Die Joh. A. Benckiser GmbH war ein im Jahre 1823 von Johann Adam Benckiser gegründetes Chemieunternehmen mit Sitz in Pforzheim, Ludwigshafen am Rhein und Ladenburg, dessen Reinigungsmittelsparte Benckiser N.V. mit Sitz in den Niederlanden 1999 mit der britischen Reckitt & Coleman zu Reckitt Benckiser (seit 2021 Reckitt) fusionierte. Aus dem Unternehmen geht die Dachgesellschaft JAB Holding mit Sitz in Luxemburg hervor, die in verschiedene Genussmittelaktivitäten investiert.

Geschichte bis 2012 Anfänge von Benckiser mini|Der Firmengründer Johann Adam Benckiser (um 1850)

Johann Adam Benckiser übernahm 1823 eine sich in finanziellen Schwierigkeiten befindende und seit 1804 bestehende Salmiakhütte in der Bleichstraße in Pforzheim von ihren Inhabern Vulpius & Becht, in der aus Ammoniak und Salzsäure Salmiak hergestellt wurde.Klaus Sippel, Ulrich Stiehl: . In: Landesbetrieb Hessen-Forst. Kassel, 2005 (PDF; 4,7 MB), S. 38. In den darauf folgenden Jahren erwarb Benckiser eine Goldwarenfabrik in Pforzheim und gründete eine Fayencen-Fabrik in Durlach.Firmengeschichte: In: Reckitt Benckiser. 2007. Später lernte er den Chemiker Karl Ludwig Reimann kennen, stellte ihn um 1829 ein und ernannte ihn 1833 zum Teilhaber. Mit ihm zusammen gründete er im Jahre 1851 eine Chemiefabrik, die später Weinsäure, Zitronensäure und Frucht- und Genusssäuren für die Pharmazie und Textilindustrie herstellte.Boris Sosnizkij: Reiniger und Duftmittel: Familie Reimann. In: brainstorms42.de, Serie: Der Milliardärsclub, 29. März 2003. In seinem Testament verfügte Benckiser 1844 seinen Sohn Alfons (1820–1906) sowie seinen Schwiegersohn Karl Ludwig Reimann zu seinen Nachfolgern. 1855 kauften beide für 5000 Gulden auf der Gräfenauer Dorfflur in der früheren Friesenheimer Gemarkung neben dem Ganderhof (Frankenthaler Straße 18–32) in Ludwigshafen am Rhein von dem Konkurrenten Jakob Levino eine unrentable Chemiewerkstätte auf und gründeten 1858 eine zweite Fabrik, wo sie ein Verfahren zur industriellen Herstellung von Weinsäure entwickelten.

Erste Expansion mini|Bereits 1833 Teilhaber: Karl Ludwig Reimann (um 1860)

Kurz vor Reimanns Tod wurden nach und nach eine Reihe von Grundstücken rund um den Ludwigshafener Betrieb hinzugekauft. Nach Reimanns Tod übernahm bis 1876 sein drittgeborener Sohn Arthur (1841–1929) die Leitung der Ludwigshafener Firma, ehe Reimanns zweitältester Sohn Emil Reimann – ein Kaufmann – die Firma leitete. Um Mineralstoffe und Sulfate selbst herstellen zu können, wurde auf dem benachbarten Dörrhorst (Jägerstraße 30; heute Benckiserplatz 1) ein weiteres Werk errichtet. Mit Aufgabe der Produktion 1888/89 in Pforzheim wurde die Herstellung von Schwefel-, Salpeter- und Salzsäure gänzlich nach Ludwigshafen verlegt. 1889 trat Alfons Benckiser einziger Sohn, der promovierte Chemiker Theodor Benckiser in die Firma als Teilhaber ein, hielt sich aber wie sein Vater im Hintergrund, ehe 1896 Albert Reimann senior – ebenfalls promovierter Chemiker – Nachfolger seines Vaters im Ludwigshafener Werk der Joh. A. Benckiser GmbH wurde. Die technische Verfahrensweise, die innere Organisation und die Zielsetzung der Firma waren in die Jahre gekommen und überholt, weswegen Reimann die nötigen Umstellungen im Betrieb vornahm, neue Verfahrensideen entwickelte, auf Monoproduktion setzte und die für die damalige Zeit riesig erscheinenden großzügigen Fabrikationsgebäude errichten ließ. Die unrentabel gewordene Produktion von Schwefelsäure und Pottasche wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg aufgegeben. Bereits 1854 wurden erste Geschäftsbeziehungen zu Jeremiah Colman aus dem britischen Norwich geknüpft, der mit Reckitt & Sons Wäschestärke nach Ludwigshafen verkauft – der Einstieg in die Produktion von Phosphatsalzen fand im Jahr 1916 statt. Für eines von ihnen, dem sauren Natriumpyrophosphat, entwickelte sich später ein neuer Markt in der Herstellung neuartigen Backpulvers. Im Jahr 1927 wurde in einem Geheimabkommen mit der Berliner Spekulanten- und Investmentfirma des jüdischstämmigen Jakob Michael die konkurrierende und liquidierte chemischen Werke Goldenberg übernommen, vorbei am anderen Konkurrenten im Weinsäure-Kartell, der Firma Boehringer Ingelheim mit seinem Chef Albert Boehringer.

