Sitno () ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Gmina Olsztynek (Stadt- und Landgemeinde Hohenstein i. Ostpr.) im Powiat Olsztyński (Kreis Allenstein).
Geographische Lage Sitno liegt an der Südspitze des Thymau-Sees () im südlichen Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 32 Kilometer südöstlich der früheren Kreisstadt Osterode in Ostpreußen (polnisch Ostróda) bzw. 35 Kilometer südwestlich der heutigen Kreismetropole und Woiwodschaftshauptstadt Olsztyn ().
Geschichte Ortsgeschichte Das kleine Dorf Seithen (erst nach 1785 Seythen genannt) wurde 1328 gegründet und bestand aus einem Gut und ein paar Gehöften.Dietrich Lange: Seythen, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) Im Jahre 1874 wurde das Dorf in den neu errichteten Amtsbezirk Wittmannsdorf (polnisch Witramowo) im Kreis Osterode in Ostpreußen eingegliedert.Rolf Jehke: Amtsbezirk Wittmannsdorf Am 8. Dezember 1892 wurde Seythen selber Sitz eines Amtsbezirks, als sechs Orte (Landgemeinden und Gutsbezirke) aus dem Amtsbezirk Wittmannsdorf ausgegliedert und in den neu geschaffenen Amtsbezirk Seythen umgegliedert wurden.Rolf Jehke: Amtsbezirk Seythen Dieser Amtsbezirk bestand bis 1945 im Regierungsbezirk Königsberg (1905 bis 1945 Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen.
Im Jahre 1910 zählte Seythen 124 Einwohner, von denen 29 zur Landgemeinde und 195 zum Gutsbezirk gehörten. Etwa zeitgleich wurde der 1913 nobilitierte,Gothaisches Genealogische Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1915. Neunter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1914, S. 1013. nachfolgend königlich preußische Generalleutnant, Theodor von Wernitz (1848–1922) Gutsherr in Seythen. Sein Hauptgut war im benachbarten Thymau, wo er ein Familienfideikommiss bildete.
Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung in den Volksabstimmungen in Ost- und Westpreußen am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Seythen stimmten 120 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen keine Stimmen.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Hrsg. Göttinger Arbeitskreis, Göttingen 1970, S. 105.
Der Gutsbezirk und die Landgemeinde schlossen sich am 30. September 1928 zur neuen Landgemeinde Seythen zusammen. An den fiskalischen, kirchlichen und privat-rechtlichen Besitzungen änderte sich dadurch nichts, lediglich waren die Gutsbeszirke juristisch keine eigenständigen Ortschaften mit vormals sogar eigener Gerichtsbarkeit mehr. Das Rittergut beinhaltete vor 1932 eine Gesamtgröße von 780 ha, davon 225 ha. Eigentümer war der Major Alexander von Wernitz (1874–1938). Er war zugleich Amts- und Gemeindevorsteher.Vgl. Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. . In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher. Band III, 5. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Güter-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1932, S. 75.
Die Einwohnerzahl der so veränderten Landgemeinde Seythen belief sich 1933 auf 243 und 1939 auf 182.Michael Rademacher:
In Kriegsfolge kam Seythen 1945 mit dem gesamten südlichen Ostpreußen zu Polen. Seythen erhielt die polnische Namensform „Sitno“ und ist heute mit dem Sitz eines Schulzenamts (polnisch Sołectwo) eine Ortschaft im Verbund der Stadt- und Landgemeinde Olsztynek (Hohenstein i.Ostor.) im Powiat Olsztyński (Kreis Allenstein), bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren mit Amtssitz in Olsztyn (Allenstein) zugehörig.
Amtsbezirk Seythen (1892–1945) Zum Amtsbezirk Seythen gehörten bei seiner Bildung sechs Landgemeinden (LG) bzw. Gutsbezirke (GB):
Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Ganshorn b. Hohenstein Gąsiorowo Olsztyneckie Januschkau1938–45 Osterschau (LG) Januszkowo Januschkau (GB) 1928 in die Landgemeinde Januschkau eingegliedert Seythen (LG) Sitno Seythen (GB) 1928 in die Landgemeinde Seythen eingegliedert Thurowken1938–45 Turauken (LG) Turówko Thurowken (GB) 1928 in die Landgemeinde Thurowken eingegliedert 1908 wurden aus dem Amtsbezirk Seewalde in den Amtsbezirk Seythen umgegliedert: Groß Lauben Lubian Thymau (LG) Tymawa Thymau (GB) 1928 in die Landgemeinde Thymau eingegliedert
1945 gehörten zum Amtsbezirk Seythen die Gemeinden Groß Lauben, Osterschau, Seythen, Thymau und Turauken.
Kirche Bis 1945 war Seythen in die evangelische Kirche WaplitzWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 499. (polnisch Waplewo) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union, außerdem in die römisch-katholische Kirche Thurau (polnisch Turowo) im Bistum Ermland eingepfarrt.
Heute gehört Sitno evangelischerseits zur Kirche Olsztynek (Hohenstein i. Ostpr.), einer Filialgemeinde der Christus-Erlöser-Kirche Olsztyn (Allenstein) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Katholischerseits ist Sitno der St.-Stanislaus-Kirche Waplewo (Waplitz) im Dekanat Olsztynek des Erzbistums Ermland zugeordnet.
Verkehr Sitno liegt an einer Nebenstraße, die bei Rączki (Rontzken, 1938 bis 1945 Hornheim) von der Schnellstraße 7 abzweigt und bis nach Mileno (Mühlen) an der Woiwodschaftsstraße 537 verläuft. Eine Bahnanbindung besteht nicht.
Einzelnachweise
Kategorie:Gegründet 1328 Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Olsztynek