mini|hochkant=1.3|lang=de|Unterseite und Kopf einer weiblichen, ecribellaten Spinne (Ordnung Entelegynae)Dieses Glossar der Spinnenanatomie erläutert die wichtigsten anatomischen Fachausdrücke, die zur Beschreibung von Spinnenmerkmalen verwendet werden.
A Abdomen → Opisthosoma
Analhöcker Eine kleine Erhebung oberhalb der Spinndrüsen; bedeckt den Anus.
Apodem Sklerotisierte Einfaltung der Cuticula, welche die Ansatzstelle für die Muskulatur bildet.
Apophyse Auswuchs oder Fortsatz, der die Form des Körpers grundlegend verändert, insbesondere die Anhänge. Wird oft zur Beschreibung der männlichen Pedipalpen benutzt. → retrolaterale Tibialapophyse
Atrium (Plural: Atria) Innere Kammer am Eingang des Kopulationstrakts bei Weibchen der Haplogynae.
mini|hochkant=1.7|Schema: Anordnung und Lagebezeichnung der Spinnenaugen (Aufsicht) mini|hochkant=1.5|Schema: Anordnung und Lagebezeichnung bei Salticidae, (Aufsicht) Augen Spinnen verfügen über acht (seltener sechs, vier oder zwei), in zwei oder drei Reihen über dem Stirnrand angeordnete Augen. Die Zahl der Augen, ihre Größe und Anordnung variiert stark und ist oftmals charakteristisch für die verschiedenen Spinnenfamilien → Hauptauge, Nebenauge
B Befruchtungsgang Bei entelygenen Spinnen der Verbindungsgang zwischen Samentasche und Uterus.
Beinformel Die vier Beinpaare werden von vorn nach hinten durchnummeriert und in der Reihenfolge absteigender Länge angegeben. Eine Beinformel 1423 z. B. besagt, dass das erste Beinpaar das längste und das dritte das kürzeste ist.
Beine → Gliedmaßen
bidentat Zweizähnig
Buchlungen Atmungsorgane auf der Unterseite des Opisthosoma. Die Buchlungen öffnen sich mit schmalen Schlitzen vor der epigastrischen Furche und werden von den Lungendeckeln (Operculum) verschlossen. Branchiales Operculum → Operculum
mini|hochkant=1.2|Stark vereinfachte Übersichtszeichnung eines entfalteten Genitalbulbus (nach Coddington, 1990). Sklerotisierte Abschnitte: dunkelgrau; membranartige Bereiche: hellgrau. Bulbus (auch Palpenbulbus): Kopulationsorgan der männlichen Spinnen, befindet sich am letzten, modifizierten Segment des Pedipalpus. Mithilfe des Bulbus wird das Sperma an das Weibchen übergeben. Teile des Bulbus sind:
Konduktor: Fortsatz des Bulbus, der den Embolus führt und stützt.
Embolus: Der äußerste Teil des Bulbus; mit der Öffnung des Samengangs nach außen. Meist dünn, spitz ausgezogen und stark sklerotisiert.
Haematodocha: (Plural: Haematodochae) Membranöser, dehnbarer Teil des Bulbus.
Mittlere Apophyse: Ein Vorsprung am Bulbus, unterhalb des Konduktors.
Subtegulum: Ein Sklerit des Bulbus; näher an dessen Basis als das Tegulum.
Tegulum: Größtes Sklerit des Bulbus.
C Calamistrum (Plural: Calamistra) Bei cribellaten Spinnen: Borsten am Metatarsus des vierten Beinpaars; in einer oder mehreren Reihen angeordnet. Mit dem Calamistrum wird die Fangwolle aus dem Cribellum gekämmt und auf die dickeren Achsfäden des Netzes aufgetragen. → Siehe auch Cribellum und Calamistrum
Caput (Plural Capita) → Cephalothorax
Carapax (Plural: Carapaces; von altgriechisch χάραξ chárax „Befestigungsanlage, Palisade“ und πάγιος págios „fest“, auch als Peltidium oder Scutum bezeichnet) Ein einheitlicher chitinöser Rückenschild des Vorderkörpers (Prosoma), gebildet aus den miteinander verschmolzenen Segmentoberseiten (Tergiten) von Kopf (Caput) und Brust (Thorax). → Cephalothorax
Cephalothorax, Prosoma Der vordere der beiden Hauptkörperabschnitte, zusammengesetzt aus Kopfregion (oder Caput) und Thorax. Beide Regionen sind durch die Cervikalgrube voneinander abgesetzt. Am Cephalothorax sitzen die Augen, Pedipalpen, Beine und Mundwerkzeuge. Er wird vom Carapax bedeckt.
Cervikalgrube Eine flache, U-förmige Grube, die Kopf- und Thoraxregion voneinander absetzt.
Chela, chelat (Plural: Chelae) → Chela (Gliederfüßer): Bezeichnung für Gliedmaßen, die eine Schere (Chela) tragen. Bei den Kieferklauenträgern, zu denen die Spinnen gehören, werden die chelatragenden Mundwerkzeuge als Cheliceren bezeichnet.
mini|Cheliceren einer Großen Winkelspinne mit Chelicerenzähnen am Rand der Chelicerengrube. Chelicere (Plural: Cheliceren, auch Chelizeren): Zu Mundwerkzeugen umgewandelte Gliedmaßen, s. a. Chelicere.
