mini|Tontafeln des Festungarchivs im Oriental Institute der University of Chicago mini|Elamische Tontafel, Iranisches Nationalmuseum
Das Festungsarchiv von Persepolis wurde 1933 von einer Forschungsgruppe des Oriental Institute der University of Chicago unter der Leitung von Ernst Herzfeld entdeckt. Es enthält 20.000 bis 30.000 Tontafeln (englisch Fortification Tablets) und Fragmente hauptsächlich in elamischer Sprache.
Bezeichnungen Richard T. Hallock gab dem Festungsarchiv 1969 den Titel Persepolis Fortification Tablets. Er identifizierte jedes Täfelchen mit der Vorsilbe PF, einer Leerstelle und einer fortlaufenden Nummer. Als Abkürzung wird heute sowohl PF als auch PFT für die Gesamtmenge verwendet.Charles E. Jones, Matthew W. Stolper: How many Persepolis Fortification tablets are there? In: L’archive des fortifications de Persépolis – état des questions et perspectives de recherches (= Persika. Band 12) Paris 2009, S. 37–44, hier S. 39 für PF; Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Düsseldorf 2005, S. 29 für PFT.
Im deutschsprachigen Raum hat sich kein einheitlicher Begriff durchgesetzt. Manchmal wird der englische Begriff verwendet. Josef Wiesehöfer verwendet den Begriff WalltäfelchenJosef Wiesehöfer: Das antike Persien. Düsseldorf 2005, S. 29. und verschiedene Universitäten, Gesellschaften und die Sekundärliteratur im deutschsprachigen Raum sprechen vom Festungsarchiv von Persepolis, den Verwaltungstexten aus Persepolis, den Archiven aus der Festungsmauer, dem Tontafelarchiv aus der Festungsmauer oder den Verwaltungstäfelchen.Verschiedene Abrufe auf dem Internet und Bibliotheken im deutschsprachigen Sprachraum, 2021-05-07.
Umfang Das Festungsarchiv kann grob in drei Typen von Tontafeln unterteilt werden. Etwa 70 Prozent (ungefähr 10.000 Tontafeln) enthalten Texte in Keilschrift in elamischer Sprache. Der Anteil der Tontafeln in aramäischer Schrift machen 5 Prozent aus (ungefähr 1000 Tontafeln) und etwa 20 Prozent (ungefähr 5000 Tontafeln) enthalten Abdrücke von Siegeln. Es gibt Befestigungsurkunden in altpersischer Schrift, in griechischer Schrift, im babylonischen Dialekt des Akkadischen und (wahrscheinlich) eine Urkunde in phrygischer Schrift, sowie versiegelte Beutel- oder Kistenverschlüsse aus Ton und Tafeln mit Abdrücken von griechischen und persischen Münzen anstelle von Siegeln. Die meisten dieser Dokumente stammen aus der Mitte der Regierungszeit von Dareios I. Insgesamt wird ein Zeitraum vom 13. bis zum 28. Regierungsjahr (509 bis 493 v. Chr.) abgedeckt. Die chronologische Verteilung des Archivs ist ungleichmäßig mit der größten Konzentration aus den Regierungsjahren 22 und 23 (499/498 v. Chr.). Einige wenige Texte verweisen auf Aufzeichnungen und Aktivitäten aus dem 4. Regierungsjahr (518 v. Chr.) und ein Fragment, das das 35. Regierungsjahr (487 v. Chr.) erwähnt, deutet darauf hin, dass das Archiv im Jahr 487/86 v. Chr. noch konsultiert wurde.
2010 befanden sich am Oriental Institute in Chicago etwa 20.000–25.000 Tafeln und Fragmente, die etwa 15.000–18.000 Originalaufzeichnungen darstellen. Es wird geschätzt, dass die bisher editierten Proben nicht mehr als fünf Prozent des gesamten ursprünglichen achämenidischen Archivs darstellen und dass das ursprüngliche Archiv für denselben Zeitraum bis zu 100.000 elamische Tafeln enthalten hat. Das Archiv für die gesamte Regierungszeit von Dareios I. allein für die Verteilung von Lebensmitteln könnte demnach eine Große von bis zu 200.000 Verwaltungstexten erreicht haben.
Inhalt Die Tontafeln des Festungsarchivs dokumentieren den Umgang mit Naturalien. Die Absicht der Behörde war die Ordnung, der Überblick und die Berechnung der Warenströme. Die wichtigsten Aufgaben waren Empfangsbestätigungen, Lagerungen, die Besteuerung und Transporte. Das Festungsarchiv ist kein königliches, sondern ein regionales Archiv und spiegelt sowohl die Bedürfnisse der persischen Oberschicht als auch des Königstisches. Es listet die Rationen für Arbeiter und Arbeiterinnen, die Opfer für verstorbene Könige, Rationen für Opferfeste, Geschenke und Prämien für ausgezeichnete Leistungen.Wouter F. M. Henkelman: The Other Gods Who Are: Studies in Elamite-Iranian Acculturation based on the Persepolis Fortification Texts (= Achaemenid History. Band 14). Leiden 2008, S. 65–66, 112.
