Das sog. „Silberprogramm“ war zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ein geheimes Programm der deutschen Wehrmacht zum Aus- und Neubau von 95 Militärflugplätzen für den Betrieb von Strahlflugzeugen wie der Messerschmitt Me 262 oder der Arado Ar 234. Diese erforderten längere und besser befestigte (d. h. betonierte) Start- und Landebahnen als die bislang verwendeten Flugzeugmuster; im Rahmen des Programms waren Längen meist ab 1700 m vorgesehen, für Großflugplätze sogar 2000 oder 3000 m.Teils wurden Flugplätze auch mit kürzerer Startbahn als einsatzfähig bewertet: So etwa Hesepe mit 1400 m Länge, Kitzingen mit 1600 m. Der o. g. Titel wurde am 20. Dezember 1944 vom Oberkommando der Luftwaffe für einen Anhang zu einer geheimen Kommandosache verwendet; ob ein anderer Name existiert, ist derzeit nicht geklärt.
Liste der betroffenen Flugplätze Quelle für alle Angaben: Zapf (2010), sofern nicht anders angegeben – dieses Werk listet aber nur 87 Flugplätze auf, die auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschen Reichs entstanden bzw. entstehen sollten.
+Flugplätze im Silberprogramm (ehem. Reichsgebiet)NameKategorieFür die Einordnung der deutschen Militärflugplätze während des Zweiten Weltkriegs vgl. Einteilung der Militärflugplätze der Luftwaffe der Wehrmacht.LandZuordnung nach heutigem Gebietsstand. Innerhalb Deutschlands: Ländercodes (4. und 5. Stelle nach ISO 3166-2 ohne „DE-“):
BW: Baden-Württemberg
BY: Bayern
BE: Berlin
BB: Brandenburg
HB: Bremen
HH: Hamburg
HE: Hessen
MV: Mecklenburg-Vorpommern
NI: Niedersachsen
NW: Nordrhein-Westfalen
RP: Rheinland-Pfalz
SL: Saarland
SN: Sachsen
ST: Sachsen-Anhalt
SH: Schleswig-Holstein
TH: Thüringen
Sonst voller Code entsprechend ISO 3166-2:
AT: Österreich
PL: Polen
RU: Russland
CZ: Tschechien.KoordinatenAnmerkungenBeinhaltet zum Teil auch Informationen aus den Wikipedia-Artikeln in der Spalte „Name“. Sonstige Quellen neben Zapf (2010) werden gekennzeichnet.AchmerFliegerhorstNIAusbau der Startbahnen abgeschlossen, restlicher Fliegerhorst aber nicht komplett vollendet. Stationierung von Me 262 (II./KG 51) und Ar 234 (Stab und III./KG 76). Heute Sonderlandeplatz, Rest verwildert.AhlhornEinsatzhafenNIAusbau beschlossen; später Nutzung durch Royal Air Force bis 1958 und Bundeswehr (Luftwaffe, später Heer) bis 2006. Heute Gewerbegebiet, teils Nutzung als Sonderlandeplatz.Alt-LönnewitzFliegerhorstBBFlugzeuge des Typs Arado Ar 234 wurden hier eingeflogen. Stationierung von Ar 234 (Stab, später III./KG 76) und Me 262 (3./JG 7). Nach dem Krieg bis 1993 von sowjetischen Streitkräften genutzt. Heute Gewerbe- und Industriegebiet sowie Sonderlandeplatz Falkenberg-Lönnewitz.Babenhausen-Nord (auch Zellhausen-Süd)NeubauHENie fertiggestellt, abgetragen.BechhofenEinsatzhafenBYNutzung als DP-Lager, abgetragen.BermaringenNeubauBWNie fertiggestellt, abgetragen.Biblis-Startbahn (Kleinhausen)NeubauHENie fertiggestellt, abgetragen.Brandenburg-BriestFliegerhorstBB1944 