mini|Die Marienkirche steht weithin sichtbar auf einem Hügel (2013) mini|An der Ostwand lässt sich die wechselvolle Baugeschichte ablesen

Die Marienkirche in Schönkirchen ist eine frühgotische Saalkirche aus behauenem Feldstein. Im Inneren birgt sie einen Altar des Bildschnitzers Hans Gudewerdt des Jüngeren. Sie gehört zur Kirchengemeinde Schönkirchen im Kirchenkreis Altholstein in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Geschichte Erstmals erwähnt wurde Schönkirchen als Sconekerke in einer Urkunde von 1294, dem Codex Cismariensis, dem Kirchenverzeichnis des Klosters Cismar. Der Ort stand damals unter dem Patronat des Landesherrn Johann II. von Holstein-Kiel. Die Kirche befand sich zu dieser Zeit vermutlich noch im Bau, denn noch 1286 heißt es in einer Urkunde, dass die Einwohner der Kirchspieldörfer Schrevenborn, Mönkeberg und Heikendorf zum Gottesdienst zur Nikolaikirche nach Kiel wandern mussten.Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig. Band 4 Enthaltend Femern, die unmittelbar unter dem Schleswigschen Generalsuperintendenten, so wie die unter den Bischöfen von Ripen und von Alsen stehenden Kirchen: nebst Zusätzen und Registern. Flensburg 1842, S. 1331. Der Ortsname spricht dafür, dass die Siedlung nicht älter ist als die Kirche. Vermutlich wurde der Ort mitsamt der Kirche vom Landesherrn angelegt,Geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Schönkirchen. wobei die Kirche möglicherweise als Ersatz für eine in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnte, aber später nicht mehr vorhandenen Kirche in Ellerbek für die Bewohner der Ostküste der Kieler Förde gedacht war.Johannes von Schröder: Topographie der Herzogthümer Holstein und Lauenburg, des Fürstenthums Lübeck und des Gebiets der freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck. 1856. Bd. 2, S. 417. Ausdrücklich genannt wird die Kirche in der Urkunde vom 7. Februar 1316, mit der Johann II. abgesetzt wurde und sein Land an seinen Großneffen Johann III. von Holstein-Plön abtreten musste. 1356 verkaufte Johann III. Schönkirchen an das Heiligengeistkloster zu Kiel, dem es bis zur Reformation gehörte. Der Kieler Magistrat verwaltete die Güter der Kirche angeblich nicht zu deren Bestem. Nach der Reformation ging das Kirchenpatronat auf die Besitzer der Güter Schrevenborn, Dobersdorf und Oppendorf über, die damit das Recht erhielten, die Pastoren zu wählen, und die Pflicht, zum Unterhalt der Kirche, des Pastors und des Organisten beizutragen. Mit Auflösung der Gutsbezirke 1929 endete das Kirchenpatronat der Gutsherren.

Die Marienkirche dient(e) als Pfarrkirche für die Dörfer Schönkirchen, Dietrichsdorf, Neumühlen, Mönkeberg, Schönhorst, Flüggendorf, Oppendorf, Tökendorf, Dobersdorf und Heikendorf. 1915 wurde Neumühlen-Dietrichsdorf ausgepfarrt, die Gemeinde hat seit 1959 die Paul-Gerhardt-Kirche. Auch Heikendorf mit Möltenort und Schrevenborn wurde 1924 eine eigenständige Gemeinde.Geschichte der Heikendorfer Kirche.

Baugeschichte und Architektur Die Ende des 13. Jahrhunderts erbaute Feldsteinkirche ist eine rechteckige Saalkirche mit flacher Balkendecke ähnlich wie die etwas ältere St.-Claren-Kirche in Blekendorf. Betreten wurde sie ursprünglich durch zwei Portale an der Nord- und Südwand. Ein Rest eines gotischen Fensters mit spätgotischer Malerei an der Innenblende hat sich an der Nordseite erhalten, wo das Fenster 1619 durch den Gruftanbau verdeckt wurde.

Ende des 16. Jahrhunderts fand eine größere Renovierung statt, an die die Maueranker am Ostgiebel mit der Jahreszahl 1594 erinnern. Dabei wurden die maroden Feldsteinmauern mit Backsteinen neu aufgemauert, gleichzeitig wurde der südliche Seiteneingang zugemauert. Für diese Baumaßnahmen wurde der mittelalterliche Dachstuhl abgenommen und anschließend wieder aufgebaut und das Dach neu eingedeckt. Schon 1614 waren jedoch wieder Reparaturen notwendig. Dabei wurde die ganze Kirche zum Schutz vor Regen und Feuchtigkeit weiß verputzt. Die Ostwand wurde mit Stützpfeilern stabilisiert, die 1819 neu aufgemauert wurden. Dazwischen befand sich ein Anbau.

