Sándor Arizs (* 30. Mai 1935 in Solt; † 1. Juni 2004 in Nürnberg) war ein ungarischerArizs erhielt im Dezember 1978 von der Regierung von Mittelfranken eine bis Ende 1980 befristete Einbürgerungszusicherung, unter der Voraussetzung des Nachweises der Entlassung aus der ungarischen Staatsangehörigkeit. Arizs’ Dienstvertrag vom August 1987 gibt die Staatsangehörigkeit „deutsch“ an. Ein genaues Einbürgerungsdatum ist aus den Personalakten jedoch nicht zu verifizieren. Siehe SANDOR ARIZS: Personalakte, Signatur C 45/II Nr. 37, Stadtarchiv Nürnberg. Opernsänger (Tenor). Er wirkte fast 25 Jahre am Opernhaus Nürnberg.

Leben Ausbildung und Anfänge Sándor Arizs absolvierte zunächst ab 1950 eine Ausbildung zum Dreher bei den Ungarischen Optischen Werken (Magyar Optikai Művek). Nach der Ausbildung arbeitete er dort bis 1960 in diesem Beruf. Während dieser Zeit sang er bei kulturellen Veranstaltungen. So wurde László Garai, der Direktor des firmeneigenen Kulturhauses, auf ihn aufmerksam und zu seinem Förderer. Er bekam ein Stipendium für ein Gesangsstudium, das von der Fabrik übernommen wurde.Magda Hernádi: Turiddu – a MOM gyermeke. In: Magyar Ifjúság, Nr. 50, 14. Dezember 1963, S. 6. Er studierte von 1960 bis 1964 an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest bei dem in Ungarn sehr bekannten Bariton Andor Lendvay.Sándor Arizs. Biografie: In: Daily Singer. Eine Zeitung des Nürnberger Musiktheaters. Ausgabe Nr. 5 vom 27. September 1973. Daneben erhielt er Unterricht im Klavierspiel und in Harmonielehre. Während seines Studiums trat er an der Ódry-Bühne der Hochschule für Schauspiel- und Filmkunst auf. Von 1964 bis 1968 hatte er sein erstes Engagement am Theater Meiningen, wo er als Cavaradossi in Tosca debütierte.j.v. (= Jens Voskamp): Ein Tenor für Verdi. 25 Jahre am Opernhaus Nürnberg: Sándor Arizs verstorben. Nachruf. In: Nürnberger Nachrichten vom 4. Juni 2004. Dort sang er u. a. auch die Titelpartie in Othello. Im Juli 1968 kam Arizs in die BRD. Es folgte von August 1968 bis August 1970 ein Festengagement am Theater Lübeck (Städtische Bühnen Lübeck).

Ab der Spielzeit 1970/71 (Vertragsbeginn: September 1970) war er, von Hans Gierster verpflichtet, am Opernhaus Nürnberg als „Dramatischer Tenor“, später auch als „Jugendlich-dramatischer Tenor und Charaktertenor“ engagiert.Arizs’ letzter Dienstvertrag vom Juli 1992 enthält nur noch die Bezeichnung „Tenor nach Eignung“. Insbesondere gehörten die großen dramatischen Tenor-Partien von Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini zum Schwerpunkt seines Repertoires. In diesem Rollenfach hatte Arizs mit seiner „außergewöhnlich voluminösen“ und „markanten“ Stimme große Erfolge.o.A. (Redaktioneller Beitrag ohne Verfasser): Tenor Sándor Arizs ist gestorben. Nachruf. In: Nürnberger Zeitung vom 5. Juni 2004.

Karriere am Opernhaus Nürnberg Die Premieren der 1970er Jahre Noch vor dem offiziellen Antritt seines Festengagements debütierte Arizs im Juli 1970 am Opernhaus Nürnberg in einer Neuinszenierung der Operette Das Land des Lächelns (Regie: Kurt Leo Sourisseaux) als Prinz Sou-Chong, mit Sonja Knittel (Lisa) als Partnerin.Michael Kerstan: Souris Arche. Kurt Leo Sourisseaux und die Nürnberger Operette ab 1950. Henschel Verlag. Berlin 2007. Seite 83. ISBN 978-3-89487-6005.

In der Spielzeit 1970/71 übernahm er, jeweils in Neuinszenierungen, den Herzog in Rigoletto (Premiere: November 1970) und den Bauernführer Hans Schwalb in Mathis der Maler (Premiere: März 1971) neben Ernst Gutstein in der Titelpartie.Theaterzettel, Signatur A 66/I, Nr. 1657, Stadtarchiv NürnbergTheaterzettel, Signatur A 66/I, Nr. 1666, Stadtarchiv Nürnberg

