|} mini|Bahnhofsgebäude Strausberg Stadt, 1992
Strausberger Eisenbahn, bis 1920 Strausberger Kleinbahn, ist der Name eines östlich von Berlin gelegenen Straßenbahn-Betriebs in der brandenburgischen Stadt Strausberg im Landkreis Märkisch-Oderland. Gleichzeitig ist dies auch die heutige Bezeichnung des Verkehrsunternehmens, das die Bahn betreibt, der Strausberger Eisenbahn GmbH (STE).
Als Linie 89 verbindet die Straßenbahn das Stadtzentrum mit dem peripher gelegenen Bahnhof Strausberg an der Preußischen Ostbahn. Dort besteht Anschluss an die Linie S 5 der S-Bahn Berlin und an die Regionalbahnlinie RB 26, die gegenwärtig von der Niederbarnimer Eisenbahn betrieben wird.
Seit 2006 findet auf der Strausberger Eisenbahn nur noch Personenverkehr gemäß Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) statt. Bis 1995 hatte es auf ihrer Stammstrecke auch regelmäßigen Güterverkehr gegeben. Ferner unterhält die Strausberger Eisenbahn seit 1951 die elektrische Strausseefähre. Die historischen Bahnhofsanlagen der Strausberger Eisenbahn sind auf der Liste der Baudenkmale in Strausberg verzeichnet.
Geschichte Vorgeschichte und Inbetriebnahme Ursprünglich war geplant, die Trasse der im Herbst 1867 eröffneten Ostbahn näher an die Stadt Strausberg zu legen. Eine Führung über das Wolfstal scheiterte jedoch, da die Stadt wie auch private Grundbesitzer nicht zur Abgabe von erforderlichem Gelände bereit waren. Daher blieb Strausberg nach der Eröffnung der Ostbahn verkehrsmäßig im Abseits. Zwischen der Stadt und dem Bahnhof wurde von privater Seite eine Pferdebuslinie eingerichtet, die aber – besonders an Sonn- und Feiertagen in der Sommersaison – das Verkehrsaufkommen bald nicht mehr bewältigen konnte und „Verstärkungswagen“ in Form von Bauernfuhrwerken notwendig machten.Die Strausberger Eisenbahn in: Der Stadtverkehr, Heft 11–12/1980, S. 506 ff.
Die Zunahme der Kleinindustrie im Zuge der Gründerzeit machte in dem Land- und Ackerbürgerstädtchen eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse wünschenswert. Die Aufnahme des Vorortverkehrs aus Berlin, dessen Züge ab dem 1. Oktober 1891 im Bahnhof Strausberg endeten, führte dennoch nicht zum geplanten Bau einer Pferdebahnstrecke. Das im Sommer 1892 vom Preußischen Landtag verabschiedete Kleinbahngesetz bot schließlich die Basis für eine grundlegende Änderung der misslichen Verkehrslage. Es ermöglichte den Bau einer „Secundär-Bahn“ mit gegenüber dem normalen Bahnbetrieb vereinfachten Betriebs- und Anlagebedingungen bei verhältnismäßig geringem Kapitalaufwand.
Gemäß dem Wunsch, eine bessere Verbindung zum Bahnhof der Ostbahn herzustellen, wurde am 2. Mai 1893 eine Aktiengesellschaft gegründet, an der die Provinz Brandenburg und der Landkreis Oberbarnim beteiligt waren. Im Hinblick auf die zu erwartenden Einnahmen erfolgte das Aufbringen des erforderlichen Kapitals von 330 000 Mark ohne Schwierigkeiten. Die Strausberger Eisenbahn A.-G. konnte daraufhin den Antrag auf Konzessionierung stellen, die in Form einer Dauerkonzession zum Zweck der Personen- und Güterbeförderung erteilt wurde. Die Erteilung der Bauaufträge für eine eingleisige normalspurige Kleinbahn erfolgte unverzüglich, den Bahnbau führte die Berliner Tiefbaufirma Lenz & Co. aus. Dass die Kosten den veranschlagten Betrag um 70.000 Mark überschritten, erwies sich als unproblematisch.
Nach nur viereinhalb Monaten Bauzeit konnte am 17. August 1893 die 6,2 Kilometer lange Stichbahn eröffnet werden zwischen den Bahnhöfen Strausberg Vorstadt und Strausberg Stadt (der letzte ist nicht der heutige S-Bahnhof mit demselben Namen, aber befand sich bei der Walkmühlenstraße). Sie bediente zunächst nur die drei Zwischenstationen Landhaus (heute Landhausstraße), Schlagmühle und Hegermühle. Für den Güterverkehr wurde zur Preußischen Ostbahn eine Gleisverbindung angelegt, die Übergabe von Güterwagen war dadurch ohne Umladung möglich. Die Bahn wurde zunächst mit kleinen zweiachsigen Dampflokomotiven betrieben und entwickelte sich gut. Betriebsmittelpunkt der Strausberger Kleinbahn war der Bahnhof Strausberg Stadt, dort existierten ein Lokschuppen, eine Güterabfertigung und ein Empfangsgebäude.
