mini|hochkant=1.5|Dolmen de La Tamanie, Blickrichtung nach Westen

Der Dolmen von La Tamanie ist ein kleiner, einfacher Dolmen (), südöstlich von Oradour-sur-Vayres im Regionalen Naturpark Périgord-Limousin im Département Haute-Vienne in Frankreich.

Etymologie Dolmen ist in Frankreich der Oberbegriff für Megalithanlagen aller Art (siehe: Französische Nomenklatur).

Die künstliche Wortschöpfung dolmen erfolgte aus den bretonischen Wörtern taol („Tafel“) und maen („Stein“) – zusammengesetzt somit „Tafelstein“. Grammatikalisch richtig wäre jedoch taolvaen. Eine alternative Möglichkeit bietet die Cornische Sprache mit toll („Loch“) und men („Stein“), folglich „Lochstein“.

Der Ursprung von Tamanie ist nicht einsichtig. Es handelt sich hier um eine Endung auf -ie, die meist einen Weiler oder einen ganzen Landstrich zu erkennen gibt und im Deutschen mit -ien wiedergegeben werden kann. So lautet beispielsweise Tasmanien im Französischen Tasmanie oder Albanien Albanie usw.

Der Ortsname La Tamanie ist sehr selten und findet sich beispielsweise in der Gemeinde Château-l’Évêque im Département Dordogne. Genealogisch tritt die Bezeichnung in Familiennamen im südlichen und südwestlichen Limousin auf.

Geschichtliches Der eingestürzte Dolmen von La Tamanie (franz. dolmen de la Tamanie) wurde erstmals im ausgehenden 19. Jahrhundert (um 1888) von Félix Vandermarcq ausgegraben. Er wurde am 14. Juni 1971 unter Denkmalschutz (Monument historique – mit der Nummer PA 00100410, Fundstellennummer 87 111 1 AP und der Katasternummer D 22) gestellt und 1980 erneut unter der Leitung von D. Tardiveau ausgegraben und restauriert.

Geographie Der Dolmen liegt 2,25 Kilometer südöstlich des Ortskerns von Oradour-sur-Vayres. Er ist über die D 75 von Oradour-sur-Vayres nach Champagnac-la-Rivière zu erreichen. Von Oradour kommend biegt etwa 370 Meter hinter dem Weiler Chez Lacroix nach rechts ein kleiner Feldweg zu einem Waldstûck ab. Der nach Les Ages führende Weg gabelt sich nach 100 Meter. Unmittelbar nach Einschlagen der linken Gabel in Richtung La Tamanie wird der wieder errichtete Dolmen auf 323 Meter Meerhöhe erreicht. Er steht in einer den Weg rechtsseitig säumenden Baumreihe. Zum namensgebenden, direkt südlich gelegenen Weiler La Tamanie sind es noch rund 500 Meter. Der Dolmen krönt ein kleines Plateau, das mit 40 Meter die Flussniederung der Tardoire überragt.

Geologie mini|hochkant=1.6|Horizontaler Megalithtransport

Der Dolmen steht auf Plagioklas-reichen Paragneisen (Formation ζ1-2) der Unteren Gneisdecke des Limousins und direkt über einem eingeschalteten, gebänderten Amphibolit (Formation δp). Als Bausteine wurden aber leptynitische, Quarz-Feldspat-reiche Augengneise (Formation ocλ3) verwendet, die erst weiter im Süden entlang der Tardoire angetroffen werden. Die Steine mussten folglich gut 500 Meter herangeschafft worden sein – wahrscheinlich mittels Baumstammrollen und Zugseilen. Im Museum der Nekropole von Bougon wird die damalige Transportweise sehr schön demonstriert.

Beschreibung Die großen Seitentragsteine verliefen mehr oder weniger parallel und waren nach Ostsüddost-Westnordwest ausgerichtet (die Längsachse des Dolmens ist um 25° mit dem Uhrzeigersinn aus der Ostrichtung verdreht und zeigt in Richtung Wintersonnenwende). An ihrer jetzt offenen Ostsüdost- und Westnordwestseite war die Kammer vermutlich von kleinteiligem Mauerwerk begrenzt. Die Steinplatten sind, wie bereits angedeutet, aus Gneis, dessen nächste Lagerstätte einen halben bis einen Kilometer entfernt liegt.

Die in keinem Verhältnis zu den Orthostaten stehende Größe des einzigen vorhandenen Decksteines lässt vermuten, dass der Dolmen unvollständig ist und ein großer Teil der Anlage verloren gegangen war. Auch ist der vormalige Tumulus verschwunden. Unter dem umgestürzten Orthostaten auf der nördlichen Hälfte des Dolmens konnten noch teilweise erhaltene Pflasterspuren (franz. pavage de fond) entdeckt werden.

Die Abmessungen der einzelnen Steine sind wie folgt: Der längere südwärtige Orthostat ist 3,80 Meter lang, 1,70 Meter hoch und 0,40 Meter breit. Der wesentlich kürzere nordwärtige Orthostat misst nur 3,00 Meter in seiner Länge, jedoch 1,90 Meter in seiner Höhe und bis zu 0,55 Meter in seiner Breite. Die Deckplatte ist im Grundriss nahezu kreisförmig mit einem Durchmesser von 2,00 Meter. Sie wird bis zu 50 Zentimeter dick und trägt auf ihrer Oberseite 7 kleine Wannenvertiefungen (franz. cupules) und stellt einen so genannten Näpfchenstein dar. Die Platte berührt gerade noch so eben die beiden Orthostaten. Sie gibt sehr gut die Foliation des Gneises zu erkennen, welche auch im südwärtigen Orthostat gut sichtbar ist.

Funde mini|hochkant=1.6|Der Dolmen in abendlicher Stimmung

Die bei den Ausgrabungen gesammelten Keramikscherben bestehen aus etwa 70 kleinen, stark angegriffenen Scherben, sowie einer Rundscherbe und einer rillenverzierten Scherbe. Im lithischen Material finden sich fünf Feuersteinabschläge, eine scharfe Dreiecksspitze mit transversaler Schneide und abrupt abfallenden Retuschen sowie eine fein gezähnte Pfeilspitze mit Stiel und zwei Seitenflügeln. Das gesamte Fundmaterial ist dem Spätneolithikum-Chalkolithikum zuzuordnen und könnte mit dem endneolithischen Artenacien in Verbindung stehen.

Die letzte Grabung ergab neben eventuellem Mauerwerkresten der offenen Westnordwest- und Ostsüdostseite die Verkeilungen der Orthostaten und die bereits erwähnte Pflasterung unter dem nordwärtigen Orthostaten.

Nach der Anordnung der vorgefundenen Steine zu urteilen, war der Einsturz des Dolmens aus nördlicher (nordnordöstlicher) Richtung erfolgt.

Die Bodenbedeckung um das Dolmen (mitsamt Vegetationsschicht) erreicht 25 Zentimeter.

Siehe auch Dolmen und Menhire des Midi

Literatur

Weblinks

Beschreibung engl. und Bilder

Einzelnachweise

Kategorie:Megalithanlage im Département Haute-Vienne Monument historique Kategorie:Monument historique im Département Haute-Vienne Kategorie:Monument historique seit 1971 Kategorie:Grabbau in Europa Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Kategorie:Kultstätte