mini|hochkant|Neuguss vor der Humboldt-Universität, 2008
Das Heinrich-Heine-Denkmal in Berlin ist eine 1955 geschaffene Bronzeplastik des Bildhauers Waldemar Grzimek. Sie gilt als eine der künstlerisch herausragenden Plastiken der frühen DDR und ist in zwei Ausführungen an zwei verschiedenen Orten in Berlin-Mitte aufgestellt: Seit 1958 steht der erste Bronzeguss im Volkspark am Weinbergsweg, seit 2002 steht zusätzlich ein Neuguss östlich der Humboldt-Universität am Kastanienwäldchen – jeweils vorausgegangen war ein größerer kulturpolitischer Streit um den Standort. Das dem Dichter Heinrich Heine gewidmete Denkmal steht seit 2010 auch in einer dritten Ausführung an der Kunsthalle Bremen.
Das Denkmal
Die Figur Heines ist überlebensgroß ausgeführt, sitzend und in schlichter Kleidung, mit auseinandergestellten Beinen und weit ausgreifenden Armen. Den Kopf unbedeckt, ist das freundlich blickende Gesicht leicht zur Seite gewendet. Die Haltung der Figur soll
Die Plastik samt rechteckiger Plinthe steht auf einem quaderförmigen Sockel aus Muschelkalk, dessen obere Hälfte ein bronzenes Bilderrelief umläuft. Darauf abgebildet sind figürliche Szenen aus Heines Leben und WerkFür eine detaillierte Beschreibung der Friese siehe: Erich Wulf: Das Berliner Heine-Denkmal von Waldemar Grzimek. In: J. A. Kruse (Hrsg.): Heine-Jahrbuch 1999. Metzler, Stuttgart 1999, S. 216–217. sowie auf der Vorderseite eine Inschrift mit den Worten:
Bei dem Denkmal handelt es sich um die 1955 von Grzimek überarbeitete, sogenannte Zweite Fassung der Plastik, gegossen in der Bildgießerei Seiler & Siebert in Schöneiche bei Berlin,Siehe: Gravur in der Plinthe sowie: Erika Neumann u. a. (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 1 Berlin. Herausgegeben von der Deutschen Bauakademie, Berlin 1969, S. 171. eine ähnliche Erste Fassung datiert auf das Jahr 1954. Der originale Gipsabdruck wird im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen bewahrt, das den Nachlass Grzimeks verwaltet.Heinrich Heine 2010, Senator für Kultur Bremen, (www.kunst-im-oeffentlichen-raum-bremen.de abgerufen am 11. Februar 2025)
Standorte
mini|Im Volkspark am Weinbergsweg, 1975
1956 wurde der Erstguss der Zweiten Fassung zunächst öffentlich unzugänglich auf der Berliner Museumsinsel südlich des Pergamonmuseums am Kupfergraben gegenüber dem Magnus-Haus aufgestellt, dem heutigen Ort der James-Simon-Galerie. Im Februar 1958 wurde das Denkmal aus dem historischen Stadtzentrum entfernt und an seinen heutigen Standort im Volkspark am Weinbergsweg umgesetzt.
Seit 2002 steht ein Neuguss der Plastik an der Straße Am Festungsgraben vor dem Ostflügel der Humboldt-Universität gegenüber dem Kastanienwäldchen an der ehemaligen Nordrampe des Lindentunnels.
Ein weiterer Neuguss befindet sich seit 2010 am Altenwall westlich der Kunsthalle Bremen.
Die ältere, sehr ähnliche Erste Fassung des Denkmals von Waldemar Grzimek steht seit dem 18. Februar 1956 im Heinrich-Heine-Park von Ludwigsfelde südlich von Berlin.Erich Wulf: Das Berliner Heine-Denkmal von Waldemar Grzimek. In: J. A. Kruse (Hrsg.): Heine-Jahrbuch 1999. Metzler, Stuttgart 1999, S. 215.
