Honoré Jacquinot (* 1. August 1815 in Moulins-Engilbert; † 22. Mai 1887 in Nevers) war ein französischer Arzt, Chirurg und Naturforscher.
Genealogie Sein Vater Étienne Jacquinot (1771–1865) war zunächst mit Jeanne Florimon Le Blanc verheiratet. Aus dieser Ehe ging der spätere Vizeadmiral Charles Hector Jacquinot (1796–1879) hervor. Nach dem Tod von Jeanne Florimond Le Blanc am 13. Juni 1814Archive en Ligne Departement Nièvre Nevers - Cote/Cotes extrêmes 5Mi1 83 S. 1105 von 1351 zeugte Étienne mit Sylvie Pinault (1794–1857) den zu diesem Zeitpunkt unehelichen Sohn Honoré. Die Mutter hat sich nach ihrer Heirat mit Étienne Jacquinot am 22. Februar 1841,Archive en Ligne Departement Nièvre Nevers - Cote/Cotes extrêmes 5Mi1 87 S. 470 von 1049 also viele Jahre nach Honorés Geburt, in Marie Eugénie umbenannt, da sowohl die Perousefruchttauben-Unterart (Ptilinopus perousii mariae (, 1853)) ihren Namen trägt als auch der Sterbeeintrag in Nevers diesen Namen ausweist.Archive en Ligne Departement Nièvre Nevers - Cote/Cotes extrêmes 5Mi1 89 S. 798 von 1308 Dem Vater wurde die Braunrücken-Grünflügeltaube (Chalcophaps stephani , 1853) gewidmet. Etienne ist die französische Variante des Vornamens Stephan.
Oft findet man in der Literatur aufgrund eines fehlerhaften Eintrags des Notars das Jahr 1814 als Geburtsjahr von Honoré. Honorés Geburt wurde erst im Jahr 1835 in Moulins-Engilbert offiziell registriert. Hier unterlief dem Notar ein Fehler und das Geburtsdatum wurde zunächst als 1. August 1814 eingetragen.Archive en Ligne Departement Nièvre Nevers - Cote/Cotes extrêmes 5Mi13 575 S. 798 von 1308 1841 fiel der Irrtum auf und das Geburtsjahr wurde auf 1815 korrigiert.Archive en Ligne Departement Nièvre Nevers - Cote/Cotes extrêmes 5Mi13 575 S. 207 & 208 von 1190 Jacquinot heiratete am 19. Oktober in Sancoins Jeanne Louise Annette Achet (1831–1860), die sich später Leontine nannte. Nach ihrem frühen Tod schien Honoré nicht mehr geheiratet zu haben.Archive en Ligne Departement Nièvre 2 Mi EC 362 S. 385 von 421 Aus der Ehe gingen die Kinder Etienne Alphonse Marie Joseph (1852–1881) und Marie Sylvie Eugénie (1853–1884) hervor. Der Sohn war ebenfalls Doktor der Medizin.
Jacquinot verstarb in seinem Domizil in der rue des Ratoires n° 7 in Nevers.
Wissenschaft Am 7. September 1837 brachen unter der Führung von Jules Dumont d’Urville die Fregatten Astrolabe und Zélée zu einer Forschungsreise auf, die erst am 6. November 1840 nach Frankreich zurückkehrten. An Bord der Astrolabe befanden sich u. a. der Hydrograph Clément Adrien Vincendon-Dumoulin, der Naturforscher und leitende Chirurg Jacques Bernard Hombron, sein assistierender Chirurg und Illustrator Louis Raymond Marie Le Breton und der Präparator und assistierende Naturforscher Pierre Marie Alexandre Dumoutier. Die Zelée fuhr unter der Führung von Honorés Halbbruder Charles Hector. An Bord der Zelée befanden sich der leitende Chirurg und Naturforscher Elie Jean Francois Le Guillou, sein zweiter Chirurg Honoré Jacquinot sowie der Maler Ernest Auguste Goupil. Während der 38-monatigen Reise wurden von dem Forscherteam zahlreiche naturhistorische Exponate gesammelt. Hombron und Honoré Jacquinot kümmerten sich während der Reise um zoologische und botanische, Le Guillou um geologische sowie mineralogische und Dumoutier in Kooperation mit d’Urville um anthropologische Fragen.Paul F. Clark u. a. (2000), S. 418.
