Der Winckelmann Pelz-Fachverlag, kurz Winckelmann Verlag, wurde 1909 von Louis Winckelmann (* 1882 in Holstein; † 1937 in Deauville)Family of Louis Winckelmann and Marta Prenzlau. Abgerufen am 7. Oktober 2021. mit ursprünglichem Sitz in Leipzig gegründet. Im selben Jahr veröffentlichte er, in einer Zeit der zunehmenden Telefonanschlüsse, das erste Adress- und Telefonbuch der Pelzbranche. Ursprünglich hatte er nur an einen kleinen Wandzettel gedacht, der die Pelzgroßhändler mit ihren Telefonnummern auflistet. Er bekam sofort von fünf Unternehmen Anzeigenaufträge für je einen Streifen der Tabelle. Von jetzt an erschien das Wandplakat, zunehmend größer werdend, alle sechs Monate. Auf Anregung seines Freundes, dem Pelzveredler und -händler Franz Märkle, Firma Märkle & Co., kamen in den 1920er Jahren Ausgaben in den jeweiligen Landessprachen für die meisten europäischen Staaten hinzu. Dies begründete eine Fachverleger-Familie, die weltweit Adressbücher und Zeitschriften für die sich schnell entwickelnde Pelzindustrie herausgab. Die „Winckelmänner“ waren nicht nur im deutschsprachigen Raum für die Taschenbücher letztlich ein feststehender Begriff innerhalb des Fachbereichs.Neu eingetroffen: Auslands-„Winckelmänner“. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 297, 8. August 1975, S. 11. Die Auflagenhöhen scheinen nicht publiziert worden zu sein, Ausgaben für das Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl einschließlich Berlin und in anderen Ländern erschienen zeitweilig sogar zweimal im Jahr.
Louis Winckelmann verließ Deutschland am Tag nach der Machtergreifung Hitlers. Ralf (Ralph) Winckelmann (* 9. Oktober 1912; † 25./26. Juni 2002 in Saint-Jean-Cap-Ferratwww.ancestry.de. Abgerufen am 12. Oktober 2021./Nizza (Grabstätte?)) ging nach dem Verlassen der Schule nach England. In London besuchte er, neben der Assistenz bei den Adressbüchern, die Wirtschaftsschule. Nur englische und französische Ausgaben erschienen jetzt. 1935 besucht Ralf die Universität von Genua. 1937, nach dem Tod seines Vaters, führte Ralf die Hauptgeschäftsstelle, die er später nach London verlegte. Ralf Winckelmann war verheiratet mit Isabella Winckelmann (* 1916; † 6. September 1990). Ihre Söhne waren John und Christopher Winckelmann, die Tochter Teresa Pisani. John Winckelmann übernahm den Verlag von seinem Vater im Dezember 1989. Als Ralf Winckelmann im Alter von 90 Jahren starb, hinterließ er seinen Sohn John, die Tochter Teresa, vier Enkel und sieben Urenkel. Er liegt begraben in Beaulieu-sur-Mer, Frankreich.Ralf Winckelmann 80. In: Winckelmann International Fur Bulletin 2282 - Sales Report 413, 2. Oktober 1992, Winckelmann Verlag Frankfurt am Main und London, S. 3.Isabella Winckelmann… In: Winckelmann International Fur Bulletin 2215, Sales Report 346, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main, 15. September 2021, S. 1. Unter den redaktionellen Beiträgen der Pelzhändler sticht, neben einigen anderen, besonders der Engländer Francis Weiss (1893–1982) hervor, der nebenbei auch einige englischsprachige Bücher veröffentlichte. Der gebürtige Ungar mit deutscher Mutter, lange Jahre in Leipzig wohnhaft und dort beruflich tätig, schrieb auch für die deutschen Ausgaben des Winckelmann Pelzmarkts.
Der Erste Weltkrieg (1914–1918) unterbrach die weltweite Ausweitung das Verzeichnisses, in den 1920er Jahren dehnte der Vertrieb sich dann auf die meisten europäischen Staaten aus. 1921 erschien die erste englische Ausgabe.Korrespondenz mit Mark Monk, H. Monk Furs, London. In: Winckelmann International Nr. 2331, Juni 1994. 1941 wurden bei einem Bombenangriff auf London alle archivierten Winckelmann-Ausgaben zerstört, als eine Landmine in das John Schackman’s Building in der Cannon Street einschlug, gegenüber dem Firmensitz. Die anschließend gesammelten Ausgaben wurden der Guildhall Library (King Street), City Corporation, E. 1 und E. 8 District, übergeben. Auf allen Länderausgaben ist das Jahr 1909 als erstes Erscheinungsjahr für das Adressregister angegeben. 1994 schrieb der Herausgeber in einer Antwort auf eine Leserbriefanfrage, dass die ältesten der Bibliothek übergebenen Aufzeichnungen bis in das Jahr 1884 zurückreichen („earliest records back to 1884“).In: Winckelmann International Nr. 2334, 10. August 1994.
