mini|Der Name von Ewen Macdougall als Jon Dungaðarson in einem Manuskript aus dem 14. Jahrhundert Ewen Macdougall (schottisch-gälisch Eoghan MacSomairle oder Eoghan MacDubgaill) († nach 1268) war ein schottischer Magnat, der als König der Inseln galt. Durch seine Herkunft und durch seine Besitzungen war Ewen sowohl der schottisch-gälischen wie auch der skandinavisch-norwegischen Kultur verbunden. Während der politisch unruhigen Zeit seiner zwanzigjährigen Herrschaft trotzte er zwei mächtigen Königen. Bei seinem Tod war er aber wieder im Besitz seiner ererbten Besitzungen.

Herkunft und Erbe Ewen entstammte der Familie Macdougall, einem Zweig der weitläufigen Familie der Seekönige der Hebriden. Er war ein Sohn von Duncan of Argyll, König der Inseln. Sein Name wird in den zeitgenössischen Chroniken in zahlreichen Versionen wiedergegeben. Dabei wurde der gälische Name Eoghan mit Eoin, dem gälischen Namen für John verwechselt. Deshalb wird Ewen in der Manx Chronicle als Johannes Dugaldi und in norwegischen Chroniken als Jon Duncasson bezeichnet. Der englische Chronist Matthew Paris nannte ihn Oenus of Argyll.W. D. H. Sellar: Hebridean Sea Kings: The Successors of Somerled, 1164–1316. In: Edward J. Cowan, R. Andrew McDonald (Hrsg.): Alba. Celtic Scotland in the Middle Ages, John Donald, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-906566-57-9, S. 203. In der einzigen Urkunde, die von ihm überliefert ist, nannte er sich selbst Eugenius. Nach dem zeitgenössischen englischen Chronisten Matthew Paris war er zum Ritter geschlagen worden.R. Andrew McDonald: The Sea Kings. The late Norse Kingdoms of Man and the Isles, c. 1066–1275. John Donald, Edinburgh 2019, ISBN 978-1-910900-21-5, S. 253.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts beherrschten die Macdougalls neben Argyll auf dem schottischen Festland eine Reihe von westschottischen Inseln wie Mull, Tiree und die Treshnish Isles. Für diese Inseln waren sie den norwegischen Königen untertan. Wann Ewen als Lord of Argyll das Erbe seines Vaters antrat, ist umstritten. Möglicherweise starb sein Vater vor 1240,Noel Murray: Swerving from the Path of Justice: Alexander II’s Relations with Argyl and the Western Isles, 1214–49. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 302. nach anderen Angaben bezeugte sein Vater noch 1244 eine Urkunde des schottischen Königs.Archibald Duncan, A. Brown: Argyll and The Isles in the Earlier Middle Ages. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland, 1956, Band 90, S. 202. Ewen begann mit dem Bau von Dunstaffnage Castle in Argyll oder ließ die von seinem Vater begonnenen Burg ausbauen,R. Andrew McDonald: The Sea Kings. The late Norse Kingdoms of Man and the Isles, c. 1066–1275. John Donald, Edinburgh 2019, ISBN 978-1-910900-21-5, S. 260. dazu besaß er das Hall House von Aros auf Mull sowie die Inselfestung Cairnburgh zwischen Mull und Tiree. Er selbst bezeichnete sich als Lord of Lorn and Benderloch and Lismore.R. Andrew McDonald: The Sea Kings. The late Norse Kingdoms of Man and the Isles, c. 1066–1275. John Donald, Edinburgh 2019, ISBN 978-1-910900-21-5, S. 235.

Verhältnis zum schottischen König in den 1240er Jahren Bis 1240 hatte der schottische König Alexander II. seinen Einfluss bis an die Grenzen von Argyll erweitern können, so dass Ewens Vater dessen Schutz und Anerkennung als Lord of Argyll gesucht hatte. Im Königreich der Inseln, das unter der Oberhoheit der schottischen König stand, stand Ewen in Konkurrenz zu König Ruairi, der allgemein als mächtigster Lord der Region galt. Der norwegische König Håkon IV. versuchte in den 1240er Jahren, seinen Einfluss in Westschottland auszubauen und zwang König Harald von Man zur Unterwerfung. Auch Ewen war für einige Inseln dem norwegischen König untertan, doch es gibt keine Hinweise darauf, dass er vor 1247 diplomatische Beziehungen zum norwegischen König aufgenommen hatte. Deshalb bestand für ihn als Lord of Argyll nur die Perspektive, seine Stellung als Vasall des schottischen Königs auszubauen, um seine Herrschaft zu bewahren.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 182.

