Der Lancia Delta der Baureihe 831 ist eine kompakte Kombilimousine des italienischen Automobilherstellers Lancia, die von 1979 bis 1994 produziert wurde. Er ist das erste von insgesamt drei Modellen, die unter der Bezeichnung Lancia Delta verkauft wurden. Er basiert technisch auf dem Fiat Ritmo. In Schweden und Dänemark wurde das Auto als Saab Lancia 600 verkauft. Ab 1982 hatte Lancia unter der Bezeichnung Prisma eine Variante mit Stufenheck im Programm. Auf der Grundlage des Serien-Delta entstanden mehrere Motorsportversionen, mit denen Lancia in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren unter anderem die Rallye-Weltmeisterschaft dominierte. Besonders bekannt sind die Integrale-Versionen, die auf dem Klassikermarkt 30 Jahre nach Produktionsende hohe fünfstellige Preise erzielen.
Entstehungsgeschichte Die Entwicklung des Fahrzeuges begann 1974. Die Grundlage des Autos bildete der Fiat Ritmo, von dem Bodengruppe und Motoren entlehnt sind. Die hintere Einzelradaufhängung des Delta wurde allerdings wie beim Beta und Gamma als Camuffo-Hinterachse konstruiert und auch in anderen Konzernmodellen eingebaut. Der Delta hat einen etwas größeren Radstand als der Ritmo.
Die Karosserie des Delta war in vielen Details aufwendiger gestaltet als die es Ritmo, was für Lancia typisch war und dem Qualitätsanspruch der Marke im Konzern entsprach. So bestanden etwa die Stoßfänger vorne und hinten aus glasfaserverstärktem Polyester statt einfachem thermoplastischen Kunststoff. Die Serienausstattung des Delta war mit Heckscheibenwischer, von innen einstellbaren Außenspiegeln, dreistufigen Scheibenwischern und einem verstellbaren Lenkrad für seine Zeit sehr umfangreich.
Für die Form der Karosserie war Giorgetto Giugiaro verantwortlich. Sie beruhte auf Giugiaros Konzeptfahrzeug Maserati Medici, das die Linien sehr unterschiedlicher Serienmodelle der 1970er- und 1980er-Jahre vorwegnahmCharakteristische Merkmale des Medici II wie auch des Delta I waren die nur wenig geneigte Motorhaube, hoch angesetzte Scheinwerfer und die in Wagenfarbe lackierten Stoßfänger. Der Medici II beeinflusste außerdem das Design des Maserati Quattroporte III, des DeLorean DMC-12 und des VW Scirocco I. Vgl. Abbildung des Ital Design Medici II.. In die Karosserie integrierte und in Wagenfarbe gehaltene Stoßfänger waren zu dieser Zeit neu.
Zunächst wurde der Delta im Fiat-Stammwerk Lingotto gebaut, da es damals freie Kapazitäten hatte und das Lancia-Werk in Chivasso mit der Produktion des Beta ausgelastet war. Einige Autoren sehen darin einen wesentlichen Grund für die Qualitätsprobleme, unter denen frühe Versionen des Delta litten. Nachdem Lancia Ende 1981 die Produktion der Beta Berlina eingestellt hatte, wurde die Fertigung des Delta ins Lancia-Werk Chivasso verlegt; dadurch erhöhte sich die Fertigungsqualität deutlich.Wim Oude Weernink: Lancia. Motorbuch Verlag, 1992, ISBN 978-3613015036, S. 342.
Anfänglich waren lediglich zwei Motorisierungen verfügbar: 1301 cm³ mit und 1498 cm³ mit . An einen sportlichen Einsatz wurde zur Einführung des Delta noch nicht gedacht. Gleichwohl präsentierte Lancia im Herbst 1982 auf dem Turiner Salon einen Delta-Prototyp mit Allradantrieb und 1,6-Liter-Turbomotor, der leistete. Ein Verteilergetriebe leitete über eine Antriebswelle die halbe Motorkraft an die Hinterräder; an der Hinterachse saß ein Selbstsperrdifferenzial. Ebenfalls im Herbst 1982 erschien die Variante Delta LX mit umfangreicherer Ausstattung, darunter elektrische Fensterheber, Aluminiumräder, getönte Scheiben und eine geteilt umklappbare Rücksitzbank.
Ab November 1982Paul Schinhofen: Lancia – Innovation und Faszination. 100 bewegte Jahre. Heel Verlag, Königswinter 2006, ISBN 978-3-89880-649-7, S. 93. war das auf dem Delta basierende Stufenheckmodell Prisma (intern als Typ 831AB bezeichnet) erhältlich. Von da an wurden beide Modelle im Lancia-Werk in Chivasso produziert, damals eine der modernsten Produktionsstätten der Welt. Der Prisma wurde später wie der Delta auch in einer Version mit Allradantrieb (Prisma 4WD) angeboten, allerdings nur mit einem 2,0-l-Saugmotor, im Delta HF 4WD oder Integrale gab es diesen Motor mit Turbolader.