einsatzbereit, Nutzung durch Me 262 (JG 7, JV 44, siehe dortige Artikel). Sollte zum Großflugplatz weiter ausgebaut werden. Nutzung durch sowjetische Truppen, Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee, Bundeswehr; dann bis 2009 zivil genutzt. Heute Solarpark Brandenburg-Briest.BrandisFliegerhorstSN1944 einsatzbereit. Belegung mit Me 262 (I.,III./JG 7) Nach Krieg: Nutzung durch sowjetische Truppen, dann bis 2005 zivile Nutzung. Heute Solarpark Waldpolenz.BriegFliegerhorstPL-161944 als Großflugplatz einsatzbereit. Nach Krieg: Nutzung durch Rote Armee, ab 1993 zivil. Inzwischen abgetragen und Industriegebiet.BrockhagenNeubauNIUnklar, ob Bau überhaupt begonnen wurde.BurgFliegerhorstSTEinsatz von Me 262 (I./JG 7; 10./NJG 11) und Ar 234 (KG 76) ab September 1944. Nach dem Krieg Kaserne der Kasernierten Volkspolizei, der Nationale Volksarmee. Seit 1990 Clausewitz-Kaserne des Heeres (Bundeswehr).DedelstorfFliegerhorstNIAusbau begonnen. Nach Krieg von Royal Air Force genutzt. Seit 1950 von Polizei, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr (Heer) verwendet, aber nicht mehr fliegerisch genutzt.Deutsch-WagramFliegerhorstAT-3Ausbau zum Großflughafen 1945 fast abgeschlossen. Danach Nutzung durch sowjetische Truppen der Zentralen Heeresgruppe. Seit 1955 nicht mehr genutzt; heute Gewerbegebiet.Dornberg-NordNeubauBWExakte Lage unbekannt.EggebekEinsatzhafenSHAusbau beschlossen. Einer der letzten Flugplätze des Deutschen Reiches bei Kriegsende. Danach kurz Verwendung durch Royal Air Force, dann abgetragen. 1959 Bau eines neuen Fliegerhorsts. Dann Nutzung durch Luftwaffe und Marine bis 2005. Heute Solarpark Eggebek.Enkesen-im-KielNeubauNWBis Kriegsende nicht fertiggestellt. Danach Nutzung durch britisches Army Air Corps. Heute ziviler Sonderlandeplatz Soest-Bad-Sassendorf.Essen/MülheimVerkehrslandeplatzNWBereits vor Kriegsbeginn mit betonierter Landebahn. Einsatz von Me 262 (II./KG 51) im Winter 1944/45. Danach Nutzung als Reparaturflughafen durch Alliierte. Seit 1950 zivile Mitnutzung als Verkehrsflughafen. Heute Verkehrslandeplatz.FaßbergFliegerhorstNIAusbau geplant, aber nicht begonnen. Letzter bekannter Abschuss eines gegnerischen Flugzeugs durch Luftwaffe am 8. Mai 1945 bei Überführungsflug von Saaz nach Faßberg. Ab 1945 Nutzung durch Royal Air Force, heute Heeresflugplatz der Bundeswehr.Frankfurt-Rhein/MainVerkehrsflughafen/EinsatzhafenHEAusbau zum Großflugplatz bei Kriegsende fast abgeschlossen. Danach Nutzung durch US Air Force bis 2005. Seit 1946 Mitnutzung durch zivilen Luftverkehr; dieser dominierte rasch. Heute ist der Frankfurt Airport größter Verkehrsflughafen Deutschlands.Füchtorf (auch Glandorf)NeubauNINie fertiggestellt, abgetragen.FürstenbergNeubauNWNie fertiggestellt, abgetragen.FürstenfeldbruckFliegerhorstBYAusbau Anfang 1945 fertiggestellt, Bodenteile der II./KG 54 waren im April 1945 hier stationiert, aber keine zugehörigen Me 262. Nach Krieg Nutzung durch US Air Force, dann