Der Rostbrust-Zahnhabicht (Harpagus bidentatus), gelegentlich auch als Doppelzahnweih bezeichnet, ist ein kleiner Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen. Die Art ist ein Bewohner dichter, naturbelassener Wälder in Süd- und Mittelamerika, wo sie Jagd auf Insekten und Reptilien macht. Bemerkenswert ist das Jagdverhalten einiger Exemplare, die sich auf die Verfolgung von Affengruppen und den Verzehr von durch diese Affen aufgeschreckten Beutetieren spezialisiert haben. Rostbrust-Zahnhabichte gelten derzeit in ihrem Fortbestehen allgemein als nicht bedroht, ihr Lebensraum schrumpft jedoch stetig auf Grund der fortschreitenden Abholzung der Wälder in der Region. Trotz des großen Verbreitungsgebiets und regelmäßiger Sichtungen auf Gleitflügen über dem Blätterdach ist die Art bislang nur wenig erforscht.

Merkmale Körperbau und Aussehen Der Rostbrust-Zahnhabicht gehört mit einer Größe zwischen 29 und 35 cm und einer Flügelspannweite von 60 bis 72 cm zu den kleineren Vertretern seiner Familie. Wie bei vielen Greifvögeln liegt auch beim Rostbrust-Zahnhabicht ein deutlicher Sexualdimorphismus hinsichtlich Größe und Gewicht vor. So werden Weibchen im Schnitt 15 bis 20 % größer als ihre männlichen Artgenossen. Ihr Gewicht bewegt sich im Bereich von 196 bis 207 g, während Männchen nur 161 bis 185 g erreichen können. Der Körperbau erinnert mit verhältnismäßig kurzen, aber breiten und abgerundeten Flügeln, einem langen Schwanz und einem kleinen, stark gebogenen Schnabel an einen typischen Habicht oder Sperber. Am Schneidrand der oberen Mandibel des Schnabels finden sich zwei zahnartige Vorsprünge, auf die sich auch der Trivialname der Art bezieht und die vermutlich zum Zerteilen der Beute genutzt werden. Wie bei den Körpermaßen zeigt sich auch bei der Färbung des Gefieders ein erkennbarer, jedoch weniger ausgeprägter Sexualdimorphismus. Bei männlichen Exemplaren sind der Rücken sowie die Oberseite der Flügel in einem trüben Grau-Braun gefärbt. Nacken, Haube und Kopf sind etwas heller und tendieren eher zu einem leicht bläulich schimmernden Grauton. Die Kehle ist hingegen perlweiß gefärbt, in ihrer Mitte verläuft vertikal ein schmaler, schwarzer Streifen. Brust, Bauch und Flanken sowie die befiederten Schenkel zeigen eine rotbraune bis gräuliche Grundfärbung, die von einer dunkleren Sperberung unterbrochen wird. Bei einigen Individuen ist diese Musterung jedoch so schwach ausgeprägt, dass sie kaum oder nur aus der Nähe erkennbar ist. Die Unterschwanzfedern sind wiederum weiß gefärbt, besonders in sitzender Haltung wirken sie außerdem flauschig und erinnern an Daunen. Die Steuerfedern sind ähnlich dunkel gefärbt wie der Rückenbereich, zeigen jedoch an der Oberseite drei schmale, weiße (innere Federn) oder graue (äußere Federn) Bänder. An ihrer Unterseite finden sich hingegen nur zwei weiße Bänder, die jeweils von einer breiteren gräulichen Färbung umgeben sind. Die Unterseite der Flügel ist deutlich heller als die Oberseite, Hand- und Armschwingen sind ebenso wie die Armdecken weiß gefärbt und dunkel gesäumt, während die Handdecken ungemustert weiß sind. Im Flug entsteht durch diese Färbung der Eindruck mehrerer unvollständiger, dunkler Bögen an den ansonsten weißen Flügeln. Wachshaut, Zügel und Augenringe sind gelblich und zeigen gelegentlich leicht grünliche Einschläge. Die Iris des Auges ist orange bis rot-orange. Der Schnabel ist an der Basis gelblich und im weiteren Verlauf gräulich-schwarz gefärbt. Die kräftigen, unbefiederten Beine und Füße sind wiederum gelblich und enden in langen, stark gebogenen Klauen. Weibliche Rostbrust-Zahnhabichte unterscheiden sich vor allem durch die Färbung an der Unterseite von männlichen Exemplaren. Bei ihnen ist die rotbraune Grundfarbe an diesen Stellen von einer viel ausgeprägteren, aber nicht dunklen, sondern weißen Sperberung unterbrochen. Darüber hinaus wirkt bei weiblichen Vögeln der Rückenbereich durch einen hellen Saum der Konturfedern allgemein etwas heller.