1751 wurde die gotische Kirche nach Plänen des Architekten Johann Gottfried Rosenberg zu einem barocken Predigtsaal umgestaltet. Rosenberg, der als Baumeister im Dienst des Herzogs Friedrich Karl von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön stand, leitete zur selben Zeit auch den Bau des barocken Herrenhauses von Schrevenborn. Türen, Fenster, Fußboden, Bretterdecke und Dachstuhl wurden erneuert und eine Stuckdecke eingezogen. Das hölzerne Gesims am oberen Rand der Außenwände dieses Umbaus stürzte jedoch 1955 zu einem großen Teil ab und wurde deshalb 1956 weitgehend ersetzt.

Im Zusammenhang mit dem Neubau des Turms 1838 wurde der Turmraum mit dem Kirchenschiff verbunden, um dort weitere Sitzplätze für die wachsende Gemeinde zu schaffen. 1860 veranlassten die Kirchenpatrone eine neugotische Umgestaltung der Kirche. Den Umbau leitete Joseph Eduard Mose. Das gotische Maßwerk fiel der Vergrößerung der Fenster zum Opfer. Die Nordtür wurde zugemauert und stattdessen für die Gemeinde ein neuer Eingang durch den Turm geschaffen. Auf der Südseite wurde ein Eingang in den Altarraum mit einem hölzernen Windfang angelegt. Die Patronatslogen und das Gestühl wurden erneuert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche während des Bombenangriffs auf Kiel in der Nacht vom 23. zum 24. Juli 1944 sowie durch Bomben im April 1945 schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurden die verbliebenen Dachpfannen beschlagnahmt und zur Reparatur von Häusern verwendet. Das Gebäude konnte jahrelang nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden und litt unter der Witterung. Im Zuge der Wiederherstellung der Dacheindeckung wurde die teilweise zerstörte Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert ganz abgetragen. Die wieder freigelegte Balkendecke bemalte der Kunstmaler Carl Fey-Talmühle mit mehrfarbigen Mustern. Am 7. August 1949 fand die Wiedereinweihung der Kirche noch ohne Orgel und den ausgelagerten Gudewerdt-Altar statt. In den folgenden Jahren wurde der Innenraum umgestaltet: Die neugotischen Einbauten von 1860 einschließlich der Südtür wurden fast ganz entfernt. Auch eine 1791 eingezogene Empore an der Nordwand mit direktem Eingang über eine Treppe und durch ein umfunktioniertes Fenster von außen wurde 1956 abgetragen und stattdessen eine neue Orgelempore eingezogen. Bei der Entfernung des Wandputzes kamen Reste gotischer Wandmalerei zum Vorschein, die jedoch nur in der freigelegten Fensterlaibung des durch den Gruftanbau zugemauerten gotischen Fensters erhalten werden konnte.Zur Baugeschichte: Bernd Adam: Die Baugeschichte der Marienkirche. In: Heiko Seidel (Hrsg.): St. Marien Schönkirchen, Beiträge zur Bau-, Kunst-, und Liturgiegeschichte. Kiel 2011, S. 15–47.

mini|Westempore mit der Kleuker-Orgel von 1968 (2016)

Für die 1968 angeschaffte neue Orgel wurde die Westempore umgebaut und gleichzeitig die Balkendecke weiß angestrichen. Bei der Renovierung 2010 bis 2016 wurden unter anderem der Turm und das Dach saniert.

Turm

Gleichzeitig mit dem Kirchenbau oder nicht viel später erhielt die Kirche einen quadratischen Feldsteinturm an der Westseite. Der eingezogene Turm ist nicht ganz mittig an die Kirche angebaut und hatte bis 1838 keine Verbindung zum Kirchenschiff. Die ursprüngliche Turmspitze erlitt 1679 einen Blitzeinschlag. Der im Jahr 1699 gefasste Entschluss, anstelle einer Spitze zwei niedrigere Stufengiebel mit einem einfachen Satteldach dazwischen zu errichten, wurde 1704 umgesetzt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren immer wieder Reparaturen am Turm nötig, doch 1834 war der Turm so baufällig, dass der Küster, der die Orgel auf der Westempore spielte, um sein Leben fürchtete. 1838 wurde der Turm fast ganz abgerissen und in leicht veränderter Form wiederaufgebaut. Dieser neugotische Turm ist im Wappen des Ortes als Wahrzeichen dargestellt.Bernd Adam: Die Baugeschichte der Marienkirche. In: Heiko Seidel (Hrsg.): St. Marien Schönkirchen, Beiträge zur Bau-, Kunst-, und Liturgiegeschichte. Kiel 2011, S. 15–47; S. 18, 25 und 29 f.

