mini|Brückenstraße – St. Kolumba mit Nordansicht der Kirche (um 1680) Die Brückenstraße ist eine 176 Meter lange Straße in der Kölner Altstadt-Nord.
Lage Die Brückenstraße verläuft von der Hohe Straße in westlicher Richtung bis zur Herzogstraße/Kolumbastraße. Ihre westliche Verlängerung ist die Glockengasse, die östliche heißt Obenmarspforten. Zwischen Hohe Straße und der Kreuzung Ludwigstraße wurde eine Fußgängerzone eingerichtet. Über einen Teil der Brückenstraße verläuft der Kölner Rosenmontagszug.
Geschichte mini|Brückenstraße – St. Kolumba mit integriertem Restmauerwerk
Frühes Mittelalter Wohl im Frühmittelalter spielte sich in der Brückenstraße die Legende vom Marienbild zu Köln ab.Alfred von Reumont (Hrsg.), Rheinlands Sagen, Geschichten und Legenden, 1844, S. 47 f. Ein in der Brückenstraße wohnender, hochverschuldeter Kaufmann namens Albert war von der Strafe des Schuldturms bedroht. Er war Gläubiger von und Bürge für Handelshäuser in Lübeck und Venedig, die in Konkurs gegangen waren.Ernst Weyden (Hrsg.), Kölns Legenden, Sagen, Geschichten, 1839, S. 26 ff. Albert traf in seiner Not zufällig am Bayenturm auf einen venezianisch gekleideten Kaufmann, der ihm finanzielle Unterstützung bot, wenn Albert seine Ehefrau dem Venezianer in spätestens 12 Jahren verschreibe. Nach Abgabe dieses Versprechens verhalf ihm der Venezianer zu Reichtum. Zum Fristablauf fuhr Albert mit seiner Frau (diese in Form eines Geistes) zur Severinstorburg, wo der Venezianer unerwartet die Verschreibung für nichtig erklärte. Grund war, dass die verschriebene Gattin am Morgen zur Jungfrau Maria in St. Maria im Kapitol gebetet und Hilfe bekommen hatte. Alberts Haus soll in der Brückenstraße Nr. 5 gelegen haben.
Bebauung Erstes Bauwerk auf der – damals noch unbenannten Straße – war die im Jahre 980 erstmals belegte Kirche St. Kolumba (später Nr. 46), die älteste selbständige Pfarrkirche in Köln; sie wurde 1135 erstmals als PfarrkircheHiltrud Kier/Ulrich Krings, Kirchen in gotischer Zeit, 1984, S. 250 mit vornehmem Rang () erwähnt.Peter Fuchs (Hrsg.), Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band I, 1990, S. 144 Bürgermeister Dietrich von der Mühlengasse besaß um 1179 einen Hof in der BrückenstraßeManfred Groten, Köln im 13. Jahrhundert, 1998, S. 159 in Höhe der Kirche, auch Gottfried von Wetterhahn.Manfred Groten, Köln im 13. Jahrhundert, 1998, S. 177 Im Jahre 1260 wird erstmals das „Haus Zur Lilie“ erwähnt, das 1445 durch Robert Blitterswich erworben wurde. Die Errichtung des Beginen-Konvents „Buntouge“ in der Brückenstraße Nr. 40 erfolgte im Mai 1282 durch Johannes Buntouge.Historischer Verein für den Niederrhein (Hrsg.), Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiözese Köln, Bände 110–114, 1927, S. 156 Im Jahre 1689 wurde er zuletzt als „Konvent zum Bündchen“ erwähnt.
Spätmittelalter Der Straßenname zu Römerzeiten () erinnert an die im Juli 1417 gegründete Deutzer Fähre, deren Anlegestelle weiter östlich rheinwärts in Höhe der Brückenstraße lag.Helmut Signon/Klaus Schmidt, Alle Straßen führen durch Köln, 2006, S. 110 Die Besiedlung der Straße im Umfeld von St. Kolumba begann jedoch später, als der damals wohl reichste und mächtigste Bürger Kölns, Gerhard Scherfgin, ab September 1301 dort das „Haus de Strungede“ besaß.Historisches Archiv der Stadt Köln (Hrsg.), Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, Ausgaben 24-27, 1893, S. 139 Sigbert Louvenberg erbaute 1388 „Haus Groenendal“ an der damals noch „Up der bruggen“ heißenden Brückenstraße (Nr. 12).Hans Vogts, Das Kölner Wohnhaus bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, 1914, S. 45 Im Jahre 1400 erwarb Wilhelm Grin das „Haus Graloch“ in der Brückenstraße („zer Brueghen“). Das benachbarte „Haus Arck“ befand sich seit 1403 im Eigentum der Witwe Jutta von der Arken, nachdem ihr Gatte Hermann verstarb. Zu jener Zeit hieß die Straße „Up der Bruggen“. Gerhard von der Hennen kaufte 1408 vier Steinhäuser gegenüber der Kirche St. Kolumba. Seit November 1439 wohnte Ritter Johann Hirtze im „Haus zum Grin“ („großes Haus zum Grin“ oder „Gryn“; Nr. 8–10), seit Februar 1475 war ein Johann van Hielden im „Haus zum Paradies“ auf der Brückenstraße Nr. 5 gemeldet.Cybele Crossetti de Almeida, Führende Kölner Familien im Spätmittelalter, 2015, S. 254 Im August 1446 erwarb der Maler Everhard Treynkin das neben dem „kleinen Haus zum Grin“ stehende Haus (Nr. 1–3), das 1469 die Witwe Aleyd Treynkin als Erbin übernahm. Am 25. Juli 1470 übertrug Johann Hirtze die Häuser „Nuwenberg“ und „Koggen“ an Godert von Wasservasse, der sie am selben Tag zurück übertrug (Scheingeschäft).
