Die Lëtzebuerger Sozialistesch Aarbechterpartei (, ), kurz LSAP, ist eine sozialdemokratische,Hans Slomp (30 September 2011). Europe, A Political Profile: An American Companion to European Politics. ABC-CLIO. p. 477, ISBN 978-0-313-39182-8. Abgerufen am 13. Juli 2013.Dimitri Almeida (27 April 2012). The Impact of European Integration on Political Parties: Beyond the Permissive Consensus. CRC Press. p. 71, ISBN 978-1-136-34039-0. Abgerufen am 14. Juli 2013.„Luxembourg“. Europe Elects.Xenophon Contiades (20 December 2012). Engineering Constitutional Change: A Comparative Perspective on Europe, Canada and the USA. Routledge. p. 250, ISBN 978-1-136-21077-8. Abgerufen am 19. Juli 2013. pro-europäische politische Partei in Luxemburg. Die LSAP ist im politischen Spektrum in der linken Mitte angesiedelt.
Die LSAP ist die drittgrößte Partei in der Abgeordnetenkammer, da sie bei den Parlamentswahlen 2023 11 von 60 Sitzen errang. Im Laufe des Jahres 2024 wechselte Ben Polidori, nach internen Tumulten in der Piraten-Partei, zur LSAP. Die LSAP ist fortan mit 12 Abgeordneten im luxemburgischen Parlament vertreten. Die amtierende Fraktionspräsidentin der LSAP ist Taina Bofferding. Bei den Europawahlen 2024 hat die LSAP durch einen Zugewinn von rund 10 % ihren Sitz im Europaparlament gefestigt. Die LSAP ist seit der Kammerwahl 2023 Teil der Opposition.
Seit März 2022 sind Francine Closener und Dan Biancalana die Vorsitzenden der Partei. Seit Juli 2024 ist Sacha Pulli Generalsekretär der Partei.
Die Partei steht dem Bund Unabhängiger Gewerkschaften, dem größten Gewerkschaftsdachverband des Landes, OGBL, nahe, hat aber keine formellen VerbindungenHearl (1987), p. 255. Die LSAP ist vor allem im Süden des Landes stark, wo sie die meisten Bürgermeisterämter in den großen Städten des Roten Landes kontrolliert. Sie ist mit der Sozialistischen Internationale, der Progressiven Allianz und der Sozialdemokratischen Partei Europas verbunden.
Organisationsstruktur Die rechtliche Basis bilden die Statuten der Partei, wie sie am 26. März 2017 beschlossen wurden. Sie ersetzten damit die vorhergehende, mehrfach modifizierte Fassung aus dem Jahre 1991. Oberstes Organ ist der Landeskongress, der mindestens einmal jährlich im ersten Quartal einberufen wird.
Sektionen und Bezirke Die untere organisatorische Ebene bilden die Sektionen, die als Ortsvereine die Parteimitglieder einer oder mehrerer Gemeinden umfassen, und die in vier Bezirke (Nord, Ost, Süd, und Zentrum) gruppiert sind. Bezirk Nord mit 6 Sektionen, Co-Präsidenten sind Tina Koch und Jeff Gangler.Tina Koch übernimmt das Ruder der LSAP Norden. Tageblatt, 3. Februar 2019, abgerufen am 7. Februar 2019. Bezirk Osten mit 7 Sektionen, Präsident ist Ben Streff.„Es braucht eine neue Dynamik“ – 26-jähriger Ben Streff ist neuer Bezirkspräsident der LSAP Osten. Tageblatt, 2. April 2021, abgerufen am 3. Oktober 2021. Bezirk Süden mit 21 Sektionen, Co-Präsidenten sind Laura Valli und Jimmy Skenderovic. Bezirk Zentrum mit 15 Sektionen, Co-Präsidenten sind Claire Delcourt und Marvin Caldarella.