Die Erzeugnisse waren in der Regel kostenlos, die Finanzierung erfolgte über Anzeigen des Großhandels, als da sind Rauchwarenhändler, Konfektionäre und Zulieferer. Einige große Firmen belegten sämtliche Länderausgaben, der Teil mit Annoncen anderer Länder überstieg bei kleineren Staaten teilweise den inländischen Adressteil. Die Druckwerke wurden an Kürschner und Einzelhandel sowie den Zwischenhandel versandt und auf den Fachmessen in Frankfurt am Main, Mailand usw. zur Mitnahme ausgelegt. Im Frankfurter Pelzhandelszentrum Niddastraße wurden sie an die dort ansässigen Unternehmen von Hand verteilt.Neuer Pelzmarkt-Verteiler am Brühl. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 750, 15. Juni 1984, S. 14.
Nach dem Zweiten Weltkrieg traf sich die Pelzbranche in Basel, um einen Neuanfang der internationalen Beziehungen zu beginnen. Dem International Fur Industry Congress stand Ralf Winckelmann als Präsident vor. Das Ergebnis war die Gründung der International Fur Trade Federation.
Bei den Rauchwarenauktionen in London und Skandinavien legte John Winckelmann ein Diarium aus, in das sich die Einkäufer eintragen konnten, wenn sie ihren Besuch dokumentieren wollten. Im Winckelmann Sales Report erschien dann eine Rubrik, mit einem Text wie im Dezember 1974: „Diese Liste enthält die Namen der Einkäufer, die sich im Sales Report Register in der unteren Lobby des Copenhagen Fur Center eingetragen haben“.List of Buyers. In: Winckelmann Sales Report, No. 100, Januar 1980, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main.Winckelmanns Liste der Pelzauktionsteilnehmer 1974 bis 1978.List of Buyers in Copenhagen. In: Winckelmann Sales Report, 18. Dezember 1974, S. 8.
Nach dem plötzlichen Tod des letzten Inhabers John Winckelmann im Dezember 2007 wurden alle Publikationen eingestellt.Barbara Sixt: Liebe Leserin, lieber Leser, […]. In: Pelzmarkt - Newsletter des Deutschen Pelzverbandes, 01/08, Oktober 2008, S. 1. Die letzte Auflage des „Winckelmann Pelz & Markt“ erschien am 21. Dezember 2007. Der Verlag wurde 2009 vom Sohn Luke Winckelmann, Bad Homburg, Geschäftsführer seit 8. Mai 2008, offiziell aufgelöst.www.companyhouse.de: Luke Andreas Winckelmann aus Bad Homburg v. d. Höhe - Manager-Profil. Abgerufen am 17. September 2021.
Die neben dem Adressverzeichnis zusätzlich herausgegebenen großformatigen Wandtabellen mit den Adressen des Großhandels hingen in den Geschäftsräumen aller Rauchwarenhändler und sehr vieler Kürschner.
Über eine eventuell nähere Verwandtschaft der Familie mit dem bekannten Verleger Carl Georg Winckelmann (* 14. Dezember 1801; † 1. März 1875), Sohn und Geschäftspartner von Johann Christian Winckelmann, später Nachfolger in der Leitung des Verlages Winckelmann & Söhne (bis 1934), Berlin scheint nichts bekannt. Dieser war der Vater von Max Winckelmann, der ihm in der Geschäftsführung dieses Verlages nachfolgte.
Verlagsgeschichte, Publikationen Im 37. Adressverzeichnis für Großbritannien des Nachkriegsjahres 1946 sind bereits wieder sieben Ausgaben aufgeführt, für Länder, für die das Verzeichnis erscheinen wird: Großbritannien (September 1946) Frankreich (Ende 1946) Skandinavien (November 1946) Italien (September 1946) Holland, Belgien, Schweiz (Ende 1946) Südamerika, Spanien, Portugal (Ende 1946) Britisches Commonwealth (Kanada, Südafrika, Australien, Neuseeland etc.) (Januar 1947).
