mini|Die Kirche vor der Kulisse von Zarewez. mini|Blick in das Kircheninnere Die Kirche Heilige Vierzig Märtyrer () ist ein bulgarisch-orthodoxes Kirchengebäude in Weliko Tarnowo (im Mittelalter Tarnowgrad). Der Sakralbau wurde von der Schule von Tarnowo während des Zweiten Bulgarischen Reiches im Mittelalter erbaut und ist heute ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Er war die Hauptkirche des Zarenklosters der einstigen bulgarischen Hauptstadt und zwischen den Festungshügeln Trapesiza und Zarewez eingebettet.,
Geschichte Die Kirche wurde ab 1230 erbaut und den vierzig Märtyrern von Sebaste geweiht. Sie wurde zu Ehren des Sieges in der Schlacht von Klokotniza von Zar Iwan Assen II. über das byzantinische Despotat Epirus errichtet. An ihrer Stelle stand früher eine Kapelle der Muttergottes.Bulgarien ehrt heilige 40 Märtyrer, Radio Bulgarien, 9. März 2020 Das Kirchengebäude war in der Folge die Hauptkirche des Zarenklosters Großer Lavra, welches sich in der mittelalterlichen Neue Stadt, unterhalb des Zarenpalastes befand. Die Dreischiffige Basilika lag am Ufer des Jantra-Flusses, innerhalb der befestigten Inneren Stadt und zwischen der Zaren-Festung Zarewez und der Boljaren-Festung Trapesiza. Von der Kirche bis zum ehemaligen Zarenpalast führt noch heute ein Weg durch die Festungsmauer, der jedoch nicht touristisch zugänglich ist. In der Kirche wurde eine ältere Gedenkkolone vom Khan Omurtag in altgriechisch, eine Siegeskolone vom Iwan Assen II. zu Ehren des Sieges in Klokotniza in Altbulgarisch sowie eine Grenzkolone aus der Festung Rodosto am Marmarameer verbaut.Hans-Joachim Härtel, Roland Schönfeld: Bulgarien. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Friedrich Pustet Verlag, Regensburg 1998, ISBN 3-7917-1540-2, S. 308.
In der Kirche befinden sich neben vielen historischen bulgarischen Denkmälern, meist Epigraphen, die Gräber von Mitgliedern der bulgarischen Zarenfamilie, darunter Kalojan, Iwan Assen II., Maria (Tochter von Gertrud von Andechs), Irene Komnene und vielen anderen Herrschern und Adligen darunter der Bojar Basar, der der Dynastie seinen Namen gab, und sein Nachfolger Basarab I.Kirche „Heilige 40 Märtyrer“, Stadt Veliko Tarnovo Als der Erzbischof von Serbien Sava I. im Januar 1236 Tarnowo besuchte, verstarb er und wurde zunächst ebenfalls in der Kirche beigesetzt.
Als mit der Eroberung des Bulgarenreichs durch die Osmanen die Hauptstadt Tarnowo im Juli 1393 fiel, wurde ein Teil der Bevölkerung, darunter die Würdenträger massakriert, ein weiterer zwangsausgesiedelt (sürgün)Tirnowa in Encyclopaedia of Islam, Volume X, page 547, column 1: …In 795/1393 it was besieged and captured by the Ottomans, with severe reprisals against the town; the Tsar’s palace and the fortress walls were demolished, the Bulgarian Patriarch exiled and many local dignitaries executed…, …After the Ottoman conquest, part of the population was massacred and others subjected to forced deportation ( sürgün ). … und die ehemalige Zarenkirche zur Moschee (Teke Çamiçi) umfunktioniert. Laut den Überlieferungen war die Moschee in der moslemischen Bevölkerung der Stadt jedoch unbeliebt, da sie die Geister der alten bulgarischen Zaren fürchteten. Nach der Befreiung Bulgariens 1878 im Zuge des Russisch-Osmanischen Krieges wurde der Sakralbau erneut zur orthodoxen Kirche.
Am 18. Mai 1888 fand in der Kirche die kirchliche Trauung des bulgarischen Ministerpräsidenten Stefan Stambolow statt.
Am 22. September 1908 wurde in der Kirche die Unabhängigkeit Bulgariens durch Knjaz Ferdinand I. verkündet. 1913 wurde die Kirche bei einem Erdbeben stark beschädigt und blieb über Jahre geschlossen.
Erste Versuche, die Gegend um die Kirche archäologisch zu untersuchen, wurden in den 1850er Jahren von den Aufklärern Petar Beron, Christo Daskalow und Georgi Sawa Rakowski vorgenommen. Die Kirche wurde systematisch erst nach der Befreiung Bulgariens und zuerst 1906 von Mosko Moskow archäologisch untersucht. Zuletzt wurde die Kirche zwischen 1992 und 2007 unter der Leitung von Konstantin Totew archäologisch untersucht, freigelegt und befestigt.
Die Kirche wurde 1927 zum Nationalen Altertum, 1964 zum architektonisch-baulichen Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und 1979 zum Kunstdenkmal von nationaler Bedeutung ernannt.Vgl. bulgarisches Staatsblatt Ausgabe 69 von 1927, Ausgabe 102 von 1964 und Ausgabe 2586 von 5. Juli 1979
Inschriften Gedenkkolone von Omurtag Die Inschrift ist seit 1858 bekannt, als es dem Aufklärer Christo Daskalow aus Trjawna gelang, die Kirche (damals noch eine Moschee) zu besuchen und eine Kopie von der Inschrift zu nehmen.
Die Tarnowo-Inschrift von bulgarischen Khan Omurtag spiegelt zusammen mit der Tschtalar-Inschrift (beide in Altgriechisch) die aktive Bautätigkeit dieses Herrschers wider. Es wird angenommen, dass die Inschrift von Tarnowo vor 822 geschnitzt wurde. Unter Historikern gibt es unterschiedliche Meinungen über den ursprünglichen Ort der Inschrift (wahrscheinlich die ehemalige bulgarische Hauptstadt Pliska) und den Ort der „neuen Heimat an der Donau“, von dem in der Inschrift berichtet wird – Drastar, Malak Preslavets oder auf die Donauinsel Păcuiul lui Soare.
Original in Altgriechisch
Deutsche Übersetzung
Siegeskolone von Iwan Asen mini|Die Siegeskolone mit der Inschrift in der Kirche Als Zeichen seines Sieges ließ Iwan Assen in der Zarenkirche eine Kolone aus Marmor einbauen, in die eine Inschrift, die noch heute zu sehen ist, gemeißelt wurde. 1858 gelang es Georgi Rakowski die damalige Moschee zu besuchen, entnahm einen Abzug der Inschrift und sendete diese den Slawisten Alexander Hilferding, Ismail Sresnewski und Ossip Bodjanski zu. 1860 veröffentlichte Rakowski den Text der Inschrift, der lautet:
Original in Altbulgarisch
Deutsche Übersetzung
Literatur Veselin Besevliev, Johannes Irmscher: Antike und Mittelalter in Bulgarien. Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston 1960, ISBN 9783112721216
Weblinks
Website der Kirche (bulg.)
Einzelnachweise
Kategorie:Museum in Bulgarien Kategorie:Weliko Tarnowo Weliko Tarnowo Weliko Tarnowo