich Anfang Dezember 2022 zu den Problemen in der Stiftung mit den Worten „Managementdefizite liegen nicht vor“.Gothaer Friedenstein-Stiftung bekommt Absage vom Bund. In: Thüringer Allgemeine. 16. Juni 2023, abgerufen am 24. März 2024. Benjamin-Immanuel Hoff erklärte dazu: „In der Stiftung Schloss Friedenstein wird eine herausragende Arbeit von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter fordernden Bedingungen geleistet. Die Sanierung des Schlosses und die großen Förderprojekte führen zu erheblichen Mehrbelastungen für die Leitung und alle Beschäftigten der Stiftung.“
Pfeifer-Helke schuf durch die eingeworbenen Projektmittel zusätzliche Personalstellen, womit sich der Mitarbeiterstamm der Stiftung innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hat.https://www.stiftung-friedenstein.de/sites/default/files/pressemitteilungen/pm_jahrespressekonferenz_2023.pdf
Schriften Natur und Abbild, Johann Ludwig Aberli und die Schweizer Landschaftsverdute, Schwabe Verlag, Basel 2011, ISBN 978-3-7965-2718-0, 368 S. Zeichnen im Zeitalter Bruegels. Die niederländischen Zeichnungen des 16. Jahrhunderts, Deutscher Kunstverlag, Berlin München 2011, ISBN 978-3-422-07111-7, 136 S. Die Koloristen. Schweizer Landschaftsgraphik von 1766 bis 1848, Deutscher Kunstverlag Berlin-München 2011, ISBN 978-3-422-07047-9, 476 S. Mit den Gezeiten. Frühe Druckgraphik der Niederlande. Katalog der niederländischen Druckgraphik von den Anfängen bis um 1540/50 in der Sammlung des Dresdener Kupferstich-Kabinett, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-913-9, 287 S. Hieronymus Boschs Erbe. Deutscher Kunstverlag, Berlin München 2015, ISBN 978-3-422-07299-2, 200 S. Die Cranachs. Die Werke des Staatlichen Museums Schwerin, Deutscher Kunstverlag Berlin München 2017, ISBN 978-3-422-07429-3, 112 S. Die Malerei ist weiblich – Friederike Juliane von Lisiewska, mit Bärbel Kovalevski, Ausstellungskatalog des Staatliche Museums Schwerin/Ludwigslust/Güstrow, Deutscher Kunstverlag Berlin-München 2017, ISBN 978-3-422-07451-4, 136 S. Von Barbizon bis ans Meer. Carl Malchin und die Entdeckung Mecklenburgs, Deutscher Kunstverlag, Berlin München 2019, ISBN 978-3-422-98028-0, 255 S. Das Ende der Komfortzone. Die Krise als Chance, in: Das Museum in Zeiten der Pandemie, hg. v. Jörn Brunotte, transcript, Bielefeld 2022, ISBN 978-3-8394-6133-4, S. 199–210
Literatur Thüringer Allgemeine (Conny Möller): Gotha: Tobias Pfeifer-Helke wird neuer Stiftungsdirektor, Erfurt, 21. November 2018 Thüringer Allgemeine (Peter Riecke): Das barocke Umiversum als zentralen Ort für ganz Thüringen mitdenken, Gotha, 17. Oktober 2019 Die Zeit: Digitalisierung, Mumie und Diebesgut: Stiftung Friedenstein, Hamburg, 23. Februar 2021
Quellen und Weblinks
Website der Stiftung Friedenstein vom 20. November 2018
Einzelnachweise
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