mini|Die klassische Nō-Maske zierte das Titelbild der ersten internationalen Auflage des Werkes. Bekenntnisse einer Maske (, Kamen no Kokuhaku) ist ein am 5. Juli 1949 veröffentlichter semi-autobiografischer Roman des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima.
In ihm wird die Lebensgeschichte von Kochan erzählt, einem schüchternen und schwächlichen Jungen, der abgeschirmt von anderen Jungen seines Alters bei seiner Großmutter aufwächst. Anhand diverser Szenarien – veranschaulicht durch Träume, klassische Kunst und sein Umfeld – bemerkt er seine Homosexualität und intensive Obsession mit dem Tod. Aus Angst vor Ablehnung durch die Gesellschaft im imperialistischen Japan versucht er seine Neigungen zu verbergen und versteckt sich hinter einer sozial-konventionellen Persona. Sein Wunsch nach einer neuen Identität scheint zunächst zu gelingen, als er das Mädchen Sonoko kennenlernt. Die Beziehung geht jedoch in die Brüche und Kochan führt sein Leben als Maske weiter.
Das Buch wurde über Nacht ein internationaler Großerfolg und machte den bis dato unbekannten Mishima im jungen Alter von 24 Jahren weltweit berühmt. Aufgrund der unverkennbaren Überschneidungen mit Mishimas eigener Biografie wird der Roman gemeinhin als Semi-Autobiografie bezeichnet.Toru Matsumoto: Understanding Yukio Mishima. NHK Publishing Co. Ltd. S. 36–49. Juli 2010. ISBN 978-4-14-910746-2Toru Matsumoto: Understanding Yukio Mishima. NHK Publishing Co. Ltd. S. 68–73. Juli 2010. ISBN 978-4-14-910746-2
Eine Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche erschien 1964 im Rowohlt Verlag unter dem Titel Geständnis einer Maske.Geständnis einer Maske, übersetzt von Helmut Hilzheimer. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1964; Übersetzungsvorlage war Confessions of a Mask, aus dem Japanischen von Meredith Weatherby, New Directions, New York 1958, ISBN 0-8112-0118-X Die deutsche Direktübersetzung aus dem Japanischen erschien 2018 bei Kein & Aber als Bekenntnisse einer Maske.
Handlung Einleitung mini|Titelseite der ersten Ausgabe des Romans Die Brüder Karamasow, November 1880. Der Roman beginnt mit einem Zitat aus Dostojewskis 1880 publiziertem Roman Die Brüder Karamasow:
Das Zitat dient als Epigraph in eines der zentralen Themen des Romans: Schönheit. Im direkten Anschluss beginnt der Ich-Erzähler von seiner Geburt zu erzählen.
Kapitel 1 Kochan, Protagonist und Ich-Erzähler des Romans wird am 4. Januar 1925 in eine zerfallene Familie geboren. Sein einst angesehener Großvater musste seine Position als Gouverneur wegen der Missetaten eines seiner Untergesetzten an den Nagel hängen. Da er sich sein Anwesen damit nicht mehr leisten kann, zieht er zu seiner Tochter in ein Mietshaus im Armenviertel Tokios. Kochan wird schon im frühen Alter von seinen Eltern getrennt und unter die Fittiche seiner Großmutter genommen, obwohl diese selbst chronisch erkrankt ist. Die Kinderkrippe ist neben dem Krankenbett der Großmutter platziert und sie lässt den Jungen keine Sekunde mehr aus den Augen. Kurz vor seinem vierten Geburtstag erkrankt Kochan an Autointoxikation und stirbt beinahe. Die Krankheit wird chronisch und plagt den Protagonisten monatlich für sein gesamtes restliches Leben.
Als sehr kleiner Junge behauptet Kochan sich an das Bad in einer Holzbadewanne kurz nach seiner Geburt erinnern zu können. Die Erwachsenen versuchen ihm die Unmöglichkeit der Idee einzureden, schließlich könnte er in den ersten Momenten seines Lebens nicht einmal seine Augen öffnen. Da Kochan aber weiter darauf beharrt, vermuten sie, er wolle sie über Umwege dazu bekommen, mit ihm über Sex zu reden. Kochan gesteht dem Leser, dass seine Erinnerung an die sonnengebadete Badewanne seiner nächtlichen Geburt widerspricht; dennoch verbleibt er dabei, dass seine Erinnerung echt ist.
Beim Durchblättern eines Fotoalbums seiner Großmutter entdeckt er ein Bild von einem muskulösen Mann in verdreckten blauen Hosen, der Jauchekübel über die Straße trägt. Die Fotografie und vor allem die Hose des Mannes haben auf Kochan eine für ihn unerklärlich starke Wirkung und er äußert den Wunsch, später auch als Latrinenreiniger zu arbeiten. Das oberflächlich „miserable Leben“ des Mannes, ein Leben, von dem er sich allein durch seine schwache Statur ausgeschlossen fühlt, verstärkt die anziehende Wirkung des Bildes.
