Herdin Hans Duden, kurz Herdin Duden (* 3. Februar 1898 in Jena; † 18. August 1975) war ein deutscher Jurist und Wirtschaftsfunktionär.

Leben Herdin Hans Duden war ein Enkel des Sprachforschers Konrad Duden und Sohn des Chemikers Paul Duden, dem Direktor der Azofarbstoffe bei Hoechst und späteren Vorstandsmitglied der IG Farben. Er besuchte das Gymnasium in Höchst am Main. Mit nur 17 Jahren meldete er sich 1915 als Kriegsfreiwilliger, erlangte sein Leutnantspatent und erhielt das EK II sowie das EK I.Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik. De Gruyter Saur, München 2003, S. 548, S. 1136.

Ab 1919 studierte Duden Jura in Freiburg und Frankfurt.Immatrikulationen, Studentenakten, Band 48, 48-209 - Abgangszeugnis Herdin Duden - 14-Feb-1920 Universitätsarchiv Freiburg, abgerufen am 16. April 2026.Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann-Wolfgang-Universität e.V. (Hrsg.): Diskurs Frankfurter Studentenzeitschrift. Heft 4. Mai 1954, S. 11. Nach seinem Staatsexamen war er von 1927 bis 1930 in den USA, anschließend in Mannheim als Rechtsanwalt tätig.Frank Baranowski: Die verdrängte Vergangenheit. Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Nordthüringen. Mecke Druck und Verlag, 2000, S. 184–187. Bereits während seiner Studienzeit wirkte Duden als Rechtsbeistand im Führerkorps des „Jugendbundes der NSDAP“ beziehungsweise ab 1926 der HJ. 1932 übernahm er die Führung des HJ-Oberbanns Nord-Baden in Mannheim. Nach Wegfall der Unvereinbarkeitsbeschlüsse für Juristen, trat Duden im Mai 1933 der NSDAP bei.

Im Jahr 1934 wurde er Prokurist der IG Farben in Ludwigshafen. Im August 1936 heiratete er Liselotte Duden, geb. Leonhardt. Aus der Ehe gingen 1937 und 1938 zwei Söhne sowie 1942 zwei Töchter (Zwillinge, eine davon ist die Historikerin Barbara Duden) hervor.Hakenkreuzbanner vom 25. August 1937, 18. September 1938, 30. August 1942: Familienanzeigen. Marchivum, abgerufen am 16. April 2026. Anfang Mai 1939 beendete Duden seine Tätigkeit bei der IG Farben und wechselte als Betriebsführer sowie Vorstandsmitglied zur Hydrierwerke Pölitz AG nach Stettin-Pölitz.Die Chemische Industrie vom 27. Mai 1939, S. 494 (hier S. 22): Personal-, Kapital- u. Statutenänderungen. Digital Library of the Silesian University of Technology, abgerufen am 16. April 2026. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Gesellschaft zu einem Synthesegiganten und größten sowie modernsten Benzinproduzenten in Europa.Fritz Selbmann: DDR-Porträts. Eine Anthologie. Reclam, 1974, S. 206. Das Unternehmen stellte aus Erdöl und Steinkohle konventionelle sowie synthetische Kraftstoffe her, insbesondere Flugbenzin, Fahrbenzin, Dieselkraftstoff, Schmierstoffe und Paraffine.

Mit seiner Familie wohnte Duden ab April 1939 in Jasenitz, später Trestin, direkt am Stettiner Haff. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er im September 1939 eingezogen. Als Hauptmann und Batteriechef nahm er am Polenfeldzug teil, erhielt jedoch bereits im Oktober 1939 eine Unabkömmlichstellung (UK). Neben seiner Tätigkeit in den kriegswichtigen Hydrierwerken Pölitz, war Duden Mitglied der Wirtschafts- beziehungsweise späteren Gauwirtschaftskammer Pommern. Zusätzlich wirkte er ab April 1940 als Ratsherr in Stettin. Daneben blieb er auch an seiner neuen Wirkungsstätte der HJ verbunden; ab Mai 1940 übernahm er als Oberbannführer die Leitung der Sozialabteilung der HJ-Gebietsführung Pommern.

Im Februar 1943 folgte seine Ernennung zum Wehrwirtschaftsführer der Pölitzer Hydrierwerke. Im selben Jahr trat Duden der SS bei, in der er als Führer des SS-Oberabschnitts Ostsee bis zum Obersturmbannführer aufstieg. Ferner war er ab Mai 1942 Vorstand der Pommerschen Gesellschaft für Literatur und Kunst und Leitartikelautor der Militär-Zeitschrift Die Wehrmacht.João Arthur Ciciliato Franzolin: „Die Wehrmacht“. Die offizielle illustrierte Propagandazeitschrift der deutschen Wehrmacht für das In- und Ausland (1936–1944). Europa-Universität Flensburg, Dissertation, 2017, S. 111. Die von ihm verfassten Artikel enthielten intensive NS-Propaganda und wurden reichsweit auch von anderen Zeitschriften veröffentlicht.Neues Wiener Tagblatt vom 15. März 1940, S. 3: Waffenkameraden von Hauptmann d. R. Herdin Duden ANNO, abgerufen am 16. April 2026. Zudem übernahm er ab 1943 einen Lehrauftrag für Arbeits- und Wirtschaftsrecht an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Greifswald.Günter Mangelsdorf (Hrsg.): Zwischen Greifswald und Riga. Auszüge aus den Tagebüchern des Greifswalder Rektors und Professors der Ur- und Frühgeschichte, Dr. Carl Engel, vom 1. November 1938 bis 26. Juli 1945. Steiner, 2007, S. 411, Fußnote 2.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Duden vom CIC wiederholt verhört und in der amerikanischen Besatzungszone mehrere Monate interniert.Duden, Herdin Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 15. April 2026. Anschließend zog er mit seiner Familie zurück nach Frankfurt-Höchst. Dort fand er eine Anstellung als Direktor und Gesamtprokurist bei der Farbwerke Hoechst AG.Johannes Scheiber, Kurt Wolfgang Vincentz: Farbe und Lack. Zentralblatt der Farben- und Lackindustrie und des Handels. Curt R. Vincentz Verlag, 1956, S. 306. Zwischen 1954 und 1962 verweilte Duden wiederholt für mehrere Monate in Brasilien, wo Hoechst mit Grace und Laboratórios Fontoura in Suzano das Chemiewerk Fongra Produtos Químicos S.A. aufbaute, woraus später die Hoechst do Brasil Quimica e Farmaceutica S.A. hervorging.Herdin Duden in Brazil, Rio de Janeiro, Immigration Cards MyHeritage, abgerufen am 16. April 2026.Christian Marx: Wegbereiter der Globalisierung: Multinationale Unternehmen der westeuropäischen Chemieindustrie in der Zeit nach dem Boom (1960er–2000er Jahre). Vandenhoeck & Ruprecht, 2023, S. 120, S. 273–276.

Herdin Duden starb am 18. August 1975. Sein Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof Frankfurt (Grab XIV Urnengartengräber 6).Frankfurt, Hauptfriedhof, Grab XIV Urnengartengräber 6 Duden Wikipedia Commons; Urheber Karsten Ratzke, abgerufen am 16. April 2026.

Einzelnachweise

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