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mini|hochkant=1.2|Campus der Universität Wien an der Ecke Alser Straße / Spitalgasse Der Campus der Universität Wien befindet sich im 9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund.
Die Baugeschichte des Gebäudekomplexes begann 1693 mit der Errichtung eines Großarmenhauses unter Kaiser Leopold I. Dieses wurde zum 1784 unter Kaiser Joseph II. eröffneten Allgemeinen Krankenhaus (AKH) umgebaut, in dem wichtige Vertreter der Wiener medizinischen Schule wirkten. Bis ins 20. Jahrhundert wurde das Krankenhaus mehrmals baulich erweitert. Nachdem 1964 mit der Erbauung des Neuen AKH begonnen worden war, schenkte die Stadt Wien 1988 den in ihrem Besitz stehenden Anteil am Alten AKH der Universität Wien. Die Universität gestaltete diesen zum Campus um, der 1998 eröffnet wurde.
Das weitläufige Areal nahe dem historischen Stadtzentrum erstreckt sich über eine Fläche von 9,6 Hektar. Es ist in zehn Höfe gegliedert, von denen der südlich gelegene Hof 1 der größte ist. Zu den herausragenden Einzelbauten zählen der Narrenturm und das Pathologische Institut. Die 24 benannten Eingangs- und Durchgangstore werden als Tore der Erinnerung bezeichnet. Die Denkmäler und Skulpturen auf dem Gelände reichen von der Barockzeit bis ins 21. Jahrhundert. Der Campus der Universität Wien beherbergt zahlreiche geisteswissenschaftliche Universitätsinstitute, Fachbereichsbibliotheken, Hörsäle und weitere universitäre Einrichtungen. Seine begrünten Innenhöfe sind der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich.
Geschichte Großarmenhaus mini|Stöcklgebäude im Hof 1, dem ältesten Bauteil des Campus
Die Baugeschichte des späteren Campus-Areals begann unter Kaiser Leopold I., der von 1693 bis 1697 ein Großarmenhaus für Invalide aus den Türkenkriegen und Obdachlose errichten ließ. Bereits 1686 hatte der kaiserliche Rat Johann Theobald Frankh testamentarisch Mittel für ein Invalidenhaus zur Verfügung gestellt, das vorläufig in einem angrenzenden Seuchenspital untergebracht worden war. Unter Einbeziehung der Frankh’schen Stiftung entstand so der Hof 1 einschließlich des darin befindlichen Stöcklgebäudes als ältester Bauteil des Campus.
Der kaiserliche Rat Ferdinand Freiherr von Thavonat ermöglichte 1726 durch eine testamentarische Stiftung eine Erweiterung des Großarmenhauses unter Kaiser Karl VI. Die Durchführung bis 1733 oblag Franz Anton Pilgram, der das damals größte Wiener Bauunternehmen leitete. Bei dieser zweiten Bauphase wurden die nördlich an den Hof 1 anschließenden Höfe 2, 4 und 7 angelegt. Danach konnte das Großarmenhaus bis zu 5000 Personen beherbergen. In einer dritten Bauphase erfuhr das Areal im Jahr 1752 eine zusätzliche Erweiterung Richtung Norden um die Höfe 3 und 5, wodurch die Aufnahmekapazität auf 6000 Menschen stieg.
Allgemeines Krankenhaus
mini|hochkant=1.2|Ansicht des Allgemeinen Krankenhauses auf einem Stich aus dem Jahr 1784
Kaiser Joseph II. ließ das Großarmenhaus, das er als nicht mehr zeitgemäß beurteilte, auflösen. Die Armen wurden im Allgemeinen ins Bäckenhäusel an der Währinger Straße und ins Haus Zum blauen Herrgott an der Lazarettgasse verlegt, während die im Großarmenhaus lebenden Invaliden im Invalidenhaus auf der Landstraße eine neue Unterkunft fanden. Der Kaiser hatte 1777 das Zentralspital Hôtel-Dieu in Paris besichtigt, nach dessen Vorbild er ab 1783 das Großarmenhaus zu einem Krankenhaus umbauen ließ. Die grundlegende Konzeption hatte der Arzt Joseph Quarin inne. Die bauliche Gestaltung übernahmen Isidor Canevale und Josef Gerl, wobei der jeweilige Anteil beider Architekten umstritten ist. Anfänglich war die Anlage in das eigentliche Krankenhaus, die Siechenhäuser, das Gebär- und Findelhaus und den neu errichteten Narrenturm als psychiatrischer Klinik gegliedert. Abgerufen am 2. August 2026. Zu den weiteren Um- und Neubauten gehörten der Einbau der späteren Alten Kapelle im Nordtrakt des Hofs 1 und die Neugestaltung des später als Sonnenfels-Tor bezeichneten zentralen Eingangs.
