mini|Die drei Bogatyri, ein Gemälde des russischen Malers Wasnezow. In der Mitte befindet sich Ilja Muromez, links Dobrynja Nikititsch und rechts Aljoscha Popowitsch. mini|Ilja Muromez, ebenfalls ein Gemälde Wasnezows. Ilja Muromez (, ) ist eine Heldengestalt der Kiewer Tafelrunde. Er ist der bekannteste der drei Bogatyri.
Leben
Der russischen Legende nach wurde Ilja Muromez als Sohn eines Bauern in Karatschajewo in der Nähe der Stadt Murom geboren. Während seiner Kindheit soll er oft krank gewesen sein und war bis zu seinem 30. Lebensjahr gelähmt, als er auf wundersame Weise von zwei Pilgern durch Gabe eines Met-Trunkes geheilt wurde. Später übertrug ihm der Recke Swjatogor kurz vor seinem Tod seine übermenschlichen Kräfte. Ilja befreite die besetzte Stadt Kiew und verteidigte Tschernigow gegen die Petschenegen. Sein Pferd konnte mit menschlicher Stimme sprechen.
Seine Heldentaten wurden in mehreren Bylinen besungen:
Drei-Wege-Kreuzung Gefangennahme des Räubers Nachtigall im Brjansker Wald Tatarenheer wird dazu angeregt, über seine Ehre nachzudenken Flucht aus dem Kerker einer Fürstin Lehrstück über das Maßhalten im Trinken und Essen Überlistung des Teufels/Dämons Lehrstück über die Nichtigkeit des Reichtums Streit mit dem Fürsten Wladimir Befreiung der Stadt Tschernihiw von einem Tatarenheer
Er ist die einzige Sagengestalt, die von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurde. Seine sterblichen Überreste ruhen angeblich mumifiziert in den Asketenhöhlen im Kiewer Höhlenkloster und können dort besichtigt werden.
Rezeption 1819 erschien in Leipzig anonym das Buch Fürst Wladimir und dessen Tafelrunde. Altrussische Heldenlieder in Nachdichtungen von Carl Heinrich von BusseZum Verfasser bemerkt Wilhelm Wollner: „Das Buch, dessen Verfasser v. Busse heisst, enthält zum Theil Uebersetzungen aus der Kirša Danilov’schen Sammlung, zum Theil, wie es scheint, eigene Gedichte des Verfassers.“ Vgl. Untersuchungen über die Volksepik der Grossrussen, S. 14 (Digitalisat im Internet Archive)., in dem in vierhebigen Trochäen u. a. die Taten des Ilja von Murom besungen werdenDigitalisat im Internet Archive; Ilja von Murom siehe S. 25–38 sowie 71–80.; 1892 erschien Bernhard Sterns Prosaadaption Fürst Wladimirs Tafelrunde. Altrussische Heldensagen.Digitalisat im Internet Archive; Ilja von Murom wird behandelt in der Einleitung (Kapitel V., S. XLI–XLIV) und besungen in den Bylinen 1–6 (S. 3–42) sowie 9 (S. 52–55). Das Werk enthält ab Seite 195 eine umfangreiche Bibliographie der russischen Quellen.
Rainer Maria Rilke thematisierte Ilja von Murom im ersten Gedicht des in der Sammlung Das Buch der Bilder erschienenen Gedichtkreises Die ZarenDie Zaren bei Gutenberg-DE. (1899/1906). Auch seine märchenhafte Prosaerzählung Der DrachentöterDer Drachentöter bei Gutenberg-DE. (1901) mag zumindest teilweise von der Heldengestalt des Ilja Muromez inspiriert sein.Manfred Engel: Rilke-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Kapitel Kulturräume und Literaturen – Mittelalter, S. 45 (Digitalisat bei Google Books).
Die dritte Symphonie h-Moll op. 42 (1911) von Reinhold Moritzewitsch Glière hat die Heldentaten des Ilja Muromez zum Programm.
Der 1914 von dem Flugzeugkonstrukteur Igor Iwanowitsch Sikorski entwickelte erste viermotorige Bomber Russlands, die Sikorski Ilja Muromez, wurde nach der Heldengestalt benannt.
Zwischen 1915 und 1922 verfasste der lettische Schriftsteller Rainis seine „Russische Tragödie in fünf Aufzügen“ (Krievu traģēdija piecos cēlienos) Iļja Muromietis.Beschreibung (lettisch) und auf den Seiten der LNB.
1920 wurde in Kalifornien Charles Caldwell Dobies Ilya of Murom. A Folk-tale drama mit Musik von Ulderico Marcelli aufgeführt.Digitalisat im Internet Archive.
Der Berliner Schriftsteller Hans Voss (1888–1945) verarbeitete den Stoff 1933 zu einer eigenständigen Dichtung in neun Gesängen. Sein Epos Ilja von Murom erschien postum 1970 bei Hamerkaz Press, Tel Aviv, herausgegeben von Emanuel bin Gorion, und 1982 bei der Werkgemeinschaft Kunst- und Heilpädagogik Weißenseifen.
Mosfilm produzierte 1956 den Film Ilja Muromez nach einem Drehbuch von Michail Kochnjew. Regie führte Alexander Ptuschko. Darsteller waren unter anderen Boris Andrejew, Ninel Myschkowa und Andrei Abrikossow.
Der Asteroid des inneren Hauptgürtels (2968) Iliya ist nach ihm benannt.
Literatur Orest MillerEintrag zu Orest Fjodorowitsch Miller in Meyers Großes Konversations-Lexikon (3.): Das Hildebrandslied und die russischen Lieder von Ilja Murometz und seinem Sohne, im Zusammenhange mit dem Gesammtinhalte des russischen Volksepos. In: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, hrsg. von Ludwig Herrig, 18. Jg., 33. Band, S. 257–280 f. (Digitalisat im Internet Archive) Wilhelm WollnerEintrag zu Wilhelm Anton Wollner in der Sächsischen Biografie: Il’ja Muromec. In: Untersuchungen über die Volksepik der Grossrussen, S. 101–119 (Digitalisat im Internet Archive)
Weblinks
Einzelnachweise
Muromez, Ilja Muromez, Ilja Kategorie:Heiliger Kategorie:Waräger Kategorie:Mythologisches Wesen als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Namensgeber für ein Schiff