Nach der Rückkehr bekam d’Urville am 1. Mai 1841 von Victor Guy Duperré die Erlaubnis, temporär mit Charles Hector Jacquinot, Louis-Marie-François Tardy de Montravel, Dumoulin, Hombron, Honoré Jacquinot unter der Federführung d’Urville an der Publikation zur Reise in Paris zu arbeiten. Honorés Halbbruder und Tardy de Montravel wurden schon bald wieder aus Paris abgezogen. Gemeinsam mit dem Illustrator Le Breton sollte von 1. Januar 1842 bis 31. Dezember 1846 der Rest des Teams laut offiziellem Erlass der Marine an der Publikation arbeiten dürfen. Hombron und Honoré Jacquinot wohnten in dieser Zeit zunächst in der 1 rue du Pont Louis Philippe, dann in der 6 rue du Val de Grace und schließlich in der 305 rue Saint Jacques. Alle Adressen befanden sich in der Nähe des Muséum national d’histoire naturelle.Paul F. Clark u. a. (2000), S. 419.
Am 25. Januar 1841 wurde Honoré zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.Léonore Ernennung zum Chevalier de la Légion d'Honneur Im Jahr 1848 sollte Honoré Jacquinot in den Senegal geschickt werden. In einem Brief an den Minister beklagte er sich darüber, dass dies seine wissenschaftliche Karriere zerstören würde, wenn er zu diesem Zeitpunkt von der Publikation abgezogen würde. Honoré brach im Gegensatz zu Hombron nie in den Senegal auf. Am 28. August 1848 wurde er wegen eines „vorübergehenden Gebrechens“ für dienstunfähig erklärt. Es folgte am 16. Februar 1852 wegen eines „unheilbaren Gebrechens“ die Entlassung aus der Marine. Es ist nicht ganz klar, ob er sich in der Folgezeit noch weiter in die Publikation von Voyage au pole sud et dans l'Océanie sur les corvettes l'Astrolabe et la Zélée exécuté par ordre du roi pendant les années 1837–1838–1839–1840 einbringen konnte. Die Zeit in Paris nutzte er für seine Doktorarbeit mit dem Titel Études sur l'histoire possint in sanitatem quidquid liberum vulgò naturelle de l'homme. So konnte er nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst eine private Arztpraxis in Nevers eröffnen.Paul F. Clark u. a (2000), S. 427.
Die Publikationsgeschichte von Voyage au pole sud et dans l'Océanie sur les corvettes l'Astrolabe et la Zélée ist sehr kompliziert. Die zoologischen Tafeln erschienen in 28 Lieferungen in der Zeit von 1842 bis 1854. Hombron und Jacquinot gelten als Autoren aller Namen, die sich auf den Tafeln befinden. Der Text zu den Tafeln erschien erst 1853 und wurde vermutlich weder von Hombron noch von Jacquinot verfasst. Jacquinot lieferte oft nur weitere Informationen zu offenen Fragen. So schrieb Jacques Pucheran im Vorwort zu dem von ihm gelieferten Text zu den Säugetieren und Vögeln:
…und…
Deshalb gilt heute Pucheran als Autor des Salomonenkakadu (Cacatua ducorpsii), da Hombron und Jacquinot auf der Tafel publiziert im Juni 1846 nur Cacatois de Ducorps vermerkt hatten. Beim Krabbenfresser (Lobodon carcinophaga) wurde der lateinische Name Phoca carcinophaga auf der Tafel aus dem Jahr 1842 vermerkt. Somit gelten Hombron und Jacquinot hier als Autoren, obwohl die formelle Beschreibung ebenfalls erst 1853 durch Pucheran erfolgte. Ähnlich dürfte sich die Lage bei den Reptilien und Fischen, die von Alphonse Guichenot bearbeitet, bei den Krebstieren, die von Hippolyte Lucas beschrieben wurden, und den Insekten, die von Émile Blanchard bearbeitet wurden, verhalten.
Der Atlas mit den botanischen Tafeln erschien in 13 Lieferungen im Zeitraum 1843 bis 1853. Camille Montagne kümmerte sich um die Beschreibung der Moose und Joseph Decaisne um die Gefäßpflanzen der Forschungsreise.Frans Antonie Stafleu u. a., S. 698.
