Mit dem Begriff Ad-hoc-Gesetzgebung (von = „zu diesem Zweck, aus dem Augenblick heraus [entstanden]“;ad hoc. duden.de; abgerufen am 15. Januar 2021. auch Gelegenheitsgesetzgebung, in Österreich Anlassgesetzgebung) bezeichnet man eine anlassbezogene Rechtssetzung zur kurzfristigen Schließung einer (vermeintlichen) Gesetzeslücke. Das Deutsche Wörterbuch verstand darunter bereits im 19. Jahrhundert ein „gesetz das mehr beiläufig einer bestimmten gelegenheit zu gefallen gegeben wird.“ Rechtshistorisch steht die kasuistische Ad-hoc-Gesetzgebung im Gegensatz zu einer planvollen, systematischen Kodifikation.Hans-Peter Dick: Das juristische Wirken von Franz von Zeiller. Die Entstehung des ABGB. GRIN Verlag, 2018, ISBN 978-3-668-64990-3.Friedrich Schaffstein: Vom crimen vis zur Nötigung. Eine Studie zur Tatbestandsbildung im Gemeinen Strafrecht. In: Günter Warda, Heribert Waider, Reinhard von Hippel, Dieter Meurer (Hrsg.): Festschrift für Richard Lange zum 70. Geburtstag. 1976, S. 983 ff.Melchior Stenglein: Gelegenheitsgesetze. In: Deutsche Juristen-Zeitung. 1900, S. 107–110; books.google.de
Ad-hoc-Gesetze kommen zwar in einem regulären Gesetzgebungsverfahren zustande, stellen aber bestimmte Rechtsförmlichkeiten, die Gesetzesfolgenabschätzung und damit die Kohärenz der Rechtsordnung insgesamt hintan.Constantin Hruschka: Ad-Hoc-Reparaturbetrieb statt kohärenter Rechtsrahmen: das „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“. verfassungsblog.de, 21. Mai 2019. Sie werden anlässlich eines Einzelfalls oder einer Serie ähnlicher Fälle, die die Ausformung des Gesetzes entscheidend prägen, erlassen, beanspruchen aber anders als ein Einzelfallgesetz Geltung für eine unbestimmte Vielzahl zukünftiger Fälle. Ihre Geltungsdauer ist anders als bei sog. Zeitgesetzen gem. Abs. 4 StGB unbefristet.Dorothea Meurer-Meichsner: Untersuchungen zum Gelegenheitsgesetz im Strafrecht. In: Strafrechtliche Abhandlungen. Neue Folge, Band 18, Berlin: Duncker & Humblot, 1974 (Google-Vorschau)
Ad-hoc-Gesetzgebung wird als überstürzte und damit meist unsystematische gesetzgeberische Reaktion unter dem Einfluss einer durch ein auslösendes Ereignis hervorgerufenen öffentlichen Diskussion und massiver Medienberichterstattung zu einem bestimmten Thema kritisiert.
Beispiele einer solchen Gesetzgebung sind die Reaktion auf die Kölner Silvesternacht oder das Finanzmarktrecht.
Literatur Klaus Hoffmann-Holland, Max Putzer: Probleme der Ad-Hoc-Gesetzgebung am Beispiel des Zugangserschwerungsgesetzes. In: Comparative Law, Nihon University, 2010, Vol. 27, S. 45–61 (gemeinsam mit Max Putzer). Dorothea Meurer-Meichsner: Untersuchungen zum Gelegenheitsgesetz im Strafrecht. In: Strafrechtliche Abhandlungen. Neue Folge, Band 18, Berlin: Duncker & Humblot, 1974; books.google.de Tristan Barczak: Der nervöse Staat. Ausnahmezustand und Resilienz des Rechts in der Sicherheitsgesellschaft. Mohr Siebeck, 2020, ISBN 978-3-16-159084-9; mohrsiebeck.com Erst der Inhalt, dann die Paragrafen. Gesetze wirksam und praxistauglich gestalten. Hrsg.: Nationaler Normenkontrollrat. 1. Auflage. 2019; normenkontrollrat.bund.de (PDF; 3,9 MB).
Weblinks Gesetze wirksam und praxistauglich gestalten. NKR-Gutachten 2019: Erst der Inhalt, dann die Paragrafen. Nationaler Normenkontrollrat, 22. Oktober 2019.
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