Eine andere einprägsame Illustration ist die eines blutüberströmten Ritters auf einem Pferd. Er betrachtet das Bild lang und intensiv, mit einem bemerkenswerten ersten Gefühl von Schuld. Kochan imaginiert wie der wunderschöne, entschlossene Mann kurz nach dem Zeitpunkt der Illustration getötet werden wird. Kochans Krankenschwester erwischt ihn und erklärt, es handle sich tatsächlich nicht um einen Mann, sondern um Jeanne d’Arc. Als er das hört, ist Kochan plötzlich angewidert von dem Bild, fühlt sich betrogen und schaut es sich nie wieder an. Als Kochan eines Tages an einer Gruppe Soldaten vorbeiläuft, fasziniert ihn der Schweißgeruch der Männer und er entwickelt immer lebhaftere Träume, in denen er selbst an Stelle der Soldaten im Krieg getötet wird.
Eines Nachmittags besucht Kochan mit seiner Großmutter eine Zaubershow. Er ist begeistert von der Eleganz und Schönheit einer der Magierinnen, Tenkatsu. Später am Abend besucht er seine Eltern und zieht sich heimlich die Kleider seiner Mutter an, um zu Tenkatsu zu werden. Seine „Transformation“ bringt ihn so in Ekstase, dass er voller Glück durch das Haus läuft. Die Familie schämt sich sichtlich für den Anblick und bringt Kochan zum Weinen. Zukünftig verkleidet sich Kochan nur noch heimlich.
Kochan erzählt, wie er es als Kind liebt, Fantasiegeschichten vorgelesen zu bekommen. Er habe sich aber immer nur mit dem Prinz identifizieren können, nie mit der Prinzessin. Er hegt eine besondere Liebe für jeden Jungen, der getötet wird. Besonders ein ungarisches Märchen frustriert ihn: obwohl der Prinz immer und immer wieder stirbt, wird er jedes Mal durch einen magischen Diamant reanimiert. Eines Abends schleicht sich Kochan in das Wohnzimmer und reißt die letzten Seiten der Geschichte heraus, sodass der Prinz durch einen Drachen stirbt und auch tot bleibt.
Obwohl Kochan schon früh von der Idee des Todes fasziniert ist, hat er krankhafte, abnormale Angst vor seinem eigenen Ableben. Er entwickelt paranoide Wahnvorstellungen, so zum Beispiel davon, dass seine Krankenschwester ihn vergiften wird, wenn er sich nicht benimmt. Seine Großmutter, verängstigt über den verschlechternden Gesundheitszustand Kochans, isoliert ihn indes von Jungen seines Alters und lässt ihn nur noch mit ausgewählten Mädchen aus der Nachbarschaft spielen. Als später sein Bruder und seine Schwester geboren werden, werden diese wesentlich liberaler erzogen. Kochan beichtet dem Leser, dass seine diesbezüglichen Beschwerden immer nur gespielt waren: in Wahrheit war er nicht eifersüchtig, sondern zog seinen isolierten Lebensstil gegenüber dauerhaftem Lärm und Kontakt vor.
Mit sieben besucht Kochan seine Cousinen und bemerkt die Erwartungen seiner Großmutter, sich weniger „weibisch“ zu verhalten. Er grübelt, was „männliches Verhalten“ sein könnte und entscheidet, mit seinen Cousinen fortan nur noch „Krieg“ zu spielen. Obwohl ihn die Rolle eines lauten Anführers abstößt, macht es ihm umso mehr Spaß, in den simulierten Schlachten zu sterben.
Das Kapitel schließt mit einer Erfahrung, die Kochan aus der Gegenwart für besonders signifikant hält: Eine Parade an Feuerwehrmännern – in Zelebration des Sommerfestes – laufen am Haus des Jungen vorbei. Der Festzug, bekleidet in Masken, trägt einen schwarz-goldenen Schrein auf ihren Schultern. Kochan ist gleichermaßen verängstigt wie fasziniert. Plötzlich wechselt die Parade ihre Marschrichtung und läuft schnurstracks zum Eingang des Familienhauses. Kochan rennt voller Angst auf den Balkon im ersten Stock des Gebäudes und ist erneut gleichermaßen erschrocken wie begeistert von der Zerstörung, die im Garten unter ihm stattfindet.
