Grenoble (, arpitanisch Grenoblo, deutsch veraltet Graswalde) ist die Hauptstadt des französischen Départements Isère und der Dauphiné in der Region Auvergne-Rhône-Alpes im Südosten Frankreichs.
Grenoble ist mit Einwohnern (Stand ) die größte am Hochgebirge liegende Stadt der Alpen, noch vor Innsbruck, mit dem es touristisch vieles gemeinsam hat. Der gesamte Großraum zählt rund 665.000 Menschen.
mini|Digitales Geländemodell des Vercors (80 × 65 km). Grenoble liegt im oberen Bereich des rechten Bildrandes (45° 10′ / 5° 43′), das Isère-Tal setzt sich nach links fort.
Geographie und Klima mini|hochkant=1.3|Grenoble und seine Bergkulisse (2009) mini|hochkant=1.3|Blick auf Grenoble mini|hochkant=1.2|Die Brücke über den Drac mit Blick auf die Belledonne
Die Stadt Grenoble liegt an der Mündung des Drac in die Isère. Das Stadtzentrum befindet sich auf etwa im Bereich der Fußgängerzonen rund um den Place Grenette an der Isère, geographische Breite 45° 10′ Nord, geografischer Länge 5° 43′ Ost. Es liegt damit etwa 150 Kilometer südlich von Genf, 100 Kilometer südöstlich von Lyon und 300 Kilometer nördlich der Côte d’Azur. Der Stadtteil Île Verte ist eines der am dichtest besiedelten Gebiete der Stadt.
Im nahen Umfeld der Stadt befinden sich im Abstand weniger Kilometer alpine Berggipfel mit teils fast 3000 m Höhe; es handelt sich dabei im Einzelnen um die Voralpen-Bergmassive des Vercors mit dem Grenobler Hausberg Moucherotte und der Chartreuse sowie die Chaîne de Belledonne, dem westlichen Ausläufer der französischen Alpen.
Die Stadt liegt nordöstlich des Regionalen Naturparks Vercors, mit dem sie als Zugangsort assoziiert ist.
Geschichte Grenoble war schon von den Allobrogern, einem keltischen Volk, besiedelt. In einem Schreiben an Cicero wird der Ort in römischer Zeit erstmals im Jahr 43 v. Chr. als Cularo erwähnt. Die Errichtung der Stadtmauer erfolgte schon 286 unter Kaiser Diokletian. Sie hatte eine Länge von über einem Kilometer und beinhaltete 38 Türme. Im Jahr 377 wird die Stadt in Gratianopolis nach Kaiser Gratian umbenannt. Im 14. Jahrhundert wandelte sich der Name zu Greynovol und später zu Greynoble, woraus schließlich der heutige Name entstand.
Seit dem 4. Jahrhundert ist Grenoble Bischofssitz; im Jahre 879 kam es zum Königreich Burgund und mit diesem im Jahr 1033 an das römisch-deutsche Reich. Im Jahr 1242 erhielt es das Stadtrecht. Die Universität wurde 1339 gegründet. 1349 kam Grenoble mit der gesamten Dauphiné durch Verkauf an den Dauphin von Frankreich, der dadurch de jure Vasall des römisch-deutschen Kaisers wurde.
Am 14. September 1219 brach die natürliche Barriere am Lac de Saint-Laurent im Tal der Romanche, wobei infolge der dadurch ausgelösten Flutwelle rund die Hälfte der Bevölkerung von Grenoble ums Leben kam.
Grenoble war einer der Sicherheitsplätze für die Hugenotten.
Das Kloster Sainte-Marie d’en-Haut wurde 1610 gegründet.
Im 18. Jahrhundert war die Stadt vor allem für das Kunsthandwerk bekannt. Die in Grenoble wirkende Tischlerdynastie der Hache kam zu landesweiter Bedeutung, als ihr der Titel „Tischler der Herzöge von Orléans“ verliehen wurde. Deren Werke sind heute noch im Musée Dauphinois in Grenoble zu sehen. Bereits 1788 kam es in der Stadt zu einer antiroyalistischen Revolte, dem Tag der Ziegel, die den König dazu zwang, die Generalstände der Provinz einzuberufen. Zwei Vertreter des Dritten Standes aus Grenoble, Antoine Barnave und Jean-Joseph Mounier, wurden im Rahmen des Ballhausschwurs zu wichtigen Vorkämpfern der Französischen Revolution.
Seit den 1850er-Jahren setzte eine starke Zuwanderung der Landbevölkerung nach Grenoble ein. Am 23. März 1870 füllte sich der Platz vor der Präfektur mit Demonstranten, die ihre Solidarität mit der Pariser Kommune bekundeten. Ab etwa 1880 kamen die Zuwanderer auch aus dem Ausland. 1931 betrug der Ausländeranteil an den Einwohnern 18 Prozent.