Im „Wallbot-Bornheimschen Hof“ mit imposantem Rittertum (während der Franzosenzeit Nr. 4586, heute Nr. 12) übernachtete im Juni 1494 der römisch-deutsche König Maximilian I. für elf Tage, der ab 14. Juni 1505 diesmal als Kaiser Maximilian I. während des Kölner Reichstages hier logierte.Friedrich Everhard von Mering/Ludwig Reischert, Zur Geschichte der Stadt Köln am Rhein, Band 3, 1839, S. 21 Der im Gürzenich abgehaltene Reichstag übertraf bei weitem die Festlichkeiten des Jahres 1494.Historischer Verein für den Niederrhein (Hrsg.), Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere das Alte Erzbistum Köln, Ausgaben 41-45, 1884, S. 35 „Haus Arck“ ging im Februar 1513 auf Itgin Tack, im Mai 1514 auf Joeris Tack über.Cybele Crossetti de Almeida, Führende Kölner Familien im Spätmittelalter, 2015, S. 258
mini|350px|Brückenstraße – Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator, „Die bruck straiß“ In der Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator hieß sie „Die bruck straiß“. Sie kreuzte die heutige Hohe Straße, deren südlicher Teil „Onder Wappensticker“ (Unter Wappensticker) und deren nördlicher Teil „Onder Spoirmecheren“ (Unter Sporenmachern) hieß. Die Brückenstraße führte damals bis zur heutigen Herzogstraße (früher „Hertzoghs straiß“), die westliche Verlängerung war die Glockengasse („klocker gaß“), die östliche die Obenmarspforten („martyrportzen“). Die Karte zeigt, dass es in der Brückenstraße keine Baulücken gab. Die Kaiserliche Post eröffnete in der Brückenstraße im November 1577 ein von Thurn und Taxis betriebenes Postamt.Winfried Reinhardt, Geschichte des Kölner Verkehrs, 2017, S. 142
Das „Haus Gryn“ (oder „Grin“; Nr. 8) befand sich ab 1580 im Besitz des Bürgermeisters Caspar Kannengießer. Maria de’ Medici beschwerte sich vier Tage nach ihrer Flucht am 12. Oktober 1641 über ihre ärmliche Unterkunft im Haus „Zum Paradies“ (Nr. 5), so dass Jost Maximilian von Bronckhorst-Gronsfeld ihr eine angemessenere Unterkunft in der Sternengasse Nr. 10 verschaffte.Stefan Lewejohann, Köln in unheiligen Zeiten, 2014, S. 129 Am 21. November 1641 fand die Taufe von Maria Groensfeld, der Tochter der Gräfin Groensfeld, im „Haus zum Paradies“ statt.Kölnischer Geschichtsverein (Hrsg.), Jahrbuch, Band 22, 1940, S. 139 Im 1660 fertiggestellten „Metternicher Hof auf der Brücken“ (Nr. 5) wohnte die gräfliche Familie Wolff-MetternichLehrer-Collegium (Hrsg.), Festschrift zur Feier des Fünfzigjährigen Bestehens der Realschule I. o. (früheren höheren Bürgerschule) zu Köln, 1878, S. 363 mit dem Familienoberhaupt Johann Adolf Wolff Metternich zur Gracht (1592–1669).
Das „Haus Gryn“ gelangte inzwischen in den Besitz der Familie Wylich und von dieser zum Freiherrn von Nesselrode-Trachenberg, der es in „Nesselroder Hof“ umbenannte.Am Neumarkt Nr. 4 stand ab 1729 ebenfalls ein „Nesselroder Hof“, siehe Blankenheimer Hof (Köln) Seine weiteren Eigentümer waren der Stadt-Syndikus Nicolas Joseph Biermann (1794), DuMont Schauberg (1806) und Theodor Kamper (1832), bevor es einer Ladenpassage weichen musste.Leonard Ennen, Geschichte der Stadt Köln, 1875, S. 728 DuMont-Schauberg erwarb das Anwesen im März 1806, um hier eine Druckerei unterzubringen. Das Haus in der Brückenstraße 1–3 erwarb 1815 Friedrich Wilhelm Bemberg, der darin eine Baumwollspinnerei mit rund 150 Arbeitern einrichtete. Seit 1817 diente das „Bemberg’sche“ Haus als Kaserne.Joseph Klersch/Heribert A. Hilgers, Von der Reichsstadt zur Großstadt: Stadtbild und Wirtschaft in Köln 1794-1860, 1925, S. 183
mini|links|Kölner Stadtplan von 1752 (Johann Valentin Reinhardt, † 1769) Inzwischen hieß die Straße im Kölner Stadtplan von 1752 des Johann Valentin Reinhardt „Auf der Brucken“, ab 1797 „Auf der Brück“ und erhielt während der Franzosenzeit durch den von Ferdinand Franz Wallraf im Januar 1813 herausgegebenen Itinéraire de Cologne wie alle Kölner Straßen einen französischen Namen (),Alfred Sattler, Rheinpanoramen, 1993, S. 57 die Hausnummern wurden umgestellt. So erhielt beispielsweise „Haus Gryn“ die Nr. 4585 (vorher Nr. 8). Die Durchnummerierung berücksichtigte nicht den Beginn einer neuen Straße, so dass in der westlichen Fortsetzung der Brückenstraße, der Glockengasse, die weltberühmte Nr. 4711 angesiedelt war.