In der Spielzeit 1971/72 folgten als Premierenrollen Narraboth in Salome (September 1971, mit Simone Mangelsdorff in der Titelpartie), Edgardo in Lucia di Lammermoor (November 1971), Ismaele in Nabucco (Februar 1972) und erstmals Don José in Carmen (Juni 1972).Stadtarchiv Nürnberg A 81/II Nr. 10717 Bestandssignatur: A 81/II - Theaterbilder / Szenenfotos » A 81 - Theaterbilder; Bildsammlung zu Aufführungen der Städtischen Bühnen bzw. des Opernhauses Stadtarchiv Nürnberg A 81/II Nr. 10754-10756. Bestandssignatur: A 81/II - Theaterbilder / Szenenfotos « A 81 - Theaterbilder; Bildsammlung zu Aufführungen der Städtischen Bühnen bzw. des OpernhausesTheaterzettel, Signatur A 66/I Nr. 1702, Stadtarchiv NürnbergTheaterzettel Signatur A 66/I Nr. 1745, Stadtarchiv Nürnberg In der Spielzeit 1972/73 übernahm er die Titelpartie in einer Neuproduktion von Hoffmanns Erzählungen (Premiere: Juni 1973).Theaterzettel, Signatur A 66/I, Nr. 1735, Stadtarchiv Nürnberg In der Spielzeit 1973/74 sang er den Nero in Die Krönung der Poppea (neben Sonja Knittel als Drusilla).Besetzungszettel. In: Daily Singer Nr. 55 - 1973/74; Daily Singer Nr. 125 - 1973/74Theaterzettel Signatur A 66/I Nr. 1769, Stadtarchiv Nürnberg und Theaterzettel Signatur A 66/I Nr. 1772, Stadtarchiv Nürnberg

In der Spielzeit 1973/74 übernahm er erstmals den Cavaradossi in einer Tosca-Neuinszenierung (Premiere: Juli 1974), in der alternierend Maria de Francesca-Cavazza und Johanna-Lotte Fecht die Titelpartie sangen. In der Spielzeit 1974/75 war er der Manrico in Hans Neuenfels’ umstrittener erster, damals massive Publikumsproteste auslösenden Operninszenierung Der Troubadour (Premiere: Dezember 1974, mit Dunja Vejzovic als Azucena, Maria de Francesca-Cavazza als Leonora und Andreas Camillo Agrelli als Partnern).Walter Lehnert: Ein Vierteljahrhundert Musiktheater Nürnberg. Hans Gierster 1964–1988. Nürnberg 1988, Seite 115ff. ISBN 3-925002-97-9.DER TROUBADOUR. Besetzungsliste. In: Hans Neuenfels: Das Bastardbuch: Autobiografische Stationen. C. Bertelsmann Verlag, München 2011. ISBN 978-3-57058-0-288.

Weitere Premierenrollen von Sándor Arizs in den 1970er Jahren waren: Hans in Die verkaufte Braut (Spielzeit 1975/76, Premiere: November 1975, mit Ursula Wendt-Walther als Marie), Radamès in Aida (Spielzeit 1976/77, Premiere: Oktober 1976, mit Fabio Giongo als Amonasro), Samson in Samson und Dalila (Spielzeit 1977/78, Premiere: Dezember 1977, mit Dunja Vejzovic als Dalila), der Titelheld in Otello (Spielzeit 1977/78, Premiere: April 1978) und Turiddu in Cavalleria rusticana (Spielzeit 1978/79, Premiere: November 1978).

In der Spielzeit 1979/80 (Premiere: Mai 1980) sang er mit großem Erfolg die Titelpartie in einer Nürnberger Neuinszenierung von Jules Massenets Oper Werther.Manfred Drescher: WERTHER. Aufführungskritik. In: Orpheus. Ausgabe Juni 1980, Seite 445/446. Zitat: „Die Titelpartie wurde von SANDOR ARIZS gestaltet, mit kräftigem, durchschlagendem, metallischem Tenor gab er der Figur musikalische Gestalt. Daß er daneben auch zarteste Pianotöne hervorzauberte, trug ihm zu Recht den Beifall der Zuhörer ein….“

Die Premieren der 1980er Jahre Auch in den 1980er Jahren gehörte Arizs mit zahlreichen Hauptrollen in Neuinszenierungen zu den führenden Protagonisten am Opernhaus Nürnberg. Vor allem in italienischen Partien konnte er seine Stimmkraft hervorragend einsetzen.o.A.: Beim Namen genannt. Sandor Arizs (redaktioneller Kurzbeitrag anlässlich des Ausscheidens von Arizs aus dem Nürnberger Ensemble. Ohne Verfasser). in: Nürnberger Nachrichten, Juli 1996.

In der Spielzeit 1980/81 (Premiere: Mai 1981, mit weiteren Aufführungen bis Februar 1982) verkörperte er den Pedro in Tiefland. In der Spielzeit 1981/82 (Premiere: Juli 1982) sang er den Rodolfo in einer Neuinszenierung von La Bohème (Regie: Gilbert Deflo). In der Spielzeit 1981/82 (Premiere: Mai 1982) sang er in einer weiteren Nürnberger Tosca-Neuinszenierung erneut den Cavaradossi.Dieter Stoll: TOSCA. Premierenkritik. In: Orpheus. Ausgabe Juni 1982, Seite 473/474. Zitat: „SANDOR ARIZS rückt von der ersten, nach Verona-Art beklatschten Arie in den Mittelpunkt der Aufführung….Der nach wie vor mit ungeheurer Kraft und entwaffnendem Höhenglanz singende Tenor liegt mit dieser Partie, wie schon vor acht Jahren, weit vorn in der Spitzenklasse der Puccini-Sänger.“ Im Oktober 1982 sang er am Opernhaus Nürnberg den Cavaradossi in einer Gala-Vorstellung an der Seite von Gwyneth Jones.

