mini|Evangelische Kirche Friedelshausen (Rhöner Platt: Frickelshuse) ist eine Gemeinde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Wasungen-Amt Sand an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Wasungen hat.
Geografie Friedelshausen liegt in der Thüringischen Vorderrhön.
Geschichte Die Ersterwähnung des Ortes erfolgte 1186 als Frittelshausen.Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. Band 2: (1152–1210). Gustav Fischer, Jena 1900, S. 139, Nr. 734. Der Ort war der Sitz der mittelalterlichen „Zent Friedelshausen“, welche 1297 erstmals erwähnt wurde, als sie vom Bischof von Würzburg an die Grafschaft Henneberg-Schleusingen, genauer gesagt, an Graf Berthold den Weisen von Henneberg zum Dank und zum Entgelt für dessen Hilfeleistung bei der Niederwerfung eines Aufstandes verpfändet wurde.Zum Pfanderwerb des Gerichts Friedelshausen durch die Grafschaft Henneberg-Schleusingen: Johannes Mötsch: Henneberg (Gf.en von). In: Werner Paravicini (Hrsg.): Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Band 1: Ein dynastisch-topographisches Handbuch. Teilband: Dynastien und Höfe (= Residenzenforschung. Bd. 15, 1). Thorbecke, Ostfildern 2003, ISBN 3-7995-4515-8, S. 96–108, hier S. 104, (). Dies geschah in Form eines wiederlöslichen Verkaufs; auf die ausbedungene Wiedereinlösung (ca. 1000 Heller) verzichtete Würzburg im Hauptrecess von 1586.
Zu dieser Zeit umfasste das Gericht Friedelshausen die Orte Friedelshausen, Oberkatz, Unterkatz, Oepfershausen, Hümpfershausen mit dem Kloster Sinnershausen, Wahns, Schwarzbach, Bernshausen, Rosa, Eckardts, Kaltenlengsfeld und eine große Anzahl Wüstungen, darunter Seifendorf, Dörrensolz und Hahnberg. Für den Bereich des Gerichts Friedelshausen, welches Anfang des 14. Jahrhunderts einige Erweiterungen erfuhr, trat erstmals 1350 die Bezeichnung „Amt Sand“ auf, ohne dass eine sichere Erklärung des Namens gegeben werden kann. Das Amt Sand war seitdem mit der Zent Friedelshausen identisch. Aus dieser Zeit gibt es ein überliefertes Sprichwort: „Recht, Bier und Gotteswort holt' man sich zu Friedelshausen“.
1582 wurde des nunmehr „Amt Sand“ genannte Gebiet mit dem Amt Wasungen verbunden.
Verschiedene geistliche Stiftungen und adlige Herrschaften besaßen in Friedelshausen Güter und Lehen – so zum Beispiel:
Kloster Sinnershausen Stift zu Schmalkalden Kloster Neidhartshausen (1186) die Herren von Lichtenberg (1322) Hans von der Kere (1413) von Spesshardt-Gerthausen von Butler
Das Friedelshäuser Rittergut, ein hennebergisches Lehen, hatten nacheinander inne: die von Teufel, Boineburg, Biedefeld, Fuchs von Lemnitz (1562), Georg Ernst von Butler-Krautheim (1690), L. von Boineburg zu Stadtlengsfeld (1700), G.H. Kretzer tannischer Amtmann (1765), Dr. Beck.
Friedelshausen war 1609–1699 von Hexenverfolgungen betroffen: 13 Personen gerieten in Hexenprozesse, sechs Angeklagte wurden verbrannt, ein Mann mit Landesverweis bestraft, von drei Prozessen ist der Ausgang unbekannt. Erstes namentlich bekanntes Opfer war 1613 Ottilia, Michael Dillers Ehefrau.Kai Lehmann: Unschuldig. Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes. Über 500 recherchierte Fälle aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Wehry-Verlag, Untermaßfeld 2012, ISBN 978-3-9813902-8-5, S. 119; Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“. Bereich Friedelshausen, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum (= Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland. Bd. 2). DOBU-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-934632-03-3, S. 236, 240–244 und 247, (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2000).
Die Gemeinde beging im Jahr 1964 ihr 1100-jähriges Bestehen & im Jahr 2014 ihr 1150-jähriges Bestehen.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (per 30. Juni): 1807: 410 1831: 522 1843: 615 1852: 645 1880: 613 1895: 528 1900: 554 1905: 449 1910: 453 1919: 460 1925: 418 1926: 425 1929: 430 1994: 362 1995: 368 1996: 372 1997: 370 1998: 367 1999: 366 2000: 368 2001: 368 2002: 355 2003: 346 2004: 355 2005: 351 2006: 348 2007: 339 2008: 329 2009: 320 2010: 314 2011: 315 2012: 306 2013: 322 2014: 323 2015: 320 2016: 320 2017: 311 2018: 321 2019: 315 2020: 308 2021: 309 2022: 291 2023: 278 2024: 274 2025: 262 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik Der Gemeinderat aus Friedelshausen setzt sich aus sechs Mitgliedern zusammen, die alle der Wählervereinigung Freie Wähler angehören (Stand: Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019).
Am 26. Juni 2022 wurde der seit 2010 amtierende ehrenamtliche Bürgermeister Michael Kirchner in einer Stichwahl wiedergewählt. 58,6 % der insgesamt 152 Wähler (258 Wahlberechtigte) sprachen sich für ihn aus.
Eine Stichwahl wurde nötig, da Kirchner im ersten Wahldurchgang am 12. Juni 2022 nicht die vollständige Mehrheit der Stimmen erhalten hatte. Der Bürger mit den zweitmeisten Stimmen, Frank Hildebrandt, verzichtete aber schon im Voraus auf die Bürgermeisterwahl und auf einen etwaigen Posten. Wirtschaft und Infrastruktur Wasser und Abwasser Die Wasserver- und Abwasserentsorgung wird durch den Kommunalen Wasser- und Abwasserzweckverband Meininger Umland sichergestellt.
Sehenswürdigkeiten Dorfkirche Friedelshausen Centlinde Friedelshausen Glasberg mit Sängerplatz „Der große Stein“
Persönlichkeiten Ernst Opfermann (* 1842 in Friedelshausen), Lehrer und Schriftsteller Willi Schmidt (* 1907 in Friedelshausen; † 1972 in Freiburg im Breisgau), SA-Führer
Sport Fußballmannschaft „Rote Rübe Friedelshausen“
Einzelnachweise
Weblinks
Friedelshausen bei vg-wasungen.de
Kategorie:Ort im Landkreis Schmalkalden-Meiningen Kategorie:Ersterwähnung 1186 Kategorie:Gemeindegründung 1991