Die in der Regel klein-oktav-formatigen Verzeichnisse mit Paperback-Einband waren üblicherweise mit einer Kordel zum Aufhängen und mit einem als Lesezeichen zu verwendenden Werbeanhänger versehen. Zusätzlich war die Rückseite meist als Ausklapper gestaltet, der ebenfalls als Lesezeichen genutzt werden konnte – alles mit Werbung versehen. Ein häufig wiederkehrender Bestandteil war ein Anhang mit der Übersetzung der Fellbezeichnungen in mehrere Sprachen.
Deutschland Louis Winckelmann publizierte 1909 in Leipzig das erste regelmäßig erscheinende Fachverzeichnis der Pelzbranche überhaupt. Bereits in den 1920er Jahren erschienen zusätzlich die meist jährlichen Wandtabellen mit den Adressen des Großhandels.
1935 erschien im Verlag Louis Winckelmann, Berlin-Halensee, Kurfürstendamm 136, die Winckelmanntabelle für die Tasche, Leipzig mit Anhang Berlin, 52. Ausgabe, 26. Jahrgang, II. Ausgabe 1935, gültig für das I. Halbjahr 1936. Der Umfang der wie üblich nach Branchen und Produktanbietern geordneten Ausgabe betrug 94 Seiten.Winckelmann 52, II. Ausgabe 1935 (Buchdeckel und Inhaltsverzeichnis). 1937 erschienen zwei Auflagen mit den Nummern 54 und 55. Die 56. Ausgabe des Adressverzeichnisses kam im Verlag Louis Winckelmann, Leipzig, Berlin-Halensee für das Jahr 1938 heraus.Winckelmann-Tabelle für die Tasche, Leipzig mit Anhang, Berlin, 1937, 54. Ausgabe.Winckelmann 1937, 55. Ausgabe.Winckelmann 1937, 55. Ausgabe (Buchdeckel und Inhaltsverzeichnis).
mini|Ralf Winckelmann mit Adressverzeichnissen auf der Pelzmesse in Frankfurt am Main (1987)
Die deutsche Nachkriegsausgabe für die Jahre 1950/51 trug die Nummer 59. Herausgeber war jetzt Ralf Winckelmann, 1 Broadhurst Gardens, Finchley Road, London N. W. 6, der Repräsentant in Frankfurt-Niederrath am Main war William Seiferth, Triftstraße 14. Sie hatte das Format 11,5 × 15,5 cm und umfasste bereits 332 Seiten.Winckelmann, Fachadressbuch der Rauchwaren- und Pelzwirtschaft u. Pelzwirtschaft für Deutschland, 59. Ausgabe, 1950/51 (Buchdeckel).
Der Ausgabe des Jahres 1953 lag eine Bestellkarte bei, adressiert an den Winckelmann-Verlag, William Seifferth, Frankfurt-M.-West 13, Postfach, mit der Bestellmöglichkeit für:
mini|Winckelmann-Wandtabelle von 2007 bei einem Rauchwarenhändler in der Frankfurter Niddastraße (2012)
Die 61. Auflage für das Jahr 1953 des Winckelmann – Fachadressbuch der Rauchwaren- u. Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks für Deutschland enthielt, entgegen ihres Titels, nur Adressen der Bundesrepublik (Westdeutschland). Es umfasste 282 Seiten und einen Anhang mit Fellnamen in vier Fremdsprachen.
Noch 1955 wurde jedoch in der DDR ein Winckelmann, Adressbuch der Leipziger Pelzwirtschaft herausgegeben, ohne Auflagennummer. Es erschien jetzt im Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, zusätzlicher Sitz in Westberlin. Viersprachig wies es auf der Titelseite auf die ehemals überragende Bedeutung der Stadt als Pelzhandelsmetropole hin: „Leipzig, Stadt der Pelze“. Das Heft für Leipzig und Umgebung hat die Größe 13 × 18 cm und enthält 36 Seiten, westdeutsche oder ausländische Anzeigen sind nicht enthalten. Lediglich die Winckelmann Publications London Ltd. wies auf ihre übrigen Länderausgaben ihres Adressbuches hin.Winckelmann, Adressbuch der Leipziger Pelzwirtschaft 1955 (Buchdeckel und Inhaltsverzeichnis). Das als 97. Auflage gekennzeichnete Fachadressbuch der Rauchwaren- und Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks Deutschland trägt die Jahreszahl 1989. Das Pelzadress-Register Deutschland 1991/92 war wohl das letzte, das in Buchform erschien. Es trug keine Auflagennummer und hatte nicht mehr das bisherige Größe DIN-A6, sondern ein höheres Format bei gleicher Breite.Pelzadress-Register Deutschland 1991/92 (Buchdeckel). Nach dieser Ausgabe sind offenbar nur noch Adressverzeichnisse in der Form von Wandtabellen herausgegeben worden, die letzte für das Jahr 2007.