Chelicerengrube Eine flache Vertiefung auf der Unterseite des Basisglied der Chelicere, an welche die Giftklaue angelegt werden kann. Meist mit Chelicerenzähnen versehen.
Chelicerenzähne Zahnähnliche Erhebungen in der Chelicerengrube. Chelicerenzähne fehlen bei bestimmten Gruppen wie z. B. den Kugelspinnen oder Krabbenspinnen.
Chilum Eine kleine, verhärtete Platte (Sklerit) an der Basis der Chelicere, unterhalb des Clypeus.
mini|Der Clypeus dieser Springspinne (Habronattus coecatus) ist mit roten Schuppen bedeckt. Clypeus Der Bereich zwischen vorderer Augenreihe und vorderem Carapaxrand
Colulus Zu einer flachen, hügelartigen Erhebung reduziertes Cribellum; vor den Spinndrüsen gelegen.
Coxa → Gliedmaßen
Cribellum Die siebförmige Spinnplatte bildet den Gipfel einer niedrigen, von den Spinnwarzen gebildeten Erhebung auf der Unterseite des Opisthosomas. Spinnen mit einem Cribellum werden als cribellat, solche ohne als ecribellat bezeichnet. Bei cribellaten Spinnen wird die Fangwolle mit Hilfe des Calamistrums ausgebürstet.
Cuspule (Plural: Cuspules) Kleine Dornen an den Enditen und den Labia der Vogelspinnenartigen.
Cymbium (Plural: Cymbia) Das Cymbium bedeckt das mediane, größte Sklerit des Bulbus (Tegulum), das den Spermophor beinhaltet.
D dionych Mit zwei Klauen (ohne mittlere Greifklaue) an den Tarsen der Beine; ein Merkmal der Dionycha (moderne Laufspinnen).
Dorn Steife, spitz zulaufende Struktur an Beinen und Körper, oft über ein Grundgelenk verbunden..
Dorsalfurche → Fovea: von außen sichtbare Einstülpung eines ins Körperinnere ragenden Apodems des Integuments.
Dorsum (von lat. Dorsum = Rücken) Oberseite des Körpers oder Opisthosomas. Adjektiv: dorsal. → Ventrum
E Ecribellate → Cribellum
Embolus → Bulbus
Endite → Maxille
Endosternit Eine innenliegende, verhärtete Platte (Sklerit)
entelegyn Bezeichnung für Spinnen (die Entelegynae), deren Weibchen eine voll entwickelte Epigyne aufweisen sowie unabhängige Gänge zu Spermatheken und Uterus haben. → s. a. haplogyn
Epigastralfurche Eine Querspalte auf der Unterseite des Opisthosomas, deren Öffnung nach vorne zeigt. An der Kante dieser Furche liegen die Öffnungen der vorderen Buchlungen sowie die Geschlechtsöffnungen.
Epigyne (Plural: Epigynen): Beim Weibchen, eine sklerotisierte Platte an der Unterseite des Opisthosoma in der sich die Kopulationsöffnungen befinden; voll entwickelt nur bei erwachsenen Weibchen der Entelegynae.
F Femur → Beine
mini|Ausgedehnte Blattzeichnung auf dem Ophistosome von Larinioides cornutus Folium (lat. folium: Blatt) Eine ausgeprägte blattähnliche Zeichnung mittig auf der Oberseite des Opisthosoma
Fossa (Plural: Fossae) Eine Grube oder Vertiefung, meist in der Epigyne
Fovea (auch: Thorax- oder Dorsalfurche) Eine Vertiefung in der Mitte des Carapax. Im Körperinneren befindet sich dort ein Fortsatz des Exoskeletts, an dem die Muskeln des Saugmagens ansetzen.
G Genitalöffnung → Geschlechtsöffnung
Geschlechtsöffnung Öffnung der primären Geschlechtsorgane auf der Unterseite des Opisthosoma. Sie liegt in der epigastrischen Falte, dort öffnen sich die Eileiter bei weiblichen bzw. die Hodenschläuche bei männlichen Spinnen. Bei der Paarung führt das Männchen den Bulbus zur Spermaübertragung in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein.
Giftklaue Das Endglied der Chelicere. Im Ruhezustand liegt die Giftklaue in der Chelicerengrube des Grundglieds. Gift wird durch eine Öffnung nahe der Klauenspitze injiziert.
mini|hochkant=1.1|Pedipalpus und Bein eines Spinnenweibchens von unten. Der Metatarsus des Beins hat keine Entsprechung im Pedipalpus Gliedmaßen (Pedipalpen, Beine) bestehen aus folgenden Segmenten:
Coxa (Plural Coxae): Erstes Beinsegment (proximal); verbindet das Bein mit dem Körper. Die stark modifizierte Coxa des Pedipalpus wird als Maxille oder Endit bezeichnet.