In einigen skandinavischen Ländern (Schweden, Dänemark) wurde der Delta in Zusammenarbeit mit Saab als Saab Lancia 600 verkauft. Diese Zusammenarbeit beim Verkauf des Modells war Resultat der gemeinsamen Konstruktion des Fahrzeugs. Die Heizungs- und Belüftungsanlage des Delta wurde von Saab entwickelt. Beide Hersteller und die Konzernmutter Fiat arbeiteten beim Saab 9000, der mit dem Fiat Croma und dem Lancia Thema über viele gemeinsame Bauteile verfügt, und später auch beim Alfa Romeo 164 zusammen.
Modellpflege Im Mai 1986 wurde der Delta äußerlich dezent überarbeitet (Kühlergrill, Gestaltung der Radscheiben, Innenraum) und Lancia nahm etliche neue Varianten ins Programm: eine 1100-cm³-Version speziell für Griechenland, Motoren mit elektronisch geregelter Einspritzung und für die Auslandsmärkte auch mit Katalysator sowie den 1,9-Liter-Turbodiesel, bekannt aus verschiedenen Fiat-Modellen.
Besondere Serienmodelle Delta GT und GT i. e. mini|Lancia Delta GT i. e. (1989) mini|In der letzten Modellpflege (1991/1992) Im November 1982 kam die erste sportlichere Version auf den Markt, der GT mit 1,6-l-Motor und 77 kW (105 PS). Mit einer Überarbeitung im Frühjahr 1986 wurde sie durch den GT i. e. mit 79 kW (108 PS; mit Katalysator 66 kW/90 PS) ersetzt, der auf dem erfolgreichen, von Aurelio Lampredi konstruierten Twin-Cam-Motor basierte.
Dieser Motor trieb schon seit 1966 den Fiat 124 Spider an, aber auch den Lancia Beta und viele andere Modelle des Fiat-Konzerns. Im Fiat 131 Abarth gewann Walter Röhrl mit diesem Motor seinen ersten Rallye-WM-Titel. Der 1.6 GT war mit zwei obenliegenden Nockenwellen mit Ventiltrieb über Tassenstößel, Weber-Doppelregistervergaser und Marelli-Digiplex-Zündung ausgerüstet.
In der i. e.-Version wurde für die Fahrzeuge ohne Katalysator eine Weber-Marelli-IAW-Multipoint-Einspritzanlage verwendet. Die Fahrzeuge mit Katalysator hatten eine kraftstoffsparende, aber auch leistungsmindernde und die Drehfreudigkeit einschränkende SPI- Singlepoint-Einspritzanlage. Ein ähnlich motorisiertes Modell war der Supermirafiori 1600TC mit ebenfalls zwei obenliegenden Nockenwellen (90 PS), der aber sein maximales Drehmoment erst bei höheren Drehzahlen erreichte. Eine weitere Ableitung dieses Motors wurde im Fiat Ritmo 105 TC eingebaut. Das Fünfganggetriebe war sportlich (also ohne Schongang) ausgelegt. Am Heck befand sich ein kleiner Diffusor, der eine aerodynamische Verbesserung darstellte. Der Frontgrill und die Fensterblenden sowie die Türgriffe waren schwarz. Der Grill trug den Schriftzug GT bzw. GT i. e.
Als Extras waren Metallic-Lackierung, Schiebedach, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Bordcomputer, Aluminiumräder und später auch eine Servolenkung erhältlich. Serienmäßig waren Lichtleiter für die Instrumentenbeleuchtung, Sitzbezüge von Zegna, Einzelradaufhängung für alle vier Räder (bei allen Delta-Modellen der ersten Serie), Innenraumbeleuchtung selektiv bei geöffneten Türen und Kofferraumbeleuchtung sowie vor allem eine sehr weiche Schäumung der Türverkleidungen und des Armaturenbrettes. Ferner war der Dachhimmel ebenso von weich geschäumten (ca. acht Zentimeter breiten) Leisten in Farbe der Türverkleidungen eingerahmt, in die die gefederten und versenkten Haltegriffe eingelassen waren. Diese wichen mit dem ersten Facelift teilweise harten Plastikteilen. Ein weiterer Höhepunkt war das Heizungs- und Belüftungssystem mit einem immens großen Luftdurchsatz und somit praktisch immer beschlagfreien Scheiben.
Delta HF Turbo mini|Lancia Delta HF Turbo auf den Retro Classics 2019 Im Herbst 1983 debütierte der Delta HF Turbo mit dem 1,6-l-Motor auf Fiat-Basis. Hier war er aber mit einem Garret-T3-Turbolader ausgerüstet und leistete in der Vergaserversion 96 kW (131 PS).