Gruftanbau

1619 erfolgte der Anbau der Blomeschen Gruft mit Stufengiebel und Kreuzrippengewölbe im Inneren an der Nordseite. Die Maueranker am Nordgiebel zeigen die Jahreszahl 1619 und die Initialen der Erbauer: HB für Hinrich Blome († 1620) von Oppendorf und Schönhorst und AB für seine Frau Abel Blome. Für den Zugang zur Gruft wurde eine Tür in die Seitenwand der Kirche gebrochen. Die Särge des Ehepaares befinden sich noch in der Gruft; das neben der Tür zur Gruft aufgehängte Alabaster-Epitaph wurde jedoch 1862 entfernt. Als letzter wurde 1849 Oberstleutnant von Oertzen beigesetzt. 1927 trat der Besitzer die Gruft an die Kirche ab.

Um Platz für eine Leichenhalle zu schaffen, wurde 1937 die Gruft umgestaltet. Durch den Einzug einer Betondecke wurde ein Keller für die alten Särge geschaffen. Einige zerfallene Särge, für die im Gruftkeller kein Platz mehr war, wurden auf dem Friedhof beigesetzt.Bernd Adam: Die Baugeschichte der Marienkirche. In: Heiko Seidel (Hrsg.): St. Marien Schönkirchen, Beiträge zur Bau-, Kunst-, und Liturgiegeschichte. Kiel 2011, S. 15–47; S. 38 f. Während des Krieges und der nachfolgenden Renovierung der Kirche war die Gruft zwischen 1944 und 1950 Schutz- und Aufbewahrungsraum für den Gudewerdt-Altar. 1995 wurde die Leichenhalle umgestaltet und erhielt einen barrierefreien Zugang. mini|Blick zum Altar (2013)

Innenraum und Ausstattung Die Marienkirche ist ein rechteckiger Saalbau ohne Chor und Apsis. Die flache Balkendecke ist einfarbig weiß gestrichen. Rechts und links vom Altar an der Ostwand befinden sich hölzerne Einbauten, rechts ein geräumiges Predigergestühl von 1790, das auch als Ort für Seelsorgegespräche vor dem Abendmahl diente, und links die 1956 parallel dazu eingebaute Sakristei. Die ursprünglich auf dem 1790 von Catharina von Rantzau auf Obbendorf gestifteten „Prediger- und Beichtstuhl“ angebrachte Tafel mit Widmungsinschrift wurde 1976 an der Orgelempore über der Eingangstür aufgehängt. Auf der Südseite der unregelmäßig geformten Empore steht die Orgel.

Taufe

Zur ursprünglichen Ausstattung gehörte ein frühgotischer Taufstein aus gotländischem Kalkstein. Nach einem 1836 gezeichneten Grundriss der Kirche war er im Mittelgang im Kirchenschiff in der Achse der Portale aufgestellt. 1861 wurde der Taufstein aus der Kirche entfernt und im Gutspark von Gut Schrevenborn aufgestellt, wo er sich immer noch befindet.Bernd Adam: Die Baugeschichte der Marienkirche. In: Heiko Seidel (Hrsg.): St. Marien Schönkirchen, Beiträge zur Bau-, Kunst-, und Liturgiegeschichte. Kiel 2011, S. 15–47; S. 17 f. und 33. Die Taufschale stellte der ortsansässige Kunstschlosser Erich Hoffmann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in seiner behelfsmäßigen Feinblechwerkstatt aus dem Messing einer Kartusche vom Rüstungsbetrieb eines Fremdarbeiterlagers im Ort her.Jürgen H. Waldner: Die Taufschale aus der Feinblechwerkstatt im Krug zur Deutschen Eiche. In: Heiko Seidel (Hrsg.): St. Marien Schönkirchen, Beiträge zur Bau-, Kunst-, und Liturgiegeschichte. Kiel 2011, S. 67 f.

Kanzel

Die Kanzel im Renaissancestil stiftete die 1591 verstorbene Anna von Rantzau. Sie war Witwe von Sivert Svin von Höltenklinten († 1542) und Moritz von Rantzau von Marutendorf. Die vier Brüstungsseiten zeigen in qualitätvoller Schnitzarbeit Jesu Geburt, seine Kreuzigung und Auferstehung sowie das Jüngste Gericht. Über den Bildern steht jeweils ein deutender Bibelvers in Niederdeutsch, darunter verweist eine Inschrift auf die Stiftung und die Fertigstellung der Kanzel 1604. Auf dem sechsseitigen Schalldeckel stehen in architektonischen Aufbauten Christus, Petrus, Paulus, Mose und Johannes der Täufer.