Trochanter: Zweites Beinsegment; verbindet Coxa und Femur
Femur: (Plural: Femora): Drittes Beinsegment; verbindet Trochanter und Patella
Patella: (Plural: Patellae): Viertes Beinsegment; verbindet Femur und Tibia
Tibia: (Plural: Tibiae): Fünftes Beinsegment; verbindet Patella und Metatarsus
Metatarsus: (Plural: Metatarsen; auch Basitarsus): Sechstes Beinsegment, verbindet Tibia und Tarsus; nicht vorhanden im Pedipalpus.
Tarsus: (Plural: Tarsi; auch Telotarsus): Siebtes und äußerstes (distal) Beinsegment; mit dem Metatarsus verbunden.
Gnathocoxa → Maxilla
Gonopore → Geschlechtsöffnung
H Haematodocha → Bulbus
haplogyn Spinnen (siehe auch Haplogynae), deren Weibchen eine Epigyne fehlt und bei denen dieselben Gänge für den Transport der Spermien zu den Spermatheken sowie zum Uterus dienen. → entelegyn
Hauptauge Eines der beiden vorderen Mittelaugen (VMA). Besonders groß ausgebildet bei Spring- und Wolfsspinnen. Die Sehzellen (Ommatidien) der Mittelaugen sind nach außen gerichtet, d. h. dem Licht zugewandt. → Nebenauge, Augen
Herzzeichnung Eine schmale Zeichnung auf der Oberseite des Opisthomas, die in etwa die Lage des Herzens anzeigt.
K Klaue → Tarsalklaue
Konduktor → Bulbus
Kopfregion (auch Caput) Der vordere Abschnitt des Cephalothorax, durch die Cervikalgrube von der Thorakalregion abgesetzt.
Kopulationstrakt Ein innen, an der Kopulationsöffnung, ansetzender Gang, durch den bei entelegynen Spinnen die Spermien zu den Spermatheken gelangen.
L
labidognath (adj.): Anordnung der Cheliceren bei echten Webspinnen (Labidognatha); ermöglicht ein zangenartiges Greifen.
Labium (Plural Labia, Labien): Eine sklerotisierte Platte (Sklerit) zwischen den Maxillae auf der Vorderseite des Sternums.
Labrum (Plural: Labra): Durch die Cheliceren verdeckter Teil (Oberlippe) der Mundwerkzeuge. Andere Autoren bezeichnen diesen Körperteil als → Rostrum.
lateral (adj., bezogen auf die Extremitäten): Die Vorder- oder Rückseiten des Beins oder Pedipalpus → prolateral, retrolateral
laterigrad seitwärts gerichtet (Beine); daraus resultierend eine krabbenartig anmutende Fortbewegung. → prograd
Lungendeckel → Operculum
M Mastidion (Plural Mastidia) Ein Vorsprung auf den Cheliceren (kein Zahn)
Maxilla (auch Endit oder Gnathocoxa) Die umgewandelte Coxa der Pedipalpen; dient der Nahrungsaufnahme. Entspricht nicht der gleichnamigen Struktur (Maxille) anderer Arthropoden.
Metatarsus → Gliedmaßen
Mittelklaue Umgewandelte Borste an der Spitze des Tarsus bei netzbauenden Spinnen. Dient im Zusammenspiel mit den äußeren Tarsalklauen dem Ergreifen von einzelnen Fäden des Spinnennetzes; fehlt bei den Dionycha.
N Nebenauge (auch Sekundärauge) Ein Seitenauge (VSA, HSA) oder ein hinteres Mittelauge (HMA). Sekundäraugen dienen in erster Linie der Bewegungserkennung. Die Sehzellen (Ommatidien) der Nebenaugen sind nach innen gerichtet, d. h. vom Licht abgewandt. → Hauptauge, Augen
O Operculum, Operculum branchiale (Plural: Opercula; deutsch: Lungendeckel): Paarige Platten auf der Unterseite des Opisthosomas, vor der epigastrischen Furche gelegen, welche die Buchlungen bedecken. Oft blass gelb oder orange gefärbt. Bei Vogelspinnen (Mygalomorphae) zwei Paare, bei anderen Arten ein Paar.
Opisthosoma (auch Abdomen) Der hintere der beiden Körperabschnitte (Tagmata).
orthognath (adj.): Parallele Anordnung der Cheliceren bei Vogelspinnenartigen (Orthognatha).
P Paracymbium Ein an das Grundglied (Cymbium) des Bulbus des Pedipalpus anschließender Sklerit bei männlichen Spinnen.
Patella → Gliedmaßen
Petiolus, Pedicellus Die dünne Verbindung zwischen Vorderkörper (Prosoma) und Hinterleib (Opisthosoma).
Pedipalpus (Plural: Pedipalpen): Die zweite Extremität des Cephalothorax, vor dem ersten Bein; trägt den Bulbus bei männlichen Tieren.
Peltidium (Plural: Peltidia), auch als #Carapax oder #Scutum bezeichnet. → Carapax
plumös gefiedert
pluridentat vielzähnig