Sprötau ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Gramme-Vippach an, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Schloßvippach hat.

Geografie Die Gemarkung Sprötau liegt an einem Bach namens Klinge in einem Taleinschnitt einer Hochebene, welche sich ca. 200 bis 245 m über NN befindet. Die Klinge entspringt im Sprötauer Wald, verläuft dann durch das Sprötauer Tal ostwärts und mündet in Vogelsberg in die Scherkonde.

Geologie Die Bodenwertzahlen von Sprötau liegen im Bereich von 58 bis 86 (Lehm- und Schwarzerdeböden).

Klima Den äußersten westlichen Abhang des Dorfes nimmt ein 42 ha großer Wald ein, welcher mit vorwiegender Traubeneichen- und Hainbuchenvegetation einen hohen klimatischen Einfluss auf das lokale Klima des Ortes hat. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 8,5 °C, und der durchschnittliche Niederschlag pro Jahr liegt um 500 mm. Seit 2002 werden im Bereich der ehemaligen militärischen Liegenschaft durch Aufforstung 8,2 ha Laubmischwald mit „Edellaubholz“-Arten bepflanzt.

Geschichte mini|hochkant|Evangelische Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ Erstmals wurde der Ort 1255 urkundlich erwähnt. Westlich des Ortes befand sich von 1542 (Urkunde) bis in die 1840er Jahre das Langensteinsche Gericht, ein Feld- und Rügegericht für die umliegenden Ortschaften. Sprötau gehörte zu dem Teil der „Vogtei Brembach“, welcher 1664 zum Amt Großrudestedt kam.Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Theil 1, Band 4: Welcher die Fortsetzung und den Beschluß vom Obersächsischen Kreise enthält. Schwickert, Leipzig 1793, S. 82 f. Dieses gehörte ab 1672 zum Herzogtum Sachsen-Eisenach und ab 1741 zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. 1701 wurde die heutige evangelische Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ errichtet.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 22 Frauen und Männer aus Polen und Russland in der Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichten.

In Folge der Aktion Gitter wurde der Kernmacher Bruno Lehmgrübler (Jg. 1897) am 22. August verhaftet und von der Geheimen Staatspolizei Weimar für kurze Zeit in das KZ Buchenwald eingeliefertThüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 278.

Von 1970/1974 bis 1990 war Sprötau ein Militärstandort der Nationalen Volksarmee. Die 51. Flugabwehrraketen-Brigade und das Funktechnische Bataillon 51 mit der Standorteinheit 511 waren westlich des Ortes stationiert. Das Kasernengelände und das Gelände der Technischen Abteilung nahmen zusammen 100 ha ein. Benachbart lagen die Wohnblöcke der Berufssoldaten und des Zivilpersonals. Die „Technische Zone“ der Einheit lag 3 km südlich von Sprötau auf dem Großen Warthügel. Nach der Deutschen Wiedervereinigung bis 31. Dezember 1994 übernahm die Bundeswehr Teile der Anlage als Radar-Führungsabteilung. Dann wurde der Standort geschlossen.

Nach der „Wende“ wurde die Dorfkirche, deren Turm schon baupolizeilich gesperrt war, aufwendig saniert. Zwischen dem Ortskern und den früheren Wohnbauten des Militärobjekts entstanden ansehnliche neue Wohnhäuser.

Einwohnerentwicklung 1994: 910 1995: 928 1996: 943 1997: 1.001 1998: 948 1999: 866 2000: 848 2001: 805 2002: 830 2003: 845 2004: 852 2005: 835 2006: 763 2007: 766 2008: 774 2009: 794 2010: 820 2011: 788 2012: 794 2013: 812 2014: 816 2015: 806 2016: 790 2017: 828 2018: 778 2019: 801 2020: 789 2021: 786 2022: 830 2023: 779 2024: 835 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat aus Sprötau setzt sich aus acht Mitgliedern einer Wählergruppe zusammen (Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004).

Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister Joachim Schmidt wurde am 6. Juni 2010 wiedergewählt. Er war seit dem 26. Juni 2004 im Amt. Seit Juli 2016 ist Sabine Redam die ehrenamtliche Bürgermeisterin.

Wappen Blasonierung: „In Silber eine grüne Eiche, begleitet im rechten Obereck von einem roten Kreuz, im linken Obereck von einem roten Eicheldreipass.“

Flagge Die Gemeindeflagge ist rot mit silbernen (weißen) Flanken (1:2:1) und trägt das Gemeindewappen.

Wirtschaft und Infrastruktur Wasserver- und Abwasserentsorgung Die Aufgabe der Wasserversorgung hat die Gemeinde Sprötau an den Trinkwasserzweckverband „Thüringer Becken“ übertragen. Für die Abwasserentsorgung ist die Gemeinde dem Abwasserzweckverband „Scherkondetal“ beigetreten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik In Sprötau gibt es einen Kirchenchor.

Bauwerke Evangelische Kirche Zum Heiligen Kreuz, erbaut 1701, restauriert 1998 bis 2004 Dorfgemeinschaftshaus in früherer Schule Windmühle (Holländermühle aus Stein) am nördlichen Ortsrand, baufällig

Vereine Heimat- und Geschichtsverein „An der Marke“ e. V. Kleingartenverein „Am Wäldchen“ e. V. Kleintierzuchtverein T180 Sprötau e. V. Lanzfreunde Sprötau Schützenverein „Zur Linde“ e. V. Sprötau Sprötauer Carneval Verein Sprötauer Sportverein e. V. Sprötau Begeistert e. V. Feuerwehrverein Sprötau e. V.

Literatur Frank Boblenz: Das Langensteinsche Gericht – eine regionale Gerichtsstätte bei Sprötau/Schloßvippach. In: Heimat Thüringen. Bd. 16, Heft 3, 2009, , S. 44–48. Frank Boblenz: Sprötau. Landkreis Sömmerda. Langensteinsches Gericht. In: Kulturelle Entdeckungen Thüringen. Band 3: Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): Landeshauptstadt Erfurt, Landkreis Gotha, Ilm-Kreis, Landkreis Sömmerda, Stadt Weimar, Landkreis Weimarer Land. Schnell & Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2461-9, S. 231–232.

Einzelnachweise

Weblinks

Internetseite der Verwaltungsgemeinschaft „An der Marke“

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