Unterorganisationen Innerhalb der LSAP bestehen drei Unterorganisationen: Die Sozialistischen Frauen (FS); Präsidentin ist Maxime Miltgen. Die Sozialistische Jugend (JSL). Co-Präsidenten sind Iza Golinska und Max Molitor. Generalsekretär ist Maurice Schwarz. Das Gemengeforum (GF) der kommunalen Amts- und Mandatsträger; Präsidentin ist Simone Asselborn-Bintz. mini|links|Logo Femmes Socialistes mini|Logo LSAP Gemengeforum mini|zentriert|Logo der Jugendorganisation JSL
Parteivorstand Die Parteileitung besteht aus einem 21-köpfigen Vorstand mit 15 auf einem Parteitag gewählten und 12 weiteren Mitgliedern ex officio: Dem Präsidium, bestehend aus den Co-Präsidenten Francine Closener an Dan Biancalana, Vizepräsidentin Maxime Miltgen, Generalsekretär Sacha Pulli und Generalkassierer Kenichi Breden. Zehn weiteren Vorstandsmitgliedern, jeweils zur Hälfte Frauen und Männer: Enesa Agovic, Olivier Cano, Claire Delcourt, Carlo Feiereisen, Danielle Filbig, Tina Koch, Yolande Koster-Kaiser, Max Leners, Maurice Schwarz, Amir Vesali. Der Fraktionspräsidentin und den Fraktionssekretärinnen Dem Europaabgeordneten Den Vorsitzenden der vier Bezirke. Den Vorsitzenden der Sozialistischen Frauen und der Sozialistischen Jugend Kontrollkommission Ein Mitglied des SPIC
Weitere Gremien Der fünfköpfige Beirat setzt sich aus ehemaligen Amts- und Mandatsträgern zusammen und fungiert als obere Disziplinarkammer, die Verstöße von Mitgliedern gegen Satzung und Grundsätze behandelt und Strafen bis hin zum Parteiausschluss beschließen kann.
Die elfköpfige Kontrollkommission überwacht die Tätigkeit sämtlicher Parteigremien. Ihr gehören sieben vom Landeskongress gewählte Mitglieder an, hinzu kommen jeweils eines aus jedem der Bezirke, die dort Vorstandsmitglied sein müssen. Sie bildet zugleich die Wahlkommission bei der Wahl der Spitzenkandidaten für die Kammer- und Europawahl.
Parteipräsidenten seit 1945 1945–1951 Michel Rasquin 1951–1952 Paul Wilwertz 1952–1954 Albert Bousser 1954–1955 Émile Ludwig 1955–1959 Paul Wilwertz 1959–1970 Henry Cravatte 1970–1974 Antoine Wehenkel 1974–1980 Lydie Schmit 1980–1985 Robert Krieps 1985–1997 Ben Fayot 1997–2004 Jean Asselborn 2004–2014 Alex Bodry 2014–2019 Claude Haagen 2019–2020 Franz Fayot 2020–2022 Yves Cruchten seit 2022 Dan Biancalana & Francine Closener
Fraktionspräsidenten der LSAP seit 1945
1945–1951 Nicolas Biever 1951–1959 Jean Fohrmann 1959–1964 Nicolas Biever 1964–1965 Jean Fohrmann 1965–1967 Romain Fandel 1967–1969 Robert Krieps 1969–1970 Romain Fandel 1970–1970 Raymond Vouel 1970–1973 Paul Wilwertz 1973–1974 René van den Bulcke 1975–1976 Jacques Poos 1976–1979 Alphonse Hildgen 1979–1984 Benny Berg 1984–1989 Maurice Thoss 1989–1997 Jean Asselborn 1997–2004 Ben Fayot 2009–2013 Lucien Lux 2013–2019 Alex Bodry 2019–2022 Georges Engel 2022–2023 Yves Cruchten seit 2023 Taina Bofferding
Parteinahe Stiftungen Der LSAP nahe stehen zwei Stiftungen, die beide nach früheren Vorsitzenden benannt sind: Die Robert-Krieps-Stiftung fördert die staatsbürgerliche und politische Bildung und unterstützt Recherche und Debatten über politische, soziale und kulturelle Themen. Die Lydie-Schmit-Stiftung bewahrt das Andenken an die Mitgründerin der Sozialistischen Frauen. Sie vergibt Stipendien an Studenten aus sozial schwachen Familien.
Geschichte Vorgeschichte Bereits im Laufe des 19. Jahrhunderts hatten verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der werktätigen Bevölkerung geführt. Diese waren aber von außerhalb des Parlaments gekommen. Grund dafür war das seinerzeit bestehende Zensuswahlrecht, das die Wählbarkeit auf finanziell gutsituierte Personen beschränkte. Als erster Politiker, der diesen Anliegen in der Kammer Gehör verschaffte und damit auch sozialistisches Gedankengut vertrat, war der 1896 dorthin gewählte Industrielle Caspar Mathias Spoo. Hinzu kamen 1897 der Arzt Michel Welter und 1901 der Anwalt Xavier Brasseur. 1902 wuchs die Gruppe, die sich selbst als Demokraten bezeichnete, mit den Juristen Jean-Jacques Diderich und Léon Metzler auf fünf Abgeordnete an. Sie alle wurden im Kanton Esch gewählt und profitierten einerseits von einer Absenkung des Zensus, andererseits von der Entdeckung neuer Minettevorkommen als Auslöser der Entwicklung des Gebietes zur industriellen Kernregion und dem damit verbundenen Zuwachs der Bevölkerung.
