mini|300px|Fachwerkhäuser in der Altstadt mini|Blick auf Schmalkalden aus einer neuen Perspektive Schmalkalden ist eine Stadt im Südwesten des Freistaates Thüringen. Die lange Zeit zu Hessen gehörende Fachwerk- und Hochschulstadt liegt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen, südwestlich des Thüringer Waldes, und ist Teil des kreisübergreifenden und funktionsteiligen Oberzentrums Südthüringen.
Geographie mini|Dächer der Altstadt und die Kirche St. Georg vom Schloss Wilhelmsburg aus gesehen Die Stadt liegt am Südwesthang des Thüringer Waldes am Zusammenfluss der Schmalkalde und der Stille sowie der Schmalkalde und der Werra.
Angrenzende Gemeinden sind Breitungen/Werra, Fambach, Floh-Seligenthal, Steinbach-Hallenberg, Christes, Wasungen, Schwallungen und Rosa.
Geschichte Schmalkalden trat im Jahre 874 erstmals als „villa Smalacalta“ in einer Urkunde neben Wasungen und Schwallungen als einer derjenigen Orte im Grabfeldgau auf, die die dem fränkischen Hochadel angehörige Edle Kunihilt dem Kloster Fulda übereignete.
Während der Auseinandersetzungen um den Königsthron zwischen dem Staufer Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto IV. wurde der Ort im Jahr 1203 zerstört. Elisabeth von Thüringen verabschiedete sich 1227 in Schmalkalden von ihrem Gatten, Landgraf Ludwig IV. von Thüringen. Ludwig zog über Hessen, Franken, Schwaben und Bayern nach Italien, um dort mit dem Kreuzzugsheer von Kaiser Friedrich zusammenzutreffen. Am 12. September, kurz nach der Einschiffung in Otranto, starb er an einer Infektion. Ein Jahr später erfolgte zur Feier des Sieges Graf Poppos XIII. von Henneberg († 1245) über den Würzburger Bischof Hermann I. von Lobdeburg in Metzels die Gründung des Schmalkalder Nikolausmarktes. 1247 gelangte Schmalkalden nach dem Tod Heinrich Raspes, des letzten ludowingischen Landgrafen von Thüringen, und im Verlauf des daraufhin einsetzenden thüringisch-hessischen Erbfolgekriegs an die Grafen von Henneberg.
Stadtwerdung Schmalkalden wurde 1250 erstmals in einer Urkunde als Stadt erwähnt (cives) und erhielt 1335 das Stadtrecht von Gelnhausen.Volker Wahl: Ursprung und Entwicklung der Stadt Schmalkalden im Mittelalter. In: Leitung des Museums Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte Schmalkaldens. Museum Schloss Wilhelmsburg, Schmalkalden 1974, S. 13–34, hier S. 20. Das Stadtsiegel zeigt im Bild: „über einer Mauer mit Tor zwischen zwei Türmen eine Henne auf einem Berg“. Es vereinigt die Merkmale der Stadtarchitektur (Stadtmauer, Türme, Stadttor) mit der durch ihre Größe hervortretenden landesherrschaftlichen Wappenfigur der Henne. Bereits 1272 wurde dieses Siegel als Zeugnis der städtischen Selbstverwaltung benutzt und diente in späterer Zeit als Vorlage für die Ausgestaltung des Stadtwappens.Siegel dreier Hennebergischer Städte. In: Thomas Wurzel (Hrsg.): Wer beschützet und erhält ... Verborgene Schätze aus thüringischen Archiven. Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Frankfurt am Main 1999, S. 35.
1320 erfolgte die Gründung des Kollegiatstiftes St. Egidii und Erhardi und des Augustinerklosters in Schmalkalden. Landgraf Heinrich II. von Hessen bestätigte 1360 in einem Brief, dass er gemeinsam mit Elisabeth von Henneberg-Schleusingen, der Witwe des Grafen Johann I. von Henneberg-Schleusingen, Stadt und Amt Schmalkalden sowie Herrenbreitungen „mit Zubehör“ von Albrecht von Nürnberg gekauft habe und mit ihr dazu einen gegenseitigen Erbvertrag abgeschlossen habe. Der Kaufpreis für die beiden Orte betrug 43.000 Goldgulden. Damit wurde die hennebergisch-hessische Herrschaft über Schmalkalden begründet. Durch das nun einsetzende Kondominium wurde die Stadt Schmalkalden geteilt. Östlich und südlich des Schmalkaldekunstgrabens befand sich die hennebergische Hälfte, jenseits des Grabens die hessische Seite. Beide hatten mit dem Hessenhof und dem Henneberger Hof eine eigene Verwaltung in der Stadt. Die sofort ausbrechenden Macht- und Positionskämpfe wirkten sich negativ auf die Herrschaft aus.
