mini|Franz Oeters (1981) Franz Oeters (* 16. Januar 1928 in Bremen; † 11. Juni 2021 in Berlin) war ein deutscher Metallurge. Er wurde vor allem bekannt durch weit über 100 Publikationen in Fachzeitschriften des In- und Auslands.Ludwig von Bogdandy in Laudatio zu Prof Oeters 65. Geburtstag, 1993, Steel Research, 64, S. 1 Von 1969 bis 1996 hatte er den Lehrstuhl für Eisenhüttenkunde der TU Berlin inne. Seine Arbeiten haben ihn zu einem weltweit bekannten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Metallurgie der Stahlherstellung gemacht (s. u. Würdigungen).

Studium, Arbeit in der Industrie

Er begann 1948 sein Studium der Chemie in Marburg an der Philipps-Universität. Die 1952 angefertigte Diplomarbeit behandelte die Bestimmung isothermer Abbaudiagramme für feste Mischkristalle wechselnder Zusammensetzung aus Eisenoxid bzw. Wüstit und ManganoxidN.G. Schmahl, Angewandte Chemie, 1953, 65. Jahrgang, Nr, 17/18, S. 447-453, s. Bild 13. Bei Hans Kautsky am Institut für Siliciumchemie schloss er 1955 seine Doktorarbeit zur Erforschung des Siloxens ab.Franz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, S. 83, 86 ff.

Seine Tätigkeit in der Stahlindustrie begann 1955 bei der Dortmund-Hörder Hüttenunion (ab 1966 Hoesch-Hüttenwerke AG).Franz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, S. 94-114; 138-147 In den folgenden 14 Jahren führte er technisch-wissenschaftliche Arbeiten zur Entphosphorung von Stahl im Thomas Konverter, zur Stahlentgasung im Vakuum, zur Entschwefelung von Stahlschmelzen und zu anderen Themen der Stahlherstellung durch, veröffentlichte deren Ergebnisse in Fachzeitschriften, arbeitete zusammen mit IRSID (Institut de Recherches de la Sidérurgie Française), mit der Forschung der Firma Hoogovens NV. in IJmuiden und mit Forschern des zentralen Forschungsinstituts CRM (Centre de Recherches Métallurgiques) der Benelux-Länder in Lüttich.Franz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, S. 105, 130

Lehre und Forschung an der TU Berlin

Im Jahr 1968 erhielt er den Ruf auf den Lehrstuhl für Eisenhüttenkunde an der Technischen Universität Berlin,Franz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, S. 149 ff., 292 den er, bei verbesserter Ausstattung des Instituts, annahm und am 1. April 1969 mit seiner Tätigkeit begann. Seine Arbeit in den folgenden Jahren umfasste nicht nur die Vorlesungen und Praktika über „Eisen- und Stahlerzeugung“, sondern auch Vorlesungen zu „Grundlagen der Erstarrung“ und „Reaktions- und Wärmetechnik der Eisenmetallurgie“. Weiterhin hielt er Vorträge, welche teilweise in Buchform veröffentlicht wurden, bei den Weiterbildungsveranstaltungen des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh, heute: Stahlinstitut VDEh), der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde (DGM) und der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) an verschiedenen Orten in Deutschland und in Luxemburg. Seine Vorlesungen Eisenhüttenkunde I und II erschienen erstmalsFranz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, S. 304 komprimiert 1973 als Artikel „Eisen und Stahl“ im Standardwerk „Chemische Technologie“ für technische Chemiker, dem K. Winnacker u. L. Küchler (Hrsg.).Franz Oeters: Eisen und Stahl 1973, K. Winnacker u. L. Küchler (Hrsg.), Hanser Verlag, München, 1973, 3. Aufl., Band 6, „Metallurgie“, S. 386–460 Eine zweite Fassung mit Beteiligung anderer Autoren erschien 1986 unter demselben Titel.J. Fröber, H. Klapp, W.Kleppe, F. Oeters, M. Ottow, H.-J. Selenz: Eisen und Stahl, Winnacker-Küchler, Hanser Verlag, München, 1986, 4. Aufl., Band 4, „Metalle“S.90-197 In der Forschung befasste er sich vorwiegend mit Themen der Eisen- und der Stahlmetallurgie mit Schwerpunkten wie Schmelzen und Erstarren; Stoffübergang zwischen flüssigem Metall und Gasen, Schlacken und Feststoffen; Eisenerzeugung außerhalb des Hochofens; Prozessphysik; Mathematische Prozessmodellierung. Darüber hinaus betreute er zahlreiche Doktoranden sowie Gastwissenschaftler aus Japan und China und sorgte für die Finanzierung der Forschung (außeruniversitär überwiegend durch den VDEh, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), den Bundesminister für Forschung und Technologie und die EGKS). Zusätzlich arbeitete er als Berater für die Hoesch-Hüttenwerke AG in Dortmund, für die Lurgi GmbH in Frankfurt a. M. und für die Klöckner-Werke AG in Duisburg, bei der er viele Jahre auch im Aufsichtsrat tätig war. Als Gutachter war er vorwiegend bei der DFG tätig, dort übernahm er ab 1978 (bis 1985) den Vorsitz im Gutachterausschuss des Schwerpunktprogramms „Prozesskinetik und Prozesstechnik im Hüttenwesen“.Franz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, S. 258

Auslandstätigkeit, Buchveröffentlichungen, internationale Vorträge

In der nach der Epoche der Kulturrevolution in China beginnenden Öffnung des Landes reiste Franz Oeters mit einer Delegation des VDEh 1979 nach Beijing (Peking). Mehrere Delegationsmitglieder hielten Fachvorträge, Franz Oeters über Vakuummetallurgie. Zwischen dem VDEh und der chinesischen Gesellschaft für Metalle wurde eine Zusammenarbeit begründet.Franz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, S. 220, 223 Darauf folgte seine Tätigkeit als Gastprofessor, die ihn in den Jahren 1980 bis 1988 fünfmal nach China führte.