Bei den Gütern handelte es sich um Nahrungsmittel (Getreide, Obst etc.), Nahrungsmittelprodukte (Mehl, Bier, Wein etc.) und Nebenprodukte wie Felle und Vieh. Die Kunden der Verwaltung waren Arbeiter, Handwerker, Verwalter, Reisende, Priester, Höflinge und das Kriegspersonal. Dabei ging es um Rationen für offizielle Reisende, Arbeiter und Beamte, Futter für Tiere und Zuwendungen für Opfer von verschiedenen Gottheiten. Andere Dokumente erfassten Eingänge, Ablagen, Tauschvorgänge und Transfers von Waren.
Es gibt Aktennotizen, die in Bezirkszentren gesammelt, geprüft und danach zur regionalen Verwaltungszentrale nach Persepolis geschickt wurden. In Persepolis wurden sie gesammelt, abgeschrieben und zusammen mit anderen Aufzeichnungen verarbeitet. So existieren Zusammenstellungen und Tabellen, die sich aus vielen verschiedenen, einzelnen Aktionen zusammensetzen und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Einige Texte enthalten Befehle zur Ausführung von außerordentlichen oder außerplanmäßigen Geschäften, die als Briefe von Verwaltern in Persepolis verfasst wurden und andere hatten die Funktion von Etiketten auf Siegeln. Sie wurden an Beuteln, Körben oder Kisten befestigt und weisen oft Spuren von Schnüren auf. Mit den Siegeln und Schnüren wurden Behälter verschlossen und versiegelt.
Die Schreiber Die Herkunft der Schreiber kann aufgrund von namenskundlichen und sprachwissenschaftlichen Untersuchungen folgendermaßen festgelegt werden: Von 52 aufgeführten Schreibern sind 43 iranisch (82,7 %), 4 elamisch (7,7 %), 5 sind unsicher, aber möglicherweise elamisch (9,6 %). Die linguistischen Anzeichen für eine elamische Zugehörigkeit sind die Verwendung von elamischen Monatsnamen, Wörtern und spezifische Konstruktionen. Manche dieser Schreiber können auf die Fahliyan-Region zurückverfolgt werden, die im westlichsten Teil des Verwaltungseinflusses von Persepolis liegt. Es ist wahrscheinlich, dass dort elamisch gesprochen wurde oder mindestens ein elamisches kulturelles Umfeld bestand. Im Archiv werden die Schreiber mit elamischer Herkunft nicht als Elamer bezeichnet. Diese Bezeichnung taucht nirgends im Verwaltungsarchiv auf, im Gegensatz zu den babylonischen Schreibern, die mit „Babylonier, die auf Leder schreiben“ bezeichnet werden.Wouter F. M. Henkelman: Cyrus the Persian and Darius the Elamite: a Case of Mistaken Identity. In: Robert Rollinger, Brigitte Truschnegg, Reinhold Bichler (Hrsg.): Herodot und das Persische Weltreich. Akten des 3. Internationalen Kolloquiums zum Thema „Vorderasien im Spannungsfeld klassischer und altorientalischer Überlieferungen“. Innsbruck 24.–28. November 2008. Wiesbaden 2011, S. 586–587.
Elamische Aufzeichnungen Das gegenwärtige Verständnis des Befestigungsarchivs von Persepolis basiert auf einer Stichprobe der elamischen Aufzeichnungen, die 2120 veröffentlichte Texte von Richard Hallock (2087 Tafeln im Jahr 1969 und 33 Tafeln im Jahr 1978) umfasst, sowie auf der Analyse von 1148 Siegeln, die die veröffentlichten elamischen Aufzeichnungen begleiteten.
Die Mehrzahl der elamischen Aufzeichnungen sind Memoranden von einzelnen Transaktionen. Der früheste bekannte datierte elamische Text wurde im 1. Monat des 13. Regierungsjahres von Dareios I. (April, 509 v. Chr.) und der späteste im 12. Monat seines 28. Regierungsjahres (März/April 493 v. Chr.) geschrieben.
Im Folgenden ist die elamische Tontafel PF 1272 mit der Transliteration und Übersetzung von Richard Hallock dargestellt.Richard Hallock: Persepolis Fortification Tablets (= Oriental Institute Publications. Band 92). Chicago 1969, S. 362. 2 mar-ri-iš KAŠ.「lg」 m.Ba-ka-ba-「ud」-da hi-še 「da」-ud-da-bar-ra. m.Par-na-ka-「na」 du-iš-da hal-mi.lg m(!).Par-na-ka-na kuiz gal-li 20 na-「an」-na be-ul 23-「um-me」-na d.「ITU.lg」 d.Ši-ba-r[i-]na
2 marriš (of) beer Bakabada a law officer of Parnaka received. He carried a sealed document of Parnaka. (It was) rations for 20 days. 23rd year, ninth (Elamite) month.
