Die Geschichte Irans umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des heutigen Iran und historischer, oft unter dem Namen Persien bekannter iranischer Reiche von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Dem neupersischen Namen Iran liegt das mittelpersische Ērān (von altpersisch *Ariyānām ,der Arier‘, Pluralgenitiv zu ariya-, mit Ellipse von dahyuš oder xšaçam, mithin („Land" oder "Reich der Arier“)) zugrunde.Hamid Tafazoli: Der deutsche Persien-Diskurs. Zur Verwissenschaftlichung und Literarisierung des Persien-Bildes im deutschen Schrifttum Von der frühen Neuzeit bis in das neunzehnte Jahrhundert. Bielefeld 2007, S. 85. Das ostiranische Äquivalent ist Aryana. Der Begriff „Iran“ bezieht sich im eigentlichen Sinne auf eine viel größere Region, die die Gebiete der modernen Staaten Afghanistan, Tadschikistan, Irak, Aserbaidschan, Usbekistan, Turkmenistan und Teile Pakistans und der Türkei mit einschließt (siehe Iranisches Hochland). Somit beinhaltet dieser Artikel über die Geschichte Irans zu einem großen Teil auch die Geschichte jener Staaten und Regionen sowie die Geschichte des ehemaligen Großpersischen Reiches. Die Geschichte des modernen Nationalstaates Iran beginnt mit der Gründung der Kadscharen-Dynastie um 1789.

Die persische Eigenbezeichnung Iran wurde am 21. März 1935 unter Reza Schah Pahlavi (Regent 1925–1941) für international verbindlich erklärt. mini|Karte mit archäologischen Fundstätten in Iran.

Frühe Hochkulturen (ca. 4000 v. Chr. bis 550 v. Chr.) mini|Gandschnāme: Inschrift aus der achämenidischen Zeit

Bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum) wurde das Land, das heute als Iran bezeichnet wird, besiedelt, bzw. es sind Siedlungsspuren nachweisbar. Dauersiedlungen und Nahrungsmittelerzeugung sind etwa durch bemalte Keramik und kleine Tonfiguren für das jüngere Neolithikum (6500–5550 v. Chr.) nachweisbar.Erika Bleibtreu: Iran von prähistorischer Zeit bis zu den Medern. Kurzer Einblick in sechs Jahrtausende iranischer Kulturgeschichte. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, ISBN 3-85497-018-8, S. 40–53, hier: S. 41 (mit S. 328). In der ehemaligen Provinz Chusistan liegen die kraft kalibrierter 14C-Datierungen auf eine Besiedlungsgeschichte ab dem 8. Jahrtausend v. Chr. reichenden Tschogha Bonut sowie Tschogha Misch. Im 4. Jahrtausend v. Chr. gab es eine erste Wanderbewegung von Indogermanen, die zusammen mit den Indern die Bezeichnung Arier (ariyānām) haben. Die Herkunft dieser Arier ist umstritten, man ist sich aber darüber einig, dass sie aus dem Norden stammen. Bereits gegen Ende des 4. Jahrtausend v. Chr. kann von einer städtischen Zivilisation gesprochen werden, die sich aus der Ackerbau betreibenden, sesshaften Bevölkerung entwickelte.Vgl. auch Ph. E. L. Smith: Iran, 9000–4000 B. C.: The Neolithic. In: Expedition. Band 13, 1971, S. 6–13., und M. M. Voigt, R. H. Dyson Jr.: Chronology of Iran c. 8000–2000 B. C. In: R. W. Ehrich (Hrsg.): Chronologies in Old World Archaeology. 3. Auflage. Chicago/London 1992, S. 122–153.

Reich Elam (ca. 3500 v. Chr. bis 569 v. Chr.) Das erste Reich auf iranischem Boden war Elam auf dem Gebiet um das heutige Chusistan, das von etwa 3500 v. Chr. bis zur Niederlage gegen das assyrische Reich um 569 v. Chr. Bestand hatte. Die Könige nannten sich „von Anschan und Susa“. Die Sprache der Elamer war weder Indogermanisch noch Semitisch.

Die zweite Wanderbewegung, die der eigentlichen Indoiranier um 1250 v. Chr., von indogermanischen Reitervölkern aus den Steppen Südrusslands, lässt sich geschichtlich genauer fassen. Das Auftreten der Meder (Madai) um 900 v. Chr., in deren Folge die aus dem Gebiet des Urmiasees stammenden, mit den Medern verwandten Perser (Pārsa) nachzogen, veränderte die einheimische Bevölkerungsstruktur.

