Casper van Senden oder Zenden (* vor 1565 vermutlich in Lübeck; † nach 1601) war ein hansischer Kaufmann in London und Lissabon, der im Englisch-Spanischen Krieg im Gefangenenaustausch und Sklavenhandel tätig war.
Leben Herkunft mini|Renaissance-Haus der Familie van Senden mit Terrakotten des Statius von Düren am Kohlmarkt 13 in Lübeck; 1564 erbaut, 1942 kriegszerstört|150px Über Casper van Sendens Leben ist wenig bekannt. Er gehörte einer sehr wahrscheinlich ursprünglich aus Westfalen (Senden im Münsterland)So auch Martin Crusius: „à Senden (oppido Westfaliae)“ zu Theodor von Senden aus Lübeck; Wilhelm Göz, Ernst Conrad (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. II 1598–1599. H. Laupp, Tübingen 1931, S. 4. stammenden,Anton Fahne: Die Westphalen in Lübeck. Johann Mathias Heberle, Heinrich Lempertz, Köln / Bonn 1855, S. 30.Wegen Stammverwandtschaft mit den → Schuler von Senden, die ein anderes Wappen führen, vermuten andere den Stammsitz in Sehnde bei Hannover; vgl. aber zur westfälischen Herkunft Harald K. Sorger: Johann Beckmanns genealogische Schriften. In: Hans-Peter Müller, Ulrich Troitzsch (Hrsg.): Technologie zwischen Fortschritt und Tradition. Peter Lang, Frankfurt am Main 1992, S. 195–210, bes. S. 203 Anm. 11; Harald K. Sorger: Der Abschiedsbrief der Mutter. In: Günter Bayerl, Jürgen Beckmann (Hrsg.): Johann Beckmann (1739-1811). Waxmann, Münster 1999, S. 3–13, bes. S. 6f. wahrscheinlich über Celle eingewandertenZahlung auf einen Kammerbrief am 24. Dezember 1562: „1500 Joachimstaler, Hans von Senden aus Celle, 75 Taler“; Staatsarchiv Hamburg (311-1 I Befristete Kammerbriefe, 586) = Zahlung zu Nativitatis Christi (= 24. Dezember) 1562: „1500 Ioachimicis ab Hans vann Senden cive Lubecensi, quo quibus pendentur eidem quotannis 75 Ioachimici“; Karl Koppmann (Bearb.): Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg. 1555–1562. Gräfe & Sillem, Hamburg 1894, S. 343 (Google-Books). Die Angabe des Wohnsitzes „Celle“ bei Ausstellung der 5 %-Kammerbriefe (Schuldverschreibungen der Stadt Hamburg) wurde bei späteren Zahlungen an Hans von Senden (I.) und seine Erben in Lübeck offenbar teilweise beibehalten.Johann Heinrich Büttner: Die von Senden. In: Genealogiae Oder Stamm- und Geschlecht-Register der vornehmsten Lüneburgischen Adelichen Patricien-Geschlechter. Georg Friedrich Schultze, Lüneburg 1704, S. 283–286 mit Abb. des Wappens (Google-Books). lübischen Kaufmannsfamilie an. Als grundbesitzende Lübecker Bürger (cives Lubecenses) dieses Namens werden im 16. Jahrhundert urkundlich nur erwähnt:Hans Meyer (Bearb.): AH 04 Profanbauten Altstadt: Hauseigentum, Hauseigentümer. Archiv der Hansestadt Lübeck, S. 30 (PDF), und AK.07: Profanbauten Altstadt: Kohlmarkt 1-21, S. 6–8. Archiv der Hansestadt Lübeck (PDF der Stadt Lübeck).