Tablet form Cc (4.4 x 3.5 x 1.8). Seal 40 left edge, another seal rev. Die Transliteration enthält in kodierter Form viele zusätzliche Informationen über die Tontafel. Jedes vorgefundene Zeichen wird mit einem Bindestrich abgetrennt. Die verwendete Klammer zeigt an, dass der Text an dieser Stelle beschädigt ist. Richard Hallock verwendet zusätzlich noch drei andere Arten von eckigen Klammern, die bei dieser Tontafel nicht zur Anwendung kommen. Sie können eine komplette Zerstörung des geklammerten Textes, die Zerstörung des geklammerten Textes außer dem letzten Zeichen oder dem ersten Zeichen anzeigen.Richard Hallock: Persepolis Fortification Tablets (= Oriental Institute Publications. Band 92). Chicago 1969, S. x. Die mit einem Punkt vom eigentlichen Text getrennten Zeichen dienen zur eindeutigen Identifizierung eines bestimmten Zeichens, abgesehen von eventuellen Werten, die das Zeichen sonst noch hat. Die Zeichen m, d und lg sind drei von sechs Determinanten: m bezeichnet das abhängige Substantiv als männlich, d als göttlich, und lg als einzige Determinante, die nach dem Substantiv gesetzt ist, ein Logogramm.Richard Hallock: Persepolis Fortification Tablets (= Oriental Institute Publications. Band 92). Chicago 1969, S. 82–83.
Die Formen der Tontafeln lassen sich kategorisieren und hängen von der Funktionalität und dem Inhalt ab.Charles Jones, Matthew W. Stolper: How Many Persepolis Fortification Tablets Are There? In: L’archive des fortifications de Persépolis – état des questions et perspectives de recherches (= Persika. Band 12) Paris 2009, S. 39. Online Im inhaltlichen Kategoriensystem von Richard Hallock gehört PF 1272 zur Kategorie „Tägliche Rationen“. Von der Form her ist sie in Cc angesiedelt. Im Kategoriensystem A–F bedeutet C, dass sich die Proportionalität von Breite und Höhe im mittleren Bereich befindet, wobei bei der Kategorie A das Verhältnis gleich ist und in der Kategorie F die Höhe 50 Prozent mehr beträgt als die Breite. Das kleine c zeigt das Verhältnis zwischen Höhe und Dicke der Tontafel und bezeichnet ebenfalls einen mittleren Wert.Richard Hallock: Persepolis Fortification Tablets (= Oriental Institute Publications. Band 92). Chicago 1969, S. 77.
Dem Siegel auf der Tontafel ist eine Zahl zugeordnet, in diesem Fall 40. Die Zahlen sind ein Hinweis auf die Häufigkeit der gefundenen Siegel im Festungsarchiv, wobei die tiefsten Zahlen die häufigsten Siegel anzeigen. Die Tontafel PF 1272 trägt ein Siegel, das 10 bis 14 Mal gefunden wurde.Richard Hallock: Persepolis Fortification Tablets (= Oriental Institute Publications. Band 92). Chicago 1969, S. 78.
Die deutsche Übersetzung lautet: „Bakabada, ein Gesetzeshüter von Parnaka, erhielt 20 Quarten Bier. Er trug ein gesiegeltes Dokument von Parnaka mit sich. Das war die Ration für 20 Tage. Im 9. (elamischen) Monat des 23. Regierungsjahres.“Eigene Übersetzung. Die Umrechnung des Maßeinheit in: Wouter F. M. Henkelman: The Other Gods Who Are: Studies in Elamite-Iranian Acculturation based on the Persepolis Fortification Texts (= Achaemenid History. Band 14). Leiden 2008, S. xx.
Die Transliteration der Tontafel PF 1272 auf der aktuellen Datenbank von OCHRE als Ergänzung mit leicht geänderter Notation … (01) 2 mar-ri-iš KAŠ⸢MEŠ⸣ (02) HALba-ka₄-ba-⸢ud⸣-da (03) hi-še ⸢da⸣-ud-da- (04) bar-ra HALpár-na-ka₄-⸢na⸣ (05) du-iš-da hal-miMEŠ (06) HAL!pár-na-ka₄-na ku-iz (07) gal-li 20 na-⸢an⸣-na (08) be-ul 20+3-⸢um⸣- (09) ⸢me⸣-na AN⸢ITIMEŠ⸣ Lower Edge (10) ANši-ba-⸢ri⸣-na … und zusammengesetzt (Discourse view). 2 marriš KAŠ Bakabada hiš-e daddabara Parnaka-na du-š-t-a halmi Parnaka-na kuti-š galli 20 nan bel 23-ummena ITI Šibari-na