mini|Franz von Blon rahmenlos Friedrich Franz von Blon (* 16. Juli 1861 in Berlin; † 21. Oktober 1945 in Seilershof) war ein deutscher Komponist, Dirigent und Violinist. Er gehörte zu den bedeutendsten deutschen Marschmusik-Komponisten seiner Zeit.
Leben Franz von Blon wurde 1861 als Sohn eines Juweliers und dessen Frau in Berlin geboren und evangelisch getauft.Taufbuch St. Elisabeth in Berlin 1861, S. 118. In seiner Heimatstadt besuchte er das Sophien-RealgymnasiumBlon, Franz von. In: Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. W. Limpert-Verlag, Dresden 1929. und erhielt privaten Klavier- und Violinunterricht. Danach absolvierte er in Berlin ein Musikstudium am Stern’schen Konservatorium und an der Königlichen Hochschule für Musik. Er war einer von sechs Privatschülern von Joseph Joachim.Blon, Franz von. In: Norman E. Smith: Program Notes for Band. GIA Publications, Chicago 2002, ISBN 1-57999-147-5, S. 74 f. Zwischenzeitlich (ab 1880) leistete er seinen dreijährigen Militärdienst in der Preußischen Armee beim Grenadier-Regiment Prinz Karl von Preußen (2. Brandenburgisches) Nr. 12 in Frankfurt an der Oder. Während dieser Zeit komponierte er erste Stücke für Blasorchester sowie Marschmusik.
Von 1884 bis 1890 war er Konzertmeister im Orchester des Hamburger Stadttheaters. Ab 1890 wirkte er in Berlin als Komponist. Wie auch Victor Hollaender und Walter Kollo gehörte er zu denjenigen Unterhaltungskomponisten, mit denen „sich noch heute der Nimbus Berliner Musik verbindet“.Guido Hiß: „Wenn die Jemsen springen …“ Gassenliede. In: Knut Hickethier (Hrsg.): Mythos Berlin. Zur Wahrnehmungsgeschichte einer industriellen Metropole. Eine szenische Ausstellung auf dem Gelände des Anhalter Bahnhofs. Katalog zur Ausstellung 13. Juni – 20. September Berlin 1987. Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1987, ISBN 3-88245-147-5, S. 161–166, hier S. 166. 1897 wurde er Dirigent des Philharmonischen Blasorchesters Berlin. Konzertreisen führten ihn mit dem Orchester u. a. durch Deutschland, nach England und in die USA.Blon, Franz von. In: Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? Unsere Zeitgenossen. 10. Ausgabe. Degener, Leipzig 1935, S. 139. So trat er 1904 bei der Weltausstellung (Louisiana Purchase Exposition) in St. Louis, Missouri auf. Ab 1901 war er außerdem – gemeinsam mit Richard Strauss – Dirigent beim Berliner Tonkünstler-Orchester und ab 1906 beim Warschauer Philharmonieorchester. Später gastierte er auch in der Sowjetunion. Aus Anlass von Hitlers Geburtstag am 20. April 1936 erhielt er den Titel eines Professors. An den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin wirkte er als Dirigent mit.
Franz von Blon war ab 1900 mit Anna Therese von Blon, geborene Meÿerer (1870–1939), verheiratetStandesamt Berlin X a (Heiratsregister 1302/1900) und wohnte in Berlin-Wilmersdorf. 1945 verstarb er in Seilershof.
Werk Sein Œuvre umfasst v. a. leichte Orchesterwerke wie Ouvertüren und Suiten sowie Klavierwerke, Lieder und mehrere Operetten. Zu letzteren gehören u. a. Sub rosa (Lübeck, 1887), Die Amazone (Magdeburg, 1903) und Die tolle Prinzeß (Halle, 1913). Außerdem schrieb er das Ballett In Afrika (Berlin, 1899). Das Tanzbild wurde von Emil Graeb, Ballettmeister an der Königlichen Oper in Berlin, gestaltet.Manfred Haedler: Verzeichnis der Ur- und Erstaufführungen von Opern und Singspielen 1742–1884 sowie aller Premieren 1885–1992. In: Georg Quander (Hrsg.): 250 Jahre Opernhaus Unter den Linden. Apollini et musis. Propyläen, Frankfurt am Main u. a. 1992, ISBN 3-549-05209-X, S. 379–465, hier S. 399. Neben Carl Teike und Hermann Ludwig Blankenburg kann von Blon zu den bedeutendsten deutschen Komponisten für Marschmusik gezählt werden.Vgl. auch: Insgesamt komponierte er etwa 30 derartige Stücke.Blon, Franz von. In: Ernst Klee: Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Überarbeitete Ausgabe, Fischer, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-17153-8, S. 54. Zu seinen Werken gehörten sehr amerikanische wie der Marsch Die Freundschafts-Flagge von 1904.Tobias Faßhauer: „Der Vashingtun Pust“. Ein emblematisches amerikanisches Musikstück und seine deutsche Rezeption. In: Michael Fischer, Christofer Jost (Hrsg.): Amerika-Euphorie – Amerika-Hysterie. Populäre Musik made in USA in der Wahrnehmung der Deutschen 1914–2014. Zum 100-jährigen Bestehen des Deutschen Volksliedarchivs und zur Gründung des Zentrums für Populäre Kultur und Musik. Waxmann, Münster 2017, ISBN 978-3-8309-3504-9, S. 73–98, hier S. 90. 1933 wurden die Märsche Unter dem Siegesbanner (HM II, 152) und Victoria (HM II, 153) in die Heeresmarschsammlung integriert. Von Blon war Schöpfer „ansprechender, konzertanter Blasmusik“ (Gottfried Veit), beispielsweise von Dramatische Ouvertüre und vom Marsch Heil Europa.Gottfried Veit: Die Blasmusik. Studie über die geschichtliche Entwicklung der geblasenen Musik. Hrsg. vom Verband Südtiroler Musikkapellen, Ed. Helbling, Innsbruck 1984, S. 69. Erstere Komposition gelangte beim 19. Eidgenössischen Musikfest in Bern zur Uraufführung und galt Wolfgang Suppan als „Pionierarbeit“ für Blasorchester.Blon, Franz von. In: Armin Suppan, Wolfgang Suppan: Das Blasmusik-Lexikon. Komponisten – Autoren – Werke – Literatur. Hrsg. in Verbindung mit dem Steirischen Blasmusikverband, HeBu-Musikverlag, 5. Auflage, Kraichtal 2009, ISBN 978-3-9806925-9-5, S. 105. Unter von Blons 80 Blasmusik-Kompositionen befindet sich auch die Serenade d'Amour, welche 1903 und 1909 durch die Band von John Philip Sousa aufgenommen wurde. Das Wiener Conzertverein- und das Wiener Tonkünstler-Orchester nahmen seine Kompositionen in ihr Programm auf.Person: Franz von Blon, Komponist, wienersymphoniker.at, abgerufen am 9. November 2023. Viele seiner Werke wurden durch Charles Wiley und Harold Gore bearbeitet, über 40 in der Schallplattenserie „Heritage of the March“ veröffentlicht (Bände 9, Q, HH, AAAA und BBBB).