Als sich Frankreich im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung befand, lag Grenoble zunächst in der vom Vichy-Regime verwalteten sogenannten „Freien Zone“, wurde aber im November 1942 von der Armee des faschistischen Italien besetzt. Die Wehrmacht besetzte die Stadt im September 1943. Als am 11. November 1943 die Einwohner mit einer großen Demonstration ihren französischen Patriotismus bekundeten, folgte eine Welle der Repression. Hunderte Männer wurden festgenommen und in Konzentrationslager deportiert. In der Nacht vom 13. auf den 14. November 1943 gelang es einem Franzosen, das deutsche Munitionsdepot im Militärgelände Polygone zur Explosion zu bringen. Die Deutschen zusammen mit der bewaffneten Kollaboration der Milice française entfesselten darauf eine Gewalt, die als „Grenobler Bartholomäusnacht“ in Erinnerung blieb. Ende November wurden 19 Anführer des Widerstands gegen die Besetzung hingerichtet. Am 26. Mai 1944 hatte die Stadt unter einem schweren Bombardement der Alliierten zu leiden. Von der „Operation Dragoon“, der Landung der Alliierten in Südfrankreich, aufgeschreckt, sprengten die Deutschen unter Karl Pflaum die Brücken und zogen in der Nacht des 21. August 1944 ab. Am 23. August wurde Grenoble von den Forces françaises libres befreit, kurze Zeit später trafen die ersten US-Truppen ein. Am 24. August 1944 ergaben sich im Vorort Gières die letzten Besatzer.
Am 15. November 1944 erhielt der Bürgermeister Frédéric Lafleur von General Charles de Gaulle zuhanden der Stadt die am 4. Mai 1944 erteilte Auszeichnung Croix de La Libération. Am 13. Mai 1945 gewann jedoch die sozialistische SFIO den zweiten Wahlgang für die Stadtregierung. Nach der Befreiung Frankreichs und dem Ende des sozialen Burgfriedens brachen soziale Spannungen wieder verstärkt hervor. Im Oktober 1948 eröffneten gaullistische Wachleute das Feuer auf Kommunisten. Es gab einen Toten und 14 Verletzte.
Im Jahr 1968 fanden in Grenoble die X. Olympischen Winterspiele statt. Unter gewaltigem finanziellen Aufwand von ca. 460 Millionen Euro wurde die Stadt für die Großveranstaltung ausgebaut, da Staatspräsident Charles de Gaulle die Gelegenheit nutzen wollte, sie als Symbol für die Modernisierung Frankreichs zu präsentieren.
Seit 2017 sind anarchistische Bewegungen für eine Welle von Brandstiftungen in Grenoble verantwortlich. Im Sommer 2023 wurde im Stadtteil Saint-Bruno in Grenoble eine Polizeiaktion durchgeführt, nachdem es in der Stadt während der Sommermonate zu einer neuen Serie von Abrechnungen gekommen war. In der unmittelbaren Umgebung der Place Saint-Bruno und des Cours Berriat wurden zahlreiche wiederkehrende Sicherheitsprobleme festgestellt, insbesondere im Zusammenhang mit Drogenhandel und Waffenhandel.
Am 28. Juli 1999 wurde mit (7462) Grenoble ein Asteroid nach der Stadt benannt.
La Villeneuve mini|hochkant|alt=Maquette en bois de la Galerie de l’Arlequin, Villeneuve de Grenoble|Holzmodell eines Teils von La Villeneuve Im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen wurde das Stadtviertel La Villeneuve geplant, das 1970–1983 entstand und auch den Olympiapark sowie Teile der Gemeinde Échirolles umfasst. Die Architektur von La Villeneuve wurde zu einem Demonstrationsprojekt der Betonarchitektur des skulpturalen Brutalismus. Mit zunehmender Verwahrlosung der Häuser, einem hohen Anteil arbeitsloser Zuwanderer vor allem aus Algerien und wachsenden sozialen Problemen stieg der Sanierungsdruck. Nach den Straßenschlachten 2010rp-online.de vom 20. Juli 2010: Straßenschlachten in Frankreich begann trotz der Proteste der Einwohner der Abriss einiger Gebäude. Das Leben in La Villeneuve wurde von zahlreichen Autoren und Filmemachern dokumentiert, so u. a. von Kateb Yacine und Jean-Luc Godard.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2011 20182021Einwohner 156.707 161.616 166.037 156.637 150.758 153.317 157.424 157.650157.477 Quellen: Cassini und INSEE
Politik Bei den Kommunalwahlen im März 2014 wurde der Kandidat der Grünen (Europe Écologie-Les Verts), Eric Piolle, als Nachfolger von Michel Destot (PS) zum Bürgermeister gewählt. Im Juni 2020 wurde er als Kandidat eines links-grünen Bündnisses (klassifiziert als Liste divers gauche) in seinem Amt bestätigt.Résultats des élections municipales : Grenoble bei francetvinfo.fr, abgerufen am 4. Juli 2020 Die neue Stadtregierung verbot die an den Straßen aufgestellten Plakatwände und ersetzte sie durch der Stadtlandschaft angemessene Werbemöglichkeiten. Sie kürzte dem Orchester die Subventionen, Kraftfahrzeuge sollen ab 2030 verboten werden.