Spuren jüdischen Lebens ließen sich mit der Freilegung der Mikwe aus dem 14. Jahrhundert belegen.
Das Rathaus wurde 1419 gebaut. 1437 begann der Bau der Stadtkirche.
16. bis 19. Jahrhundert mini|hochkant=1.5|Schmalkalden – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian (1655) mini|Schloss Wilhelmsburg mini|Blick auf Schmalkalden um 1840 Als Exklave und Mittelpunkt der Herrschaft Schmalkalden gehörte die Stadt Schmalkalden seit 1360 zur Hälfte, ab 1584 vollständig, fast 600 Jahre lang zu Hessen.
Bekannt ist Schmalkalden insbesondere durch den 1531 unter der Mitführung des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen während des Konvents in Schmalkalden geschlossenen Schmalkaldischen Bund, in dem sich die protestantischen Reichsstände zusammenschlossen, nachdem Kaiser Karl V. auf dem Augsburger Reichstag 1530 die Confessio Augustana, d. h. das protestantische Glaubensbekenntnis, abgelehnt hatte. In der Zeit des Bestehens des Schmalkaldischen Bundes zwischen 1530 und 1547 fanden in Schmalkalden sieben der insgesamt 26 Bundestagungen statt. 1546/47 gipfelten die Auseinandersetzungen zwischen dem Bund und dem Kaiser im Schmalkaldischen Krieg.
Mit dem Tod des hennebergischen Fürstgrafen Georg Ernst im Jahre 1583 starb die hennebergische Erblinie aus. Damit trat der Erbvertragsfall ein, der die seit 1360 andauernde hennebergisch-hessische Doppelherrschaft beendete. Ab 1584 regierte der hessische Landgraf Wilhelm IV. allein in der Stadt und der Herrschaft Schmalkalden. Von 1585 bis 1590 ließ Wilhelm IV. die nach ihm benannte Wilhelmsburg anstelle der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg Waltaff errichten.Norbert Krah: Das Eisenhandwerk und die metallverarbeitende Industrie in Schmalkalden. Resch, Meiningen 2006.
In der Zeit der Hexenverfolgung starb 1605 die Beschuldigte Anna Bühn im Gefängnis; das Verfahren gegen Osanna Abe 1657–1659 endete mit einem Landesverweis.Kai Lehmann: Unschuldig. Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes. Über 500 recherchierte Fälle aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Wehry-Verlag, Untermaßfeld 2012, ISBN 978-3-9813902-8-5, S. 314 f.Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum (= Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland. Band 2). DOBU-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-934632-03-3, S. 244 f. (zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2000).
1611 durften sich wieder jüdische Familien in Schmalkalden niederlassen. Um 1611 wurde ein jüdischer Friedhof angelegt, 1622 folgte der Bau einer Synagoge.
Über mehrere Jahrhunderte saßen Schmalkaldener Deputierte in den Landtagen der Landgrafschaft Hessen-Kassel (bis 1803), des Kurfürstentums Hessen (1831 bis 1866) und im Provinziallandtag der Provinz Hessen-Nassau (1886 bis 1933).
20. Jahrhundert bis heute mini|Schmalkalden um 1900 mini|Altmarkt und Stadtkirche St. Georg
Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus setzte die Verfolgung von Menschen aus politischen, rassistischen und religiösen Gründen ein. Zu den dabei Ermordeten gehörten der Gründer und Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung Die Volksstimme, Ludwig Pappenheim, der im Januar 1934 im KZ Neusustrum erschossen wurde. Nach Kriegsende gab sich der Ort Kleinschmalkalden den Namen Pappenheim, aber legte ihn nach 1990 wieder ab, ebenso die ehemalige Schule im Walperloh, die seit 1987 seinen Namen trug.
Der Mitbegründer des KJVD Hermann Danz hatte Kontakte zur Widerstandsgruppe Neubauer-Poser in Jena, wurde aber entdeckt, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und 1945 in Brandenburg-Görden hingerichtet. Die nach ihm benannte Schule in der Renthofstraße legte 1990 ihren Namen ab, auch eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus Klinge 26 wurde entfernt. 2013 wurde an der ehemaligen Hermann-Danz-Schule eine Gedenktafel angebracht.100 Jahre Knabenschule: Gedenktafel für Hermann Danz enthüllt. Wochenspiegel Thüringen, 5. Juni 2013. In der Parkanlage Pfaffenbach erinnert ein Gedenkstein an ihn. Auf dem Friedhof Im Eichelbach erinnern Gedenksteine an beide Widerstandskämpfer.
Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge in der Judengasse am 9. November 1938 geschändet, Kultgegenstände öffentlich verbrannt und das Gebäude am folgenden Morgen mit Dynamit gesprengt. Auch wurden Geschäfte in jüdischem Besitz zerstört. Alle jüdischen Bewohner wurden festgenommen. Während die Frauen bald freigelassen wurden, mussten die Männer am 10. November 1938 Aufräumarbeiten an der zerstörten Synagoge und den beschädigten Geschäften leisten. Danach wurden etwa 50 männliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde in das KZ Buchenwald verschleppt.Schmalkalden. In: Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen. Kooperationsprojekt „MENORA | Jüdisches Leben in Thüringen“ (Friedrich-Schiller-Universität Jena und Förderverein für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen e. V.), abgerufen am 13. November 2023. Danach emigrierten die jüdischen Familien und die Familien der Sinti. Etwa 15 Personen wurden 1942 als die letzten verbliebenen Juden in die Vernichtungslager des Ostens deportiert. Das mittelalterliche Tauchbad gegenüber der Synagoge wurde 2015 wiederentdeckt.
Die Erbgesundheitsgerichte veranlassten die Zwangssterilisation von 272 Menschen. Aus der Christlichen Pflegeanstalt Schmalkalden-Aue wurden im Zuge der Aktion T4, des Euthanasie-Programms, 113 Frauen und Männer ermordet. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 1.755 Kriegsgefangene, sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: auf dem Friedhof, im Stadtbauamt, im Gaswerk, im Krankenhaus, im Schlachthof, beim Straßenbau, im Forstamt, in der Bohrmühle, bei der Firma Gebrüder Heller, bei der Firma H. A. Erbe und bei der Firma Karl Braun. Insgesamt 74 Frauen, Kinder und Männer starben durch die Zwangsarbeit und sind auf dem Friedhof Im Eichelbach begraben.
Schmalkalden war im Zweiten Weltkrieg zweimal das Ziel von Luftangriffen schwerer strategischer Bomber der 8th US Air Force. Am 20. Juli 1944 griffen etwa 30 (geplant 80) B-24 „Liberator“ und am 6. Februar 1945 32 B-17 „Flying Fortress“ mit 75 Tonnen Bombenlast die Stadt an.Roger A. Freeman, Alan Crouchman, Vic Maslen: Mighty Eighth War Diary. Jane’s, London u. a. 1981, ISBN 0-7106-0038-0, S. 300, 434. Es gab zusammen 88 Tote, viele Verletzte und schwere Schäden an Wohnhäusern und Industrieanlagen. Am 6. Februar 1945 wurde der Baubestand der Altstadt erheblich betroffen: besonders die Gebäude in der Haindorfsgasse, vorwiegend zwei- und dreigeschossige, meist verputzte Fachwerkhäuser des 16. bis 18. Jahrhunderts, sowie Teile der Marktbebauung.Rudolf Zießler: Schmalkalden. In: Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Eine Dokumentation der Schäden und Totalverluste auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Band 2: Bezirke Halle, Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Erfurt, Gera, Suhl. Henschel-Verlag, Berlin 1978, ISBN 3-406-03913-8, S. 528–529. Ein Teil der zugedachten Bombenlast ging außerhalb der Stadt nieder, besonders in der Queste, aber auch in anderen thüringischen Orten.
Am 3. April 1945 besetzten US-Truppen die Stadt. An dieser Stelle zu erwähnen ist der mutige Einsatz des Chefarztes der Schmalkalder Klinik Friedrich Jahn, der sich den Anweisungen der deutschen Wehrmacht widersetzte und somit für eine kampflose Übergabe Schmalkaldens an die Amerikaner sorgte. Anfang Juli 1945 übergaben die amerikanischen Truppen die Stadt der Roten Armee. Schmalkalden wurde wie das gesamte Land Thüringen gemäß alliiertem Übereinkommen der SBZ zugeschlagen und war mit der DDR-Staatsgründung 1949 Teil des Arbeiter- und Bauernstaates. Zur Mahnung an die Auswüchse des Stalinismus sowie zur Erinnerung an dessen Opfer in der Stadt wurde am ehemaligen Amtsgerichtsgebäude eine Gedenktafel angebracht.