Nach dem Tod von Bischof William 1241 übernahm Bischof Clement von Dunblane die Verwaltung des Bistums Argyll. Er reformierte die Finanzen des Bistums und plante, den Bischofssitz von Lismore bei Dunstaffnage auf das Festland zu verlagern. Diese Verlegung wurde zwar nicht umgesetzt, doch die Macdougalls verloren dennoch ihren dominierenden Einfluss und vor allem den Zugriff auf die Einkünfte des Bistums, derer sie sich bislang bemächtigt hatten.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 549 (The Edinburgh History of Scotland, Band I).Noel Murray: Swerving from the Path of Justice: Alexander II’s Relations with Argyl and the Western Isles, 1214–49. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 303. Bischof Clement war ein Vertrauter des schottischen Königs, und Ewens Widerstand gegen die Reformen des Bischofs führte dazu, dass sich sein Verhältnis zum König verschlechterte. mini|Dunstaffnage Castle, das vermutlich der Hauptsitz von Ewen Macdougall war

Anerkennung als König der Inseln Um 1248 reiste Ewen offenbar aus eigenem Antrieb nach Bergen in Norwegen zu König Håkon. Ein Grund dafür war möglicherweise die Krönung des norwegischen Königs, zu der Ewen aber offenbar nicht eingeladen worden war. Ewen wollte vielleicht durch einen persönlichen Treueschwur eine engere Bindung zu seinem Oberherrn aufbauen. Dazu kam der Tod eines Macsomerleds, wahrscheinlich von König Ruairi, in einer Schlacht in Irland. Damit war der Titel eines Königs der Inseln vakant und Ewen hoffte, den Titel vom norwegischen König verliehen zu bekommen.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 183. Ein anderer oder weiterer Grund waren vielleicht die Kaufangebote, die der schottische König 1244 und 1248 dem norwegischen König für das Königreich der Inseln gemacht haben soll. Allerdings reiste auch Ewens Großcousin, Ruairis Sohn Dugald nach Norwegen. Dort versuchten beide, von König Håkon als König der Inseln bestätigt zu werden.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 80. Der norwegische König ernannte aber zunächst König Harald von Man zum König, der im Herbst 1248 nach Westschottland zurückreiste. Als Anfang 1249 die Nachricht vom Schiffbruch und Tod Haralds in Bergen eintraf, ernannte der norwegische König Ewen zum neuen König der Inseln. Dann schickte er ihn sofort nach Westschottland zurück, um die Verwaltung der Isle of Man und der westschottischen Inseln zu übernehmen.Archibald A. M. Duncan, A. L. Brown: Argyll and the Isles in the earlier middle ages. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland, 1956–1957, Band 90, S. 207.

Krieg mit dem schottischen König

Der norwegische König befürchtete, dass der schottische König Alexander II. nach dem Tod des Königs von Man das entstandene Machtvakuum ausnutzen und die norwegischen Besitzungen erobern wollte.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 550 (The Edinburgh History of Scotland, Band I). Tatsächlich hatte Alexander II. bereits im Februar 1249 eine Ratsversammlung abgehalten, in der es wahrscheinlich um die Lage in Argyll ging. Er zweifelte an Ewens Loyalität als Lord of Argyll und wollte ihn als unbotmäßigen Vasallen unterwerfen. Vielleicht plante er auch, nicht nur Argyll, sondern das Königreich der Inseln zu erobern und seinem Reich einzugliedern.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 188. Im Frühjahr 1249 führte der schottische König deshalb eine Armee und eine Flotte nach Argyll.Edward J. Cowan: Norwegian Sunset – Scottisch Dawn: Hakon IV and Alexander III. In: Norman H. Reid (Hrsg.): Scotland in the Reign of Alexander III 1249–1286. John Donald, Edinburgh 1990. ISBN 0-85976-218-1, S. 115. Dann berief er Ewen zu sich. Dieser war sich seiner schwierigen Lage bewusst und verlangte die Stellung von vier schottischen Earls als Geiseln, ehe er den schottischen König treffen wollte.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 186. In dem Treffen, das an einem unbekannten Ort stattfand, verlangte der schottische König, dass Ewen ihm Mull und die anderen Inseln übergab, die er unter der Oberherrschaft des norwegischen Königs hielt. Im Gegenzug sollte Ewen umfangreiche Besitzungen in Schottland erhalten. Als Ewen sich weigerte, seinen Treueid gegenüber dem norwegischen König zu brechen, erwiderte der verärgerte Alexander II., dass kein Mann zwei Herren untertan sein könne. Ewen widersprach, dass er sehr wohl zwei Herren dienen könne, solange die sich nicht gegeneinander im Krieg befanden.Edward J. Cowan: Norwegian Sunset – Scottisch Dawn: Hakon IV and Alexander III. In: Norman H. Reid (Hrsg.): Scotland in the Reign of Alexander III 1249–1286. John Donald, Edinburgh 1990. ISBN 0-85976-218-1, S. 116. Nach den nordischen Sagas sah sich Ewen als ehrenwerter Mann mit einer unnötigen und unmöglichen Aufforderung eines seiner beiden Oberherrn konfrontiert.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 187. Er blieb bei seiner Ablehnung des Angebots, worauf die Verhandlungen abgebrochen wurden. Dann zog er sich auf die Insel Lewis zurück. Bevor es nun zu einer militärischen Entscheidung kam, erkrankte der schottische König und starb im Juli 1249 auf Kerrera, einer Insel im Besitz von Ewen. Daraufhin wurde der schottische Feldzug abgebrochen. Argyll blieb aber im Besitz der schottischen Krone und wurde von königlichen Vögten verwaltet. Dazu war es den Schotten gelungen, dass das Bistum Argyll vollständig unter die Kontrolle der schottischen Bischöfe unterstellt wurde.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 81. Auch wenn der schottische König nicht alle seiner Ziele erreicht hatte, war Ewens Stellung erheblich geschwächt worden. Noch 1249 erkannte der norwegische König auch Ewens Rivalen Dugald Macruairi als seinen Unterkönig an.

Exil und Rückgewinnung der Macht in Argyll