Städtepartnerschaften Die Stadt Grenoble unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten:
1961: Catania (Italien) 1963: Innsbruck (Österreich) 1974: Essen (Deutschland) 1976: Halle (Saale) (Deutschland) 1977: Chișinău (Moldau) 1984: Oxford (Vereinigtes Königreich) 1984: Rehovot (Israel) 1990: Phoenix (Vereinigte Staaten) 1992: Pécs (Ungarn) 1997: Kaunas (Litauen) 1998: Sfax (Tunesien) 1999: Constantine (Algerien) 1999: Stendal (Deutschland) 2002: Corato (Italien) 2009: Kairo (Ägypten)
Wirtschaft und Infrastruktur Die verarbeitende Industrie umfasst Betriebe der Elektrochemie und Metallurgie, des Maschinenbaus, der Informationstechnologie, Handschuhmacherei und Zementfabrikation. Grenoble gehörte zu den Zentren der Elektrifizierung und der Wasserkraft. Bedeutende Ereignisse wie beispielsweise die Exposition internationale de la houille blanche 1925 brachten diese Entwicklung voran. Von 1918 bis 1996 wurden in Grenoble die Fahrräder der Marke Libéria produziert.
In den letzten Jahrzehnten wurde Grenoble zum Zentrum der Entwicklung von Hochtechnologien. Die Stadt bildet einen der beiden Pole des Hochtechnologieclusters Lyon-Grenoble.Information des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
Verkehr mini|hochkant=1.2|Die Grenobler Seilbahn zur Bastille mini|hochkant=1.2|Straßenbahnfahrzeuge des Typs TFS vor dem Bahnhof
Am 1. Juli 1858 ging der Abschnitt von Rives bis Grenoble der Bahnstrecke Lyon–Marseille in Betrieb. Damit erhielt die Stadt einen Bahnhof und eine Eisenbahnverbindung nach Lyon. Im Dezember 1876 verlängerte die Eisenbahngesellschaft P.L.M. die Strecke bis Vif, ab Juli 1878 war sie bis Marseille befahrbar. Die Zweigstrecke nach Montmélian wurde bereits am 15. September 1864 eröffnet. Ab 1893 entstand das Netz der meterspurigen Schmalspurbahnen Voies ferrées du Dauphiné.
Die Bedeutung der Strecke nach Marseille blieb begrenzt, da der Fernverkehr hauptsächlich durch das Rhonetal (Bahnstrecke Paris–Marseille) floss. Über Lyon-Part-Dieu und die Neubaustrecke LGV Sud-Est verkehren heute TGV-Hochgeschwindigkeitszüge von und nach Paris. Im Regionalverkehr ist Grenoble mit Valence, Chambéry und Gap verbunden.
In den 1890er-Jahren entstanden ein von mehreren Gesellschaften betriebenes innerstädtisches Straßenbahnnetz und die Überlandstraßenbahn Tramway de Grenoble à Chapareillan. Ab 1909 wurde die Überlandstraßenbahn Tramway Grenoble–Villard-de-Lans gebaut. Zwischen 1933 und 1952 wurde die alte Straßenbahn schrittweise stillgelegt. Nach Nantes war 1987 Grenoble die zweite Stadt in Frankreich, die die Straßenbahn wiedereinführte. Die Société d'Économie Mixte des Transports de l'Agglomération Grenobloise (SÉMITAG) betreibt in Grenoble neben fünf Straßenbahnlinien 45 Buslinien. Mit diesem modernen ÖPNV-System ging unter anderem eine deutliche Aufwertung der Innenstadt einher.
Mit der 1934 eröffneten Seilbahn zur Bastille von Grenoble hatte Grenoble die erste innerstädtische Luftseilbahn der Welt.
Der Flughafen Grenoble liegt rund 40 Kilometer nordwestlich der Stadt, er wird vor allem in der Wintersaison von Charterfluggesellschaften angeflogen. Der nächstgelegene Flughafen mit Linienflügen ist der etwa eine Autostunde entfernte Flughafen Lyon Saint-Exupéry bei Lyon. Etwa 10 km östlich von Grenoble liegt der Flugplatz Grenoble-Le Versoud für die allgemeine Luftfahrt.
Bildung und Forschung mini|hochkant=1.2|Europäisches Forschungszentrum in Grenoble