Eine weitere Gastprofessur führte ihn 1987 an die Tōhoku-Universität in Sendai, Japan.Franz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, S. 204 ff.

Er wurde 1985 zum Mitglied im Editorial Board der Zeitschrift „steel research“ berufen. Im gleichen Jahr erschien von ihm und A. Saatçi das Buch „Stoff- und Wärmeumsätze bei der Reduktion von Eisenerzen“.Franz Oeters und Alpaydın Saatçi: Stoff- und Wärmeumsätze bei der Reduktion von Eisenerzen, Stahleisen, Düsseldorf und Springer, Berlin 1985 in Deutsch; Stahleisen, Düsseldorf und Springer, Berlin, 1997 in Englisch

Franz Oeters Hauptwerk „Metallurgie der Stahlherstellung“ erschien 1989.Franz Oeters: Metallurgie der Stahlherstellung, Stahleisen, Düsseldorf und Springer, Berlin, 1989 in Deutsch; Stahleisen, Düsseldorf und Springer, Berlin, 1994, in Englisch; Stahleisen, Düsseldorf und Springer, Berlin, 1996 in Chinesisch; Stahleisen, Düsseldorf und Springer, Berlin, 1996 in Koreanisch

Zahlreiche internationale Vorträge führten ihn unter anderem nach Tokio zum Deutsch-Japanischen Seminar 1976, 1978, 1980, 1984; nach Schweden Luleå,1984 SCANINJECT III; 1990 Int. Workshop „Metallurgical Fluid Flow“ nach Kanada1988 W. O. Philbrook Memorial Symposium Toronto; 1992 Savard-Lee Int. Symposium on Bath Smelting Montreal und in die USA.1978, 3. Int. Iron and Steel Congress, Chicago; 1986, 5. Internationaler Eisenhüttentechnischer Kongreß, Washington; 1991, Int. Symposium „Injection in Process Metallurgy“, New Orleans; 1994, Ethem T. Turkdogan-Symposium „Fundamentals and Analysis of New and Emerging Steelmaking Technologies“, Pittsburgh Pa.

Würdigungen

In seiner Laudatio zu Oeters 65. Geburtstag im Jahr 1993 hob Ludwig von Bogdandy, der bis 1992 Vorstandsvorsitzender der VOEST-Alpine Stahl AG (heute voestalpine) war, weiter hervor: „Zahlreiche, heute bedeutende Führungskräfte der internationalen Stahlindustrie haben bei Prof. Oeters … studiert, meist auch promoviert; so z.B. drei aktive Vorstandsmitglieder der deutschen Stahlindustrie, wie auch zahlreiche im Ausland“.Ludwig von Bogdandy: Laudatio zu Prof. Oeters 65. Geburtstag, 1993, Steel Research, 64, S. 1

Martin Frohberg schrieb anlässlich der Biographie von Franz Oeters: „Franz Oeters erkannte mit aller Deutlichkeit, dass die metallurgische Verfahrenstechnik … den Weg liefert, der zur Optimierung metallurgischer Prozesse führt ( Konverter, Entgasung, Pfannenmetallurgie), … [sein Leben lehrt,] dass neben Neugier, Staunen und Phantasie nur lebenslanger Fleiß und persönlicher Einsatz zu jenem Erfolg führen, der Franz Oeters zu einem der weltweit bekannten, führenden Metallurgen gemacht hat“.Franz Oeters: Vom Alchemisten zum Metallurgen., GRIPS media GmbH, Bad Harzburg, 2004, ISBN 3-937057-06-4, Klappentext

Ehrungen

Franz Oeters war u. a. Ehrenprofessor der University of Science and Technology Beijing (Peking) 1982 Ehrenmitglied der Societé Française de Métallurgie et des Matériaux (SF2M) 1989 Ehrenmitglied des Ausschusses für Metallurgische Grundlagen des VDEh 1993

Im Jahr 1998 erhielt er zusammen mit Jens Ulrik Becker den „Best Paper Award“ der Zeitschrift „steel research“Stahleisen, Düsseldorf, 1999, steel research, 70, No.7, S. 247 für den Artikel: „Model experiments of mixing in steel ladles with continouus addition of the substance to be mixed“.Stahleisen, Düsseldorf, 1998, steel research, 69, No.1, S. 8–16

Sein Name wurde aufgenommen in „Kürschners Deutscher Gelehrten Kalender 2010“.[Anon.]. "Franz Oeters". Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender Online. Berlin, Boston: De Gruyter, 2010. KDGO/entry/P43484/html. Accessed 2021-08-20

Nachrufe

Sowohl die Societé Française de Métallurgie et des Matériaux (SF2M), als auch die Fachzeitschrift Stahl + Eisen,stahl + eisen, 2021, Ausgabe 7/21 sowie die Fakultät III der Technischen Universität Berlin veröffentlichten Nachrufe auf Franz Oeters.

Einzelnachweise

Kategorie:Metallurg Kategorie:Absolvent der Philipps-Universität Marburg Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1928 Kategorie:Gestorben 2021 Kategorie:Mann