Werkverzeichnis Werke für Orchester 1899 Buren-Marsch op. 72 1907 Chansonette d’amour 1926 Helfer heraus (Nothelfer Marsch) Blumengeflüster Charakterstück Fest-Ouvertüre Frauen-Liebe und -leben Walzer Im D-Zug Galopp für Orchester Serenade d’amour
Werke für Blasorchester 1927 Tellensöhne Marsch 1930 Vivat Saint Petersburg! Marsch 1931 Dramatische Ouvertüre 1931 Humoreske 1931 Impromptu 1931 Notturno 1935 Romantische Konzertouvertüre 1935 Fantasie-Caprice Alt-Berlin Blumengeflüster Die Freundschafts-Flagge Die Wacht am Rhein Dolchtanz und Schlangenbeschwörerin (1900) Durch Kampf zum Sieg Frauenliebe und Leben Friedensklänge Frühlingseinzug opus 55 Heil Europa, opus 75 Heroische Ouvertüre In den Dünen Kaiser Parade Marsch La Danseuse Marine-Marsch, opus 102 Mecklenburger Marsch, opus 103 Mein Ideal, Walzer Melitta, Intermezzo Minnen und Werben, Walzer Mit Eichenlaub und Schwertern Mit preußischen Standarten, Marsch Mit Standarten Mondnacht am Rheinsberger See, Stimmungsbild Orientalischer Zug Puppen-Menuett (1906) Perpetuum mobile, Marsch Sizilietta Solinger Schützen Soldatenblut Strandleben am Abend Süßer Traum - Ballerinnerung Tanz der Fischermädchen Traumweben, Vision Traumbild, Charakterstûck , 1899 Treu zur Fahne, Marsch Unter dem Siegesbanner Unter der Friedenssonne, opus 51, Marsch Victoria - Marsch Vision Von Pol zu Pol Wellenspiel Zum Rendez-Vous
Werke für Klavier 1926 Helfer heraus (Nothelfer Marsch)
Werke für Gitarre Serenade d’amour... opus 12
Vokalmusik 1899 Am Rhein für hohe Stimme und Klavier
Literatur Blon, Franz v. In: Paul Frank: Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon. Für Musiker und Freunde der Tonkunst. 12., sehr erweiterte Auflage. Bearbeitet von Wilhelm Altmann. Carl Merseburger, Leipzig 1926. Blon, Franz von. In: Hermann Abert (Hrsg.): Illustriertes Musik-Lexikon. J. Engelhorns Nachf., Stuttgart 1927. Blon, Franz von. In: Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. W. Limpert-Verlag, Dresden 1929. Blon, Franz von. In: Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? Unsere Zeitgenossen. 10. Ausgabe. Degener, Leipzig 1935, S. 139.
Blon, Franz von. In: Norman E. Smith: Program Notes for Band. GIA Publications, Chicago 2002, ISBN 1-57999-147-5, S. 74 f.
Blon, Franz von. In: Ernst Klee: Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Überarbeitete Ausgabe, Fischer, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-17153-8, S. 54. Blon, Franz von. In: Armin Suppan, Wolfgang Suppan: Das Blasmusik-Lexikon. Komponisten – Autoren – Werke – Literatur. Hrsg. in Verbindung mit dem Steirischen Blasmusikverband, HeBu-Musikverlag, 5. Auflage, Kraichtal 2009, ISBN 978-3-9806925-9-5, S. 105. Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 544–547. online Tobias Faßhauer: „Der Vashingtun Pust“. Ein emblematisches amerikanisches Musikstück und seine deutsche Rezeption. In: Michael Fischer, Christofer Jost (Hrsg.): Amerika-Euphorie – Amerika-Hysterie. Populäre Musik made in USA in der Wahrnehmung der Deutschen 1914–2014. Zum 100-jährigen Bestehen des Deutschen Volksliedarchivs und zur Gründung des Zentrums für Populäre Kultur und Musik. Waxmann, Münster 2017, ISBN 978-3-8309-3504-9, S. 73–98, hier S. 90 ff.
Weblinks
Franz von Blon bei Naxos Leben und Werk von Franz von Blon bei der Johann Strauss Society of Great Britain
Einzelnachweise
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