Im Betriebsjahr 1895/96 beförderte die Bahn 114 332 Fahrgäste und 10 081 Tonnen Güter, 488 403 Reisende und 28 382 Tonnen Güter waren es im Betriebsjahr 1909/1910. Der Pendlern nach Berlin und von dort kommenden Ausflüglern zu verdankende gleichbleibende Anstieg des Verkehrs sicherte den Aktionären gute Dividenden. mini|Wartehalle der Haltestelle Hergermühle Die Haltstellen Landhausstraße, Schlagmühle und Hegermühle erhielten 1913 Wartehallen. Zwischen 1988 und 1994 wurde diese instandgesetzt, ohne sie äußerlich zu verändern. Die ursprünglich im Inneren vorhandenen u-förmigen massiven Holzbänke wurden nach Beschädigung in den 1960er Jahren entfernt.
Elektrifizierung und Erweiterung mini|Rekozug in der Haltestelle Landhausstraße, 1993 mini|Abzweig Bahnhof Hegermühle – hinten links das Straßenbahn-, rechts das Eisenbahngleis, 1992
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurden erste Pläne zur Umstellung der Bahn auf elektrischen Betrieb ausgearbeitet, die infolge der Kriegsereignisse zunächst jedoch nicht weiter verfolgt werden konnten. Nachdem man im Sommer 1920, um den Ausflugsverkehr zu bewältigen, aber Personenwagen von der Staatsbahn anmieten musste, wurde das Vorhaben wieder aktuell. Zudem wurde eine gänzliche Neutrassierung geplant, die Idee einer Führung entlang der heutigen Ernst-Thälmann-Straße aber nicht realisiert.
Um die Bahn – die das bebaute Stadtgebiet Strausbergs östlich umging – näher an die Wohngebiete und die Innenstadt zu bringen, eröffnete die Strausberger Eisenbahn am 16. März 1921 eine mit 750 V Gleichspannung elektrifizierte neue Trasse. Diese zweigt am Bahnhof Hegermühle von der ursprünglichen Strecke Richtung Bahnhof Strausberg Stadt ab und ist ab dort – als Straßenbahn und unter Verwendung von Rillenschienen – weitgehend im Straßenraum trassiert. Die neue Endstation lag damals wie heute beim Lustgarten nahe dem Bahnhof Strausberg Stadt. Ab dem 1. April 1921 wurde auch die restliche Strecke mit elektrischen Zügen befahren. Die Berliner Bergmann-Elektrizitäts-A.G. richtete die Strecken für den elektrischen Betrieb ein, lieferte die erste Lokomotive (Nr. 12) und die elektrische Ausrüstung der ersten Triebwagen. Da neue Haltestellen hinzukamen, verkürzte sich die Fahrzeit nur um eine Minute auf 17 Minuten. Die für den Personenverkehr genutzte Streckenlänge betrug fortan 7,1 Kilometer, die alte Trasse zwischen Hegermühle und Strausberg Stadt blieb für den Güterverkehr erhalten.
Betriebsmittelpunkt der Bahn war weiterhin der Bahnhof Strausberg Stadt, dort wurde auch ein neues dreiständiges Depot für die elektrischen Fahrzeuge errichtet. Dieses Depot wurde mittels einer etwa 100 Meter langen Verbindungskurve an den neuen Streckenendpunkt Lustgarten angeschlossen, so dass der Bahnhof Strausberg Stadt fortan über beide Strecken erreichbar war. 1926 wurde die Innenstadtstrecke zweimal verlängert: zunächst ging am 8. Februar 1926 der 300 m lange Abschnitt Lustgarten–Marktplatz in Betrieb, am 16. April 1926 folgte der 600 Meter lange Abschnitt Marktplatz–Provinzialanstalt (später Landesjugendheim). Eine angedachte Verlängerung bis Strausberg Nord unterblieb jedoch. Für einige Zeit ging die Strausberger Eisenbahn in den Besitz der Stadt über, die sie Anfang der 1930er Jahre aber wieder an eine private Gesellschaft veräußerte.