In Considerations generales sur l'anthropologie suivies d'observations sur les races humaines de l'Amerique Meridionale et de l'Oceanie aus dem Jahr 1846 verfolgte Jacquinot eine rassistische Theorie. So betrachtete er die Möglichkeit der Hybridisierung zwischen Europiden, Negriden und Mongoliden als nur sehr begrenzt.Bronwen Douglas (2015), S. 27–63.
Nach seiner Entlassung zog Jacquinot nach Sauvigny-les-Bois. Hier widmete er sich eher anthropologischen und archäologischen Fragen seiner Heimat.
Mitgliedschaften Seit 1854 wurde er als Mitglied der Société nivernaise des sciences, lettres et arts aus Imphy geführt.Membre titulaire Société nivernaise des sciences, lettres et arts In der Mitgliederliste der Société académique du Nivernais aus dem Jahr 1885 wird er als…
…bezeichnet. Am 7. Juni 1877 wird er Mitglied der Société d'anthropologie de Paris.Liste des membres de la Société d'anthropologie D. M. P. steht für docteurs en médecine pratiquan.
Erstbeschreibungen von Honoré Jacquinot Jacquinot hat einige Arten und Unterarten, die neu für die Wissenschaft waren, beschrieben.
Arten Zu den Arten gehören chronologisch u. a.: Adeliepinguin (Pygoscelis adeliae ( & , 1841)) Aucklandsäger (Mergus australis & , 1841) Bismarckpapagei (Geoffroyus heteroclitus ( & , 1841)) Chuukmonarch (Metabolus rugensis ( & , 1841)) Gelbaugenpinguin (Megadyptes antipodes ( & , 1841)) Goldfruchttaube (Ptilinopus luteovirens ( & , 1841)) Maohonigfresser (Gymnomyza samoensis ( & , 1841)) Maskenzwergpapagei (Cyclopsitta diophthalma ( & , 1841)) Seramgoldbülbül (Thapsinillas affinis ( & , 1841)) Seramlederkopf (Philemon subcorniculatus ( & , 1841)) Sonnenamadine (Neochmia phaeton ( & , 1841)) Krabbenfresser (Lobodon carcinophaga ( & , 1842)) Liolaemus magellanicus & , 1847 Amblyglyphidodon orbicularis ( & in Jacquinot und Guichenot, 1853) Apogon aroubiensis & in Jacquinot und Guichenot, 1853 Epinephelus lebretonianus ( & in Jacquinot und Guichenot, 1853) Geisterkrabbe Ocypode pallidula , 1852 Dendrelaphis lineolatus ( & , 1853) Emoia nigra ( & , 1853) Thalamita coeruleipes & , 1853
Unterarten Zu den Unterarten gehören chronologisch u. a.: Pteropus pelagicus insularis & in Jacquinot und Pucheran, 1853 Paradoxurus hermaphroditus setosus & , 1853
Dedikationsnamen Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte benannte 1850 den Salomonenkauz (Ninox jacquinoti)Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, S. 42. und den Tongadickkopf (Pachycephala jacquinot)Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, S. 329. zu seinen Ehren. Émile Blanchard nannte 1850 die Blatthornkäfer-art Leucopholis jacquinoti nach ihm.Émile Blanchard (1850), S. 158.
Joseph Decaisne führte 1853 die Australheidegewächse-Gattung Jacquinotia neu für die Wissenschaft ein.Joseph Decaisne (1853), S. 32. Auch Camille Montagne nannte 1845 eine Muschelmoose-Art Plagiochila jacquinotii,Camille Montagne (1845), S. 273. 1845 Jungermannia jacquinotiiCamille Montagne (1845), S. 250. und 1842 die Braunalgen-Art Scytothalia jacquinotii (heute Cystosphaera jacquinotii),Camille Montagne (1842), Tafel 4. ein Name, der heute als Jungermanniaceae-Art Syzygiella jacquinotii geführt wird. Franz Stephani (1842–1927) beschrieb aus einem Manuskript von Karl Moritz Gottsche die Wassersackmoose-Art Frullania jacquinotii. Franz Stephani (1910), S. 436. Ebenso ist Jacquinot Rocks zu seinen Ehren benannt.
Publikationen (Auswahl)
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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