Gründerzeit mini|Brückenstraße 2–4 – Königin-Augusta-Passage (1883) Das Pfarrhaus für St. Kolumba entstand in Nr. 16 ab 1828.Johann Peter Weyer/Ulrich Bock/Werner Schäfke, Kölner Alterthümer, Band 1, 1852/1993, S. 25 Die kreuzende Ludwigstraße entstand erst vor 1844. Am 15. Dezember 1863 eröffnete die erste Kölner Ladenpassage unter dem Namen Königin-Augusta-Halle (Nr. 2–4) an der Ecke zur Hohe Straße.Peter Fuchs (Hrsg.), Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 148 Sie war benannt nach Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, Gattin von Wilhelm I.
Die Ladenpassage mit 56 Läden besaß ein verglastes Satteldach, zwei Passagenarme verbanden jeweils Hohe Straße und Brückenstraße im Winkel von etwa 90 Grad. Vom Zugang der Hohe Straße konnte man 20 Geschäfte, von der Brückenstraße aus 34 erreichen, ein Kaffeehaus und ein weiterer Laden befanden sich in der mittleren Gelenkachse.Johann Peter Weyer/Ulrich Bock/Werner Schäfke, Kölner Alterthümer, Band 1, 1852/1993, S. 29 Weiteres wesentliches Bauwerk auf der Brückenstraße war das im April 1848 eröffnete „Hotel Disch“ (Nr. 19–21) gegenüber St. Kolumba.Ph. M. Klein (Hrsg.), Der Wanderer durch Köln, 1863, S. 103
Das nach Hotelier Franz Carl Damian Disch (1821–1880) benannte „erste Haus am Platze“ profilierte vom zunehmenden Tourismus in der Stadt. In der Wirtschaftskrise geriet der Betreiber Disch AG 1928 in die Insolvenz, und die Stadt Köln erwarb das Gebäude im September 1928. Es wurde im April 1929 niedergelegt und durch ein von Bruno Paul geplantes Verwaltungsgebäude ersetzt, das im Februar 1930 unter dem Namen Disch-Haus eingeweiht wurde.
Der im Juli 1847 gegründete Greven’s Adreßbuch-Verlag domizilierte mit einem Buch- und Antiquitätenladen seit Januar 1870 in Nr. 6,Hermann Schulz (Hrsg.), Allgemeines Adressbuch für den deutschen Buchhandel…, 1872, S. 96 im Juni 1876 von Karl Warnitz & Co. übernommen. Schokoladenfabrikant Ludwig Stollwerck wohnte zwischen 1882 und 1889 in der Brückenstraße 12/Ecke Ludwigstraße, wo seine Söhne bereits im Dezember 1871 ein „Detail-Verkaufs-Magazin“ eröffneten,Sascha Widdig, Stollwerck: Schokolade aus Köln, 2013, S. 56 das 1939 abgebrochen wurde. Auf dem Foto des Metternicher Hofs um 1890 sind auch die Nachbargebäude wie Nr. 1–3 („kleines Haus zum Grin“) und Nr. 7 zu sehen.Die Handschrift auf dem Foto besagt „Von dieser Familie (Metternich, d. Verf.) viele hundert Jahre bewohnt. Paradies (das an dieser Nr. 5 vorher belegene Haus, d. Verf.) Johann vom Spiegel, … von Marsil (1338), Rembodo Scherfgin, Elisabeth Hardefust („Hartfaust“; 1403), Johann von Halderberg,…. Die Sage vom Marienbild war in diesem Hause befindlich“
1892 wurde in der Brückenstraße eine neue Fluchtlinie für den Hausbau festgesetzt, was die Häuser Nr. 7, 9 und 11 (letztere beiden gehörten Mumm von Schwarzenstein) betraf.OLG Köln, Beschluss vom 9. März 1895 Architekt Jacob Koerfer ließ für Ludwig Blatzheim und seinen Sohn Hans Herbert Blatzheim die mondäne und über Köln hinaus bekannt gewordene Bar Charlott-Chérie in Nr. 15 bauen, die im September 1927 eröffnet wurde.Jürgen Trimborn, Romy und ihre Familie, 2008, S. 156