mini|Prinz Joachim von Preußen, 1915, als Rittmeister, dekoriert mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse. Joachim Franz Humbert Prinz von Preußen (* 17. Dezember 1890 in Berlin; † 18. Juli 1920 in Potsdam) war der sechste Sohn des deutschen Kaiserpaares Wilhelm II. und Auguste Viktoria.

Leben Prinz Joachim kam als sechster Sohn des Deutschen Kaisers Wilhelm II. und dessen Gemahlin Auguste Viktoria im Berliner Schloss zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er mit seinen Geschwistern im Potsdamer Neuen Palais, seine Schulzeit verbrachte er, wie auch seine Brüder, im Plöner Prinzenhaus. Er trat nach seiner militärischen Ausbildung 1911 in das 1. Garde-Regiment zu Fuß ein. Bereits 1903 hatte die Hamburger Reederei Hapag den nach ihm benannten Postdampfer Prinz Joachim in Dienst gestellt.mini|Joachim in Uniform, 1905, mit der Collane des Königlichen Hausorden von Hohenzollern und dem Bruststern des Schwarzen Adlerordens.Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Joachim in der Schlacht an den Masurischen Seen als Rittmeister durch einen Schuss in den Oberschenkel verwundet. Am 11. März 1916 heiratete er Prinzessin Marie Auguste von Anhalt, die Tochter des nachmaligen regierenden Herzogs Eduard von Anhalt. Diese Ehe verlief jedoch von Anfang an nicht glücklich. Joachim war eigentlich in Fürstin Elisabeth von Urach, die Tochter Herzog Wilhelm Karls von Urach, verliebt gewesen, aber der Konfessionsunterschied hatte eine Heirat verhindert. Der Prinz machte seine streng evangelische Mutter dafür verantwortlich, dass die Ehe nicht zustande gekommen war, und warf ihr vor, sein „Lebensglück“ zerstört zu haben.John C. G. Röhl: Wilhelm II. Band 3: Der Weg in den Abgrund, 1900–1941. München 2008, ISBN 978-3-406-57779-6, S. 1261

Joachim und Marie Auguste hatten seit Dezember 1916 den Sohn Karl Franz Joseph von Preußen (1916–1975). Seine erste Ehefrau war Prinzessin Henriette von Schoenaich-Carolath (1918–1972), Tochter des Prinzen Johann Georg von Schoenaich-Carolath und der Prinzessin Hermine Reuß, der späteren zweiten Ehefrau Wilhelms II. Aus dieser Ehe gingen Nachkommen hervor.

Seine zweite Ehefrau war Miss Yvonne Madeleine Françoise Le Moyne d'Iberville aus Quebec, Kanada, deren Familie Lemoine zu den Gründern von Neufrankreich zählte. Auch aus dieser Verbindung stammen Nachkommen.

Seine dritte Ehefrau war Luise Dora Hartmann, aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. Seine letzte Ehefrau war Eva Maria Herrera y Valdeavellano aus Peru, mit der er ebenfalls Nachkommen hatte.

Im Mai 1918 wurde Prinz Joachim vom Psychiater Robert Eugen Gaupp untersucht. Dieser schrieb, der Prinz überstürze sich beim Sprechen, zeige blitzartige Zuckungen im Gesicht, sei seelisch und sexuell enorm erregbar und neige zu heftigen Zornesausbrüchen, in denen die Selbstbeherrschung offenbar ganz verloren gehe. Sein Handeln sei von augenblicklichen Impulsen bestimmt, sein „hochentwickeltes Selbstwertgefühl“ lasse ihn jeden Widerstand, den er bei der Verfolgung seiner leidenschaftlichen Wünsche erfahre, als unberechtigte Kränkung empfinden, auf die er mit Ausbrüchen des Zorns reagiere. In seinem Gutachten kam Gaupp zu dem Schluss, Prinz Joachim sei psychisch unheilbar krank und sein Gesamtzustand weise auf eine „angeborene abnorme Anlage“ hin.John C. G. Röhl: Wilhelm II. Der Aufbau der Persönlichen Monarchie, 1888–1900. 2001, ISBN 3-406-48229-5, S. 1182 mini|Joachim von Preußen mit seiner Mutter und Schwester Viktoria Luise, 1907 Internationales Aufsehen erzeugte 1920 der Suizid des Kaisersohns. Nach Presseberichten soll Joachims Frau ihn mit einem „Hochstapler“ betrogen haben, woraufhin er seinen Vater im niederländischen Exil um die Erlaubnis gebeten habe, die Scheidung einzureichen. Diese sollen seine Eltern abgelehnt haben. Wenig später nahm sich Joachim das Leben. Tatsächlich hatte er schwere psychische Probleme, war seine Ehe gescheitert und das Verhältnis zum Vater zerrüttet.Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, ISBN 978-3-549-10029-5, S. 207 f. Am 17. Juli 1920 besuchte er ein Fest, das sein Cousin Friedrich Sigismund von Preußen im Schloss Glienicke gab. Nach der Rückkehr in die Villa Liegnitz, die im Besitz der Hohenzollern geblieben war, versuchte Joachim, sich mit einem Armeerevolver zu erschießen. Schwerverletzt wurde er von seinem Bruder August Wilhelm gefunden und sofort in das nahe St. Joseph Krankenhaus gebracht.Das St. Josef-Krankenhaus Potsdam der Alexianer liegt dicht am Schloss Sanssouci. Dort starb er einen Tag später am 18. Juli 1920.

Prinz Joachim wurde zunächst in der Friedenskirche Potsdam beigesetzt. Im Jahr 1931 wurde der Sarg in den Antikentempel im Schlosspark Sanssouci überführt. In dem für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Ort ruht der Prinz an der Seite seiner 1921 verstorbenen Mutter und weiterer Angehöriger Wilhelms II.

Siehe auch Stammliste der Hohenzollern

Vorfahren Ahnentafel Joachim Prinz von PreußenUrgroßelternWilhelm I. von Preußen(1797–1888) ⚭ Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach(1811–1890)Albert von Sachsen-Coburg und Gotha(1819–1861) ⚭ Victoria von Großbritannien und Irland(1819–1901)Christian August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg(1798–1869) ⚭ Luise Sophie von Danneskjold-Samsøe(1796–1867)Ernst I. zu Hohenlohe-Langenburg(1794–1860) ⚭ Feodora zu Leiningen(1807–1872)GroßelternFriedrich III. von Preußen(1831–1888) ⚭ Victoria von Großbritannien und Irland(1840–1901)Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein(1829–1880) ⚭ Adelheid zu Hohenlohe-Langenburg(1835–1900)ElternWilhelm II. von Preußen(1859–1941) ⚭ Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg(1858–1921)Joachim Prinz von Preußen (1890–1920)

Weblinks

Lebenslauf auf Preussen.de Joachim von Preußen in der Fotokollektion von Schloss Doorn Potsdam-Wiki

Einzelnachweise

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