Meder-Reich (728 v. Chr. bis 550 v. Chr.) Das Meder-Reich war das erste große iranische Reich. Die Bewohner waren die Meder. Ihre Sprache und Kultur war iranisch. 835 v. Chr. erwähnte der assyrische König zum ersten Mal die medischen Stämme. Bald nach ihrem Auftreten konnten sie große Bereiche des assyrischen Reiches unterwerfen. Im Jahre 715 v. Chr. führte der Häuptlingsführer Deiokes die medischen Stämme ohne Erfolg gegen das assyrische Reich. Ein Nachfolger, Phraortes, konnte die übrigen iranischen Stämme vereinen und das assyrische Königreich vernichten. Er gründete die medische Hauptstadt Ekbatana (das heutige Hamadan). Astyages, der letzte medische König, führte das Reich bis 550 v. Chr.

Antike (550 v. Chr. bis 642 n. Chr.)

Achämeniden mini|Dariush (Dareios) I. (549–486 v. Chr.) mini|Perserreich um 500 v. Chr. Die Herrschaft des Achämenidenreiches dauerte von ca. 559 v. Chr. bis 330 v. Chr. Kyros der Große gründete als persischer König das erste Weltreich der Geschichte, das altpersische Großreich. 539 v. Chr. wurde Babylon eingenommen und das neubabylonische Reich der Chaldäer besiegt. Ägypten wurde dem Achämenidenreich 525 v. Chr. eingegliedert. Von 521 v. Chr. bis 486 v. Chr. regiert Dareios der Große, der sich durch sein enormes militärisches Können auszeichnete. Er siegte im ersten Jahr seiner Herrschaft in 19 Schlachten in einem Gebiet, welches so groß wie ganz Westeuropa war. Weiterhin schuf er sich durch seine weise Politik und Toleranz einen Namen.

Um 500 v. Chr. erhoben sich die Griechen gegen die persische Herrschaft, womit die Perserkriege eingeleitet wurden. Der Aufstand wurde 494 v. Chr. mit der Zerstörung Milets niedergeschlagen. Hier standen sich zwei Ideologien gegenüber: Die Iraner vertraten die Reichsidee unter Wahrung der jeweiligen Identitäten, während die Griechen die Stadtstaaten-Idee (Polis) unter völliger Unabhängigkeit bevorzugten. Von 486 v. Chr. bis 465 v. Chr. regierte Xerxes I. 450 v. Chr. bis 404 v. Chr. erfolgten Aufstände gegen die Achämeniden in Ägypten, Syrien und im Kernland des Reiches. Vom Peloponnesischen Krieg zwischen Athen und Sparta (431 bis 404 v. Chr.) konnte Persien unter Artaxerxes II. profitieren (siehe Königsfrieden). Von 359 v. Chr. bis 338 v. Chr. herrschte Artaxerxes III., der das Reich noch einmal festigen konnte, bevor es unter Dareios III. unterging.

Alexanderfeldzug Im Jahr 335 v. Chr. wurde Dareios III. Großkönig, aber er wurde schon 331 v. Chr. von Alexander dem Großen in der Schlacht von Gaugamela während des Alexanderzuges geschlagen und wenig später auf der Flucht vom Satrapen Baktriens, Bessos, ermordet. Mit Alexanders Sieg endete die Herrschaft der Achämeniden. Das Reich ging im Alexanderreich auf.

Seleukiden Das Jahr 312 v. Chr. brachte mit dem Aufstieg der Diadochen-Dynastie von Seleukos I., einem Feldherrn Alexanders, die Seleukidenherrschaft. Zwischen 280 und 200 v. Chr. erstreckte sich das Seleukidenreich über große Gebiete Vorderasiens bis zum Indusgebiet. Nach dem Zerfall gelangten die westlichen Reichsgebiete an das Römische Reich. Von der seleukidischen Kunst finden sich in IranRobert Fleischer: Griechische Kunst in Iran vor der Partherzeit. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 220–226 und 227–229 (Katalognummern 133–134). noch einige Überreste.

Arsakiden Das Partherreich unter der Herrschaft der Dynastie der Arsakiden entfaltete sich von 250 v. Chr. bis 224 n. Chr. Die Parther nahmen Elemente der hellenistischen Kultur auf und konnten sich, trotz mehrerer Niederlagen (besonders im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr.) gegen das römische Reich in den diversen Partherkriegen behaupten. 224 n. Chr. kam es jedoch zum Sturz der Arsakiden durch die Sassaniden.

