alternativtext=eine junge Frau mit vollem Mund, lockigem Haar und skeptischem Blick|mini|Selbstporträt von Gela Seksztajn (1943) Gela Szeksztajn-Lichtensztajn (geb. 1907 in Warschau; gest. 21. April 1943 ebenda) war eine polnische Malerin und Grafikerin jüdischer Herkunft und Opfer des Holocaust. Vom Untergrund aus unterstützte sie das kulturelle jüdische Leben im Ghetto. Beim Aufstand im Warschauer Ghetto wurde sie ermordet.
Leben Gela Seksztajn wurde 1907 in Warschau als Tochter eines Schuhmachers geboren. Ihre Mutter stammte aus einer gebildeten Familie und hatte eine körperliche Behinderung. Sie starb 1918, als Gela 11 Jahre alt war.
Schon als Kind liebte Gela es, zu zeichnen und zu malen, und ihr Talent fiel in der Schule auf. Doch weil die Familie in Geldnot geraten war, konnte das junge Mädchen ihrer Leidenschaft nicht nachgehen, sondern musste schon in jungen Jahren zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Sie absolvierte einen Schneiderkurs und verdiente mit ihren Näharbeiten etwas Geld.
Durch die Vermittlung berühmter Künstler wie Israel Joschua Singer, Jonas Turkow und Henryk Kuna erhielt sie ein Stipendium und ging nach Krakau, wo sie bei Professor Wojciech Weiss an der Akademie der Bildenden Künste Krakau studierte.
Nach Abschluss ihres Studiums kehrte sie 1937 nach Warschau zurück. Ihre Werke wurden unter anderem in der „Jüdischen Gesellschaft zur Förderung der Bildenden Künste Warschau“ und im Rahmen der „Gesellschaft Jüdischer Künstler und Gestalter in Polen“ ausgestellt. Viele ihrer Freunde waren Schriftsteller, die sie nicht selten porträtierte. Auch Kinder waren ein von ihr bevorzugtes Motiv; sie gab ihnen zudem Kunstunterricht und veranstaltete für sie Sommerlager.
1938 heiratete sie den Warschauer Lehrer, Journalisten und politischen Aktivisten der Poale-Zion-Linken, Israel Lichtensztajn.
Im Warschauer Ghetto alternativtext=verrostete große Milchkanne im Museum|mini|Eine der Milchkannen des Ringelblum-Archivs Als die deutsche Armee Polen überfiel und Warschau besetzte, wurde die Familie 1940 gezwungen, in das von den SS-Besatzern abgeriegelte jüdische Warschauer Ghetto umzusiedeln. Kurz darauf, am 4. November 1940, kam ihre Tochter Margolin zur Welt.
Gela und ihr Ehemann beteiligten sich aktiv am kulturellen Leben im Ghetto, das im Geheimen stattfinden musste, sowie an der Arbeit Jüdischer Selbsthilfeorganisationen für die hungernde Bevölkerung. Sie arbeitete als Zeichenlehrerin, organisierte Ausstellungen von Kinderzeichnungen und nähte Kostüme für Theateraufführungen. Auch arbeitete sie in Ghettoküchen, Waisenhäusern und Schulen.
Trotz aller Belastungen malte sie weiterhin, vor allem Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen, von denen ein Teil im Ringelblum-Archiv den Krieg und die fast vollständige Zerstörung des Ghettos überstanden. In ihren Werken legt sie Zeugnis ab über die Lebenssituation im Warschauer Ghetto. Ihre künstlerischen und sozialen Aktivitäten werden heute als kultureller Widerstand gewertet.
Israel Lichtensztajn, Gelas Ehemann, hatte im Ghetto die Organisation Oneg Schabbat mitgegründet, eine Widerstandsgruppe um Emanuel Ringelblum. Das geheime Netzwerk stellte in mühsamer Kleinarbeit ein Untergrundarchiv zusammen und dokumentierte die Gräueltaten der nationalsozialistischen Besatzer für die Nachwelt. In Blechboxen und Milchkannen tief in die Erde eingegraben, konnte das Archiv Besatzung und Krieg überdauern. Im Bestand fand man später auch mehr als 300 Gemälde und Zeichnungen von Gela Seksztajn.
Am 18. April 1943 wurde Gelas Mann von einem SS-Mann oder SS-Helfer nachts auf offener Straße erschossen. Wenig später starb auch Gela Seksztajn mit ihrer zweijährigen Tochter beim Aufstand im Warschauer Ghetto. Kurz vor ihrem Tod schrieb sie, ihr Schicksal vorausahnend: „Lebt wohl, Freunde. Lebe wohl, jüdisches Volk. Lasst nie wieder eine solche Katastrophe zu.“
Einige ihrer Werke
Literatur Deluga, Waldemar: Exhibition of Gela Seksztajn's Drawings at the Jewish Historical Institute in Warsaw. Ars Judaica: The Bar-Ilan Journal of Jewish Art; 2008, Vol. 4, p144-146, 3p, 1 Black and White Photograph, 1 Illustration. ISSN 15656721.
Monika Libicka: Gela. Skarb z Archiwum Ringelbluma (Polnisch, übersetzt: Gela. Ein Schatz aus dem Ringelblum-Archiv). Wielka Litera, Pierwsza edycja 2021, ISBN 978-8380325999.
Weblinks
Zeichnungen von Gela Seksztajn in der Central Jewish Library Culture.pl über Gela Seksztajn
Einzelnachweise
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