Gründung der Vorgängerpartei und erste Erfolge Als Gründungsdatum der LSAP wird seitens der Partei der 26. Januar 1902 angesehen, an dem sich in der Hauptstadt nach Angaben des Escher Journals der Sozialdemokratische Verein für Luxemburg und Umgebung ins Leben gerufen wurde. Unter den Initiatoren, rund ein halbes Dutzend, waren nach Aussagen des Messerschmieds und späteren Abgeordneten Jacques Thilmany er selbst, Welter, ein Schneider, zwei Schuhmacher und zwei Handschuhmacher. Besonders Thilmany tat sich als Schriftführer damit hervor, die Arbeiterschaft sowohl für ein gewerkschaftliches als auch ein politisches Engagement zu begeistern. In der Folge entstanden weitere sozialdemokratische Vereine, noch 1902 in Petingen, Tetingen und Schifflingen, 1903 in Esch und in Rodingen. 1903 kam es zur Gründung der Sozialdemokratischen Partei, der sich ein Großteil der bestehenden Vereine als Ortsgruppe anschloss. Sie trat der Zweiten Internationalen bei, ohne dort aber groß aktiv zu werden. Bereits nach kurzer Zeit, spätestens 1905, trennte sich der marxistisch geprägte, der parlamentarischen Repräsentation kritisch gegenüberstehende und eher an Basisarbeit interessierte linke Flügel ab und bildete die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, schloss sich aber 1912 wieder der Mutterpartei an. Mit Jean Schortgen wurde 1915 erstmals ein Arbeiter in die Kammer gewählt.
Dort taten sich die Demokraten mit der Liberalen Liga zu einem Linksblock zusammen, um die Politik von Premierminister Paul Eyschen gegen die katholisch-konservativen Vertreter zu unterstützen. Gemeinsame Ziele waren die Zurückdrängung des Einflusses der katholischen Kirche, die Verstaatlichung des Schulwesens, die Abschaffung des Schulgeldes, die Einführung der Unterrichtung der Kinder in der luxemburgischen Sprache und schließlich die Reformierung des Wahlsystems. Während des Ersten Weltkrieges kam es zu ersten Regierungsbeteiligungen, zunächst ab März 1915 mit Ernest Leclère unter Eyschen und mit Welter und später erneut Leclère unter Victor Thorn. Ein von den Sozialdemokraten im Juli 1917 eingebrachter Antrag auf Einführung eines allgemeinen Wahlrechts führte zum Erfolg, auch wenn es zu dessen Umsetzung bis 1919 dauern sollte.
Für die Arbeiter brachten die erreichten Ergebnisse nur wenig handfeste Vorteile, außerdem zerfiel der Linksblock, nachdem die gemeinsamen Ziele erreicht waren. Das Parteileben war seit dem Beginn des Krieges weitgehend eingeschlafen. In dieser Situation kam es in der zweiten Jahreshälfte 1917 zu Revitalisierungsversuchen und Umstrukturierungen, die Fraktion wurde enger an die nun umbenannte Sozialistische Partei angebunden.
Zwischenkriegszeit Sofort nach dem Abzug der deutschen Truppen im November 1918 bildete sich ein Räterat, der sich aber nicht etablieren konnte. Das Land geriet in Schwierigkeiten, da die wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Deutschen Reich gelöst werden mussten, womit auch ein bedeutender Absatzmarkt wegbrach. Am 19. Januar 1919 stürmten Arbeiter aus dem Minettegebiet die Kammer. Ein aus Liberalen und Sozialisten bestehendes Komitee rief die Republik aus, wurde aber von den französischen Besatzungstruppen aufgelöst. Es entstanden Bestrebungen, das Großherzogtum an Frankreich oder Belgien anzuschließen. Zum Doppelreferendum von September 1919 hatte sich in der Partei keine einheitliche Position herausgebildet. In dieser Stimmung fanden am 26. Oktober 1919 die ersten Parlamentswahlen nach dem neuen Gesetz statt. Dabei konnte sich die konservative Rechtspartei von Émile Reuter eine absolute Mehrheit sichern, unter den neun sozialistischen Abgeordneten war mit Marguerite Thomas-Clement die erste Frau, die in die Kammer gewählt wurde.
Die politischen Entwicklungen im übrigen Europa hatten ebenfalls ihren Einfluss auf die Partei. Eine Anfang Januar 1921 durchgeführte Abstimmung zum Anschluss an die Dritte Internationale fiel trotz des Werbens der anwesenden Clara Zetkin negativ aus, da diese die Unterordnung der auf ihre Unabhängigkeit bedachten Gewerkschaften unter die Partei bedeutet hätte. Umgehend spaltete sich der unterlegene Flügel als Kommunistische Partei Luxemburgs (KPL) ab.