Es folgten Premierenrollen als Edgardo in Lucia di Lammermoor (Spielzeit 1982/83, Premiere: April 1983), wieder Don José in Carmen (Spielzeit 1983/84, Premiere: November 1983 mit Gail Gilmore als Titelheldin), der Titelheld in Don Carlos (März 1984, Wiederaufnahme der Produktion aus der Spielzeit 1979/80, damals mit Karl-Heinz Thiemann), Kalaf in Turandot (Spielzeit 1986/87, Premiere Dezember 1986, mit weiteren Vorstellungen bis Juli 1989), Ismael in Nabucco (Spielzeit 1987/88, Premiere: Februar 1988, mit weiteren Vorstellungen bis November 1990).Jeffrey Alexander: LUCIA DI LAMMERMOUR. Premierenkritik. In: Orpheus. Ausgabe Juli 1983, Seite 642. Zitat: „…sang der Tenor SANDOR ARIZS einen ungewöhnlichen eindrucksvollen Edgardo. Durchwegs schöner Ton und Belcanto-Phrasierung machten das Zuhören zur Freude.“ Jeffrey Alexander: „CARMEN; LASS‘ MICH DIR RATEN…“ Premierenkritik. In: Orpheus. Ausgabe vom 2. Februar 1984, Seite 122/123. Zitat: „SANDOR ARIZS, der zwar in der Schlußszene leichte Ermüdungserscheinungen zeigte, war ein überragender Don José mit bewundernswerten Spitzentönen, der einmal mehr seine hohe Musikalität bewies.“Jörg Riedlbauer: PACKEND. Premierenkritik. In: Orpheus. Ausgabe Februar 1987, Seite 124. Zitat:„…SANDOR ARIZS trumpfte als Prinz Kalaf mit heldischen Tönen auf und beeindruckte nicht zuletzt auch durch seine Höhensicherheit.“ Jörg Riedlbauer: WALDSTERBEN UND IRRTÜMER. Premierenkritiken. In: Orpheus. Ausgabe April 1988, Seite 295/296. Zitat. „…Wenn es darum ging, kräftig über das Orchester zu schmettern, war SANDOR ARIZS der richtige Mann. Er gab sogar manchmal des Guten zuviel, so daß einige Töne zu kippen drohten. Dafür fehlte es seinem Piano zuweilen an der soliden Grundlage.“

Ab März 1988 war er am Opernhaus Nürnberg wieder als Rodolfo in La Bohème zu hören, mit Gail Steiner als Mimì als Partnerin.Weitere Vorstellungen in dieser Produktion sang Arizs von Juli 1988 bis Dezember 1990. Von April bis Juli 1988 stand er als Don José in der Wiederaufnahme der Carmen-Produktion mit Diane Elias auf der Bühne.

In der Spielzeit 1988/89 sang er von April bis Juni 1989 den Canio in einer Pagliacci-Neuinszenierung. In der Spielzeit 1989/90 übernahm er die Rolle von Ludwig XVI. in Siegfried Matthus’ Oper Graf Mirabeau.W. Bronnenmeyer: „Ein Sittenbild von hoher Qualität“. Premierenkritik. In: Opernwelt. Ausgabe Juni 1990. Seite 25/26. Zitat: „Sandor Arizs überraschte als Ludwig XVI. durch eine fein nuancierte Studie des Schwächlings, von einer Komik, die ihren Ursprung in latenter Tragik hat.“ Außerdem sang er in der Spielzeit 1989/90 den Narraboth in Salome (als Zweitbesetzung für den US-amerikanischen Tenor James McLean). Weitere Vorstellungen in dieser Produktion sang Arizs im März 1990, im November/Dezember 1990 und im März 1991. Als Zweitbesetzung sang er in der Spielzeit 1990/91 noch einmal im Februar/März 1991 in einigen wenigen Vorstellungen den Manrico.Seinen letzten Manrico sang Arizs im Oktober 1991, mit angesagter Indisposition nach der Pause.

Operette Parallel zu seiner Opernkarriere widmete sich Arizs auch regelmäßig der Operette.

In Nürnberger Neuinszenierungen sang er in diesem Bereich u. a. den Maler Armando Cellini in der Revue-Operette Maske in Blau (Spielzeit 1973/74) und Prinz Sou Chong in der Lehár-Operette Das Land des Lächelns in zwei Nürnberger Neuinszenierungen in den 1970er und 1980er Jahren.