Beichlingen ist ein Ortsteil der Stadt Kölleda im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Die Ortsteile Altenbeichlingen und Beichlingen haben eine gemeinsame Ortsteilverfassung nach der Thüringer Kommunalordnung und damit einen Ortsteilrat und Ortsteilbürgermeister.
Geografie Beichlingen liegt fünf Kilometer nördlich von Kölleda im Thüringer Becken am Südrand der Schmücke. Zum östlichen Teil der Gemarkung gehört der bewaldete Künzelsberg ().
Geschichte mini|Beichlingen mit Schloss Luftaufnahme
Beichlingen wurde 1014 erstmals urkundlich erwähnt. Das gleichnamige Grafengeschlecht von Beichlingen hatte hier auf dem oberhalb der Gemeinde liegenden Schloss Beichlingen seinen Stammsitz, später die Grafen von Werthern-Beichlingen.
Beichlingen war in den Jahren 1618 bis 1690 von Hexenverfolgungen betroffen. Eine Frau und zwei Männer gerieten in Hexenprozesse.Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum (= Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland. Bd. 2). DOBU-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-934632-03-3, S. 250, (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2000).
Im April 1945 wurde der Ort von US-Truppen besetzt. Anfang Juli wurden diese von der Roten Armee abgelöst. Diese bezog Quartier im zum Rittergut gehörenden Oberweimarischen Hof („Die Schäferei“), der danach auch „Russenhof“ oder „Roter Hof“ genannt wurde.
Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Altenbeichlingen eingegliedert.
Im Jahre 1969 wurde die Ingenieurschule für Veterinärmedizin „Kurt Neubert“ in Beichlingen gegründet. Drei Hörsäle, drei Lehrlabore, ein Großtieroperationsraum, ein Behandlungsraum für Kleintiere, drei Wohnheime mit insgesamt 468 Plätzen, eine Mensa, eine Sporthalle und weitere Einrichtungen entstanden bis 1984. Nach Ende des Berufsbilds Veterinäringenieur wurde die Schule 1992 geschlossen.
Zu DDR-Zeiten wurde im Ort ein Zentrales Pionierlager betrieben.
Im Oktober 2017 stimmte der Gemeinderat für die Eingliederung in die Stadt Kölleda."Beichlingen wird in die Stadt Kölleda eingegliedert" Thüringer Allgemeine vom 4. November 2017, abgerufen am 11. Oktober 2018 Diese wurde laut Landtags-Drucksache 6/6060 im Gesetzesentwurf für das Thüringer Gesetz zur freiwilligen Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden im Jahr 2019 (ThürGNGG 2019) zum 1. Januar 2019 vollzogen. Zuvor gehörte die Gemeinde Beichlingen bereits der Verwaltungsgemeinschaft Kölleda an. Altenbeichlingen war ein Ortsteil der Gemeinde Beichlingen.
Einwohnerentwicklung 1994: 670 1995: 659 1996: 666 1997: 672 1998: 649 1999: 613 2000: 613 2001: 598 2002: 573 2003: 568 2004: 589 2005: 594 2006: 578 2007: 576 2008: 572 2009: 563 2010: 564 2011: 514 2012: 512 2013: 505 2014: 502 2015: 510 2016: 511 2017: 498 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat aus Beichlingen setzte sich zuletzt aus 8 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Er wurde alle fünf Jahre neu gewählt. Parteien und Wählergemeinschaften 2014 2009 2004 1999 1994 Anteil Sitze Anteil Sitze Anteil Sitze Anteil Sitze Anteil Sitze Freie Wählergemeinschaft FWG 86,0 772,2674,1665,13 – – Freizeitsportverein Beichlingen FSV 14,0 127,8225,92 – – – – Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD – – – – – –34,9350,35 Bauernverband/Landfrauen BAUERN – – – – – – – –49,73 prozentualer Anteil ungültiger Stimmabgaben 3,6 8,2 8,6 7,7 4,6Sitze gesamt88888 Wahlbeteiligung 58,2 % 54,8 % 62,4 % 71,7 % 73,1 %
Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister Lutz Bauer wurde am 18. September 2005 gewählt. Er wurde zuletzt am 24. September 2017 mit 95,6 % der Stimmen in seinem Amt bestätigt.
Seit 2024 war René Görlitz Bürgermeister.
Ortsfreundschaft Seit 2002 besteht eine Ortsfreundschaft mit Berlichingen in Baden-Württemberg.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Beichlingen Evangelische Dorfkirche „St. Aegidius“: Nachfolgebau der 1930 abgebrannten Kirche () Erbbegräbnis der Grafen von Werthern-Beichlingen auf dem Kirchhof. Auch die letzten Besitzer von Schloss Beichlingen bis 1945, Thilo von Werthern-Beichlingen (1914–1986) und seine Frau Walpurgis geb. Prinzessin zu Stolberg-Wernigerode (1921–1992), sowie Elisabeth Gräfin von Werthern sind dort beerdigt. Reihe mit sechs Gräbern von deutschen Soldaten – fünf von ihnen junge Nachrichtensoldaten –, die am 11. April 1945 beim Einmarsch der US-Truppen gefallen sind, auf dem Kirchhof Granit-Findling vor dem Kirchhof mit den Namen von 16 Soldaten aus dem Ort, die nicht aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt sind
Vereine Feuerwehrverein e. V. Freizeitsportverein (FSV) Beichlingen e. V., 1990 gegründet, veranstaltet seit 1997 jährlich den Schlossberglauf Förderverein Schloss Beichlingen e. V., gegründet 1991
Veranstaltungen Schlossberglauf Beichlingen Osterfeuer Beichlingen
Umgebung mini|Ehemaliges Kinderferienlager Beichlingen Waldschwimmbad, das nicht mehr nutzbar ist Gelände des ehemaligen Zentralen Pionierlagers Beichlingen: Nutzung als Jugendherberge des DJH, später: Kinder- und Jugenddorf Beichlingen,Wohnen im eigenen Dorf in Nordthüringen, veröffentlicht 2015-10-21 seit 2015: Gemeinschaft „Am Windberg e. V.“ (Lebenslernort mit Seminarbetrieb)Lebenslernort am Windberg (Webpräsenz des Vereins); abgerufen am 11. November 2016. Weißer Berg mit Grabmal des Grafen Georg von Werthern-Beichlingen Bergzug Schmücke mit Künzelsberg, Wallanlagen der Monraburg und Wendenburg
Persönlichkeiten Georg von Werthern (* 15. September 1581 in Beichlingen; † 10. Juni 1636 in Dresden), kursächsischer Staatsmann Georg Graf von Werthern (* 21. Juli 1663 in Beichlingen; † 4. Februar 1721 in Dresden) kursächsischer Diplomat und Minister Georg Graf und Herr von Werthern-Beichlingen (* 20. November 1816 in Beichlingen; † 2. Februar 1895 ebenda), Diplomat in preußischen Diensten Thilo von Werthern (* 18. März 1818 in Beichlingen; † 1. Februar 1888 in Großneuhausen), Gutsbesitzer und Politiker
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Sömmerda Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Sömmerda) Kategorie:Geographie (Kölleda) Kategorie:Ersterwähnung 1014 Kategorie:Gemeindeauflösung 2019