Ab 1934 begann mit der militärischen Aufrüstung der Ausbau des Strausberger Industrie- und Gewerbegebiets an der Kleinbahnstrecke. Neben der Schuhfabrik Diamant, vormals Tack, siedelten sich dort eine Munitionsfabrik der Fritz Werner AG unter dem Tarnnamen Märkische Walzwerk GmbH sowie das Flugzeugreparaturwerk Alfred Friedrich an. Im südlichen Teil des Geländes lag unmittelbar an der Bahnstrecke ein Lager für Fremd- und Zwangsarbeiter der Rüstungsbetriebe, im Norden der Stadt existierten Kasernen. Auf der Strecke bestand ein reger Güterverkehr, und im Berufsverkehr gab es sogar lokbespannte Personenzüge über die Güterstrecke mit den Elektrolokomotiven Nr. 12 und 15 und zweiachsigen Personen- sowie einem vierachsigen Schnellzugwagen. Trotz der Nähe der Kasernen und der Rüstungswerke blieb Strausberg während des Zweiten Weltkriegs weitgehend von Luftangriffen verschont. Bei den Kämpfen um Berlin wurden die Bahnanlagen, und zum Teil auch die Fahrzeuge, jedoch schwer beschädigt. Im April 1945 wurde der Bahnbetrieb eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterhielten im Industrie- und Gewerbegebiet die sowjetischen Streitkräfte eine Versorgungsbasis.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Triebwagen 05 und Lokomotive 15 am Bahnhof, 1991
Ab dem Spätsommer 1945 gab es wieder stündlichen Verkehr, zunächst zwischen Hegermühle und Lustgarten. Erst 1946 konnte die Gesamtstrecke wieder befahren werden. Als nach Kriegsende 1945 die Verstaatlichung der Gesellschaft drohte, konnte die Stadt Strausberg darauf verweisen, dass sie inzwischen rund 95 Prozent der Aktien besaß – die Strausberger Eisenbahn entging damit der Integration in die Deutsche Reichsbahn. Die Aktiengesellschaft wurde aufgelöst und der Betrieb unter der Bezeichnung „Strausberger Straßenbahn“ von der Stadt übernommen. 1949 wurde er in ein kommunales Wirtschaftsunternehmen (KWU) umgewandelt und unter dem Namen „KWU der Stadt Strausberg, Abt. Bahn“ geführt. 1951 wurde die Bahn in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt und hieß fortan wieder „Strausberger Eisenbahn“. Bis etwa 1948 wurde der Güterverkehr durch die Reichsbahn mit Dampflokomotiven, erst danach wieder mit den betriebseigenen Elektrolokomotiven durchgeführt.
mini|Gleis in Richtung Landesjugendheim in der Großen Straße, 1992 mini|August 2004: Triebwagen 22 der Strausberger Eisenbahn an der Endstation S-Bahnhof, im Hintergrund das Ende 2005 aufgelassene Übergabegleis zur Deutschen Bahn Nach dem Krieg wurde der Personenverkehr zunächst mit 40-Minuten-Zugfolge, dann im 30-Minuten-Takt durchgeführt. Die Ausweitung des Berliner S-Bahn-Verkehrs bis zum Bahnhof Strausberg im Jahr 1948 machte die Anpassung an dessen 20-Minuten-Zugfolge notwendig. Die 1955 eröffnete Neubaustrecke der S-Bahn bis Strausberg Nord erwies sich aufgrund ihrer Lage und Taktfrequenz nicht als bedeutende Konkurrenz.
1969 wurde die Strausberger Eisenbahn dem VEB Kraftverkehr Frankfurt (Oder) zugeordnet und verlor somit ihre betriebliche Selbstständigkeit. Am 1. Oktober 1970 wurde der Abschnitt Lustgarten–Landesjugendheim stillgelegt, die drohende Gesamtstilllegung in den 1980er Jahren unterblieb wegen des Treibstoffmangels in der DDR. Für nennenswerten Güterverkehr auf der Güterstrecke Hegermühle–Strausberg Stadt sorgten bis 1990 der Schrottplatz in der Hegermühlenstraße sowie die Kaserne der Sowjetarmee. Nach dem Anfang der 1990er Jahre erfolgten Abzug der russischen Streitkräfte (die 1991 aus der Sowjetarmee hervorgegangen waren) entfiel der Großteil des Güterverkehrs. Nachdem auch die übrigen Anschlussinhaber kein Interesse am weiteren Bahntransport zeigten, wurde der Güterverkehr nur noch sporadisch durchgeführt und schließlich zum Jahresende 2005 komplett aufgegeben – damals wurde der Gleisanschluss zur DB Netz AG gekündigt. Daraufhin wurde das Anschlussgleis Anfang 2006 abgebaut und die Strausberger Eisenbahn zu einem Inselbetrieb. Die nicht mehr benötigte Güterstrecke vom Bahnhof Hegermühle durch das ehemalige BHG-Areal (heutiges Handelszentrum Strausberg) an der Goethestraße sowie das verlassene Kasernengelände (inzwischen mit Einfamilienhäusern bebaut) zum alten Kleinbahnhof Strausberg Stadt – also die ursprüngliche Kleinbahnstrecke – wurde schließlich im Jahr 2006 zurückgebaut.
Bautätigkeit In den vergangenen Jahren (Stand 2026) wurden verschiedene Bauarbeiten an der Strecke durchgeführt:
2015 (Juli): Sanierung des Bahnüberganges Landhausstraße 2015 (Oktober): Grunderneuerung der Straßenbahngleisanlagen zwischen Garzauer Straße und Ernst-Thälmann-Straße/Berliner Straße