Percy Thomas Etherton (* 4. September 1879 in Uckfield, Sussex; † 1963) war ein britischer Abenteurer, Diplomat und Offizier. Er übte zwischen 1918 und 1922 das Amt des Generalkonsuls in Kaschgar in der Provinz Xinjiang aus und widmete sich dort vor allem der aus seiner Sicht drohenden Gefahr des Bolschewismus.
Karriere Politische Stationen Etherton trat 1902 als Second Lieutenant der Royal Fusiliers (City of London Regiment) in die Britische Armee ein. Er kämpfte im selben Jahr im Zweiten Burenkrieg in Südafrika und lernte dort Lord Kitchener kennen. 1903 wechselte er zum Northamptonshire Regiment und wurde zum Dienst in Britisch-Indien abgestellt. 1904 wechselte er als Second Lieutenant der 78th Moplah Rifles in die Britisch-Indische Armee und wurde dort 1906 zum Lieutenant befördert. Von 1909 bis 1910 reiste er von Kaschmir in Britisch-Indien aus über Yarkand, Kaschgar, Chinesisch-Turkestan über die Himmelberge (Tian Shan) entlang der russischen Grenze nach Tschugutschak in die mongolischen Ausläufer des Altai-Gebirges und dann nach Überquerung der russischen Grenze mit der transsibirischen Eisenbahn zurück nach England.Percy Thomas Etherton: Across the Roof of the World. A Record of Sport and Travel Through Kashmir, Gilgit, Hunza, the Pamirs, Chinese Turkistan, Mongolia and Siberia. Constable and Company, London 1911 (archive.org). 1912 wurde er als Captain zu den 39th Garhwal Rifles versetzt. Während des Ersten Weltkriegs wurde sein Regiment an der Westfront und in Mesopotamien eingesetzt. Im Rahmen dieses Engagements diente Etherton 1915 in der Schlacht von Neuve-Chapelle.Stewart Blacker: The Adventures and Inventions of Stewart Blacker – Soldier, Aviator, Weapons Inventor. Pen & Sword Military, Barnsley 2006, S. 149. Hier abrufbar. 1917 erhielt Etherton als Kommandant einer Bombing School den temporären Rang und 1918 den vollen Rang eines Majors.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde Etherton dann Mitglied der Kolonialverwaltung Indiens im Bereich der Informationsbeschaffung. Zwischen 1918 und 1922 war er britischer Generalkonsul und politischer Resident in Kaschgar. 1924 schied aus der britisch-indischen Armee aus und diente im Rang eines Lieutenant-Colonel von 1924 bis 1929 als Kommandant der 51st (London) Anti-Aircraft Brigade.Etherton, Colonel Percy Thomas. In: Who’s Who in British Aviation. Airways Publications, London 1933, S. 58. Kurz vor dem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst erhielt er Ende 1928 den Brevet-Rang eines Colonels.
Zwischen 1940 und 1946 war Etherton Chief Staff Officer von Admiral Sir Edward Evans.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 5.
Kaschgar Ethertons Zeit in Kaschgar war geprägt von seinem Kampf gegen den Bolschewismus.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 8. Dabei erhielt er kaum Unterstützung aus London. Eher war die britische Regierung darauf bedacht, Zurückhaltung zu üben. Schließlich wurde dann im März 1921 das anglo-sowjetische Handelsabkommen unterzeichnet.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 29. Jedoch wünschte sich die britisch-indische Regierung durchaus eine anti-bolschewikische Haltung von der Zentralregierung in Großbritannien.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 26.
Ursprung der Kaschgar-Mission war die Sorge vor deutschen und osmanischen Bemühungen, die Kontrolle im Mittleren Osten und Zentralasien zu übernehmen und damit Handelsrouten und Ressourcen zu kontrollieren.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 8–9. Etherton wurde zusammen mit Frederick Bailey und Stewart Blacker aufgrund seiner Reiseerfahrung von 1909 für die Mission ausgewählt.L. P. Morris: British Secret Missions in Turkestan, 1918–19. In: Journal of Contemporary History. Band 12, Nr. 2, 1977, S. 366.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 10. Nach dem Abschluss der Mission, die jedoch nur einen geringen Erfolg verbuchen konnte,Waugh: Etherton at Kashgar, S. 13. blieb Etherton in Kaschgar und wurde der Nachfolger von Macartney.Morris: British Secret Mission in Turkestan, S. 371. Dies jedoch auch nur, weil Frederick Bailey diesen Posten ablehnte.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 12.
P. T. Etherton stellte eine Schlüsselfigur bei der Einrichtung des Nachrichten- und Kommunikationsnetzwerkes des Konsulats dar, dessen Umfang kein nachfolgender Konsul übertreffen konnte.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 15. Die Informationen, die Etherton nach London übermittelte, wurden jedoch häufig als unbrauchbar klassifiziert,Waugh: Etherton at Kashgar, S. 31. da lange Übertragungswege dafür sorgten, dass die Informationen mittlerweile veraltet oder aus anderen Quellen bereits eingetroffen waren.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 21 & 31. Er betrieb viel Aufwand und verbrauchte viele Ressourcen, um gegen die Bolschewiken Propaganda zu betreiben und Agenten einzusetzen, die deren Einfluss in Zentralasien gering halten sollten. In seinem Buch In the Heart of Asia warnte er vor dem Einfluss der Bolschewiken und heroisierte sich für seinen Widerstand.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 33, Fn. 57. Dabei schien keine drohende Gefahr von den Bolschewiken auszugehen, deren politische Möglichkeiten stark eingegrenzt waren und die erst versuchten, in Asien Fuß zu fassen.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 51. Es wird Etherton durchaus unterstellt, dass er eine Gefahrenlage nur fingiert hat, um weiterhin ein erhöhtes Budget für Geheimdienstaktivitäten zu erhalten.