Im Frühjahr 1986 erhielt der Delta im Zuge der Modellpflege eine Einspritzung. Hierbei wurde die Einlass-Auslass-Querstromrichtung unter anderem zur besseren Kühlung der Abgasseite sowie wegen der Unterbringung der großen Ansaugkrümmer der Einspritzerversionen geändert. Diese Einspritzerversionen des HF Turbo mit Garrett-T2-Lader hatten bereits die gleichen Innenausstattungen der sportlichen Allradversionen HF 4WD und Integrale mit Recaro-Sportsitzen in Alcantara. Es gab sie auch als limitierte Auflage (Wittmann Edition) mit 100 kW (136 PS). Zu nennen sind auch die Sondermodelle: Lancia Delta HF turbo Martini, weiß mit dem blau-roten Streifen; Lancia Delta HF turbo Monte Carlo mit runden Frontscheinwerfern und einer gewölbten Motorhaube wie beim 16V Integrale und Lancia Delta HF turbo Exclusiv, außen in Grau mit einem roten Streifen und Wischern für die Scheinwerfer, innen mit roten Teppichen und Gurten, schwarzen Ledersitzen mit eingesticktem HF-Logo und einem schwarzen Alcantarahimmel, der nur in der Schweiz erhältlich war.
Delta HF 4WD mini|Lancia Delta HF 4WD Im Herbst 1986 kam der Delta HF 4WD auf den Markt. Diese Version mit permanentem Allradantrieb und vorderen Differential, ein zentrales Verteilergetriebe mit Ferguson-Viskokupplung, das – je nach Bodenhaftung der Räder – 56 % der Antriebskraft auf die Vorderräder, den Rest auf die Hinterräder leitete, und ein Torsen-Ausgleichsgetriebe an der Hinterachse.
Der Turbomotor des HF 4WD stammte vom Lancia Thema und basierte ebenfalls auf dem seit längerem erfolgreichen 2,0-l-Motor von Fiat. Bei einem Hubraum von 1995 cm³ erreichte er 121 kW (165 PS) bei 5500/min und ein maximales Drehmoment von 284 Nm im Overboost-Modus. Die elektronische Motorsteuerung verhinderte den Overboost-Einsatz bei noch kaltem oder bei zu heißem Motor.
Ein Ladeluftkühler verringerte die Temperatur der dem Motor zugeführten Luft von 120 auf 50 bis 70 Grad Celsius. Die Auslassventile waren natriumgekühlt, die Ventilsitze bronziert, die Pleuellager in Trimetall-Technik ausgeführt, und das Motoröl hatte einen eigenen Kühler. Vier Scheibenbremsen, die vorderen innenbelüftet, sorgten für Verzögerung.
Delta HF Integrale mini|Lancia Delta HF Integrale (1987–1991) Auf der IAA 1987 präsentierte Lancia die erste Evolutionsstufe des HF 4WD, den Delta HF Integrale, mit einigen technischen und optischen Änderungen. Von außen war die neue Version an Kotflügelverbreiterungen, geänderten Stoßfängern und Schwellerschürzen, einem neuen Lufteinlass auf der Motorhaube und an den 15 (statt zuvor 14) Zoll großen Aluminiumrädern zu erkennen. Fahrwerk und Bremsen erfuhren Verbesserungen.
Die Leistung des vom HF 4WD her bekannten Zweiliter-8V-Turbomotors mit Ladeluftkühler stieg unter anderem durch einen größeren Turbolader von 121 auf 136 kW (185 PS). Für Auslandsmärkte wie Deutschland und Schweiz produzierte Lancia später eine 8V-Version mit einem geregelten Katalysator, wodurch die Leistung auf 130 kW (177 PS) sank. Mit Ausnahme des Motors und des Turboladers entsprach diese Version aber überwiegend dem parallel gefertigten 16V.
Delta HF Integrale 16v Im Frühjahr 1989 erschien eine überarbeitete Version des Delta HF Integrale 16v. Der bekannte Motor erhielt nun, neben kleinen Verbesserungen wie der Kolbenbodenkühlung, in erster Linie den neu konstruierten 16-Ventil-Zylinderkopf. Dieser Motor leistete nun 147 kW (200 PS). Bei griffigem Untergrund gingen nun 47 % der Motorleistung an die Vorder- und 53 % an die Hinterachse. Auffallendstes Erkennungsmerkmal dieser Version war die gewölbte Motorhaube, damit der höhere 16V-Motor untergebracht werden konnte. Ebenso wuchsen die 15-Zoll-Felgen in der Breite von 6 (8V) auf nun 7 Zoll. Weiter war der 16V an der neuen Anordnung des Tachos (die 0 steht bei 9 Uhr) und des Drehzahlmessers (0 bei 3 Uhr) zu erkennen.
Delta Integrale Evoluzione mini|Lancia Delta Integrale Evoluzione I (1991–1992) mini|Lancia Delta Integrale Evoluzione II (1993–1994)