Geschichte
Streit um Denkmal und Standort, 1956 Von 1949 bis 1954 arbeitete Grzimek an der Plastik für das Heinrich-Heine-Denkmal,Dietrich Schubert: „Jetzt wohin?“ Heinrich Heine in seinen verhinderten und errichteten Denkmälern. Böhlau, Köln 1999, S. 118. zuletzt im Auftrag des Kulturfonds von Groß-Berlin. Im Mai 1955 in der Akademie der Künste erstmals ausgestellt, wurde das Denkmal zum 100. Todestag des Dichters am 18. Februar 1956 im Heinrich-Heine-Park in Ludwigsfelde enthüllt.Heine-Denkmal in Ludwigsfelde enthüllt. In: Neues Deutschland, 19. Februar 1956, S. 1. Der Magistrat von Berlin beschloss, ein gleiches Denkmal an zentralem Ort in Berlin zwischen der Neuen Wache und dem Palais am Festungsgraben aufzustellen.Feli Eick (Edith Balzer): Grzimeks Heine-Denkmal. In: Berliner Zeitung, 2. Februar 1956, S. 3. Allerdings stieß Grzimeks Denkmalentwurf auf Ablehnung der Funktionäre im zuständigen Kulturfonds, die sich „ein repräsentatives deutsches Heine-Denkmal“ wünschten, auch die 1955 von Grzimek überarbeitete Zweite Fassung des Denkmals wurde abgelehnt:
Mehrere Kunstinstitutionen reagierten mit äußerst heftiger Kritik: Gustav Seitz, Gründungsmitglied der Akademie der Künste nannte Victors Behauptungen eine „glatte Verleumdung“ voller „grausamer Überheblichkeit“ auch der spätere Vizepräsident der Akademie Fritz Cremer protestierte „auf das heftigste“ und nannte Victor einen absolutistischen und unmarxistischen „Kunstverderber“.Fritz Cremer: Nochmals: Heine Denkmal. In: Berliner Zeitung, 10. Februar 1956, S. 3.
Letztlich verweigerte der Kulturfonds das Aufstellen am geplanten Ort – das Denkmal verschwand zunächst auf eine öffentlich nicht zugängliche Baustelle auf der Berliner Museumsinsel und stand knapp zwei Jahre am Kupfergraben südlich des Pergamonmuseums, bevor es 1958 ohne Feierlichkeiten einen Platz im damals neuangelegten Volkspark am Weinbergsweg erhielt.Man schrieb den 17. Februar 1958… In: Berliner Zeitung, 19. Februar 1958, S. 6. Die später unter Denkmalschutz gestellte Figur Grzimeks gilt heute als eine der herausragenden künstlerischen Plastiken der frühen DDR., Eintrag in der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamtes Berlin.
Streit um die Kopie 1998
Knapp 40 Jahre nach dem ersten Streit schlug Christoph Stölzl, damals Chef des Deutschen Historischen Museums vor, eine Kopie des Heine-Denkmals nördlich der Neuen Wache aufzustellen. Das Denkmal gehöre „an den Platz, für den es ursprünglich gedacht war.“ Widerstand kam zunächst von Simone Hain vom Landesdenkmalamt und dem damaligen Baustadtrat Thomas Flierl.Uwe Aulich: Heine-Denkmal soll an der Neuen Wache stehen. In: Berliner Zeitung, 29. Oktober 1998. Dieser sah eine Gefahr, dass „durch Duplizierung des Kunstwerks Geschichte geheilt“ werde:Ulrike Steglich: Heine kommt durch die Hintertür. In Die Tageszeitung, 14. Juli 1998.
Ende 1998 der wurde die Decke des Lindentunnels zwischen Humboldt-Universität und Neuer Wache verschlossen und damit die Fläche des heutigen Platzes der Märzrevolution vergrößert, gleichzeitig sagte der Mäzen und Unternehmer Peter Dussmann zu, einen Neuguss des Denkmals zu finanzieren. Es dauerte weitere vier Jahre, bis am 13. Dezember 2002 – dem 205. Geburtstag Heines – die Kopie aufgestellt werden konnte, sie fand ihren Platz schließlich vor dem Ostflügel der Universität an der ehemaligen Nordrampe des Lindentunnels.
Siehe auch
Heinrich-Heine-Denkmal (Bremen), Kopie des Denkmals, 2010 vor der Kunsthalle Bremen aufgestellt.
Literatur Dietrich Schubert: Waldemar Grzimeks Heine-Figuren in Ludwigsfelde und Berlin 1954/56. In: ders.: „Jetzt Wohin?“ Heinrich Heine in seinen verhinderten und errichteten Denkmälern. Böhlau, Köln 1999, S. 282–296, (= Beiträge zur Geschichtskultur Bd. 17). ISBN 978-3-412-11498-5 Erich Wulf: Das Berliner Heine-Denkmal von Waldemar Grzimek. In: J. A. Kruse (Hrsg.): Heine-Jahrbuch 1999. Metzler, Stuttgart 1999, S. 215–224.
Lyrik Peter Hacks: Der Heine auf dem Weinbergsweg. (1974) Aus dem Zyklus: Märkisches Museum. In: Peter Hacks: Die Gedichte. Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1988, S. 213. ISBN 978-3-351-00364-7
Weblinks
Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamtes Berlin: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (bildhauerei-in-berlin.de): Heinrich-Heine-Denkmal im Volkspark am Weinbergsweg Heinrich-Heine-Denkmal am Festungsgraben
Einzelnachweise
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