Die Mount-Everest-Expedition Etherton war Sekretär und Hauptverantwortlicher der Everest-Expedition mit Douglas Douglas-Hamilton als Piloten, die 1933 stattfand.Mount Everest Expedition: First Over Everest!, S. 126. Er half angeblich sogar bei der Finanzierung des ersten Fluges über den Mount Everest.Houston Mount Everest Expedition, Percy Thomas Etherton, Stewart Blacker, Peregrine Forbes M. Fellowes: First Over Everest! The Houston-Mount Everest expedition, 1933. Robert M. McBride & Company, New York (NY) 1934, S. 60.Daniel C. Waugh: Etherton at Kashgar: Rhetoric and Reality in the History of the "Great Game". Bactrian Press, Seattle 2007, S. 5. Er reiste über See und Land der Expedition hinterher und übernahm die Aufgabe, die Genehmigung für einen zweiten Flug über den Mount Everest bei den Verantwortlichen in Nepal zu beantragen und zu erhalten.Mount Everest Expedition: First Over Everest!, S. 127. Es bestand die Sorge, dass beim ersten Überflug die geplanten Fotografien und Studien nicht oder nur teilweise durchgeführt werden könnten, sodass ein weiterer Flugversuch dahingehend Sicherheit verschaffen sollte.Mount Everest Expedition: First Over Everest!, S. 127. Während die Flug-Mission sich dem Mount Everest von Süden her näherte, befanden sich zwei Kletter-Trupps auf dem Weg auf den Mount Everest von Norden und Osten aus.The Royal Geographical Society: The Mount Everest Expedition and the Mount Everest Flight. In: The Geographical Journal. Band 81, Nr. 2, 1933, S. 155. Hier abrufbar.
Werke Across the Roof of the World Etherton schrieb Across the Roof of the World 1911 im Anschluss an seine Reise durch Asien und Russland. Dabei durchquerte er Gegenden, die zuvor noch nicht von einem Briten kartografiert worden waren, seine Beschreibungen der geographischen Gegebenheiten waren demnach nützlich.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 3. Bei seinen geschichtlichen Ausführungen ist jedoch nicht immer klar, welche Quellen er verwendet.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 3. In the Heart of Asia In diesem Buch beschrieb Etherton seine Zeit als Konsul in Kaschgar. Es beinhaltete außerdem detaillierte Beschreibungen seiner Berichte.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 64. In vielen Stellen paraphrasierte Etherton sein altes Buch Across the Roof of the World und auch andere Bücher, die jedoch z. T. bereits 25 Jahre alt und längst nicht mehr aktuell waren.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 65. Er veröffentlichte sein Buch ohne Rücksprache mit dem Foreign Office.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 64. Die Gesetzeslage besagte zwar, dass nur Mitarbeitende des Indian Government Service oder des Government of India in the Foreign and Political Department nicht über Inhalte mit der Presse reden dürften,Waugh: Etherton at Kashgar, S. 63. erfreut war man über diese Veröffentlichung dennoch sicher nicht. Dabei ließ er es nicht aus, sich selbst eine gute Kritik zu schreiben.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 64. Zu Teilen schreibt er Geschehnisse passend für sein Buch in Kapitel 8 um.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 36. Außerdem hebt er sich selbst für Dinge hervor, bei denen sein Einfluss nicht abschließend geklärt ist.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 33. So wurde Etherton von Clarmont Skrine dafür kritisiert, jede Aktion der chinesischen Grenzbeamten für sich selbst vereinnahmt zu haben.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 53.
Kritik Clarmont Skrine kann als einer der größten Kritiker Ethertons gesehen werden, der geradezu besessen von dessen Fehlern war.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 58, Fn. 101. Clarmont Skrine war der Nachfolger Ethertons in Kaschgar und deckte Dubiositäten aus Unterlagen des Konsulats aus Ethertons Amtszeit auf. Daraus erkannte er, dass Etherton sich Geld aus den Bezügen der Regierung in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 55. Jedoch ist auch bei Skrine Vorsicht geboten, da dieser zuvor in Ethertons Schatten stand und selbst nicht lange in Kaschgar bleiben wollte.Waugh: Etherton at Kashgar, S. 57.
Einzelnachweise
Literatur Daniel C. Waugh: Etherton at Kashgar: Rhetoric and Reality in the History of the „Great Game“. Bactrian Press, Seattle (WA) 2007. L. P. Morris: British Secret Missions in Turkestan, 1918–19. In: Journal of Contemporary History. Band 12, Nr. 2, 1977, S. 363–379. Percy Thomas Etherton/Stewart Blacker/Peregrine Forbes M. Fellowes: First Over Everest! The Houston-Mount Everest expedition, 1933. Robert M. McBride & Company, New York (NY) 1934. The Royal Geographical Society: The Mount Everest Expedition and the Mount Everest Flight. In: The Geographical Journal. Band 81, Nr. 2, 1933, S. 153–156.
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