mini|hochkant|links|Der Billroth’sche Hörsaal im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, Ölgemälde von Adalbert Seligmann (1890er Jahre) Die Anlage wurde nach kurzer Bauzeit am 16. August 1784 als Allgemeines Krankenhaus eröffnet. Am Haupteingang wurde die lateinische Widmungsinschrift SALUTI ET SOLATIO AEGRORUM JOSEPHUS II. AUGUSTUS ANNO MDCCLXXXIV („Dem Heil und Wohl der Kranken, Kaiser Joseph II., im Jahr 1784“) angebracht. Die Anstalt spielte eine zentrale Rolle bei der Ausformung der Wiener medizinischen Schule. Zu den hier tätigen bedeutenden Ärzten zählen Ignaz Semmelweis, Theodor Billroth und Karl Landsteiner. Von Beginn an waren im Allgemeinen Krankenhaus Universitätskliniken der Universität Wien untergebracht, deren Anzahl im Lauf der Jahre stieg.
Das Areal wurde von 1833 bis 1834 um die Höfe 8 und 9 erweitert, die auf einem ehemaligen Friedhof, dem Kaiserlichen Gottesacker, angelegt wurden. Der Architekt der neuen Trakte war Josef Mauritius Stummer. An die unter Kaiser Franz I. erfolgte Erweiterung erinnert die Widmungsinschrift am späteren Richter-Tor an der Garnisongasse: SALUTI ET SOLATIO AEGRORUM FRANCISCUS I. MDCCCXXXIV („Dem Heil und Wohl der Kranken, Franz I., 1834“). Auf entsprechende Bemühungen des Pathologen Carl Rokitansky geht die Erbauung des Pathologischen Instituts im Hof 10 zurück. Das vom Architekt Ludwig Zettl entworfene Gebäude Abgerufen am 2. August 2025. wurde 1862 eröffnet. Im Jahr 1882 erfuhr es eine Aufstockung.
Der Architekt Max Fleischer entwarf die 1903 errichtete Synagoge des Allgemeinen Krankenhauses im Hof 6. Ab 1904 erfolgte außerhalb des späteren Campus-Areals eine bauliche Erweiterung des Krankenhauses durch die Neuen Kliniken, die nur zum Teil realisiert wurden. Die Synagoge wurde im „Anschluss“-Jahr 1938 beschädigt. Den Zweiten Weltkrieg überstanden die Krankenhausbauten ohne Kriegsschäden. Die ehemalige Synagoge wurde 1953 zu einer Transformatorenstation umgebaut. Dabei wurden deren erhaltene Innenausstattung zerstört. Im Zuge einer Modernisierung des Transformators in den 1970er Jahren wurde auch die Fassade der früheren Synagoge stark verändert. In den Narrenturm zog 1971 das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum ein.
Umgestaltung zum Universitätscampus mini|Altes Allgemeines Krankenhaus im Juni 1983
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich abgezeichnet, dass das Areal zu klein und ungeeignet für die steigenden Ansprüche des Krankenhausbetriebs wurde. Der Beschluss, das Neue Allgemeine Krankenhaus zu errichten, wurde in den 1950er Jahren gefällt. Die Bauarbeiten zu den zwei großen Bettentürmen und den Nebengebäuden des neuen Spitals begannen 1964. Die Gebäude des Alten Allgemeinen Krankenhauses standen zu etwa zwei Dritteln im Besitz der Stadt Wien und zu einem Drittel im Besitz der Republik Österreich. Der Wiener Bürgermeister Franz Jonas gab anlässlich der 600-Jahr-Feier der Universität Wien im Jahr 1965 bekannt, dass die Stadt Wien erwog, ihren Anteil nach Fertigstellung des neuen Krankenhauses der Universität zu schenken. Ein eigener Universitätscampus in der Nähe des Schottentors war bereits 1365 in der Gründungsurkunde der Universität Wien von Herzog Rudolf IV. vorgesehen, jedoch nie verwirklicht worden.