Jungvögel Rostbrust-Zahnhabichte, die noch das Jugendkleid tragen, sind an der Oberseite eher braun als grau-braun gefärbt. Im Nacken und an der Haube zeigt sich ein vertikales Muster weißer Streifen, das von Vogel zu Vogel unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Die Konturfedern am Mantel besitzen blassere Säume. Die größten Unterschiede zu den Adulten finden sich an der Unterseite, wo die Brust, der Bauch und bei vielen Exemplaren auch die Flanken noch cremeweiß gefärbt sind. Rötlich-braune Farbtöne finden sich wenn überhaupt nur im Bereich der Flanken, sind jedoch eher selten. Die gesamte Unterseite ist darüber hinaus von einem braunen Streifenmuster variabler Ausprägung durchzogen. Die Bänderung an den Flügeln ist oft noch unvollständig und auch im Flug weniger deutlich sichtbar als bei älteren Individuen.

Verwechslungskandidaten Auf Grund des habicht- oder sperberartigen Körperbaus kann der Rostbrust-Zahnhabicht auf größere Entfernungen leicht mit ähnlich großen Arten wie dem Zweifarben- (Accipiter bicolor) oder dem Eckschwanzsperber (A. striatus) verwechselt werden, die beide eine sehr variable und verwirrende Gefiederfärbung aufweisen. Beide Arten besitzen jedoch kürzere Flügel und längere Beine als der Rostbrust-Zahnhabicht und zeigen des Weiteren ein viel schüchterneres und schreckhafteres Verhalten. Darüber hinaus kommen einige weitere Arten als mögliche Verwechslungskandidaten in Frage, die sich aber alle anhand mehr oder weniger offensichtlicher Abweichungen bei der Gefiederfärbung unterscheiden lassen. Zu nennen sind hier beispielsweise der Sperberwaldfalke (Micrastur ruficollis), der Langschnabelweih (Chondrohierax uncinatus) und der Wegebussard (Rupornis magnirostris). Bei der großen Ähnlichkeit zu einigen der größeren, teilweise vogelfressenden Accipiter-Arten könnte es sich auch um eine Form von Mimikry durch den Rostbrust-Zahnhabicht handeln, der dadurch möglicherweise potenzielle Fressfeinde abzuschrecken versucht.

Habitat und Verhalten Der bevorzugte Lebensraum des Rostbrust-Zahnhabichts sind primäre, tropische Regenwälder mit einem dichten Blätterdach und eher spärlichem Unterwuchs. Jagdversuche finden oft tief im Inneren des Waldes statt, generell meidet die Art außerhalb der Brutzeit offenbar Übergänge zu offenem Terrain oder Sekundärwald.Schulze et al., Neotropical Birds of Prey, S. 73 Offenere Landschaftsformen wie verbuschtes Waldland oder Mangroven werden jedoch zumindest in Ausnahmefällen oder saisonal begrenzt besiedelt, wie beispielsweise Beobachtungen von der Insel Ambergris Caye vor der Küste von Belize zeigen. Verhalten und Lebensweise des Rostbrust-Zahnhabichts sind, wie bei vielen waldbewohnenden Greifvögeln der Neotropis, bislang wenig umfassend erforscht. Detaillierte Informationen entstammen zumeist einer einzelnen langfristig angelegten Studie aus Guatemala, am nördlichen Rand des Verbreitungsgebiets. Ob alle bekannten Daten für die Gesamtheit der Population übertragbar sind, ist daher zumindest ungewiss. An Ruheplätzen oder während der Jagd innerhalb des Waldes sind die Vögel eher unauffällig und entsprechend schwierig zu beobachten. Anders verhält es sich bei den ausgedehnten, morgendlichen Segelflügen über dem Blätterdach, die vermutlich zur Abgrenzung des eigenen Territoriums gegenüber Artgenossen dienen sollen. Darüber hinaus könnten sie eine Funktion während der Balz oder bei der Paarbindung erfüllen. Hierbei steigen die Vögel in Höhen von bis zu 300 m auf, um dann plötzlich in spektakulär anzusehende Sturzflüge überzugehen, bei denen sie teilweise durch die Baumkronen tauchen und innerhalb des Waldes landen. Die Größe der Territorien ist nur für einen einzelnen Fall belegt, bei dem sich ein Weibchen über mehrere Monate in einem Aktionsradius von etwa 2 km² um den eigenen Nistplatz herum bewegte. Territoriale Konflikte zwischen einzelnen Rostbrust-Zahnhabichten oder Paaren konnten bislang nicht direkt beobachtet werden.Schulze et al., Neotropical Birds of Prey, S. 78 Gesichtet werden die Vögel zumeist allein oder in Paaren, nur selten kann es offenbar auch zur Bildung kleiner, loser Gruppenverbände kommen. Bei einem Großteil der Art handelt es sich sehr wahrscheinlich um Standvögel, wobei einzelne Beobachtungen auf ein Zug- oder nomadisches Wanderverhalten zumindest einzelner Individuen hindeuten könnten. So sind die erwähnten Sichtungen von Ambergris Caye bislang nur im Frühjahr gemacht worden. Des Weiteren liegen jeweils gut dokumentierte Einzelsichtungen aus den US-Bundesstaaten Texas und Florida vor. Darüber hinaus ist von der Population, die die erste Jahreshälfte auf der Insel Trinidad verbringt, bekannt, dass sie in den Monaten Juli bis Dezember auf dem südamerikanischen Festland anzutreffen ist.

Ernährung und Jagdverhalten