Übergang zur hochindustriellen Produktion mini|Villa Benckiser in der Ludwig-Bertram-Str. 8 (früher: Frankenthaler Str. 5). Ehemaliges Wohnhaus der Geschäftsführer Benckiser und Reimann. Seit 2016 durch Schenkung im Besitz der Stadt Ludwigshafen am Rhein.

In der Spanne zwischen den beiden Weltkriegen stand die Firma im Stadium des Übergangs vom reinen Handwerksbetrieb zur hochindustriellen Produktion und Albert Reimann junior – die fünfte Generation – trat 1929 in die Firma ein und die GmbH wurde gegründet. An dieser hielten Theodor Benckiser 1/6, Reimann junior 2/5 und Reimann senior 13/30 der Anteile. Fast 90 Prozent des Gesamtumsatzes machte im Rekordjahr 1929 das Weinsäure-Geschäft aus. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens war jedoch mit circa 10 Prozent sehr gering, so dass es immer wieder Probleme mit Bankkrediten gab. Bereits 1929 werden erste Schmelzsalze mit dem Handelsnamen JOHA in den Handel gebracht, die zur Schmelzkäseherstellung dienen. Noch im Zeichen der Weltwirtschaftskrise – das Unternehmen mit seinen 16 Angestellten und 130 Arbeitern musste notgedrungen Kurzarbeit einführen – begann man 1932 mit der Erzeugung von Zitronensäure, da der Anteil des Weinsäuregeschäfts am Gesamtumsatz auf 60 Prozent abgesunken war. Mit Wirkung vom 27. Mai 1932 war der Firma das Patent zur Herstellung von gewerblichen und Haushaltsreinigungsmitteln auf Basis von Alkalimetaphosphat erteilt worden. Zur gleichen Zeit patentierte in den USA Hagan Corporation ein ähnliches Produkt mit dem Namen Calgon (calium gone). Ein Lizenzvertrag wurde erst 1935 geschlossen und nach einer Reihe von Einsprüchen das Patent 575 060 über Hexametaphosphat zum Weichmachen von Wasser für beliebige Zwecke (CALGON) erst im Jahr 1939 erteilt. Zwischenzeitlich entwickelte sich Calgon, dank auch einer für Benckiser bisher unüblichen Werbekampagne, allmählich zum Verkaufsschlager. 1936 wurde das Unternehmen auf der Londoner Weltausstellung gar als chemical of the year ausgezeichnet. 1935 wurde das Säuglingsernährungsmittel Citretten in den Verkehr gebracht, das auch noch in den 1950er Jahren „zur Herstellung von citronensaurer Milch für die Säuglingsernährung und die Milchdiät Erwachsener“Bewährte Benckiser-Präparate. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. XVII. angeboten wurde. Zum 31. Dezember 1936 zog sich Theodor Benckiser gänzlich aus der offenen Handelsgesellschaft Joh. A. Benckiser (aufgelöst im Jahr 1938) und aus der Chemischen Fabrik Joh. A. Benckiser GmbH zurück und trat seine Geschäftsanteile an Albert Reimann senior ab, womit nach 113 Jahren die Ära der „Chemie-Benckiser“ in Pforzheim und Ludwigshafen endete. 1937 erwarb man von dem in Mannheim wohnenden Erfinder Fritz Lux das Patent für das Kutterhilfsmittel Fibrisol, ein Gemisch aus Natriumcitricium und Kochsalz zur Schlachtblutbehandlung und Blutplasmagewinnung, und man erschloss sich den Absatzmarkt der Fleisch- und Wurstfabriken. 1938 erfolgte mit Dulgon, einem aus einer Kombination polymerer Natriumphosphate in drei verschiedenen pH-EinstellungenBewährte Benckiser-Präparate. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. XVII. bestehenden Mittel gegen Hautreizungen, und Pinguin der Einstieg in den Pharmabereich. Ab 1940 kam es wegen der mangelnden Kriegswichtigkeit der Benckiser Produkte und Einziehung von Beschäftigten zur Wehrmacht zu massiven Produktionseinschränkungen. Nach der Machtergreifung begannen die planenden Behörden in Ludwigshafen wegen der vorgesehenen Bahnhofsverlegung frühe Siedler aus dem Bannkreis der wachsenden Stadt zu verdrängen, weswegen sich die Firma im Gau Baden in Ladenburg unmittelbar am Neckarkanal – nur 18 km vom Stammwerk in Ludwigshafen entfernt – neu zu etablieren versuchte und 1940 circa 300.000 Quadratmeter Grund erwarb. Infolge zahlreicher Einsprüche begannen aber erst ab dem Spätsommer 1941 die Bauarbeiten für ein weiteres Werk, errichtet „auf der grünen Wiese“. Benckiser schaffte eine erfolgreiche Eingliederung in die Kriegswirtschaft und erzielte 1942 seinen bis dato höchsten Umsatz in der Unternehmensgeschichte. Im November 1943 trat Reimann senior vom Amt als Betriebsführer zurück und ernannte seinen Sohn zum neuen Betriebsführer. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs beschädigten viele Luftangriffe auf Mannheim und Ludwigshafen Produktionshallen der Firma bis zum Totalschaden. Durch das Vorrücken der Alliierten im Westen kamen im Sommer 1944 die Rohstofflieferungen nahezu zum Erliegen. Die Produktion wurde vereinzelt auf umliegenden Orte, wie zum Beispiel Deidesheim, verlagert.

Zeit des Nationalsozialismus