Die rechtlichen Voraussetzungen für die Schenkung wurden mit dem Universitäts-Organisationsgesetz 1975 geschaffen. Die Fertigstellung des neuen Krankenhauses verzögerte sich immer wieder, auch wegen der Aufdeckung des AKH-Skandals 1980. Die Internationale Gesellschaft für Stadtgestaltung mit Sitz in Wien schlug 1985 eine Vielzahl an Varianten für die Nachnutzung des alten Krankenhausgeländes vor. Darunter war auch die Umwandlung in ein Wohngebiet, das sich für die Stadt wegen Auflagen des Denkmalschutzes letztlich als zu teuer erwies. Die in Wien regierende Sozialdemokratische Partei Österreichs lobte 1987 einen Ideenwettbewerb zur Nachnutzung des Gebäudekomplexes aus. Diesen gewann eine Bürgerinitiative, die sich für eine Erhaltung des historischen Baubestands und eine Begrünung der Höfe einsetzt. Die Vorstellungen der Bürgerinitiative wurden letztlich weitgehend umgesetzt.
Nach einer Nutzbarkeitsanalyse unterzeichneten der Wiener Bürgermeister Helmut Zilk und der Universitätsrektor Wilhelm Holczabek am 7. Dezember 1988 den Notariatsakt zur Schenkung, mit der der städtische Anteil des Alten Allgemeinen Krankenhauses in den Besitz der Universität Wien kam. Die Stadt Wien setzte als Bedingung für die Schenkung fest, dass ein Teil des Areals der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden sollte. Ein an der Garnisongasse gelegener Hof wurde der Oesterreichischen Nationalbank für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes verkauft und der Erlös für den Umbau des Krankenhauses zum Universitätscampus verwendet. Die übrige benötigte Finanzierung wurde von der Republik Österreich und durch von der Universität eingeworbene Drittmittel sichergestellt. Die Universität, für die der Umbau das größte Bauprojekt im 20. Jahrhundert bedeutete, erarbeitete dafür ein Leitprogramm und beauftragte 1992 unter ihrem damaligen Rektor Alfred Ebenbauer das in der ARGE Architekten Altes AKH zusammengeschlossene Architektenteam Hugo Potyka, Friedrich Kurrent, Johannes Zeininger, Sepp Frank, Rudolf Zabrana und Ernst M. Kopper mit der Bauplanung. Das Neue Allgemeine Krankenhaus wurde 1994 fertiggestellt und die letzten Kliniken aus dem Alten Allgemeinen Krankenhaus abgesiedelt. Die eigentlichen Bauarbeiten am Campus dauerten von 1995 bis 1998.
Seit der Eröffnung 1998 mini|hochkant|Gedenkort Marpe Lanefesch, eröffnet 2005
Der Rektor der Universität Wien Wolfgang Greisenegger und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl eröffneten den Campus nach zehnjähriger Planungs- und Bauzeit am 16. Oktober 1998. Die Universität siedelte hier vor allem geisteswissenschaftliche Institute an, die zuvor im Neuen Institutsgebäude (NIG) beheimatet gewesen waren. Die begrünten Höfe sowie die Gastronomie- und Geschäftslokale am Campus standen seit der Eröffnung der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung.
Nach Plänen von Hugo Potyka, Friedrich Kurrent, Johannes Zeininger und Ernst M. Kopper wurde von 2002 bis 2003 ein neues Hörsaalzentrum im Hof 2 erbaut. Für die ehemalige Synagoge sah die ARGE Architekten Altes AKH ursprünglich die Reaktivierung als jüdisches Bethaus und die Integration in einen „Platz der monotheistischen Weltreligionen“ vor, auf dem auch eine kleine Moschee und eine orthodoxe Kirche errichtet worden wären. Stattdessen wurde der Synagogenbau nach einem Konzept der Künstlerin Minna Antova zum begehbaren Gedenkort Marpe Lanefesch () umgestaltet, der 2005 eröffnet wurde. Hier befindet sich seit 2009 auch das handgeschriebene Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus der Universität Wien im Jahr 1938. Das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum im Narrenturm wurde 2012 organisatorisch als pathologisch-anatomische Sammlung in das Naturhistorische Museum Wien eingegliedert.
Das zwanzigjährige Jubiläum des Campus 2018 nutzte die Universität als Auftakt zu einer Weiterentwicklung des Areals bis 2025. Im Zuge dessen sollte sich der Campus als universitärer Arbeitsplatz, als einzigartige „Grünoase“ im Stadtgebiet und als beliebter Ort der freien Begegnung und Kommunikation nach dem Vorbild des Wiener MuseumsQuartiers positionieren. Eine Generalsanierung des Narrenturms, verbunden mit einer Neuaufstellung der pathologisch-anatomischen Schausammlung, wurde 2020 abgeschlossen. Seit Mitte 2021 ist der Campus eine autofreie Zone.
Areal Überblick mini|Sonnenfels-Tor an der Alser Straße