Hans van Senden (Santen) I. († um 1548), seit 1514 durch Einheirat Hausbesitzer, 1534 einer der Älterleute der Krämerkompagnie;Carl Friedrich Wehrmann: Die älteren Lübeckischen Zunftrollen. Friedrich Asschenfeldt, Lübeck 1864, S. 290 (Google-Books); Hans Meyer (Bearb.): AH 04 Profanbauten Altstadt: Blocksquerstr. 1–28, Braunstr. 1–38. Archiv der Hansestadt Lübeck, S. 17 (PDF der Stadt Lübeck). sein Sohn Hans van Senden II. († 1569),1557 einer der Waisenpfleger; Wilhelm Brehmer: Lübeckische Häusernamen. H. G. Rahtgens, Lübeck 1890, S. 7 und 87f (Google-Books). ein Krämer,Der Krämer Hans van Senden ließ 1564 das Haus Kohlmarkt 13 erbauen; Carl Georg Heise: Lübeck im Bilde. Karl Curtius, Berlin 1929, Nr. 55; Adolf Bernt: Deutsche Bürgerhäuser. Ernst Wasmuth, Tübingen 1968, S. 39. verheiratet seit 1555 mit Anna (Anneke) Reuter (1533–1602), Tochter des Lübecker Kaufmanns (und Kapitalpartner des Statius von Düren) Gerhard Reuter (Gerdt Ruyter de Oude) (1491–1564) aus Zutphen und seiner zweiten Frau (⚭ 1531) Margaretha Carstens;Ehrenreich Christoph Koch: Pom̃er- und Rügensche Beyträge zum Dienste der Wissenschaften, Bd. I. Berger & Boedner, Rostock / Wismar 1755, S. 673 (Google-Books); Olaf Welding: Zur Genealogie noch blühender baltischer Geschlechter lübischer Herkunft. In: Baltische Hefte 2,4 (1955/56), S. 57–62. deren Söhne, Hans van Senden III. († 1607), vielleicht verheiratet mit Anna tom Sode († nach 1610), Tochter von Berend von Sode (⚭ II. 1610 Gillies Daniels aus Dortmund),Anton Fahne: Die Westphalen in Lübeck. Heberle (Lempertz), Köln und Bonn 1855, S. 125 (Google-Books). Gert van Senden I. († 1614),Die Grabstätte für „Hans van Senden vn Gerdt van Senden vnd eren beider erven“ befindet sich in der Petrikirche. Die Wappengrabplatte für das Familiengrab ist beschrieben, aber heute nicht mehr vorhanden; Klaus Krüger: Corpus der mittelalterlichen Grabdenkmäler in Lübeck, Schleswig, Holstein und Lauenburg (1100–1600). (Kieler historische Studien 40). Jan Thorbeke Verlag, Stuttgart 1999, S. 996. Kaufmann, handelte mit RevalRatssitzung vom 13. März 1563; Roland Seeberg-Elverfeld: Aus dem Alltag der Beziehungen Revals zu den livländischen Städten im 16. Jahrhundert. In: Jürgen von Hehn, Csaba János Kenéz (Hrsg.): Reval und die baltischen Länder. Festschrift für Hellmuth Weiss. J. G. Herder-Institut, Marburg 1980, S. 243–262, bes. S. 261. und Antwerpen.Verzeichnis hansischer Außenstände, 7. Oktober 1578; Konstantin Höhlbaum (Bearb.): Inventare hansischer Archive des 16. Jahrhunderts, Bd. II Kölner Inventar, Teilband 2 1572-1591. Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 520 (Google-Books). GerdtHeinrich Brockes I. benennt Gerdt von Sanden und die beiden anderen Schwäger als seine drei Vormünder (um 1586); Carl Wilhelm Pauli: Aus dem Tagebuche des Lübeckischen Bürgermeisters Henrich Brokes. In: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte 1 (1860), S. 79–92, 173–183, 281–347; 2 (1867), S. 1–37, 254–296, 367–470, bes. 1 (1860), S. 174 (Google-Books); vgl. S. 90f (und S. 180), dort verlesen „Cordt von Sanden“ (Google-Books). bzw. GerhardAnton Fahne: Geschichte der Freiherren und Herren von Hövel, Bd. I/2. J. M. Heberle / H. Lempertz, Köln 1860, S. 10 (Google-Books). I. von Senden, „eines reichen und vornehmen Kramers Sohn“, heiratete 1581 auf Wunsch ihres Vaters die Tochter Catharina (* 1561; † nach 1603) des Bürgermeisters Johann Brokes und hatte mit ihr 10 Kinder. Um 1603 musste er die Stadt wegen finanzieller Probleme für einige Zeit verlassen.Gerdt von Sanden hatte sich für seinen Schwager Hans Brokes (1564–1604) verbürgt, der sich im Spanienhandel überschuldete; Carl Wilhelm Pauli: Aus dem Tagebuche des Lübeckischen Bürgermeisters Henrich Brokes. In: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte 1 (1860), bes. S. 87f und S. 91 (Google-Books).