Sassaniden Das Sassanidenreich, gegründet von der letzten vorislamischen Dynastie Persiens, existierte zwischen 224/226 n. Chr. und 651 n. Chr. Ardaschir I., Sohn des parthischen Unterkönigs Papak, beendete in einem Bürgerkrieg die Herrschaft der Arsakiden und betrieb ebenso wie sein Sohn und Nachfolger Schapur I. eine erfolgreiche Politik. Das Sassanidenreich stützte sich auf persische und parthische Adelsfamilien sowie auf die zoroastrischen Priester; es hatte stets die gefährdete Nordostgrenze zu sichern, wo die sogenannten iranischen Hunnen aggressiv auftraten und den Sassaniden auch einige Niederlagen bescherten. Es entwickelte sich gleichzeitig in der Spätantike als ein bedeutender Rivale Roms (siehe Römisch-Persische Kriege), wobei es jedoch auch durchaus zu einer (zeitweiligen) friedlichen Koexistenz vor allem im 5. Jahrhundert kam. Unter Chosrau I., dem großen Gegenspieler Kaiser Justinians, erlebte das sassanidische Persien eine kulturelle Blüte. Um 560 wurde das Hephthalitenreich im Bündnis mit den Kök-Türken vernichtet. Im Inneren musste sich das Königtum stets gegen den starken Adel behaupten. Religionspolitisch förderten die Sassaniden den Zoroastrismus, doch existierte ebenso eine nicht unbedeutende christliche und jüdische Minderheit im Reich.

Nachdem der letzte bedeutende Sassanidenkönig Chosrau II., der 603 einen großen Krieg gegen Ostrom begonnen hatte, 628 ermordet worden war, versank das Reich im Chaos, während Ostrom unter Herakleios aus diesen Kämpfen zwar siegreich hervorging, aber geschwächt blieb. Diese Schwächephase beider Großmächte erlaubte es den islamischen Arabern, ab Mitte der 630er Jahre Persien und große Teile Ostroms zu erobern (Islamische Expansion). Sie besiegten die sassanidischen Heere, nachdem der letzte Sassanidenkönig Yazdegerd III. 651 ermordet worden war. Daraufhin kam es zu einer allmählichen Bekehrung der Bevölkerung zum Islam, wenngleich noch in den 650er Jahren mehrere Aufstände der Perser gegen die arabische Fremdherrschaft stattfanden, die aber niedergeschlagen wurden.

Das sassanidische Persien mit seinem Hofleben und seiner Verwaltung wurde dennoch zu einem wichtigen Vorbild für das Kalifenreich, vor allem unter den Abbasiden. Das vorislamische persische Königsideal und Einflüsse der Hofkultur wirkten denn auch in islamischer Zeit stark nach.Vgl. Blain Auer: In the Mirror of Persian Kings. Cambridge 2021. Im Unterschied zu anderen arabisch eroberten Gebieten gelang es den Persern deshalb, ihre Kultur weitgehend zu erhalten, das Persische neben dem Arabischen zu einer Sprache des Islam zu machen und in kulturellen, politischen und geistigen Bereichen maßgebend zur Entwicklung des Islam beizutragen.Zum Einfluss der persisch-sassanidischen Kultur siehe Monika Gronke: Geschichte Irans. Von der Islamisierung bis zur Gegenwart. 3. Auflage, C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-48021-8, S. 28.

Frühislamische Zeit (642 bis 1050)

Umayyaden (661 bis 750) Nach der entscheidenden Niederlage in der Schlacht bei Nehawand gegen die muslimischen Araber im Jahr 642 brach das Sassanidenreich in Persien auseinander und ging mit der Ermordung von Yazdegerd III. endgültig unter. Dennoch zog sich die arabische Unterwerfung Irans hin, da die Muslime durch interne Machtkämpfe infolge der Machtergreifung der Umayyaden zeitweise geschwächt waren.

Erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts konnte Chorasan von den Arabern endgültig erobert werden. Auch die Unterwerfung von Transoxanien dauerte bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts, als der Statthalter von Chorasan Nasr ibn Saiyār (737–748) die Türken endgültig besiegen konnte. Nach seinem Tod begann unter Abū Muslim 748 ein Aufstand im östlichen Iran, der zum Sturz der Umayyaden und zur Begründung der Dynastie der Abbasiden beitrug.

→ Siehe auch: Liste der Herrscher der Umayyaden

Abbasiden (749 bis 857)