Luftwaffe sowie zivile Mitnutzung. Seit 2015 kein Flugbetrieb mehr. Weiterverwendung unklar.Ganacker (Landau a. d. Donau)FliegerhorstBYAusbau durch Außenstelle des KZ Flossenbürg bei Kriegsende nicht abgeschlossen. Nach dem Krieg weitgehend abgetragen.GesekeFeldflugplatzNWNie fertiggestellt, abgetragen.GiebelstadtFliegerhorstBYAb 1944 Einsatz von Me 262 (Stab, I./KG(J) 54; Stab, I./KG 51). Ausbau zum Großflugplatz fast abgeschlossen. Tests mit Me 163. Nach Kriegsende Nutzung durch US Air Force, danach US Army (bis 2006). Heute VerkehrslandeplatzGroßenhainFliegerhorstSNAusbau geplant. Nach Krieg Nutzung durch sowjetische Streitkräfte bis 1993. Heute Verkehrslandeplatz.Groß LübarsNeubauSTNicht fertiggestellt, später Bau eines Flugplatzes durch sowjetische Streitkräfte. Heute Teil eines Truppenübungsplatzes.GroßostheimEinsatzhafenBYNeubau einer Startbahn nicht abgeschlossen. Nach Krieg Nutzung als Vertriebenen- und Flüchtlingslager, heute Wohngebiet.GroßsachsenheimEinsatzhafenBWAusbau zum Großflugplatz nicht abgeschlossen, nach Kriegsende kurz von US Army Air Forces genutzt. Danach keine fliegerische Nutzung mehr, sondern bis 1987 Standort des amerikanischen Raketenabwehrprogramms Nike.HesepeEinsatzhafenNIErster Kampfverband mit Me 262 war hier stationiert. Nach Kriegsende abgetragen. Bau einer Kaserne (Willem-Versteegh-Kamp) des niederländischen Heeres. Heute Ankunftszentrum für Asylbewerber.HildenScheinflugplatz, FeldflugplatzNWAusbau wohl nicht abgeschlossen, nach dem Krieg abgetragen.HohenlobbeseNeubauBBBau erst begonnen, wieder abgetragen nach Kriegsende.HohnEinsatzhafenSHAusbau nicht abgeschlossen, Einsatzhafen erst kurz vor Kriegsende besetzt. Nach Kriegsende zunächst demontiert. In den 1960er-Jahren Neubau als Fliegerhorst Hohn der heutigen Luftwaffe.HopstenEinsatzhafenNWSollte zum Großflughafen ausgebaut werden. Zapf (2010, S. 202) äußert sich nicht dazu, ob dieser begonnen oder abgeschlossen wurde. Erstflug der Arado Ar 234 V1 im Jahr 1943. Jedenfalls ab 1944 Belegung, ab September auch mit Me 262 (I./KG 51), Ar 234 (6./KG 76). Nach Krieg zunächst abgetragen.
Ab 1959 Neubau als Fliegerhorst Hopsten der heutigen Luftwaffe (bis 2006). Heute Umbau zum Gewerbegebiet.HörschingFliegerhorstAT-4Ausbau geplant nicht vollkommen abgeschlossen. Nach Kriegsende erst Nutzung durch US Army. Seit 1957 militärisch als Fliegerhorst Vogler genutzt, seit 1964 auch zivil als Flughafen Linz.HusumEinsatzhafenSHAusbau bis Kriegsende nicht abgeschlossen, kurze Nutzung durch Royal Air Force, dann Abriss. 1957 Bau der bis heute genutzten Julius-Leber-Kaserne (erst Luftwaffe, heute Heer).Ilshofen-OstNeubau (geplant)BWUnklar, ob Bau begonnen wurde.Ilshofen-WestNeubauBWBau bei Kriegsende im Anfangsstadium: Bäume wurden gefällt; nach Krieg wieder aufgeforstet.KaltenkirchenEinsatzhafenSHBei Kriegsende eine Startbahn mit 1870 m Länge fertiggestellt. 