Kapitel 2, Teil 1 mini|Das Bild St. Sebastian von Guido Reni war nicht bloß eine Inspiration für Mishima, sondern ist auch das erste Objekt, durch das Kochan sexuell erregt wird. Kochan beschreibt den Anfang seiner Pubertät, im Alter von zwölf Jahren, in der er seinen Penis entdeckt und als mysteriöses, verwirrendes „Spielzeug“ wahrnimmt. Indem er auf die Wünsche seines „Spielzeuges“ hört, versteht der Junge, dass seine Hingabe zu seinem Penis mehr als nur eine ästhetische ist; vielmehr handelt es sich um seine ersten Anzeichen seiner Sexualität. Seine Kindheitserinnerungen und -fantasien sieht er plötzlich in einem völlig neuen Licht.
Er realisiert, dass auch seine kindliche Vertiefung in den Tod eine sexuelle Komponente angenommen hat; Bilder von Tod und Verletzungen beginnen zunehmend an ihn zu erregen. Er beschließt, sich dieser Sehnsucht zum ersten Mal bewusst hinzugeben, indem er einige seiner alten Bilderbücher so übermalt, dass die harmlosen Männerabbildungen zu blutigen, aufgeschnittenen Männerabbildungen werden. Obwohl er die Zeichnungen versteckt, hat er Angst, dass sie entdeckt werden. Er überlegt mehrfach, sie zu zerstören, kann sich aber nicht dazu überwinden.
Als Ende seines zwölften Lebensjahres zieht Kochan wieder zu seinen Eltern. Seine Großmutter verletzt die Trennung und sie fordert von Kochan, sie jede Woche besuchen zu kommen. Weil Kochans Vater nach Osaka versetzt wird, lebt er von nun an mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Geschwistern.
In einer der bekanntesten Szenen des Romans entdeckt Kochan in dem Fotoalbum seines Vaters das Bild St. Sebastian von Guido Reni, eine Darstellung des heiligen Sebastian, Oberkörper-frei und mit Pfeilen durchbohrt. Kochan wird durch den Anblick des Gemäldes stark erregt und beginnt zu masturbieren. Als sein „Rausch“ endet, schämt er sich für die „Unordnung“, die er verursacht hat. Dies sollte der Beginn seiner sogenannten „schlechten Angewohnheit“ werden.
Kochan kommt in die Mittelschule und genießt seine neu gewonnene Freiheit, lange Hosen tragen zu können und seine Mitschüler schlicht mit ihren Vornamen ansprechen zu dürfen. Seine Eltern nutzen die schlechte Gesundheit Kochans als Vorwand, damit dieser nicht in den Schlafsälen schlafen muss; in Wahrheit sorgen sie sich aber um den schlechten Einfluss der anderen Jungen. Trotz all dieser Vorkehrungen übernimmt Kochan in der Schule die „rohe“ Sprechweise der anderen Jungen und legt seinen „weiblich-adeligen“ Dialekt ab.
Eines Tages verbreitet ein Mitschüler in Kochans Klasse ein Gerücht über einen anderen Jungen, Omi, einen Problemschüler, der erst vor kurzem wegen „unangemessenen Verhaltens“ für mehrere Wochen beurlaubt wurde. Nach dem Gerücht solle Omi bereits mit mehreren Frauen geschlafen und einen sehr großen Penis haben. Kochan schlägt vor, das Gerücht beim nächsten „Drecksspiel“ zu überprüfen. Beim „Drecksspiel“ handelt es sich um ein Spiel, bei dem das Ziel ist, seinem Gegner an die Genitalien zu fassen. Wenn der Griff geglückt ist, ruft der Fänger laut, ob der Gefangene gut oder schlecht bestückt ist. Obwohl Kochan Angst vor Omi hat, findet er den Gedanken, mit ihm das „Drecksspiel“ zu spielen, interessant.
Im Winter bekommt Kochan Angst, in eine Schneeballschlacht verwickelt zu werden und kommt deshalb eine Stunde früher zur Schule. Er sieht Omi auf dem Pausenhof, wie er seinen Namen in den Schnee stapft. Überraschenderweise scheint sich Omi über Kochans Ankunft zu freuen und beide kommen ins Gespräch. Als Omi Kochans Wangen mit seinen unterkühlten Händen streichelt, weiß Kochan, dass er verliebt ist. Er fängt an, sich Omi nackt vorzustellen.
Kapitel 2, Teil 2 Kochan aus der Gegenwart gibt zu, Omi in seiner Erinnerung so idealisiert zu haben, dass ihm kein einziges negatives Merkmal mehr einfällt: Omi wurde in seinem Kampfe das Sinnbild für männliche Perfektion. Deswegen ist er nur noch angezogen von großen, rohen, muskulösen und weniger intelligenten Männern. Jeder Mann, der intelligent genug ist, seine seltsamen Sehnsüchte zu verstehen, findet er abstoßend.