Vernetzung der Familie im Lübecker Patriziat mini|links|Wappen der Familie van Senden|150px Aus CelleBürgermeister Lüdecke d. Ä. von Sehnden 1522, Bürgermeister Lüdecke Jun. von Sehnden 1549 und Bürgermeister Hanß von Sehnden 1596; Christoph Lorenz Bilderbeck: Zellisches Stadt-Recht. 2. Auflage Hieronymus Friedrich Hoffmann, Celle 1712, unpaginiert (s. v. „Sehnden“) (Google-Books). wanderte über Lüneburg aus derselben FamilieLübecker und Celle-Lüneburger van Senden führen dasselbe Wappen: in Rot ein umgestürzter silberner Halbmond, darüber ein goldener sechsstrahliger Stern; Stephanie Westermann: Die Vertäfelung des sogenannten Fredenhagen-Zimmers von 1572/1583 im Haus der Kaufmannschaft zu Lübeck. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 83 (2003), S. 101–155, bes. S. 114 und 121 (PDF). auch Georgius von Senden (* 1558; † nach 1599) nach Lübeck ein. Barbara, die Frau des wohlhabenden KrämersClaus von Bercken, Bürger und Krämer in Lübeck, contra Jürgen (Georg) Ramelen zu Weitenhagen (Wytowno) gesessen, 1581; Archiwum Państwowe w Szczecinie – Staatsarchiv Stettin (Sąd Nadworny w Stargardzie – Gerichtshof in Stargard 2.11/116). Claus von Berken († vor 1586), führte das Wappen der van Senden. Schnittkermeister Hans Drege hat es auf der Täfelung des 1572–1583 ursprünglich für das Haus Schüsselbuden 16 bestimmten sogenannten Fredenhagen-Zimmers in Holz ausgeführt. Margarethe von Senden heiratete den ReederEintrag vom 31. August 1568 im London Port Book (Bl. 241b); Brian Dietz (Hrsg.): The Port and Trade of Early Elizabethan London. Documents. London Record Society, London, 1972, Nr. 780 (online bei British History Online); 4. Relation vom 17. Oktober 1589; Jürgen Harder: Relationen (Rechtsgutachten) für den Lübecker Rat. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 76 (1996), S. 91–129, bes. S. 118–126 (PDF) Luder van Dorne († 1609),Alexander Francis Cowan: The Urban Patriciate. Lübeck and Venice 1580–1700. (Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte 30). Böhlau, Köln / Wien 1986, S. 156. einen Sohn des Ratsherren Hermann von Dorne,Pierre Jeannin: Die Rolle Lübecks in der hansischen Spanien- und Portugalfahrt des 16. Jahrhunderts. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 55 (1975), S. 5–40, bes. S. 23 Anm. 55. Catharina van Senden den Kaufmann und Ratsherren Jürgen Pavels (Paulsen). Jochim von Senden (Senndenn) († 1613) leistete den Bürgereid, war 1599 Mitglied der Brüderschaft des gemeynen Kaufmans und 1606 rechnungsführender Frachtherr der Rigafahrer.Franz Siewert (Bearb.): Geschichte und Urkunden der Rigafahrer in Lübeck. (Hansische Geschichtsquellen. Neue Folge 1). Pass & Garleb, Berlin 1897, S. 58, 90f, 226, 277–282 u. ö. (Digitalisat im Internet Archive). Theodor von Senden (* um 1560; † 1610) war promovierter Jurist und Präzeptor von Prinzen der herzoglichen Höfe von Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg und Mecklenburg an verschiedenen Universitäten. Er schlug einen Ruf auf die Nachfolge von Bartholomäus Cling an der Universität Rostock aus und starb kurz vor der Hochzeit mit Magdalena (* um 1564; † 1646), Tochter des Lübecker Bürgermeisters Dietrich von Broemse und Witwe des Johann von Hoeveln (1562–1607).Johann Kirchmann: Oratio in obitum Ignatii Hannieli (1613). In: Johann Melchior Kraft: Ein Zweyfaches Zweyhundert-Jähriges Jubel-Gedächtnis … einer … Reformation, so durch Gottes Segen 1522 zu allererst in diesen Hertzogthümern, Schleßwig und Holstein … in dieser Stadt Husum angefangen worden. Johann Wolfgang Fickweiler, Hamburg 1723, S. 577–583, bes. S. 579f (Google-Books); hier ungenau: „Margareta Bromsia“. Engel von Senden (* um 1560/65; † 1620), eine Tochter des Hans von Senden (II.), heiratete 1588 den Lübecker Kauf- und Handelsmann Albert Ritter († 1610), Sohn von Henrich Ritter aus Westfalen.Jacob von Melle: Rühmlich-geführter und Selig-beschlossener Lebenslauff Des … Herrn, Hn. Johannis Ritters, … ältesten Bürgermeisters der Käyserl. Freyen und des H. Röm. Reichs Stadt Lübeck. Christoph Gottfried Jäger, Lübeck 1700, S. 2 (Digitalisat der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen); Als Der weyland Hoch-Edle, Veste und Wohl-weise Herr, Herr Gerhard Ritter, Der Käyserlichen Freyen … Reichs-Stadt Lubeck … Raths-Verwandter … Anno 1717. den 4. Jan. Dis Zeitliche geseegnet. Moritz Valentin Schmalhertz, Lübeck 1717, S. X2 (Scan 3) (Digitalisat der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen). Berendt von Senden († 1705), wohl Sohn eines Gert van Senden († um 1659), wurde 1682 Provisor (Stiftungsverwalter) des Heiligen-Geist-Hospitals.Wilhelm Plessing: Das Heilige Geist Hospital in Lübeck im 17. und 18. Jahrhundert. Max Schmidt, Lübeck 1914, S. 139–141 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
Handelsreisen zwischen England und Portugal