1945 Belegung mit Me 262 (I./JG 7, NAGr 6), dann britisches Kriegsgefangenenlager. Startbahnen abgetragen, Nutzung als Standortübungsplatz. Heute FFH-Gebiet.KirchhamFeldflugplatzBYAusbau begonnen. Nach Kriegsende abgetragen.KitzingenFliegerhorstBY1945 mit Me 262 (II./KG(J) 54) belegt, nach Kriegsende Kriegsgefangenenlager, bis 1947 Nutzung durch US Air Force, dann bis 2007 durch US Army. Heute Sonderlandeplatz.KloppenheimNeubauHEUnsicher, ob Bau begonnen wurde.LärzFeldflugplatzMVErprobungsplatz (Me 262, He 178). Einsatz Me 262 (II./JG 7). Hauptstartbahn mit Länge von 1900 m, sollte auf 2500 m verlängert werden. Nach Kriegsende Nutzung durch sowjetische Streitkräfte bis 1993. Heute Verkehrslandeplatz Müritz Airpark.LechfeldFliegerhorstBYFlugplatz, an dem Versuche mit Me 262 durchgeführt wurden; auch Einsatz durch JG 7, NAGr 6. Bis 1947 Nutzung durch US Army Air Forces. Seit 1956 Fliegerhorst Lechfeld der Luftwaffe.LeckEinsatzhafenSHAusbau nicht abgeschlossen, nach Kriegsende abgebrochen. 1959 Neubau als Fliegerhorst, 1993 aufgelöst, seitdem Teil der Südtondern-Kaserne.LeipheimFliegerhorstBYZusätzlich Flugwerft der Messerschmitt AG. Endmontage der Me 321, Me 323, Me 262. Erstflug der Me 262 V-3 im Sommer 1942. Länge der Startbahn im Jahr 1944: 1420 m, Ausbau auf 1700 m geplant.
Einsatz Me 262 (I./KG 51(J)).
Ab 1944 Nutzung eines naheliegenden Autobahnstücks (mit Länge 1800 m) für das sog. Waldwerk „Spießingen“.
Nach Kriegsende DP-Lager, ab 1950 Nutzung durch US Army, ab 1957 durch US Air Force bis 1959, Luftwaffe bis 2008.
Heute Gewerbe- und Industriegebiet.Limburg-LinterEinsatzhafenHEAusbau auf 1700 m. Nach Kriegsende abgetragen.Lübeck-BlankenseeFliegerhorstSHStartbahnlänge Anfang 1945: 1800 m. Einsatz Me 262 durch 10./NJG 11. Nach kampfloser Übernahme Anfang Mai 1945 Nutzung durch Royal Air Force bis 1949. Währenddessen Ausgangsort der Berliner Luftbrücke. Ab 1949 Flüchtlingslager, ab 1951 zivile Nutzung. Zudem Zieldarstellung für die Bundeswehr und Kaserne der Bundeswehr. Heute Verkehrsflughafen.MarienlohNeubau (geplant)NWBau wohl nicht begonnen.MarxEinsatzhafenNIAusbau wohl nicht abgeschlossen, nach Krieg abgetragen.MengenEinsatzhafenBWNutzung für Testflüge für Dornier-Werke: Do 217, Do 335 (für letztere Erstflug). Ab 1945 Nutzung durch französische Luftstreitkräfte. Von 1957 bis 1978 Nutzung durch Bundeswehr. Seit 1952 zivil mit genutzt, heute ausschließlich ziviler Verkehrslandeplatz.München-RiemVerkehrsflughafenBYAusbau nicht abgeschlossen, aber bereits 1944 Belegung mit Me 262 (KG 51, siehe dortiger Artikel). Von Kriegsende bis 1948 Nutzung durch US Air Force. Danach bis 1992 Nutzung als Verkehrsflughafen. Heute Messe München.Münster-HandorfFliegerhorstNWBelegung mit Me 262 („Sonderkommandos Braunegg“) und Ar 234 (9./KG 76). Nach Kriegsende Flüchtlingslager. 1957 Neubau einer Kaserne, Standort des US-amerikanischen Raketenabwehrprogramms Nike. Heute Lützow-Kaserne (Münster).NeubrandenburgFliegerhorstMVEndmontage Focke-Wulf Fw 190. Ausbau von 1100 auf 1700 m wohl nicht begonnen.